Archiv der deutschen Frauenbewegung, Kassel (AddF) (Web) in Koop. mit der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien
Zeit: 15.-16.10.2026
Ort: Kassel
Anmeldung bis: 16.09.2026
Demokratiegeschichte ist en vogue! So wurde beispielsweise dieses Jahr am 18. März zum ersten Mal der Tag der Demokratiegeschichte begangen. Dieser Tag stand unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten, der sich seit ein paar Jahren für diesen Zugang stark macht. Vor allem die Paulskirche und die Revolution von 1848 werden immer wieder von verschiedenen Akteur:innen als Beginn der Demokratie genannt und damit der Demokratiegeschichte ein scheinbar unumstrittener Startpunkt gegeben. Bei diesen Erzählungen geraten aber leider wichtige Fragen immer wieder aus dem Blick. Was ist Demokratiegeschichte überhaupt? Ist sie eine erweiterte Politikgeschichte? Was steht im Zentrum und was soll eigentlich untersucht werden? Und – und dies ist zentral – hat die Demokratiegeschichte auch eine Schnittstelle zur Frauen- und Geschlechtergeschichte?
Dieser letzten Frage werden sowohl die Jahrestagung des AddF 2026, als auch das 83. Heft der Zeitschrift Ariadne (Web) auf den Grund gehen. Denn viel zu wenig wird bisher diskutiert, dass beim Aufstieg der Demokratie in Deutschland die Frauen zunächst systematisch von gesellschaftlicher und vor allem politischer Teilhabe ausgeschlossen worden waren. In der vielgerühmten Paulskirche saßen lediglich Männer, die wiederum nur von Männern gewählt worden waren – die Frauen saßen auf der Damengalerie. Louise Otto und Malwida von Meysenbug sahen darin ein großes Versäumnis und wiesen darauf hin, dass hier ein Geburtsfehler der Revolution vorläge. Der Ausschluss von Frauen wurde auch nach der Revolution weiter vorangetrieben, z. B. in politischen Versammlungen und Parteien. Dies fand einen Höhepunkt in der Idee, der Staat sei ein männliches Wesen.
Auf der diesjährigen Jahrestagung des AddF werden Beiträge präsentiert, die Demokratiegeschichte sowohl als Frauen- als auch als Geschlechtergeschichte untersuchen.
Programm
15.10.2026
- 13:45 Uhr: Ankunft
- 14:00 Uhr: Willkommen durch Kerstin Wolff, Nana Citron (AddF) und Barbara von Hindenburg (KGParl)
14:10 Uhr: Panel 1: Rechtliche Ordnung
- Christopher Banditt: Frauenrechte in der deutsch-deutschen Verfassungsdiskussion
- Lucie Kahlert: Kämpfe vor Gericht: „Nürnberg“ als Schauplatz geschlechtlicher Ordnungsbildung
16:00 Uhr: Panel 2: Akteur:innen
- Gudrun Kruip: Verkannte Demokratisierung. Bildung, Soziale Arbeit und Elly Heuss-Knapps Weg in die Politik
- Laura Baumgarten: Geschlecht und Parlament: Zur Praxis politischer Arbeit im Reichstag der Weimarer Republik
- Marion Röwekamp (Online): Die unsichtbare Sprache der Demokratie. Der Flaggenstreit von Paris 1926 zwischen nationalem Konflikt und transnationaler Verständigung
- Philip Wetzler: Der singende deutsche Staat? Vom Männerchor zum politischen Subjekt
19:30 Uhr Gemeinsames Abendessen
16.10.2026
- 9:30 Uhr: Kaffee / Begrüßung
10:00 Uhr: Panel 3: Überlieferung / Vermittlung
- Philipp Kufferath und Kim Knott: Demokratiegeschichtliche Erinnerung und archivische Überlieferung
- Karoline Schmidt: Akteur*innen in Ausstellungen: Stichprobe „Deutschlandmuseum“
- Katrin Minner: JournalistInnen als Wegbegleiter zu Demokratie und „geistiger Freiheit“
12:20 Uhr: Zusammenfassung / Abschlussdiskussion
Ab 13:00 Uhr: Ausklang / Gemeinsames Mittagessen in der Universität Kassel
Bitte melden Sie sich bei Interesse bis zum 16.09.2026 per E-Mail unter citron@addf-kassel.de.
Quelle: HSozKult (Web)
