{"id":17643,"date":"2014-08-10T02:24:03","date_gmt":"2014-08-10T02:24:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=17643"},"modified":"2022-07-06T12:37:25","modified_gmt":"2022-07-06T12:37:25","slug":"17643","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=17643","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 11: Briefe von Lili Stephani an ihren Ehemann, 11. bis 13. August 1914, Chemnitz"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000080;\"><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/NL-177-Lili-Stephani-1914-08-12-Handschrift-von-Lili-Stephani_121.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-18274 size-thumbnail\" title=\"Brief von Lili Stephani, 12. August 1914\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/NL-177-Lili-Stephani-1914-08-12-Handschrift-von-Lili-Stephani_121-150x150.jpg\" alt=\"Brief von Lili Stephani, 12. August 1914\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Im Hochsommer 1914 r\u00fccke der Ehemann von Lili Stephani, Hermann Stephani (geb. 1869), als Oberst an die Westfront ein, ihr Sohn Kurt (geb. 1896) wartete als Kadett in Leipzig auf den Marschbefehl. Die \u00e4lteste Tochter Elisabeth (geb. 1895) machte in diesen Wochen die vorgezogene Matura, um sich als Kriegskrankenschwester zu melden, was von Lili Stephani organisiert wurde. Als Ehefrau eines hochrangigen Milit\u00e4rs beteiligte sie selbst sich an mehreren \u201aLiebesgabenaktionen\u2018 und Geldsammlungen, zudem an sozialen Unterst\u00fctzungen \u201earmer Familien\u201c.<\/span><\/p>\n<p>10. August 1914, Chemnitz<br \/>\nMein geliebter Hermann!<br \/>\nZwei liebe Karten von Dir habe ich bekommen, aus Apolda und aus Oberlahnstein; wir sitzen vor der Landkarte und stellen Vermutungen an, wohin es von da aus mag gegangen sein, nach Norden oder nach S\u00fcden? Mein Herzensschatz, wie meine Gedanken und Gebete immer bei Dir sind, es ist eine schwere Zeit, aber auch eine gro\u00dfe Zeit!<br \/>\nEben, es ist neun Uhr abends, waren wir vorn an der Heinrich-Beck-Schule und sahen die beiden Reservekompagnien abr\u00fccken, es war herrlich, wie zuversichtlich und froh all die Leute waren, es waren doch Reservisten, gewi\u00df die meisten Familienv\u00e4ter, aber alle begeistert. Ich glaube, die meisten erfa\u00dft eine wahre Wut. Es ist ja auch emp\u00f6rend, man findet keine Worte daf\u00fcr, wenn man z.B. in den Zeitungen liest, wie in Belgien die Deutschen behandelt werden, wie Kranke, Frauen und Kinder vom P\u00f6bel ermordet worden sind, eben nur, weil sie Deutsche sind.<br \/>\n(\u2026) Heute fr\u00fch habe ich mir zusammen mit Frau S. bei Oberst H. einen Auswei\u00df geholt um einmal auf den Bahnhof gehen zu k\u00f6nnen, wenn Truppenz\u00fcge durchfahren. Ich h\u00f6rte gestern bei Frau E., da\u00df man das bekommt. H. war auch sehr liebensw\u00fcrdig und gab es uns sofort. Morgen wollen wir, da alle Stunden hier Z\u00fcge durchgehen, hingehen. Wir wollen Cigarren mitnehmen. Es wurde gesagt, das sei das Erw\u00fcnschteste, denn f\u00fcr Essen und Getr\u00e4nk ist ja schon gesorgt.<!