Workshop: Historische Frauen- und Geschlechterforschung, 25.-26.06.2026, Magdeburg – und virtueller Raum

Arbeitskreis Historische Frauen- und Geschlechterforschung (AKHFG): Regionalgruppen Ost und Berlin und Sektion der Studierenden und Promovierenden; Bereich Geschichte, Otto-von-Guericke-Univ. Magdeburg (OvGU); Bereich Geschichtsdidaktik, FU Berlin (Web)

Zeit: 25.-26.06.2026
Ort: OvGU Magdeburg, Keynote: virtueller Raum
Anmeldung: bis 21.06.2026, Registrierung für die Online-Keynote (Web)

Der Workshop findet vor dem Hintergrund politischer Angriffe auf die Geschlechterforschung und Wissenschaftsfreiheit, aber auch des historisch interessanten und lebendigen Magdeburg statt. Die Panelbeiträge erstrecken sich vom Mittelalter bis in die 1990er Jahre und verbinden verschiedene Zugänge, unter anderem der Postcolonial und Disability Studies sowie der Global- und Wissensgeschichte, mit der Analysekategorie Geschlecht. Sie alle vereint das Bekenntnis zum kritischen Potential und zur multirelationalen Perspektivierung der (historischen) Frauen- und Geschlechterforschung. Im Anschluss an die Vorträge wollen wir im Rahmen von Werkstattgesprächen gemeinsam die jeweiligen Forschungsansätze reflektieren. Die Keynote von Johanna Wetzel (Bremen) wird online übertragen.
Organisationsteam: Vivien Baumert, Laura Choufan, Sonja Dolinsek, Stephan Freund, Lelia Geiger, Otto Hannover, Martin Lücke und Andrea Rottmann.

Programm (PDF)

Do., 25.06.2026

11:00 Uhr: Begrüßung: Sonja Dolinsek, Lelia Geiger und Andrea Rottmann

11:15 Uhr: Handlungsräume geistlicher Frauen im Mittelalter | Moderation: Vivien Baumert (Berlin)

  • Sandra Groß und Katrin Rösler (Dresden): St. Marien zu Helfta. Ein Kloster in den Netzwerken seiner Zeit (13.-16. Jhd.)
  • Birgit Galda (Wuppertal): Äbtissin Mathilde von Essen (ca. 949-1011). Weibliche Handlungsspielräume in der ottonischen Herrschaftsordnung

13:30 Uhr: (Un)Gendering Wissens- und Sammlungspraktiken | Moderation: Otto Hannover (Jena)

  • Milo Strich (Berlin): Die Naturalisierung der Zweigeschlechtlichkeit als Modell gesellschaftlicher Stabilisierung in Justus Menius’ „Erynnerung waß denen/ so sich ynn Ehestand begeben/ zu bedencken sey“ (1528)
  • Caren Reimann (Wolfenbüttel): Fürstinnenbibliotheken und Wissenspraktiken im deutschsprachigen Raum des 18. Jhds. Rekonstruktion, Funktion und Bedeutung
  • Julia Steinmetz (Berlin/München): Frauen in Handschriftensammlungen. Materialität, Medialität und die Politik kleiner Formen

16:00 Uhr: Entwicklung und Argumente von Frauenvereinen | Moderation: Laura Choufan (Berlin)

  • Lena Husmann (Halle a.d. Saale): Körper ohne Korsett. Der ungeschnürte weibliche Körper als nationale Darstellungsressource
  • Verena Kaiser (Innsbruck): „[…] die Frauen beginnen, die Vortheile eines gemeinsamen Vorgehens zu erkennen.“ Frauenvereine in Innsbruck von 1830 bis 1938

18:00: Keynote: Johanna Wetzel (Bremen): Liebe in Zeiten von Vertragsarbeit. Race, Gender und Anti-Imperialismus in inter-nationalen Beziehungen zwischen Mosambikaner:innen und DDR-Bürger:innen

Fr., 26.06.2026

10:00 Uhr: Postkoloniale und transnationale Perspektiven auf Frauengeschichte(n) um die Jahrhundertwende | Moderation: Sonja Dolinsek (Magdeburg)

  • Ümmü Zor (Bonn): Die Unterdrückung der algerischen Frau als politisches Argument? Hubertine Auclerts Engagement zwischen sororité und Strategie
  • Louisa Niesen (Florenz): Beyond the Grand Hotel. Central European Women Tourists and Alternative Accommodation Infrastructures, 1880-1914

11:30: Geschlechterordnungen in rechtsradikalen Kontexten | Moderation: Lelia Geiger (Tübingen)

  • Viviane Tecklenburg (Berlin): Schattenräume einer Diktatur. Sexarbeit im Spanien Primo de Riveras (1923-1930)
  • Frida Neander Rømø (Oslo): Regulierte Sexualität. Besatzung, Geschlecht und Gesundheit in Norwegen (1940-1950)
  • Lea Tewes (Berlin/Potsdam): Mord als Männlichkeitsbeweis. Geschlechteraspekte und symbolische Bedeutung eines schwulenfeindlichen Fememordes

14:30: Gender und Disability History der DDR | Moderation: Andrea Rottmann (Berlin)

  • Alina Sonnefeld (Jena): Narrative des nonkonformen Körpers. Matthias Vernaldis „Dezemberfahrt“ als Selbstzeugnis eines Lebens mit Behinderungen in der DDR
  • Paula Mund (Erfurt): Zwischen Sprache, Defizit und Gewalt. Gehörlosenschulen der DDR aus intersektionaler Perspektive
  • Kommentar von Pia Marzell (Jena)

16:30 Uhr: Abschlussdiskussion

Johanna Wetzel schloss 2025 ihre Dissertation mit dem Titel „Revolutionary Youth in Mozambique: Socialist Discourses, Organizations, and Experiences among the Independence Generation (1964-1985)“ ab. Aktuell forscht sie an der Universität Bremen insbesondere zur FDJ und ihren Beziehungen in Länder in Lateinamerika, Afrika und Asien. In Johanna Wetzels Vortrag am Ende des ersten Workshoptags verdichtet sich das Erkenntnispotential von Untersuchungen zur Intersektion von Gender und Race in der DDR. Johanna Wetzel widmet sich in der Keynote den Herausforderungen der Überlieferung historischer Erfahrungen an dieser Schnittstelle anhand ihrer Arbeit zu Beziehungen zwischen mosambikanischen Vertragsarbeiter:innen und DDR-Bürger:innen.

Eine Teilnahme in Magdeburg ist nach Anmeldung per E-Mail bis zum 21. Juni 2026 über ost@akhfg.de möglich. Fragen können ebenfalls gerne an diese Adresse gerichtet werden.

Kontakt: ost@akhfg.de

Quelle: HSozKult (Web)