{"id":17658,"date":"2014-08-13T01:08:58","date_gmt":"2014-08-13T01:08:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=17658"},"modified":"2022-06-02T15:42:46","modified_gmt":"2022-06-02T15:42:46","slug":"der-erste-weltkrieg-in-nachlaessen-von-frauen-nr-12-briefe-von-christine-stephani-an-ihren-vater-13-und-22-august-1914-chemnitz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=17658","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 12: Briefe von Christine Stephani an ihren Vater, 13. und 22. August 1914, Chemnitz"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000080;\"><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/NL-177-Christine-Stephani-1914-08-13.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-17662 size-thumbnail\" title=\"Brief von Christine Stephani, 13. August 1914\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/NL-177-Christine-Stephani-1914-08-13-150x150.jpg\" alt=\"NL 177 Christine Stephani 1914 08 13\" width=\"150\" height=\"150\"><\/a>Die 16-j\u00e4hrige Christine Stephani (geb. 1898) besuchte eine Internatsschule in Gnadau in Sachsen-Anhalt. Ihr Vater und ihr Bruder Kurt Stephani (geb. 1896) waren Milit\u00e4rangeh\u00f6rige und seit Kriegsbeginn einger\u00fcckt, ihre \u00e4ltere Schwester Elisabeth Stephani (geb. 1895) meldete sich nach der vorgezogenen Matura als Kriegskrankenschwester. Sie selbst engagierte sich in privaten sowie in schulisch organisierten \u201aLiebesgabenaktionen\u2018.<\/span><\/p>\n<p>Chemnitz, d. 13. 8. 1914<br \/>\nMein lieber Vater!<br \/>\nMutti und ich sind wieder mal allein zu Hause. Elisabeth&nbsp;treibt sich in Plauen rum <span style=\"color: #000080;\">[wo sie gerade die Matura abgelegt hatte]<\/span>. Dienstag mu\u00df ich nun leider auch wieder nach Gnadau<span style=\"color: #000080;\"> [in die Schule]<\/span>. Gestern waren wir mit Frau S. in Gr\u00fcnau auf dem Bahnhof um Soldatenz\u00fcge zu erwarten. Wir hatten Zigarren, Zeitungen, Schokolade und Pfefferminz en masse mit. Die Z\u00fcge fuhren ganz langsam vorbei, so da\u00df man bequem hineinreichen konnte.<br \/>\nAuf Tafeln Schokolade und Zeitungen habe ich meine Adresse und viele Gr\u00fc\u00dfe und Gl\u00fcckw\u00fcnsche geschrieben. Hoffentlich schreibt mir jemand mal. Gr\u00fc\u00dfe an Dich und Kurt habe ich auch mit draufgeschrieben. Das Wetter ist herrlich, hoffentlich bratet ihr nicht so sehr. Hab nur rechten Mut und furchtbaren Ha\u00df gegen eure Feinde, dann siegt ihr auch.<br \/>\nDer Pferde hatten wir auch gedacht in Gr\u00fcnau. Wir hatten Packete mit je 12 St\u00fcck Zucker gemacht und &#8222;f\u00fcr die lieben Pferde&#8220; draufgeschrieben. Hoffentlich haben\u2019s die Soldaten nicht selbst gegessen. Nun Schlu\u00df. Tausend Siegesgr\u00fc\u00dfe von Deiner Tochter Christine.<br \/>\nGr\u00fc\u00df Klopfer<span style=\"color: #000080;\"> [den &#8222;Burschen&#8220; des Vaters]<\/span><\/p>\n<p>22. August 1914, Gnadau<br \/>\nMein lieber Vater.<br \/>\nNun bin ich wieder in Gnadau, doch gar keine Lust zum Lernen wegen der t\u00e4glichen Spannung. Von Halle nach Gnadau fuhren wir mit Einberufenen, einer kam aus <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span> und mu\u00df sich in Hamburg stellen, Frau und Kinder hat er noch dort. Wir sangen mit ihnen Kriegslieder. Es war herrlich. In <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span> war ein verwundeter Soldat, der L\u00fcttig mit erobert hatte. Als wir gestern, Freitag, die herrliche Nachricht von Metz erhielten, umarmten wir uns. Die schwarz-wei\u00df-rote Flagge wurde gehi\u00dft unter dem Gesang \u201eDie Wacht am Rhein\u201c. Sicher war 181<span style=\"color: #000080;\"> [Regiment des Vaters]<\/span> bei Metz dabei. Schreibe mir doch bitte mal.<br \/>\nJeden Mittag bekommen wir die neuesten Telegramme vorgelesen. Wir stricken furchtbar eifrig, ich habe Kniew\u00e4rmer in T\u00e4tigkeit. Mutti und ich sind Sonntag, den 16. nach Leipzig gefahren, Mutti wollte doch Kurt noch sehen. Ich war noch <!--more-->mal mit Lene S. auf der Bugra. Ganz gr\u00fcndlich haben wir uns das Haus der Kultur angesehen. Es war sehr interessant. Jedoch eine g\u00e4hnende Leere. Da\u00df Japan noch mitmachen will, finde ich niedrig. Gestern Abend war zur Feier vom Sieg bei Metz ein Lampion- und Fackelzug. Einem Einberufenen habe ich Gr\u00fc\u00dfe aufgetragen. Er hat sich es sogleich aufgeschrieben.<br \/>\nDa\u00df der Papst gestorben ist, wirst Du wohl wissen. Gr\u00fc\u00dfe Klopfer vielmals von mir, und wenn m\u00f6glich auch aller 134er, die ich gern habe.<br \/>\nNun Schlu\u00df. Schreibe mir doch bitte mal. Diese Karte kommt dann auch in mein Tagebuch.<br \/>\nViele herzliche Gr\u00fc\u00dfe<br \/>\nDeine Tochter Christine<\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 177<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> N\u00e4chster Eintrag aus dem Nachlass von Familie Stephani <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=17666\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 29. August 2014<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Voriger Eintrag aus dem Nachlass von Familie Stephani am <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=17643\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">11. August 2014<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 12: Briefe von Christine Stephani an ihren Vater, 13. und 22. August 1914, SFN NL 177, unter: https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=17658<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 16-j\u00e4hrige Christine Stephani (geb. 1898) besuchte eine Internatsschule in Gnadau in Sachsen-Anhalt. Ihr Vater und ihr Bruder Kurt Stephani (geb. 1896) waren Milit\u00e4rangeh\u00f6rige und seit Kriegsbeginn einger\u00fcckt, ihre \u00e4ltere Schwester Elisabeth Stephani (geb. 1895) meldete sich nach der vorgezogenen Matura als Kriegskrankenschwester. Sie selbst engagierte sich in privaten sowie in schulisch organisierten \u201aLiebesgabenaktionen\u2018. 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