--more--><br \/>\nDer Recktor M. hat heute geantwortet. Elisabeth<span style=\"color: #000080;\"> [19 Jahre]<\/span> k\u00f6nne das Notexamen mitmachen, aber Bedingung daf\u00fcr sei der schriftliche Nachweis, da\u00df die Bewerberin zur Verwendung in der milit\u00e4rischen Krankenpflege angenommen sei. Du kannst Dir denken, da\u00df uns diese Auskunft sehr besch\u00e4ftigt. Elisabeth hat ja schon die ganze Zeit gesagt, da\u00df sie sich so gern mit n\u00fctzlich machen wollte. Ich erkundigte mich also, ob sie den Pflegerinnenkursus, den jetzt das Rote Kreuz veranstaltet, mitnehmen k\u00f6nnte. Aber nat\u00fcrlich will alles wohl \u00fcberlegt und bedacht sein, da fehlt vor allen Dingen Dein Rat. Ich habe mich telephonisch mit dem Arzt, der den Kursus leitet, in Verbindung gesetzt und morgen fr\u00fch zwischen sieben und acht Uhr soll ich mit Elisabeth zu ihm kommen. \u2013 Wirkliche Krankenpflege wird Elisabeth ja k\u00f6rperlich kaum leisten k\u00f6nnen, wir dachten aber, es g\u00e4be da in einem Lazarett z.B. auch schriftliche Sachen oder dergleichen, wo sie sich beteiligen k\u00f6nne. Nun, das soll sich morgen fr\u00fch entscheiden und dann schreibe ich weiter. \u2013 \u2013 Heute Abend, \u2013 heute Nacht, mein lieber, lieber Hermann, wo wirst Du Dein Haupt zur Ruhe legen? Aber Du stehst \u00fcberall in Gottes Hand, das soll mein Trost und meine Zuversicht sein.<br \/>\nDienstag, den 11. August 1914<br \/>\nHeute fr\u00fch schreibe ich weiter, mein Brief wird tagebuch\u00e4hnlich, aber Du sollst doch m\u00f6glichst alles und alles so ausf\u00fchrlich wie m\u00f6glich von uns erfahren. Also, Elisabeth und ich machten uns um halb sieben auf den Weg zu Dr. H., der Arzt, der die Rote-Kreuz-Sache unter sich hat. Er empfing uns sofort und wir sagten ihm ehrlich und aufrichtig um was es sich handelte, auch meine Bedenken, da\u00df Elisabeth vielleicht ihres Beines wegen k\u00f6rperlich nicht kr\u00e4ftig genug sei. Er riet aber trotzdem zu dem Abiturium, denn er sagte, die jungen M\u00e4dchen w\u00fcrden nur stundenweise besch\u00e4ftigt, wechselte sich ab bei der Pflege und Elisabeth brauche nicht tagelang herumstehen. So haben wir uns dann in Gottes Namen entschlossen, da\u00df Elisabeth den Kursus mitnehmen soll. Der Doctor hat gleich die erforderliche Bescheinigung f\u00fcr das Examen ausgestellt und heute um 12 reist Elisabeth nach Plauen. Hoffentlich bist Du mit unseren Entschl\u00fcssen einverstanden!<br \/>\nDa war\u2019s wieder gut, da\u00df wir das Telephon hatten. Elisabeth hat sich gleich beim Rector f\u00fcr das Examen angemeldet und sich nach den Bedingungen erkundigt. Es dauert nur einen Tag. Morgen, Mittwoch d. 12., da wirst Du ihr auch den Daumen halten, wenn Du es w\u00fc\u00dftest, nicht wahr, mein Schatz? Dann telephonierten wir an F. um Elisabeth bei ihnen anzusagen, beide Ferngespr\u00e4che funktionierten ausgezeichnet. (&#8230;)<br \/>\nVon Kurt<span style=\"color: #000080;\"> [18 Jahre]<\/span> bekam ich heute fr\u00fch die erste ausf\u00fchrliche Nachricht aus Leipzig, ich schreibe gleich ein St\u00fcck seines Briefes ab: \u201eAm Morgen nach meiner sp\u00e4ten Ankunft in L. ging ich in die Kaserne mich zu melden. Hier war man zun\u00e4chst leicht erstaunt \u00fcber mein Erscheinen, beruhigte sich aber [&#8230;] mit denen man hier in die feinsten Lokale geht. Im \u00dcbrigen mache ich nichts, Du kannst Dir denken, was f\u00fcr ein furchtbarer Zustand!