{"id":1051,"date":"2008-06-03T11:52:58","date_gmt":"2008-06-03T09:52:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=1051"},"modified":"2022-05-19T16:21:26","modified_gmt":"2022-05-19T16:21:26","slug":"1051","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=1051","title":{"rendered":"Bericht: Symposion: Ein weiblicher \u201ePrager Kreis\u201c? (Symposion 24.-25.04.2008, Wien)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bericht f\u00fcr Salon 21 von Vera Schneider<\/strong><\/p>\n<p><span lang=\"DE\">Am 24. und 25.04.2008 w\u00fcrdigte ein Symposion des Wiener Instituts f\u00fcr Wissenschaft und Kunst gesellschaftlich und literarisch engagierte j\u00fcdische Frauen in Prag zu Beginn des 20. Jahrhunderts.\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\">\u201eEinen weiblichen Prager Kreis hat es nie gegeben.\u201c Diese provokative These von Wilma A. Iggers stand am Beginn eines Symposions des Instituts f\u00fcr Wissenschaft und Kunst in Wien. Sie versuchte damit eine erste Antwort auf die Frage, die der Veranstaltung ihren Titel gab. Kooperationspartner und Gastgeber war das Tschechische Zentrum in der Wiener Herrengasse 17, das am 24. und 25.04.2008 rund 70 G\u00e4ste begr\u00fc\u00dfen durfte, die meisten von ihnen aus \u00d6sterreich, Deutschland und Tschechien. Eingebunden war das von Susanne Blumesberger und Rahel Rosa Neubauer initiierte und organisierte Symposion in die Projektinitiative biografiA, die sich seit zehn Jahren <!--more-->um die umfassende historisch-biografische Aufarbeitung \u00f6sterreichischer Frauenpers\u00f6nlichkeiten bem\u00fcht.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\"><strong>Wilma A. Iggers<\/strong>, die 1921 in Westb\u00f6hmen geborene Grande Dame der Prag- und B\u00f6hmenforschung, bezog sich in ihrem Er\u00f6ffnungsreferat auf den von Max Brod gepr\u00e4gten Begriff des \u201ePrager Kreises\u201c; er umfasste eine fest umrissene Gruppe von Autoren. Brod unterschied einen engeren Prager Kreis, dem au\u00dfer seiner Person noch Franz Kafka, Ludwig Winder, Felix Weltsch und Oskar Baum angeh\u00f6rten, und einen weiteren Prager Kreis, der jene Gruppen und Personen einschloss, mit denen der engere Kreis in Beziehung stand (wie Werfel, Meyrink, Rilke oder der zionistische Zirkel um Hugo Bergmann). In diesen weiten oder engen Kreisen spielten Frauen zwar eine Rolle als Quelle der Inspiration, als Objekt der Sehnsucht, auch als Ehefrauen, Geliebte oder Schwestern. Als Autorinnen mit eigenem k\u00fcnstlerischem Profil traten sie jedoch nicht hervor. Iggers sah eine Ursache in der Rolle, die das konservative Prager deutsche Milieu den Frauen aufzwang und sie darauf festlegte, Franz\u00f6sisch, Handarbeiten und Kochen zu lernen und mit Zwanzig zu heiraten. Intellektuelle Frauen fanden sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Iggers\u2019 Beobachtung eher im tschechischsprachigen Prag, etwa die couragierte Journalistin Milena Jesensk\u00e1, die heute vielen nur noch als Freundin Franz Kafkas bekannt ist. So kam es auch, dass Prager deutsche Frauen mit k\u00fcnstlerischen oder intellektuellen Ambitionen, wie Auguste Hauschner oder Grete Fischer, oft schon sehr jung nach Berlin auswanderten. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\">Der Prager Kreis war nicht weiblich, konstatierte auch Rahel Rosa Neubauer in ihrer Begr\u00fc\u00dfungsrede. Dass man auch \u00fcber die Abwesenheit eines Ph\u00e4nomens eine kontroverse und erhellende Diskussion f\u00fchren kann, zeigte sich im Verlauf des Symposions. Vorausgesetzt nat\u00fcrlich, man hinterfragt die Methoden und Definitionen, die unsere landl\u00e4ufigen literaturhistorischen Kategorien pr\u00e4gen. Das Symposion verfolgte hier drei Strategien. Zun\u00e4chst suchte es den Kultur- und Literaturbegriff zu erweitern, indem es den Fokus weg von der reinen schriftstellerischen Produktion und hin zur Schaffung und Pflege kultureller Netzwerke lenkte. In diesem Sinne n\u00e4mlich war eine Vielzahl deutschsprachiger j\u00fcdischer Frauen in Prag gesellschaftlich aktiv; am bekanntesten geworden ist wohl der Salon der Berta Fanta (1865\u20131918), in dem unter anderem Franz Kafka und Albert Einstein verkehrten. