{"id":1457,"date":"2009-04-21T10:04:34","date_gmt":"2009-04-21T08:04:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=1457"},"modified":"2022-05-19T16:19:05","modified_gmt":"2022-05-19T16:19:05","slug":"cfp-szenen-von-widerspenstigkeit-publikation-dl-17-mai-2009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=1457","title":{"rendered":"CfP: Szenen von Widerspenstigkeit (Publikation); DL: 17. Mai 2009"},"content":{"rendered":"<p>Geschlecht zwischen Affirmation, Subversion und Verweigerung Widerspenstigkeit gegen\u00fcber sozialen und kulturellen Ausformungen von Geschlecht, wie sie im geplanten Sammelband thematisiert werden soll, kann Irritationen und Unbehagen ausl\u00f6sen, indem sie Geschlechtszuschreibungen offen legt. So wird das Spektrum m\u00f6glicher Geschlechterkategorien unter Umst\u00e4nden erweitert, sei es durch die Intention, die Geschlechterordnung bewusst infragezustellen, sei es als unbewusster Akt. Widerspenstigkeit l\u00e4sst sich als das beschreiben, \u201ewas sich nicht f\u00fcgt, was sich nicht gl\u00e4tten l\u00e4\u00dft. Eine dumme Haarstr\u00e4hne oder eine Falte, die sich unerw\u00fcnscht aufgeworfen hat und nur mit besonderen Mitteln, mit technischem Aufwand oder mit Desinteresse zu bew\u00e4ltigen ist. Oder aber mit Humor\u201c (Ute Vorkoeper, 2000).<\/p>\n<p>Widerspenstigkeit manifestiert sich in verschiedenen historischen Situationen und kulturellen R\u00e4umen. Das Interesse dieses Bandes liegt in der Analyse desjenigen Moments, in dem \u201eSzenen von Widerspenstigkeit\u201c in Affirmation, Subversion oder in eine spielerische Verweigerung von Geschlecht umschlagen. Wie l\u00e4sst sich dieses Kippen theoretisch fassen und welche Kriterien sind f\u00fcr den jeweiligen Effekt ausschlaggebend?<!--more--><\/p>\n<p>Verschiedene theoretische Konzepte bieten sich f\u00fcr die Analyse der Szenen von Widerspenstigkeit an, um insbesondere im inter- und transdisziplin\u00e4ren Austausch Kriterien zu benennen, die zu Affirmation, Subversion oder spielerischer Verweigerung f\u00fchren. In Anlehnung an Michel Foucaults Konzept der Genealogie kann z.B. nach der jeweiligen historischen Konstitution von Subjekten und Machtstrukturen gefragt werden. Dabei geht es nicht um einen totalen Zugriff auf Individuen, sondern um ein \u201esich st\u00e4ndig verlagerndes Machtspiel von Bewegungen und Gegenbewegungen, von Zugriffsversuchen und Widerspenstigkeiten\u201c (Reiner Keller, 2008, 97).<\/p>\n<p>Die folgenden Ans\u00e4tze aus der Geschlechterforschung teilen die genealogische Idee Foucaults und k\u00f6nnen sich daher als fruchtbar f\u00fcr die Untersuchung von Widerspenstigkeit erweisen.<\/p>\n<p><strong>Performanz<\/strong><br \/>\nVoraussetzung einer gesellschaftlich anerkannten und lesbaren Geschlechtsidentit\u00e4t ist nach Judith Butler die Orientierung an der heterosexuellen Matrix mit ihren eindeutigen Zuordnungen von sex, gender und desire. Da sich die Herstellung dieser Geschlechtsidentit\u00e4t performativ vollzieht, also zitathaft und kontinuierlich, interessieren im Rahmen dieses Konzepts die Beschreibung und Analyse einzelner performativer Akte von Geschlechtsidentit\u00e4t sowie ihr Gelingen oder Verfehlen: Wo verl\u00e4uft der Grat zwischen gesellschaftlich anerkannter und nicht-anerkannter Performanz von Geschlechtsidentit\u00e4t? Welche Inszenierungen f\u00fchren zu Irritationen? Kann man beobachten, an welchen Punkten die Performanz aus der Lesbarkeit herausf\u00e4llt und an welchen Punkten sie wieder verst\u00e4ndlich wird?