\u201c \u2013 \u2013 \u2013<br \/>\nIch kann mir gut vorstellen, da\u00df dieses Dasein unseren Jungen jetzt nicht befriedigt, aber es wird ja wohl nicht mehr lange so fortgehen, dann kommt auch an ihn die Reihe seine Pflicht zu tun! Er schreibt noch, er wohne weiter in der Wohnung des Leutnant K., weil dieser morgen fortginge. (&#8230;) Von Mobilmachungsgeld oder anderem Geld habe er in Leipzig noch nichts gesehen! (&#8230;) F\u00fcr heute 1000 Gr\u00fc\u00dfe mein lieber Schatz, ich k\u00fcsse Dich und segne Dich! Gott sei mit Dir. In innigster, treuester Liebe Deine Lili<\/p>\n<p>12. August 1914, Chemnitz<br \/>\nMein lieber, lieber Schatz!<br \/>\nWenn ich an Dich schreibe, bin ich am allerruhigsten. Es ist dann, als w\u00e4rst Du mir n\u00e4her. Und Du bist doch so meilenweit fern von mir und ich wei\u00df nicht einmal, wo Dich meine Gedanken suchen sollen. Ich sitze vor der Karte und wenn ich Oberlahnstein sehe, woher Deine letzte Nachricht kam, denke ich, Ihr kommt in die Gegend von Metz oder nach Belgien, in dieses entsetzliche Land, wo der Krieg so unmenschlich gef\u00fchrt wird. Es ist schwer, Dich, mein liebes, liebes Herz in solchen Gefahren zu wissen, aber ich glaube deshalb nicht, da\u00df wir mutlos sind. Du hast es mir ja durch Dein Vorbild gezeigt wie ich sein mu\u00df; ich denke immer daran, wie Du zuversichtlich und voll Gottvertrauen von mir gingst und bem\u00fche (mich) auch so zu sein. Ich f\u00fcrchte, die n\u00e4chsten Tage werden vielleicht auch f\u00fcr Euch Entscheidungen und K\u00e4mpfe bringen und wir hier k\u00f6nnen weiter nichts tun als f\u00fcr Euch beten, aber das wollen wir aus tiefstem Herzen tun.<br \/>\nHeute, am 12, ist nun unsere Elisabeth in Plauen um ihr Abiturium zu machen. Ich bin nicht bange, da\u00df sie es besteht. (\u2026) Ich habe mir eine gro\u00dfe Karte f\u00fcr 1.50 M. gekauft um alles, was auf dem Kriegsschauplatz vor sich geht, genau verfolgen zu k\u00f6nnen. Sie liegt in Deinem Zimmer ausgebreitet auf dem Tisch. Wenn die Nachrichten nur nicht alle so kurz und sp\u00e4rlich w\u00e4ren! \u2013<br \/>\n(\u2026) Hier rollen Tag und Nacht die Milit\u00e4rz\u00fcge durch. Wir h\u00f6ren ganz deutlich in unserer Wohnung, wenn ein Zug \u00fcber die Br\u00fccke am Nikolaibahnhof f\u00e4hrt. Da h\u00f6rt man, wie die Leute Hurra rufen und jubeln. Und heute Nachmittag hat uns Frau S., die mir viele Gr\u00fc\u00dfe an Dich aufgetragen hat, veranla\u00dft mit heraus nach Gr\u00fcnau zu fahren; dort darf man mit Liebesgaben auf den Perron. Zwar halten dort die Z\u00fcge nicht, aber sie fahren so langsam durch die Station, da\u00df man alles bequem in den fahrenden Zug reichen kann. In zwei Stunden kamen f\u00fcnf lange, lange Z\u00fcge durch. Wir hatten alles M\u00f6gliche mitgenommen: Cigarren, Taback, Chocolade, Pfefferminz, Cakes, alles in kleinen Packeten, sogar P\u00e4ckchen mit Zucker f\u00fcr die Pferde. Aber unsere Vorr\u00e4te waren wie ein Tropfen ins Meer, bei den Hunderten von H\u00e4nden, die sich ausstreckten. \u2013 Aber zu jedem Zug waren wieder neue Geber da, einfache Leute auch, mit K\u00f6rben voll Flaschen, mit Getr\u00e4nken, Kinder mit P\u00e4ckchen, jeder wollte geben und helfen und so wird es auf jeder Station sein.<br \/>\nDu kannst Dir denken, da\u00df Christine <span style=\"color: #000080;\">[16j\u00e4hrige Tochter]<\/span> mit Feuer und Flamme dabei war, auf manche P\u00e4ckchen schrieb sie ihre Adresse und: \u201eschreibt mir mal\u201c! oder: \u201eGr\u00fc\u00dft meinen Vater beim Regiment 181.