{"id":1472,"date":"2009-04-30T10:51:50","date_gmt":"2009-04-30T08:51:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=1472"},"modified":"2022-05-19T16:19:01","modified_gmt":"2022-05-19T16:19:01","slug":"cfp-das-geschlecht-der-anderen-narrationen-und-episteme-in-ethnologie-kriminologie-psychiatrie-und-zoologie-des-19-und-20-jahrhunderts-event-berlin-122009-dl-20062009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=1472","title":{"rendered":"CfP: Das Geschlecht der Anderen. Narrationen und Episteme in Ethnologie, Kriminologie, Psychiatrie und Zoologie des 19. u. 20. Jhd. (Event: Berlin 12\/2009); DL: 20.06.2009"},"content":{"rendered":"<p><strong>DFG-Graduiertenkolleg <\/strong><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www2.hu-berlin.de\/gkgeschlecht\/aktuell.php\" rel=\"noopener\">&#8222;Geschlecht als Wissenskategorie&#8220;<\/a><strong> Berlin<\/strong><\/p>\n<p>Zeit: 11.-12.12.2009<br \/>\nOrt: Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin<br \/>\n<strong>Deadline:<\/strong> 20.06.2009<\/p>\n<p>Ausgangspunkt der Konferenz ist die Beobachtung, dass die Konstitution von Geschlechterpositionen und \u2013metaphern besonders seit dem 19. Jahrhundert an diverse Konstruktionen eines \u201eAnderen\u201c gebunden ist, das \u00fcber die Definition und Zuschreibung von Binarit\u00e4ten wie rational\/wahnsinnig, kulturell entwickelt\/primitiv, deviant\/\u201enormal\u201c und menschlich\/tierisch wirkt. \u00dcber diese vergeschlechtlichten Formen des Anderen bildet sich ein Wissen, das sich sowohl in Diskursen der Psychiatrie, der Ethnologie, der Zoologie und der Kriminologie als auch in k\u00fcnstlerischen und literarischen Formen verdichtet.<\/p>\n<p>Es bietet sich an, solche historischen Verdichtungs- und Transferprozesse zwischen wissenschaftlichen Disziplinen interdisziplin\u00e4r und intersektional zu untersuchen. Die gemeinsame Perspektive bilden die Genderforschung und besonders deren poetologische und narratologische Aspekte. Dabei stellt sich die Frage, wie die angesprochenen Wissensformationen Geschlechtskategorien durch poetische Strukturen reproduzieren. Theoretische Ans\u00e4tze, die wissenshistorische und \u00e4sthetische Forschung kombinieren, haben derzeit Hochkonjunktur und werden zugleich kontrovers diskutiert. Auch in den Gender Studies gibt es <!--more-->Tendenzen, Wissensforschung und Poetologie zusammenzudenken. Vor diesem Hintergrund orientiert sich die Tagung an aktuellen Ans\u00e4tzen gendertheoretischer Wissensgeschichte und Narratologie sowie Poetologien des Wissens, innerhalb derer die Zirkulation dieser Konfiguration zwischen Kunst und Wissen untersucht werden kann.<\/p>\n<p>Dabei ist zu fragen wie sich die \u201epoetischen\u201c, d.h. im weitesten Sinne darstellungstechnischen Komponenten wissenschaftlichen Wissens und die Produktion von Geschlechterbildern zueinander verhalten. Gibt es einen Transfer von Geschlechtermetaphern zwischen Wissenschaften und Literatur\/K\u00fcnsten? Wie schreiben sich geschlechtlich strukturierte Subjektpositionen und Klassifikationen in die Wissensproduktion ein? Gibt es nicht nur Aussagen, sondern auch Darstellungsformen, die sowohl in wissenschaftlichen wie auch in literarischen und k\u00fcnstlerischen Techniken und Darstellungsformen zum Tragen kommen?