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\">Als Auftakt der ersten Sektion zeichnete <strong>Hartmut Binder <\/strong>(Ditzingen bei Stuttgart) die Geschichte des 1906 gegr\u00fcndeten Vereins<em> \u201eKlub deutscher K\u00fcnstlerinnen\u201c <\/em>in Prag nach. Von der ersten Idee \u2013 einen gesch\u00fctzten Raum zu schaffen, in dem Frauen unbehelligt rauchen, Kaffee trinken und Billard spielen konnten \u2013 f\u00fchrte die Entwicklung hin zu einem \u201eZentrum der F\u00f6rderung und Anregung f\u00fcr K\u00fcnstlerinnen\u201c, das neben der Geselligkeit auch der Fortbildung und der Kunstverwertung diente. F\u00fcr gediegene Inhalte sorgten Frauen wie die erste Pr\u00e4sidentin Hedda Sauer, die nicht nur Gattin des bekannten Prager Germanistikprofessors war, sondern auch selbst als Lyrikerin und Erz\u00e4hlerin hervortrat. Die materielle Basis sicherten potente Sponsoren wie die B\u00f6hmische Sparkasse oder das Prager Deutsche Theater. Einen Kontakt zu gleichartigen tschechischen Vereinen gab es nicht, vielmehr sollte eine Kunstaus\u00fcbung ohne die St\u00f6rung des \u201enationalen Gegners\u201c garantiert werden. Eine weitergehende politische Positionierung wurde strikt vermieden.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\">Im seinem Referat <em>Vertuschte Trib\u00fcnen: Veranstaltungen von \u201eFrauenfortschritt\u201c und \u201eK\u00fcnstlerinnenklub\u201c als Plattformen von Frauen in der Prager Zwischenkriegszeit<\/em> fragte <strong>Stefan Benedik Karner<\/strong> (Graz) nach den Ursachen f\u00fcr die beharrliche Nichtwahrnehmung weiblicher Aktivit\u00e4ten durch die Geschichtsschreibung. Er unternahm daf\u00fcr einen methodologischen Exkurs zu den Narrativen der Literaturhistorie, die Frauengeschichte stets \u00fcber den Umweg der M\u00e4nnergeschichte erz\u00e4hlt, also Frauen \u00fcber ihre M\u00e4nner, V\u00e4ter oder Br\u00fcder definiert oder sich \u2013 etwa wenn es um die Shoa geht \u2013 auf weiblich-j\u00fcdische Opferstereotype beschr\u00e4nkt. Schon ein Blick in die Veranstaltungsprotokolle der beiden Prager Frauenvereine w\u00fcrde die Forschung eines Besseren belehren, gab Karner zu bedenken; so habe etwa der Auftritt der Kernphysikerin Lise Meitner alle m\u00e4nnlichen Referenten den Schatten gestellt. Dabei sahen sich die Vereinsaktivistinnen nicht in erster Linie als Frauenrechtlerinnen, sondern als Tr\u00e4gerinnen einer deutschen Nationalkultur. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\">Der Prager <em>\u201eKlub j\u00fcdischer Frauen und M\u00e4dchen\u201c<\/em>, den <strong>Rahel Rosa Neubauer<\/strong> (Wien) in ihrem Referat vorstellte, hatte sich andere Ziele gesetzt, organisierten sich hier doch die T\u00f6chter der ersten Prager Zionist\/innen. Wandten sich \u201eFrauenfortschritt\u201c und \u201eK\u00fcnstlerinnenklub\u201c an Frauen der deutschsprachigen Ober- und Mittelschicht \u2013 unabh\u00e4ngig von ihrer Konfession \u2013, so hatte sich der \u201eM\u00e4dchenklub\u201c dem Hauptziel des Prager Zionismus verschrieben: einer Erziehung der j\u00fcdischen Jugend zum bewussten Judentum, die dem in Prag allgegenw\u00e4rtigen Assimilierungstrend entgegensteuern wollte. Dar\u00fcber hinaus bot der Klub den damals noch unbekannten Autoren des Prager Kreises ein wichtiges Forum. Klassenschranken spielten dabei keine Rolle, an den Vereinsabenden, bei den zionistischen Seminaren und w\u00e4hrend der Hebr\u00e4ischkurse sa\u00dfen Fabrikantengattinnen neben Arbeiterinnen und Studentinnen. F\u00fcr Aufsehen sorgte der \u201eKlub j\u00fcdischer Frauen und M\u00e4dchen\u201c auch dadurch, dass eine Frau aus seinen Reihen schon 1913 nach Erez Israel auswanderte \u2013 als erstes Mitglied der Prager j\u00fcdischen Gemeinde \u00fcberhaupt.