\u201c \u2013 Nun hofft sie sehnlichst auf eine Feldpostkarte. \u2013<br \/>\nF\u00fcr heute Abend soll es nun genug sein, morgen Fortsetzung. Ob Du schon einen Brief von mir bekommen hast? Ich glaube nicht; f\u00fcr dich ist es ja auch nicht so schwer Nachricht zu entbehren, du kannst ja annehmen, da\u00df bei uns alles seinen ruhigen Gang weitergeht. Gott mit dir, mein liebes Herz, wo wirst Du denn Dein Haupt zur Ruhe legen? Gewi\u00df unter freiem Himmel! Gott sch\u00fctze und beh\u00fcte Dich!<br \/>\n13.August<br \/>\nDer heutige Morgen brachte mir Deinen Brief aus Speicher! Ach, wie dankbar ist man doch f\u00fcr solch ein Lebenszeichen, wenn auch Tage vergangen sind seit Du es geschrieben. Ende der Woche, schreibst Du, soll es zur ersten Entscheidungsschlacht kommen. Heute ist Donnerstag, ach Gott, wie mag es nur (um) Euch alle stehen? Aber ich will nicht klagen; Gott allein kann Euch sch\u00fctzen!<br \/>\nIch lege Dir Kurts heutigen Brief bei. Der arme Junge kommt bald um vor Ungeduld und mir schwachen Mutter ist es eine Beruhigung ihn noch geborgen zu wissen. (\u2026)<br \/>\nSchrieb ich Dir schon in einem meiner vorigen Briefe, da\u00df Ex. von G. eine Sammlung f\u00fcr die Unteroffiziersfamilien veranstaltet hat, durch Oberst. H.. Die Gattin eines hiesigen Hauptmanns hat (ungenannt) 2000 Mk. Gestiftet. Ich habe, nach unseren Verh\u00e4ltnissen erschien es mir das Richtige, 30 Mk. hingeschickt. Es werden ja jetzt so viel Anforderungen gestellt und von Herzen gern giebt man ja, was man kann. Wie sch\u00f6n mu\u00df es sein, jetzt mit vollen H\u00e4nden, ohne rechnen zu m\u00fcssen, geben zu k\u00f6nnen. Ich habe schon zwei arme Familien, wo der Vater fort ist, f\u00fcr die ich einmal in der Woche Essen koche. Auch ein N\u00e4hverein wird gegr\u00fcndet. Ich will mich beteiligen, wo ich kann. Heute und gestern steht viel in der Zeitung von dem Sieg bei M\u00fchlhausen: Die deutschen Truppen haben 10 franz\u00f6sische Offiziere, 513 Mann gefangen genommen, vier Gesch\u00fctze, zehn Fahrzeuge, eine sehr gro\u00dfe Zahl Gewehre erbeutet. Der deutsche Boden ist vom Feinde ges\u00e4ubert. Bei Lagarde sind den deutschen Truppen \u00fcber 1000 unverwundete Kriegsgefangene in die H\u00e4nde gefallen, \u00fcber ein Sechstel der beiden franz\u00f6sischen Regimenter, die im Gefecht standen. \u2013 \u2013 \u2013<br \/>\nAch, mein guter, geliebter Hermann, wo magst Du jetzt sein! Gott sch\u00fctze Dich, Gott segne Dich! In innigster Liebe und Treue denkt Deiner unabl\u00e4ssig, Deine Lili.<\/p>\n<p>13. August 1914, Chemnitz<br \/>\nMein geliebter Hermann!<br \/>\nOb Du schon eine Nachricht von mir bekommen hast? Wie mag es Dir ergehen. Nun wird das Warten f\u00fcr uns immer ernster! Der Tag geht so hin, da wird man abgelenkt und man sich mit allen m\u00f6glichen Besch\u00e4ftigungen, aber nachts, wenn man aufwacht, dann kommt die Angst und Sorge. Wenn wir denken m\u00fcssen, da\u00df es nun ernst wird f\u00fcr Euch, vielleicht in diesen Tagen schon, und wir h\u00f6ren und erfahren nichts davon! Es geh\u00f6rt viel Mut und Gottvertrauen dazu, dies zu ertragen. Aber ich will standhaft sein. Denke nicht, da\u00df ich weine und klage, mein liebes Herz. Ich bitte nur Gott st\u00fcndlich, da\u00df er Dich beh\u00fcten m\u00f6ge, mein Guter, Lieber! Da\u00df ich Kurt noch in Leipzig wei\u00df, ist mir ein kleiner Trost. Heute schreibt er, da\u00df er nun endlich auch zu tun habe, ich soll deshalb nicht am 18. und 19. hinkommen sondern