{"id":160,"date":"2007-05-29T10:52:38","date_gmt":"2007-05-29T08:52:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=160"},"modified":"2022-05-19T16:24:22","modified_gmt":"2022-05-19T16:24:22","slug":"frauenbewegung-vernetzt-historiographie-und-dokumentation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=160","title":{"rendered":"Bericht: Frauenbewegung vernetzt. Historiographie und Dokumentation, 20.04.2007, Wien"},"content":{"rendered":"<p align=\"left\"><strong>Bericht f\u00fcr Salon 21 von Veronika W\u00f6hrer<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Am 20. April 2007 fand im Van Swieten Saal der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek ein prominent besetzter Workshop statt, bei dem Dokumentation und Forschungsstand zur Geschichte der ersten Frauenbewegung in \u00d6sterreich diskutiert wurden. Geladen hatten die Leiterinnen bzw. Mitarbeiterinnen des Projekts &#8222;Frauen in Bewegung. Digitales Archiv und Historiographie. Habsburger Monarchie und \u00d6sterreich von 1848 bis 1938&#8220;, das von der frauenspezifischen Dokumentationsstelle Ariadne der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek und dem Institut f\u00fcr Zeitgeschichte der Universit\u00e4t Wien durchgef\u00fchrt wird. Der Vormittag stand dabei im Zeichen der Historiographie, der Nachmittag war der Pr\u00e4sentation der beiden digitalen Archive &#8222;Frauen in Bewegung&#8220; Nummer 1 und 2 gewidmet.<!--more--><\/p>\n<p align=\"left\">Nach einer Begr\u00fc\u00dfung durch die Generaldirektorin der Nationalbibliothek Johanna Rachinger, erz\u00e4hlten die beiden Leiterinnen Helga Hofmann-Weinberger und Johanna Gehmacher von der Entstehung des Projekts.<\/p>\n<p align=\"left\">Brigitta Bader-Zaar gab einen \u00dcberblick \u00fcber Forschungsstand und Desiderata der Geschichtsschreibung \u00fcber die erste Frauenbewegung in \u00d6sterreich. Sie betonte, dass die meisten Forschungen nicht in Monographien oder Sammelb\u00e4nden zum Thema, sondern in einer Vielzahl vereinzelter Artikel zu finden seien und bedauerte, dass einige wichtige Hochschulschriften zum Thema gar nie publiziert worden waren. Sie stellte innerhalb der Forschung einen Fokus auf die deutschsprachigen Gebiete der Habsburgermonarchie bzw. eine Wienzentriertheit fest und regte eine Vernetzung mit Frauenbewegungshistorikerinnen aus anderen L\u00e4ndern an. Auch eine Aufarbeitung &#8222;fr\u00fchfeministischer&#8220; Ans\u00e4tze vor 1848 sei w\u00fcnschenswert.<\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\">In der Diskussion wurde auf Diskontinuit\u00e4ten in der Forschung n\u00e4her eingegangen: Ob Biographien von &#8222;Heldinnen&#8220; oder Strukturen der Frauenbewegung, ob b\u00fcrgerliche Protagonistinnen (1930-er Jahre) oder Sozialdemokratinnen (1970-er Jahre) vorzugsweise erforscht wurden, hing nicht zuletzt von politischen \u00dcberlegungen und gesellschaftlichem Umfeld der ForscherInnen ab.<\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\">Au\u00dferdem wurde der Wunsch nach einer Synthese ge\u00e4u\u00dfert, d.h. einer umfassenden Darstellung zur Geschichte der ersten Frauenbewegung in \u00d6sterreich, die die bislang erarbeiteten Studien zu regionalen, ethnischen und politischen Gruppierungen innerhalb der Frauenbewegung zusammenf\u00fchrt und kontextualisiert. Es wurde aber auch auf die (nicht zuletzt ressourcenbedingten) Schwierigkeiten hingewiesen, eine solche zu schreiben. M\u00f6gliche Ann\u00e4herungen k\u00f6nnten in Form von Symposien oder Sammelb\u00e4nden stattfinden.