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\">Ein weiteres, bisher von der Literaturgeschichte kaum beleuchtetes Bet\u00e4tigungsfeld f\u00fcr literarisch ambitionierte Pragerinnen waren die speziell an Frauen gerichteten Zeitungs- und Zeitschriftenbeilagen. Zwei Beispiele f\u00fcr dieses journalistische Genre wurden in der n\u00e4chsten Sektion des Symposions n\u00e4her betrachtet. Zun\u00e4chst gab <strong>Anthony Northey<\/strong> (Wolfville, Kanada) einen \u00dcberblick zur Geschichte der <em>\u201ePrager Frauen-Zeitung\u201c<\/em>; sie erschien in den Jahre 1905 bis 1918 als Beilage der <em>Deutschen Zeitung Bohemia<\/em>, die neben dem <em>Prager Tagblatt<\/em> die meistgelesene Tageszeitung des Prager deutschsprachigen B\u00fcrgertums war. Zum einen richtete sich diese Beilage an die Ehefrau aus der wohlsituierten Mittelschicht in ihrer Rolle als Hausfrau und \u201eZierde des Salons\u201c \u2013 vier der insgesamt acht Seiten jeder Ausgabe waren f\u00fcr h\u00e4usliche Themen wie Kindererziehung oder Kochrezepte reserviert \u2013 zum anderen verstand sie sich auch als Vork\u00e4mpferin f\u00fcr die Rechte der \u201eneuen Frau\u201c, die studierte oder berufst\u00e4tig war und den Anschluss an die internationale Frauenbewegung suchte. Auch die Technikbegeisterung teilte die <em>Prager Frauen-Zeitung<\/em> mit ihren Leserinnen, sie berichtete \u00fcber die Entwicklung der Aeroplane und gab \u201eEmpfehlungen f\u00fcr die Automobilkleidung der Frau von Welt\u201c. Zur Unterhaltung bot das Blatt \u201emond\u00e4ne Belletristik\u201c, meist Novellen zeitgen\u00f6ssischer Schriftsteller wie Egon Erwin Kisch oder Oskar Baum, aber auch Texte von Autorinnen wie Hedda Sauer, Emma Rosenfeld und Marie Stona.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\">Die didaktische Beilage<em> \u201eF\u00fcr unsere Frauen\u201c<\/em>, die 1910\/11 einmal monatlich mit der zionistischen Wochenschrift <em>\u201eSelbstwehr\u201c <\/em>erschien, stand im Mittelpunkt des Referates von <strong>Bernd K\u00fchne<\/strong> (Sulz am Neckar). Zielgruppe waren die j\u00fcdischen Frauen und M\u00fctter; mit Negativdarstellungen der assimilierten Juden suchte die Herausgeberin Ida Barber der <em>\u201eZeitkrankheit Taufseuche\u201c<\/em> entgegenzutreten. Babette Frieds in der Selbstwehr erschienene Ghettoerz\u00e4hlung <em>Aus dem Assanierungsgebiete <\/em>verfolgte \u00e4hnliche Ziele, indem sie neben dem Schmutz und der Armut der Judenstadt auch den inneren Reichtum j\u00fcdischen Lebens zeigte. Weitaus entschiedener als die <em>Prager Frauen-Zeitung<\/em> propagierte die Beilage <em>F\u00fcr unsere Frauen<\/em> die Ehe b\u00fcrgerlichen Zuschnitts und die Aufopferung der Frau f\u00fcr die Familie; die Frau k\u00f6nne zwar, so Barber, durchaus in die \u201eArmee des Wissens\u201c eintreten, solle sich dabei aber auf Themen wie \u201eK\u00fcchenchemie\u201c oder Gesundheitserziehung beschr\u00e4nken. Auch die Erz\u00e4hlungen Ida Barbers, die neben ihrer redaktionellen T\u00e4tigkeit selbst schrieb, zielten auf die Eingliederung der Protagonistinnen in eine intakte b\u00fcrgerliche Welt.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\">Die dritte Sektion des Symposions war der W\u00fcrdigung einzelner exemplarischer Pers\u00f6nlichkeiten gewidmet. Zun\u00e4chst ging <strong>Ekkehard W. Haring<\/strong> (Wien\/Dresden) in seinem Referat <em>Kafkas Schwester Ottilie \u2013 eine Prager Assimilantin oder Zionistin par excellence?