{"id":1202,"date":"2008-10-27T09:54:15","date_gmt":"2008-10-27T07:54:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=1202"},"modified":"2026-06-15T08:56:44","modified_gmt":"2026-06-15T06:56:44","slug":"vortrag-hagen-schaub-blutspuren-die-geschichte-der-vampire-30102008-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=1202","title":{"rendered":"Vortrag: Hagen Schaub: Blutspuren. Die Geschichte der Vampire, 30.10.2008, Wien"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sammlungen der Medizinischen Universit\u00e4t Wien<\/strong><\/p>\n<p>Ort: Lesesaal Josephinum, W\u00e4hringer Stra\u00dfe 25, 1090 Wien<br \/>\nZeit: 30. Oktober 2008, 18.00 c.t.<\/p>\n<p>Jenseits der Diskussion zur etymologischen Herkunft des Vampirs und seiner unterschiedlichen Bezeichnungen steht die Wissenschaft im Grunde noch immer vor der Frage, wie die \u00fcberlieferten Berichte \u00fcber angebliche Vampirvorf\u00e4lle zu bewerten sind.<br \/>\nAuch wenn es inzwischen zahlreiche wissenschaftliche Ans\u00e4tze zu dieser Frage gibt, die von eher wenig wahrscheinlichen \u00dcberlegungen wie Porphyrie- oder Tollwutepidemien bis hin zu durchaus plausiblen Ans\u00e4tzen wie einer Milzbrandseuche oder dem Wirken des Mutterkorns reichen, bleibt doch noch immer ein wesentlicher Teil der \u00fcberlieferten Berichte au\u00dfer Ansatz: Wie konnte es sein, dass Zeugen immer den gleichen unter Vampirverdacht stehenden &#8222;Untoten&#8220; gesehen haben und warum h\u00f6rte das unerkl\u00e4rliche Sterben mehrerer Menschen als Opfer des Vampirs pl\u00f6tzlich wieder auf, da man den verd\u00e4chtigen Vampir exhumierte und mittels Pf\u00e4hlung undoder Verbrennen unsch\u00e4dlich gemacht hatte?<br \/>\nDie Beantwortung dieser Frage ist letztlich auf Mutma\u00dfungen angewiesen, aber <!--more-->es gibt durchaus Ans\u00e4tze, die zeigen, dass man bei der Interpretation der historischen Berichte nicht unbedingt alles so verstehen muss, wie es die Aktenberichte und Zeugenaussagen nahe legen. Schon die Frage, was die Menschen unter einem gut erhaltenen Vampirleichnam verstanden, zeigt, dass hier nicht unbedingt rationales Wissen anzuwenden ist. Einige wenige Quellen sowie Ausfl\u00fcge in die Mentalit\u00e4tsgeschichte legen n\u00e4mlich den nicht unbegr\u00fcndeten Verdacht nahe, dass diesbez\u00fcgliche Berichte nicht immer das wiedergeben, was wirklich vorgefunden wurde.<br \/>\nAuch die Bedeutung der Aktenberichte \u00fcber Vampirvorkommen im Bereich der \u00f6sterreichischen Milit\u00e4rgrenze von 1725 und 1732 ist eigentlich nicht klar und man sollte sich h\u00fcten, diesbez\u00fcglich wirklich von einer Epidemie zu sprechen, die ganz Europa in Atem hielt. Zumal auch die daraus resultierende sogenannte Vampirismusdebatte m\u00f6glicherweise gar keine so gro\u00dfe Rolle spielte, wie es die durchaus zahlreicheren Werke vermuten lassen.<br \/>\nWar der Vampir daher gar nicht so bedeutend, wie es seine aktuelle Pr\u00e4senz im Horrorgenre nahe legt? Ein Vergleich mit der gut dokumentierten Hexenverfolgung, aber auch mit anderen Prozessen zu abergl\u00e4ubigen Vorstellungen legt diesen Verdacht nahe. Und inwieweit die These, dass die Vampire letztlich zum Verschwinden der Hexenverfolgung beigetragen haben, noch aufrechtzuerhalten ist, ist zumindest hinterfragbar.<br \/>\nEin kleiner Ausflug in die Kunstgeschichte soll die Thematik abschlie\u00dfen. Hierbei soll die Frage diskutiert werden, warum der Vampir &#8212; im Gegensatz zur Hexe &#8212; in der darstellenden Kunst des 17. oder 18. Jahrhunderts, also zum Zeitpunkt seiner gr\u00f6\u00dften Popularit\u00e4t, offenbar keinen Niederschlag fand. Hatte das etwas mit seiner im Grunde geringen Bedeutung zu tun oder kann man daf\u00fcr einen anderen plausiblen Grund finden?<\/p>\n<p><strong>Mag. Hagen Schaub<\/strong>, studierte mittlere und neuere Geschichte sowie neuere deutsche Literaturwissenschaft und Geographie in Marburg a.d. Lahn, Wien und Gie\u00dfen. Schon w\u00e4hrend seiner Studienzeit befasste er sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit den Themen Randgruppen, Aberglauben und Horror. Vor einigen Jahren publizierte er ein Buch \u00fcber Mumien in \u00d6sterreich. Hagen Schaub ist in einem Wiener Buchverlag t\u00e4tig.<\/p>\n<p><strong>Kontakt: <\/strong><br \/>\nUniv. &#8211; Doz. Mag.Dr.phil. Dr.med. Sonia Horn<br \/>\nLeiterin der Sammlungen der Medizinischen Universit\u00e4t Wien<br \/>\nW\u00e4hringer Strasse 25 A &#8211; 1090 Wien<br \/>\nTel.: 0043 1 40160 26009<br \/>\nEmail:sammlungen#meduniwien.ac.at<br \/>\naus: http:\/\/www.h-net.org\/~habsweb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sammlungen der Medizinischen Universit\u00e4t Wien Ort: Lesesaal Josephinum, W\u00e4hringer Stra\u00dfe 25, 1090 Wien Zeit: 30. Oktober 2008, 18.00 c.t. Jenseits der Diskussion zur etymologischen Herkunft des Vampirs und seiner unterschiedlichen Bezeichnungen steht die Wissenschaft im Grunde noch immer vor der Frage, wie die \u00fcberlieferten Berichte \u00fcber angebliche Vampirvorf\u00e4lle zu bewerten sind. Auch wenn es inzwischen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-1202","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-events"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1202","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1202"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1202\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":85896,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1202\/revisions\/85896"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1202"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1202"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1202"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}