<\/p>\n<p>Auf der Tagung soll diese Konfiguration auf ihre Darstellungsformen (z.B. Ausstellung, Fotografie, Reisebericht) und Pr\u00e4sentationstechniken (etwa Hermeneutik, Beobachtung, Metaphorisierung) hin befragt werden: Wie bilden und autorisieren sie den Nexus zwischen Gender und Irren\/Fremden\/Kriminellen\/Tieren? Wie zirkulieren sie zwischen Psychiatrie, Ethnologie und Zoologie einerseits, Wissenschaften und K\u00fcnsten andererseits? Und gibt es ein Ende dieser Konfiguration? Wirkt sie auch in aktuellen Diskursen fort \u2013 etwa in der angeblich geschlechts- und poesiefreien Neuroforschung oder auch in den postcolonial studies, die beanspruchen kulturelle Zuschreibungen zu dekonstruieren?<\/p>\n<p>Neben keynote-Vortr\u00e4gen sind bisher vier Panels geplant, die sich an den Wissensfeldern der Kriminologie, der Psychiatrie, der Ethnologie und der Zoologie orientieren. Da die Transferprozesse und Interdependenzen zwischen diesen Wissensfeldern und ihren Darstellungsformen im Fokus der Tagung stehen, sind aber ausdr\u00fccklich auch Papers willkommen, die sich keinem Panel oder mehreren zuordnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>I Sex\/Crime: Poetologien von Geschlecht und Verbrechen als Wissenstransfer<\/strong><\/p>\n<p>Im Zentrum des Panels steht der Transfer zwischen Literaturen und Wissensfeldern, in denen die Kategorien sex und crime produktiv zusammenwirken. Verbrechen, Sexualit\u00e4t und Geschlecht gehen in den Wissensbest\u00e4nden des 19. und 20. Jahrhunderts vielf\u00e4ltige Korrelate ein und referieren besonders um 1900 innerhalb des Kriminalit\u00e4ts- und Literaturdiskurses verst\u00e4rkt aufeinander. Bis in die Gegenwart schreibt sich eine Poetologie der geschlechtlich codierten Kriminologie in Literatur, Film und Publizistik ein. Der historische wie der aktuelle Diskurs \u00fcber VerbrecherInnen wird in Kunst- und Wissensfeldern r\u00fcckgebunden an geschlechtlich motivierte Zuschreibungen. Dar\u00fcber hinaus werden als kriminell klassifizierte Handlungen in Verbindung mit der Kategorie der Devianz erz\u00e4hlt und stehen so in Korrespondenz mit anderen Wissensfeldern: dem der Ethnologie (VerbrecherInnen und das Fremde), der Zoologie (bestialische Konnotierung) und der Psychiatrie (Pathologisierung von VerbrecherInnen). Aus diesen Vor\u00fcberlegungen ergeben sich drei Fragestellungen: Wie werden VerbrecherInnen mit dem Fokus auf ihre Geschlechtlichkeit als Wissensobjekte der Diskurse hervorgebracht? Welche Darstellungsformen f\u00fcr die Korrelation von Geschlecht und Verbrechen wirken intersektional\/transdisziplin\u00e4r zwischen Kunst- und Wissensdiskursen (Wissen \u00fcber Kriminalit\u00e4t und Geschlecht)? Welche Funktion \u00fcbernimmt dabei die Klassifikation von VerbrecherInnen als deviant im Sinne von fremd\/bestialisch\/krank?