<\/p>\n<p><strong>Mimesis<\/strong><br \/>\nDas Spiel der Mimesis, wie es Luce Irigaray als Strategie der subversiven Wiederholung, der parodistischen Verschiebung und Vervielf\u00e4ltigung vorschl\u00e4gt, ist ein weiteres Konzept, das verschiedene Szenen von Widerspenstigkeit zu verkn\u00fcpfen vermag. Nach Irigaray ist Mimesis eine systemimmanente M\u00f6glichkeit des Widerstands. Grundlagen der geltenden symbolischen Ordnung k\u00f6nnen mit ihrer Hilfe als kontingente Setzungen ausgestellt und in Frage gestellt werden: In welchen Szenen werden hegemoniale Repr\u00e4sentationsmuster durch offensichtliche Nachahmung so wiederholt, dass sie parodiert und verschoben werden? Wie<br \/>\ngestaltet sich die Gratwanderung zwischen Erf\u00fcllung und Verschiebung der Norm? Sind Bedingungen benennbar, unter denen die Differenz zwischen Norm und nachahmender Aktualisierung dieser Norm aufrechterhalten werden kann, so dass es nicht zur Affirmation des herrschenden Systems kommt?<\/p>\n<p><strong>Mimikry<\/strong><br \/>\nWeiter interessiert die Differenz zwischen Bild und Abbild, Vorbild und Nachbildung, Original und Kopie etc., welche Mimikry nach Homi Bhaba ausmacht: Es ist \u201efast dasselbe, aber nicht ganz\u201c (Homi K. Bhaba, 2007, 132). Die Verschiebung liesse sich beispielsweise beschreiben als Unterschied zwischen Engl\u00e4ndern und Anglisierten im kolonialen Kontext. Das Aufheben dieser Differenz erscheint zugleich begehrenswert und bedrohlich. So, wie Dekonstruktionen und Rekonstruktionen von Geschlechterdifferenz zugleich w\u00fcnschenswert, ambivalent oder gef\u00e4hrlich erscheinen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Struktur und Aufbau der Publikation<\/strong><br \/>\nDas Erkenntnisinteresse der Publikation besteht darin, die Vielfalt der genannten Konzeptionen aufzuzeigen und die verschiedenen Facetten und Anwendungen der Begriffe miteinander ins Gespr\u00e4ch zu bringen. Ziel ist es, den interdisziplin\u00e4ren Austausch auch mittels Struktur und Aufbau der Publikation zu f\u00f6rdern: Die Aufs\u00e4tze werden zu thematischen Einheiten zusammengefasst. Die gemeinsame Bewerbung mehrerer Verfasser_innen zu einem \u00fcbergeordneten Thema wird begr\u00fcsst. Ebenso ist der Dialog zwischen den Autor_innen innerhalb eines Panels erw\u00fcnscht, beispielsweise in Form einer gemeinsamen Zwischenbilanz.<\/p>\n<p>Wenn das Buchprojekt Ihr Interesse geweckt hat, senden Sie bis zum 17. Mai 2009 ein Kurzexpos\u00e9 (h\u00f6chstens 2500 Zeichen) zu Ihrem Artikel an: sammelband-genderstudies#unibas.ch. Die Herausgeberinnen freuen sich auf zahlreiche interessante Eingaben.<\/p>\n<p><strong>Zitierte Quellen<\/strong><\/p>\n<p>Ute Vorkoeper, 2000,<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/r4\/artikel\/3\/3556\/1.html\" rel=\"noopener\"> \u201eAls ob es m\u00f6glich w\u00e4re. Make dreams come true\u201c<\/a>, 24.03.09.; Reiner Keller, 2008, Michel Foucault, Konstanz; Homi K. Bhaba, 2007, Die Verortung der Kultur, T\u00fcbingen.<\/p>\n<p>Quelle: FEMALE-L@JKU.AT<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschlecht zwischen Affirmation, Subversion und Verweigerung Widerspenstigkeit gegen\u00fcber sozialen und kulturellen Ausformungen von Geschlecht, wie sie im geplanten Sammelband thematisiert werden soll, kann Irritationen und Unbehagen ausl\u00f6sen, indem sie Geschlechtszuschreibungen offen legt. So wird das Spektrum m\u00f6glicher Geschlechterkategorien unter Umst\u00e4nden erweitert, sei es durch die Intention, die Geschlechterordnung bewusst infragezustellen, sei es als unbewusster Akt. 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