<\/em> auf die Rolle der Ottla Kafka (1892\u20131943) als virtuelle Ko-Autorin des Kafkaschen Oeuvres ein. Sie schuf f\u00fcr ihren Bruder nicht nur die \u00e4u\u00dferen Voraussetzungen f\u00fcr ungest\u00f6rtes Schreiben, indem sie seinen R\u00fcckzug aus der belastendend Familienkonstellation organisierte und unterst\u00fctzte; vielmehr waren die Gespr\u00e4che mit der \u201eunverbildeten Leserin\u201c f\u00fcr Kafka Anregung und Korrektiv zugleich. Doch warnte Haring davor, Ottla auf ihre Funktion als Kafkas Schwester zu reduzieren, und hob statt dessen ihre Renitenz gegen die Tyrannei des Vaters und gegen den herrschenden Zeitgeist mit seinen Entscheidungszw\u00e4ngen hervor: Einerseits rebellierte Ottla gegen die in j\u00fcdischen Kreisen \u00fcbliche Heiratsvermittlung und heiratete einen christlichen Tschechen, andererseits bewirtschaftete sie \u2013 angeregt durch die zionistische Forderung nach der Heranf\u00fchrung j\u00fcdischer Gro\u00dfst\u00e4dter an das Landleben \u2013 einen Hof in Z\u00fcrau und schloss gegen den Widerstand ihres Vaters eine Landwirtschaftsausbildung erfolgreich ab. So spiegeln sich ihrer Person und ihrem Schicksal die Konflikte ihrer Generation zwischen pers\u00f6nlichem Gl\u00fccksanspruch, Assimilationsstreben und Suche nach Anschluss an eine neue j\u00fcdische Gemeinschaft.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\">Mit einer zweiten Frauengestalt, deren Name meist nur noch im Zusammenhang mit dem eines Mannes genannt wird, befasste sich <strong>J\u00f6rg Thunecke<\/strong> (K\u00f6ln) in seinem Vortrag Die Prager Lyrik Gertrude Urzidils. Gertrude Urzidil (1898\u20131977), Tochter eines Rabbiners und Schwester des Religionsphilosophen Friedrich Thieberger, studierte als eine der ersten Frauen an der Prager Karlsuniversit\u00e4t und lernte ihren sp\u00e4teren Ehemann Johannes Urzidil im Caf\u00e9 Arco, dem legend\u00e4ren Treffpunkt des \u201ePrager Kreises\u201c, kennen. In den Prager Jahren verfasste sie Naturlyrik im Stil der Neuen Sachlichkeit und beschrieb die positiven Aspekte des Landlebens; Prag wird in diesen Texten kaum thematisiert. Thunecke hob die vom Herzen kommende \u201eweibliche\u201c \u00c4sthetik des Besonderen hervor, die diese Gedichte auszeichnet. Er \u00e4u\u00dferte aber auch die These, erst das Exil habe die Lyrik der Autorin zur Vollendung gebracht. 1939 waren die Urzidils emigriert, sie lebten zun\u00e4chst in England und sp\u00e4ter in New York. Gertrude sicherte den Lebensunterhalt des Paares anf\u00e4nglich durch Babysitterdienste und schrieb kleinere Texte f\u00fcr Zeitschriften, Zeitungen und Anthologien, mit denen sie aber nicht aus dem Schatten ihres zunehmend erfolgreichen Mannes treten konnte. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\">Mehr Raum zur Entfaltung ihrer Talente war der Autorin verg\u00f6nnt, der sich <strong>Hella-Sabrina Lange<\/strong> (Neuss) in ihrem Referat <em>\u201eZeitlebens Prag verbunden\u201c \u2013 Die Schriftstellerin Auguste Hauschner als kulturelle Mittlerin<\/em> widmete. Hauschner (1850\u20131924) hatte Prag schon 1871 an der Seite eines verm\u00f6genden Industriellen in Richtung Berlin verlassen, blieb aber in engem Kontakt mit der Prager Kunst- und Literaturszene. Trotz eines recht umfangreichen Lebenswerkes \u2013 zu mehr als 15 Romanen und Novellen kommen zahlreiche Ver\u00f6ffentlichungen in namhaften Zeitschriften wie <em>Simplicissimus <\/em>oder <em>Das Literarische Echo<\/em> \u2013 teilt Hauschner mit Ottla Kafka und Gertrude Urzidil das Schicksal, von der Wissenschaft lediglich in ihrem Bezug