{"id":1054,"date":"2008-06-04T13:46:55","date_gmt":"2008-06-04T11:46:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=1054"},"modified":"2022-05-19T16:21:25","modified_gmt":"2022-05-19T16:21:25","slug":"cfp-sexualitat-und-film-publication-deadline-30102008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=1054","title":{"rendered":"CfP: Sexualit\u00e4t und Film (Publication), Deadline: 30.10.08"},"content":{"rendered":"<p><strong>ZS Frauen und Film<\/strong><\/p>\n<p>Den Anla\u00df zur Themenstellung f\u00fcr das n\u00e4chste Frauen und Film-Heft gibt die Beobachtung, da\u00df das zeitgen\u00f6ssiche Kino kein politischemanzipatorisches Interesse an Sexualit\u00e4t zu haben scheint. Ebenso wenig scheint die Kultur einer subtilen erotischen Aufladung, die im klassischen Kino immer wieder einen Ort fand, die Atmosph\u00e4re der sexuellen Spannung aus dem Kino verschwunden. Die nackten Tatsachen, in denen als gegeben angenommen wird, was Sexualit\u00e4t ist, was Liebe ist, und da\u00df die Paarbildung nach wie vor am Ende aller Bem\u00fchungen stehen sollte, stellen keine Fragen mehr. Stimmt diese Beobachtung? &#8211; das ist die Ausgangsfrage des geplanten Hefts. Damit wollen wir den Diskurs \u00fcber Sexualit\u00e4t wieder aufnehmen, der in der feministischen Filmkritik und Theorie einmal eine zentrale Rolle spielte. Auch in der Filmtheorie ist dieser Diskurs n\u00e4mlich offenbar in den Schlaf gefallen.<\/p>\n<p>Seit den 1980er Jahren wurden die K\u00f6rperlichkeit des Zuschauers\/der Zuschauerin und des Schauspielers\/der Schauspielerin sowie des Films selbst ein zentrales Thema. <!--more-->Man l\u00f6ste sich damit aus den vorherrschenden semiotischen und poststrukturalistischen Diskursen. Weniger thematisiert wurde aber bei dieser Wiederentdeckung des K\u00f6rpers dessen sexuelle Konnotation.<\/p>\n<p>In den Gender Studies und Postcolonial Studies hat die Wiederentdeckung des K\u00f6rpers zu spannenden Diskussionen gef\u00fchrt. Merkw\u00fcrdigerweise hingegen belebte sich damit der Sexualit\u00e4tsdiskurs nicht wieder, der so eng mit der Entstehung und Entwicklung feministischer Filmtheorie verbunden war und \u00fcber den Feminismus hinaus Einflu\u00df auf die Filmwissenschaft gewann. Sexualit\u00e4t scheint gerade im Zusammenhang der Reetablierung des K\u00f6rpers in der Filmtheorie sowie der immer st\u00e4rker werdenden Affizierung des K\u00f6rpers im Kino selbst kein Thema mehr zu sein. Womit hat das zu tun?<\/p>\n<p>Sicher befindet sich das Kino im Vergleich zu den 70er und 80er Jahren gegenw\u00e4rtig in einer anderen Situation. Pornografie- und Homosexuellenparagraphen gibt es nicht mehr. Die inflation\u00e4re Pr\u00e4senz von Sexualit\u00e4t auf \u201eallen Kan\u00e4len\u201c t\u00e4uscht \u00fcber eine gleichzeitige Ent-Erotisierung der Alltagskultur und der \u00f6ffentlichen Sph\u00e4re hinweg. Im Kino wiederum scheint die Sensation vom sexuellen Tabubruch \u2013 in den siebziger Jahren aufsehenerregend beispielsweise in Der letzte Tango (Bernardo Bertolucci, I\/F 1972), Der Nachtportier (Lilia-na Cavani I 1974) oder in Im Reich der Sinne (Nagisa Oshima, J 1975) inszeniert &#8211; in die Spezialeffekte abgewandert, in die Beschleunigung der Action, das Tempo der Montage, in Dolby Surround.