<\/p>\n<p><strong>II Ethnologien der Geschlechter<\/strong><\/p>\n<p>In diesem Panel stehen vergeschlechtlichte Wissensproduktionen im postkolonialen Kontext im Mittelpunkt. Vor dem Hintergrund seit der europ\u00e4ischen Kolonisation tradierter implizit vergeschlechtlichter und rassisierter Bilder des kolonisierten \u201eAnderen\u201c soll von verschiedenen Ebenen und disziplin\u00e4ren Zug\u00e4ngen aus ein postkolonialer, kritisch-wei\u00dfer und kritisch-okzidentalistischer Blick auf Repr\u00e4sentationen und Narrationen geworfen werden, in denen sich diese Bilder fortschreiben (z.B. Geschlecht und Nation, vergeschlechtlichte und rassisierte Repr\u00e4sentationen von L\u00e4ndern\/Regionen\/Nationen\/Kulturen, Ausstellungspraktiken). Diese finden sich h\u00e4ufig an der Schnittstelle zu kriminologischen, psychiatrischen oder biologisch-zoologischen Diskursen (etwa Naturalisierungsmetapher kolonialisierter Regionen wie z.B. bei Humboldt, Narrationen von Gewalt, Mafia, Prostitution, Drogen- und Waffenhandel, Korruption). Ein besonderes Augenmerk soll auch auf Theorien aus den ehemaligen spanischen Kolonien (Mittel- und S\u00fcdamerika) liegen, die im postkolonialen Diskurs bisher wenig Beachtung fanden.<br \/>\n<strong><br \/>\nIII Poetischer Wahn<\/strong><\/p>\n<p>Ende des 19. Jahrhunderts wurde im \u201ewestlichen\u201c Kontext psychiatrischer Wissensproduktion eine Konfiguration wirkm\u00e4chtig, in der K\u00fcnste bzw. K\u00fcnstlerInnen und Wahnsinn als eng miteinander verbunden erschienen. Einerseits wurde der Wahn zur Voraussetzung k\u00fcnstlerischer Produktion erkl\u00e4rt und psychiatrisches Wissen fand Eingang in die Kunsttheorie, andererseits wurden die K\u00fcnste zu Voraussetzungen psychiatrischen \u2013 und keinesfalls nur psychoanalytischen \u2013 Wissens: Denn dieses bezog sich immer h\u00e4ufiger auf \u00e4sthetische Produkte und benutzte selbst \u00e4sthetische Techniken zur Wissensproduktion \u00fcber den \u201eWahnsinn\u201c. Zugleich wurden Konzeptionen kranker Seelen \u2013 etwa bei Ernst Kretschmer oder Emil Kraepelin \u2013 mit Bildern anderer Kulturen und nicht-menschlicher Populationen analogisiert, die psychiatrischen Kategorisierungsweisen orientierten sich (etwa bei Auguste Forel und Emil Kraepelin) an der Zoologie und psychiatrische Theoreme verbanden sich mit ethnographischen Forschungen. Wahnsinn korreliert also mit weiteren Formen der Devianz wie \u201aRasse\u2019, Geschlecht und Bestialit\u00e4t.<br \/>\nEine interessante Frage aus heutiger Perspektive ist, ob diese okzidentalistische Konjunktur pathologischer Poetiken und poetischer Pathologien, die in hohem Ma\u00dfe vergeschlechtlichende Z\u00fcge aufweist, sich seit der 2. H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts \u2013 z.B. durch die Frauen- und die Antipsychiatriebewegung sowie die neue Dominanz neurologischer Ans\u00e4tze in der Psychiatrie und inzwischen z.T. auch in der Literatur\/-wissenschaft \u2013 aufl\u00f6st oder transformiert. Im Hinblick darauf sollen die historischen Darstellungsformen und -techniken k\u00fcnstlerischer Produkte und wissenschaftlichen Wissens \u00fcber den Wahn und die ihnen immanenten Geschlechterkonstruktionen rekonstruiert und die \u00dcberschneidungen mit weiteren Wissensfeldern aufgezeigt werden.