<\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\">Natasche Vittorelli besch\u00e4ftigte sich in ihrem Vortrag mit dem Begriff der &#8222;Frauenbewegung&#8220; in der Zwischenkriegszeit. Dieser wurde, so Vittorelli, vor allem im Zusammenhang mit Krise, Wandel und Historisierung gebraucht. Die Zuerkennung des Frauenstimmrechts erforderte eine Neuorientierung und eine Neudefinition der Ziele, vor allem der b\u00fcrgerlichen Teile der Frauenbewegung. In diesem Zusammenhang wurde schon damals der Begriff &#8222;neue Frauenbewegung&#8220; verwendet. In den 1930-er Jahren erfolgten zudem \u2013 unter b\u00fcrgerlichen Frauen wie Sozialdemokratinnen &#8211; erste Historisierungen der &#8222;ersten Frauenbewegung&#8220;, die sich mit der Zeit der Habsburgermonarchie besch\u00e4ftigten. Sie betonte, dass im Projekt auch nicht-deutschsprachige L\u00e4nder erforscht werden sollen, was neue Aspekte aufzuwerfen verspricht.<\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\">Am Nachmittag wurde die digitale Sammlung &#8222;Frauen in Bewegung&#8220; pr\u00e4sentiert, in der Texte und Bilder zu Personen, Zeitschriften, Vereinen, etc. der ersten Frauenbewegung in \u00d6sterreich abrufbar sind. Martina Gugglberger stellte die Webpage vor und beschrieb den Aufbau, Inhalte und Benutzungsm\u00f6glichkeiten. In der Diskussion wurde begr\u00fc\u00dft, dass die Biographien der dargestellten Frauen durch verschiedene Lexika-Zitate wiedergegeben wurden, wodurch Widerspr\u00fcche und Br\u00fcche in den Quellen sichtbar werden.<\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\">Lydia Jammernegg stellte danach die Weiterentwicklung der Homepage im neuen digitalen Archiv vor. Au\u00dfer dem Einbezug der Zwischenkriegszeit wird auch die Struktur der Homepage erneuert, beispielsweise um den Bereich &#8222;Kontext&#8220;, der Hintergrundinformationen zur Geschichte der ersten Frauenbewegung liefern wird. Statt einer Hypertextpr\u00e4sentation wird es sich nun um eine Datenbank handeln, in der gezielter gesucht werden kann.<\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\">In der Abschlussrunde wurde neben konkreten Anliegen in Bezug auf die Webpage (z.B. nach nicht-deutschsprachigen Eintr\u00e4gen) der Wunsch nach weiterem Austausch und Vernetzung ge\u00e4u\u00dfert. Zudem wurden Pl\u00e4ne f\u00fcr eine m\u00f6gliche Erforschung des Archivs des bis heute bestehenden Bundes \u00f6sterreichischer Frauenvereine gefasst. In den lebhaften Diskussionen nach jedem Vortrag entstand der Eindruck, dass die hier gebotene Gelegenheit, viele (einzeln gesammelte) Informationen und Forschungen zu Frauenbewegungsgeschichte in \u00d6sterreich auszutauschen und weiterzudiskutieren, freudig angenommen wurde und \u00e4hnliche Veranstaltungen bzw. weitere Diskussionsforen zum Thema gern gesehen w\u00e4ren.<\/p>\n<p align=\"left\">Projekt: <a href=\"https:\/\/www.univie.ac.at\/zeitgeschichte\/Projekte\/vittorelli.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Frauenbewegungen &#8211; &#8222;Frauen in Bewegung&#8220;. Digitales Archiv und Historiographie. Habsburgermonarchie und \u00d6sterreich von 1848 bis 1938 PDF<\/a><\/p>\n<p align=\"left\"><a href=\"http:\/\/www.onb.ac.at\/ariadne\/vfb\/index.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ariadne &#8211; Frauen in Bewegung <\/a>&#8211; Diskurse und Dokumente der \u00f6sterreichischen historischen Frauenbewegung 1848-1918<\/p>\n<p align=\"left\"><a href=\"https:\/\/www.univie.ac.at\/zeitgeschichte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Inistitut f\u00fcr Zeitgeschichte der Universit\u00e4t Wien<\/a><\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht f\u00fcr Salon 21 von Veronika W\u00f6hrer Am 20. April 2007 fand im Van Swieten Saal der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek ein prominent besetzter Workshop statt, bei dem Dokumentation und Forschungsstand zur Geschichte der ersten Frauenbewegung in \u00d6sterreich diskutiert wurden. Geladen hatten die Leiterinnen bzw. Mitarbeiterinnen des Projekts &#8222;Frauen in Bewegung. 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