<br \/>\nAndererseits ist eine immer st\u00e4rker werdende Sexualisierung von Gewalt zum Beispiel im Splatterfilm zu beobachten. Zum Tabubrecher avancieren auch hybride Genres im Fernsehen und Internet. Damit findet \u2013 nicht zuletzt in Verbindung mit ver\u00e4nderten Modalit\u00e4ten der Rezeption &#8211; auch eine andere Form der Sublimierung, Kultivierung und damit Kanalisierung von Sexualit\u00e4t statt.<br \/>\nDas Thema Sexualit\u00e4t birgt heute neue und andere Fragen: dr\u00e4ngte sich Sexualit\u00e4t in den 70er Jahren in skandal\u00f6sen Erz\u00e4hlungen, die unmittelbar im Zusammenhang der sexuellen Befreiung standen auf, steht jetzt \u00fcberhaupt infrage, ob und wie Sexualit\u00e4t im gegenw\u00e4rtigen Kino eine Rolle spielt. Einerseits hei\u00dft das, der Sexualit\u00e4t in den stilistischen Mitteln nachzusp\u00fcren und dort aufzudecken, andererseits zu schauen, wie sich gleichzeitig Sexualit\u00e4t und Geschlechterverh\u00e4ltnisse innerhalb der manifesten Erz\u00e4hlung ver\u00e4ndert haben.<\/p>\n<p>M\u00f6gliche Themen<\/p>\n<ul>\n<li>Sexualisierte Narration statt Narration der Sexualit\u00e4t<\/li>\n<li>Homosexualit\u00e4t, Transgenderbewegungen im Zeichen von Queer Politics im Film.<\/li>\n<li>Filmische Tabus heute? (Splatter, Snuff) und was hat das mit Sexualit\u00e4t zu tun?<\/li>\n<li>\u201eBerliner Schule\u201c &#8211; ein Hauch von Askese in der Reflexion des Geschlechterverh\u00e4ltnisses?<\/li>\n<li>Welchen Status haben andere Foren der Artikulation von Sexualit\u00e4t wie Fernsehen und Internet im Verh\u00e4ltnis zum Kino?<\/li>\n<li>Perspektive des experimentellen Kinos. Material, K\u00f6rperlichkeit, Sinnlichkeit: Korrespondenz von Ausdruck von\/Sehnsucht nach (anderen) Sexualit\u00e4t(en) und der Lie-be zum filmischen Material<\/li>\n<li>Was ist, ohne den gesellschaftlichen Impetus der \u201eBefreiung\u201c, interessant an Sexualit\u00e4t?<\/li>\n<li>SchauspielerInnen, Stars: Welche Form der Sinnlichkeit verk\u00f6rpern die jungen gegen\u00fcber den \u201ealten\u201c Stars?<\/li>\n<li>Wie \u201em\u00e4nnlich\u201c sind Vorstellungen und Begriff der Sexualit\u00e4t, die in Filmen, feministischer Kritik und Theorie eine Rolle spielten?<\/li>\n<li>Neuere Entwicklungen im franz\u00f6sischen Kino: z.B. Catherine Breillat, Baise Moi, Irreversible<\/li>\n<li>Energien des Trash und der Subkulturen (Russ Meyer, Warhol) \u2013 wo sind sie heute?<\/li>\n<li>Ist Aids kein Thema mehr?<\/li>\n<li>Wie steht es um das Verh\u00e4ltnis von Sexualit\u00e4t und Liebe? Ist \u201aLiebe\u2019 immer noch &#8211; oder wieder &#8211; der \u00fcbergeordnete Diskurs?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Einsendungen m\u00f6glichst bis Oktober 2008 bitte per mail an: huether#upb.de<br \/>\noder per Post bitte an:<br \/>\nProf. Dr. Annette Brauerhoch<br \/>\nFakult\u00e4t f\u00fcr Kulturwissenschaften<br \/>\nInstitut f\u00fcr Medienwissenschaften<br \/>\nUniversit\u00e4t Paderborn<br \/>\nWarburger Strasse 100<br \/>\n33098 Paderborn<\/p>\n<p>URL zur Zitation dieses Beitrageshttp:\/\/hsozkult.geschichte.hu-berlin.de\/termine\/id=9395<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ZS Frauen und Film Den Anla\u00df zur Themenstellung f\u00fcr das n\u00e4chste Frauen und Film-Heft gibt die Beobachtung, da\u00df das zeitgen\u00f6ssiche Kino kein politischemanzipatorisches Interesse an Sexualit\u00e4t zu haben scheint. 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