<\/p>\n<p><strong>IV Animalities: Queere Tiere<\/strong><\/p>\n<p>Im Zuge der Industrialisierung und der Urbanisierung im 19. Jahrhundert wurden Tiere einerseits mehr und mehr aus dem Alltagsleben verdr\u00e4ngt, w\u00e4hrend sie andererseits in Zoos, Tiershows und Museen zunehmend zur Schau gestellt wurden. Entsprechend werden Tiere \u2013 die seit der Antike die imagin\u00e4ren Welten bev\u00f6lkern \u2013 in Edgar Allen Poes Black Cat von 1843, Hermann Melvilles Moby Dick von 1851 oder auch sp\u00e4ter in Merian Coopers King-Kong-Film aus dem Jahr 1933 in ganz neue Figurationen gefasst. Wie unterschiedlich Tiere auch in naturwissenschaftlichen Diskursen imaginiert wurden, zeigt der historische Konflikt zwischen Brehms Anthropomorphismus und Darwins Evolutionstheorie. Die im 21. Jahrhundert an US-Amerikanischen Universit\u00e4ten etablierten, transdisziplin\u00e4r und transnational ausgerichteten Critical Animal Studies kn\u00fcpfen an die Tradition des Anthropomorphismus an, w\u00e4hrend sie jedoch zugleich Figurationen von Tieren in einen macht- und herrschaftskritischen Bezug zu anderen Differenz und Hierarchie stiftenden Kategorien wie etwa Gender, Race, Class, Sexuality und Nation setzen. Mit diesen neuen Ans\u00e4tzen rufen die Critical Animal Studies einen Paradigmenwechsel in der postmodernen kulturwissenschaftlichen Besch\u00e4ftigung mit Tieren aus, der \u2013 nicht zuletzt auch beeinflusst durch die Theorien zur Performativit\u00e4t \u2013 tierk\u00f6rperliche Pr\u00e4senzen und nicht die Konstruktionen des Tierk\u00f6rpers in den Mittelpunkt stellen, wie das etwa noch in der Moderne der Fall war. Das Panel wird unter R\u00fcckgriff auf die Methoden der Critical Animal Studies verschiedene Figurationen von Tieren in ganz unterschiedlichen kulturellen Kontexten (z.B. Geisteswissenschaften, Zoologie, Psychiatrie, Medizin, Showbusiness, Tier- und Freakshow) in den Blick nehmen und vor allem nach den vergeschlechtlichten Wissensformen dieser Figurationen fragen.<\/p>\n<p>Interessierte Wissenschaftler_innen und Nachwuchswissenschaftler_innen sind herzlich dazu eingeladen ein abstract einzureichen.<br \/>\nDieses soll max. 3000 Zeichen enthalten und durch einen kurzen CV (h\u00f6chstens eine Seite) sowie Angaben zu ben\u00f6tigtem technschem Equipment erg\u00e4nzt werden. Die Vortr\u00e4ge k\u00f6nnen auf Deutsch und Englisch gehalten werden und sollten ca. 20-30 Minuten dauern.<br \/>\nDie abstracts sind <strong>bis zum 20.6.2009<\/strong> an folgende Adresse zu richten: poetologie-tagung#gmx.de. Entscheidungen bez\u00fcglich des Calls werden bis zum 15.7. 2009 mitgeteilt. Anreise- und \u00dcbernachtungskosten k\u00f6nnen i.A. anteilig erstattet werden. Wir freuen uns auf ihre Ideen und Ausarbeitungen!<br \/>\n<strong><br \/>\nKontakt:<\/strong><br \/>\nFlorian Kappeler<br \/>\nGraduiertenkolleg &#8222;Geschlecht als Wissenskategorie&#8220;<br \/>\nSophienstr. 22a, 10178 Berlin<br \/>\npoetologie-tagung#gmx.de<br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www2.hu-berlin.de\/gkgeschlecht\/aktuell.php\" rel=\"noopener\">http:\/\/www2.hu-berlin.de\/gkgeschlecht\/aktuell.php<\/a><\/p>\n<p>URL zur Zitation dieses Beitrages: http:\/\/hsozkult.geschichte.hu-berlin.de\/termine\/id=11280<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DFG-Graduiertenkolleg &#8222;Geschlecht als Wissenskategorie&#8220; Berlin Zeit: 11.-12.12.2009 Ort: Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin Deadline: 20.06.2009 Ausgangspunkt der Konferenz ist die Beobachtung, dass die Konstitution von Geschlechterpositionen und \u2013metaphern besonders seit dem 19. 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