{"id":1074,"date":"2008-06-23T09:43:59","date_gmt":"2008-06-23T07:43:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=1074"},"modified":"2026-03-03T08:12:12","modified_gmt":"2026-03-03T07:12:12","slug":"olga-misa-wien-1876-london-1950-eine-biographie-im-kontext-von-frauen-und-friedenspolitik-ein-projekt-von-brigitte-rath","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=1074","title":{"rendered":"Olga Misa&#345; (Wien 1876 &#8211; London 1950). Eine Biographie im Kontext von Frauen- und Friedenspolitik. Ein Projekt von Brigitte Rath"},"content":{"rendered":"<p>Eine zentrale Akteurin der Ersten Frauenbewegung in Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts und auch der \u00f6sterreichischen Friedensbewegung dieser Zeit ist heute vollkommen vergessen: Olga Misa&#345;.[1] Ihr Leben und ihre Leistungen sind weitgehend unbekannt. Ihr Engagement in verschiedenen Bereichen, die keinen Eingang in die Meisternarrative der Geschichtswissenschaft gefunden haben, ihre j\u00fcdische Herkunft und ihre Emigration im Jahr 1939 haben zu dieser Verdr\u00e4ngung aus dem historischen Ged\u00e4chtnis beigetragen. Erst j\u00fcngst \u2013 in Zusammenhang mit der Aufarbeitung von b\u00fcrgerlichen bis zu anarchistischen Friedenskonzepten \u2013 hat die Grazer Germanistin Beatrix M\u00fcller-Kampel Olga Misa&#345; als wieder zu entdeckende Pazifistin und Schriftstellerin charakterisiert.[2]<br \/>\nDie Frauen- und Geschlechtergeschichte hat sich in j\u00fcngster Zeit intensiv mit der Ersten Frauenbewegung aus verschiedensten Blickwinkeln und mit unterschiedlichen Fragestellungen auseinandergesetzt, doch gibt es noch zahlreiche wei\u00dfe Flecken \u2013 gerade in Bezug auf Frauen, die sich nicht <em>einer<\/em> Bewegung verschrieben haben, sondern in vielf\u00e4ltigen politischen Zusammenh\u00e4ngen aktiv waren.<\/p>\n<ul>\n<li>Olga Misa&#345; war beispielsweise eine der \u00f6sterreichischen Teilnehmerinnen an der Frauenfriedenskonferenz 1915 in Den Haag und trat seit 1919 <!--more-->neben Yella Hertzka als Aktivistin des \u00f6sterreichischen Zweiges der \u201eInternationalen Frauenliga f\u00fcr Frieden und Freiheit\u201c in Erscheinung.<\/li>\n<li>In einer biographischen Ann\u00e4herung soll im Rahmen des Projekts Olga Misa&#345;s Engagement sowie ihre breite publizistische T\u00e4tigkeit in unterschiedlichen politischen Kontexten sichtbar gemacht werden, die von der Stimmrechts- \u00fcber die Mutterschutzbewegung bis hin zur Friedensbewegung \u2013 hier vor allem mit dem Fokus auf Kriegsdienstgegnerschaft \u2013 reichen. Sie stand auch in einem Naheverh\u00e4ltnis zur gewaltlosen anarchistischen Bewegung.<\/li>\n<li>Unterschiedliche Themenfelder wie eugenische Diskurse, Diskurse \u00fcber Ehe und freie Liebe, Ansichten \u00fcber Differenz und Gleichheit der Geschlechter sowie gesellschaftliche Entw\u00fcrfe aus einer Perspektive des Friedens und der Gewaltlosigkeit, die Olga Misa&#345;s Interesse fanden werden aufgearbeitet. Transfers von Ideen, die \u00fcber pers\u00f6nliche Verflechtungen transportiert wurden, wird besondere Aufmerksamkeit zukommen.<\/li>\n<li>Ihre vielf\u00e4ltigen pers\u00f6nlichen internationalen und lokalen Vernetzungen werden einer genaueren Analyse unterzogen. Es zeichnet sich ab, dass sie Kontakte und Beziehungen, die sie in der Frauenbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts gekn\u00fcpft hat, sp\u00e4ter in andere Kontexte \u00fcbertragen und dort nutzbar gemacht hat. Familiale Verbindungen spielten ebenfalls eine wichtige Rolle. So war beispielsweise der Ehemann Wladimir Misa&#345; seit Beginn der 20er Jahre als Sekret\u00e4r der Freimaurer Gro\u00dfloge Wien t\u00e4tig und engagierte sich in diesem Bet\u00e4tigungsfeld f\u00fcr Friedenspolitik.<\/li>\n<li>Einen wichtigen biographischen Einschnitt bedeutete die Emigration nach England im Jahr 1939 und die dadurch ver\u00e4nderten Lebensumst\u00e4nde. Kontakte wurden in dieser Situation genutzt, um andere EmigratInnen zu unterst\u00fctzen und bestehende pers\u00f6nliche Beziehungen zu anderen FriedensaktivistInnen aufrecht zu erhalten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bevor Olga Misa&#345; ihren Plan in die Tat umsetzen konnte, nach \u00d6sterreich zur\u00fcckkehren, verstarb sie ganz pl\u00f6tzlich an einem Herzversagen und wurde im Londoner Friedhof \u201eGolders Green\u201c am 12. Oktober 1950 kremiert.<br \/>\nIhr Engagement in vielf\u00e4ltigen fortschrittlichen Bewegungen macht Olga Misa&#345; zu einer wichtigen gesellschaftspolitischen Akteurin der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts.<br \/>\n&#8211; &#8211;<\/p>\n<div>\n<div>[1] Kurze Informationen \u00fcber Olga Misa&#345; sind in der frauenspezifischen Information und Dokumentation der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek ARIADNE erfasst. Erw\u00e4hnt wird sie auch bei: Renate Flich, Frauen und Frieden. Analytische und empirische Studie \u00fcber die Zusammenh\u00e4nge der \u00f6sterreichischen Frauenbewegung und der Friedensbewegung mit besonderer Ber\u00fccksichtigung des Zeitraumes seit 1960, in: Manfred Rauchensteiner (Hg.), \u00dcberlegungen zum Frieden, Wien 1987, 410-463.<\/div>\n<div>[2] Beatrix M\u00fcller-Kampel (Hg.), \u201eKrieg ist Mord auf Kommando\u201c B\u00fcrgerliche und anarchistische Friedenskonzepte, Bertha von Suttner und Pierre Ramus, Nettersheim 2005, 56.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine zentrale Akteurin der Ersten Frauenbewegung in Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts und auch der \u00f6sterreichischen Friedensbewegung dieser Zeit ist heute vollkommen vergessen: Olga Misa&#345;.[1] Ihr Leben und ihre Leistungen sind weitgehend unbekannt. Ihr Engagement in verschiedenen Bereichen, die keinen Eingang in die Meisternarrative der Geschichtswissenschaft gefunden haben, ihre j\u00fcdische Herkunft und ihre Emigration [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-1074","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-history-of-european-womens-movements"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1074","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1074"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1074\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":84657,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1074\/revisions\/84657"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1074"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1074"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1074"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}