auf die m\u00e4nnlichen Protagonisten der Kulturgeschichte wahrgenommen zu werden. Bekannt ist sie heute vor allem als Cousine des Sprachphilosophen Fritz Mauthner, als die \u201ebetuchte Dame\u201c aus Brods Autobiografie, der damit auf ihr Wirken als M\u00e4zenin anspielt, und als Mittelpunkt eines literarischen Salons, in dem Martin Buber, Romain Rolland oder Max Liebermann verkehrten. Lange lud in ihrem Referat zu einer Besch\u00e4ftigung mit dem literarischen Schaffens Hauschners ein, indem sie auf dessen Reichtum an historischen und zeittypischen Themen verwies. So entwirft die Autorin in ihren Romanen <em>Die Familie Lowositz <\/em>und <em>Rudolf und Camilla<\/em> ein differenziertes Bild des zeitgen\u00f6ssischen Prag mit seinem spannungsreichen Miteinander von deutsch- und tschechischsprachigen Juden und Christen, w\u00e4hrend ihre Novelle Der Tod des L\u00f6wen an die Bl\u00fctezeit des j\u00fcdischen Prag um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert erinnert. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\">Aller gute Wille der Leserschaft ist hinf\u00e4llig, wenn es am Zugang zu den Texten fehlt; auch \u00fcber die Editionspolitik kann Literaturgeschichte geschrieben werden. Besondere Verdienste hat hier <strong>Christoph Haacker<\/strong> erworben, der Gr\u00fcnder und Leiter des Wuppertaler Arco Verlags, der den von Dieter Sudhoff herausgegebenen Band <em>Holunderbl\u00fcten. Erz\u00e4hlungen deutscher Schriftstellerinnen aus B\u00f6hmen und M\u00e4hren<\/em> publizierte. In einer mitrei\u00dfenden Lesung brachte Haacker zum Abschluss des Symposions Texte von Auguste Hauschner, Grete Fischer und Grete Meisel-Hess zu Geh\u00f6r und sorgte damit f\u00fcr einen stimmigen Ausklang. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\">Einen weiblichen \u201ePrager Kreis\u201c \u00e0 la Max Brod hat es tats\u00e4chlich nicht gegeben, diese Erkenntnis konnte das Publikum als Fazit mit nach Hause nehmen. Wohl aber haben engagierte Frauen in Prag ihre Kreise gezogen, deren (Wieder-)Entdeckung sich lohnt. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\">Vera Schneider \/ Deutsches Kulturforum \u00f6stliches Europa, Potsdam<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\"><br \/>\n<strong> Weblinks:<\/strong> <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\">Website des Instituts f\u00fcr Wissenschaft und Kunst: <a href=\"https:\/\/www.univie.ac.at\/iwk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.univie.ac.at\/iwk<\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\">Programmfolder zum Symposion: <a href=\"https:\/\/www.univie.ac.at\/iwk\/Prager_Kreis.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.univie.ac.at\/iwk\/Prager_Kreis.pdf<\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\">Ariadne-Projekt (Diskurse und Dokumente der \u00f6sterreichischen historischen Frauenbewegung 1848 \u2013 1918): <a href=\"http:\/\/193.170.112.215\/ariadne\/vfb\/index.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/193.170.112.215\/ariadne\/vfb\/index.htm<\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\">Projektinitiative biografiA: <a href=\"http:\/\/www.biografia.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.biografia.at<\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\">Arco Verlag: <a href=\"http:\/\/www.arco-verlag.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.arco-verlag.de<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht f\u00fcr Salon 21 von Vera Schneider Am 24. und 25.04.2008 w\u00fcrdigte ein Symposion des Wiener Instituts f\u00fcr Wissenschaft und Kunst gesellschaftlich und literarisch engagierte j\u00fcdische Frauen in Prag zu Beginn des 20. 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