schon am Sonntag fr\u00fch 7 Uhr 30 hier weg, 1\u00bd12 ist man in Leipzig. (\u2026)<br \/>\n\u2013 Heute Nachmittag ist <span style=\"color: #000080;\">[Elisabeth]<\/span> aus Plauen zur\u00fcckgekommen mit bestandenem Abiturium. Die Censur ist ihnen aber noch nicht gesagt worden. Es ist Bestimmung vom Ministerium, da\u00df das endg\u00fcltige Zeugnis erst verabreicht wird, wenn die Betreffenden bei der Krankenpflege t\u00e4tig sind resp. zur Truppe ausgehoben sind. Morgen fr\u00fch wird El. nun noch mal zum Arzt gehen um mit ihm R\u00fccksprache zu nehmen. Das Abiturium war nur m\u00fcndlich, von 8 bis \u00bd 1, von 3 bis \u00bd 6. El. meint, sie habe in Allem gut abgeschnitten, nur in Chemie sei sie etwas hereingefallen. (\u2026)<br \/>\nGestern war ich bei Frau S. um einen Auftrag <span style=\"color: #000080;\">[eine Geldsammlung]<\/span> wegen Commerzienrat V. auszuf\u00fchren. Frau S. riet mir pers\u00f6nlich hinzugehen. Du kennst mich ja und wirst Dir denken, da\u00df mir solch ein Gang nicht leicht geworden ist. Aber ich nahm allen meinen Mut zusammen, dachte daran, da\u00df Du es w\u00fcnschtest und mir gewisserma\u00dfen aufgetragen hattest und begab mich heute vormittag hin um eben zu betteln. Ich kann allerdings nicht anders sagen, als da\u00df ich unendlich liebensw\u00fcrdig aufgenommen wurde. Herr und Frau V. waren beide da. Er h\u00e4ndigte mir sofort 100 Mk. ein und versprach auch sich weiter f\u00fcr die Sache zu interessieren. Heute schrieb auch Frau von G., ich solle Sonntag zu ihr kommen um mit Oberst H. und Frau H. gemeinsam zu besprechen \u00fcber die Ma\u00dfnahmen zur Versorgung der Unteroffiziersfamilien. (\u2026) Du kannst also ziemlich beruhigt sein und auch den Familienv\u00e4ter der Unteroffiziere versprechen, da\u00df hier getan wird, was irgend m\u00f6glich. Es ist \u00fcberhaupt r\u00fchrend und erhebend zugleich, wie jeder sich bem\u00fcht zu geben und zu helfen. Nun lebe wohl f\u00fcr heute, mein geliebter Herzensschatz, Gott beh\u00fcte, Gott segne Dich! Ich k\u00fcsse Dich, ich umarme dich in treuester inniger Liebe<br \/>\nDeine Lili<br \/>\n1000 Gr\u00fc\u00dfe von den Kindern, sie sind fr\u00fch zu Bett gegangen. Elisabeth war sehr m\u00fcde. F\u00fcr morgen, Sonnabend Nachmittag habe ich ein paar Regimentsdamen zu mir zum Tee eingeladen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 177<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> N\u00e4chster Eintrag aus dem Nachlass von Familie Stephani am <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=17658\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">13. August 2014<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Voriger Eintrag aus dem Nachlass von Familie Stephani am <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=17596\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">7. August 2014<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 11, Briefe von Lili Stephani an ihren Ehemann, 11. bis 13. August 1914, SFN NL 177, unter:\u00a0https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=17643<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Hochsommer 1914 r\u00fccke der Ehemann von Lili Stephani, Hermann Stephani (geb. 1869), als Oberst an die Westfront ein, ihr Sohn Kurt (geb. 1896) wartete als Kadett in Leipzig auf den Marschbefehl. 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