{"id":18065,"date":"2014-10-18T02:57:45","date_gmt":"2014-10-18T02:57:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=18065"},"modified":"2022-07-06T12:14:20","modified_gmt":"2022-07-06T12:14:20","slug":"der-erste-weltkrieg-in-nachlaessen-von-frauen-nr-19-tagebucheintrag-der-wienerin-bernhardine-alma-17-und-25-oktober-1914","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=18065","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 19: Tagebuch von Bernhardine Alma, 18. und 25. Oktober 1914, Wien"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000080;\"><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/NL-09-Alma-Bernhardine-1914-10-18.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-18167 size-thumbnail\" title=\"Tagebuch von Bernhardine Alma, 18. Oktober 1914\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/NL-09-Alma-Bernhardine-1914-10-18-150x150.jpg\" alt=\"Tagebuch von Bernhardine Alma, 18. Oktober 1914\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Bernhardine Almas (geb. 1895) bem\u00fchte sich seit Beginn des Ersten Weltkrieges um die Erlaubnis ihrer Eltern, sich im Kriegshilfsdienst in der Verwundeten-Pflege engagieren zu d\u00fcrfen. Im Oktober 1914 stimmten sie schlie\u00dflich dem Besuch eines entsprechenden Kurses zu, den sie nun abends besuchte. In ihren Tageb\u00fcchern stellt sich Bernhardine Alma zudem als zunehmend gl\u00e4ubige Katholikin dar, indem sie etwa regelm\u00e4\u00dfig Kirchenbesuche und Beichtgespr\u00e4che vermerkt. Ihr Vater Maximilian Alma\/Altmann (geb. 1864) war als junger Mann vom mosaischen zum katholischen Bekenntnis konvertiert.<\/span><\/p>\n<p>Sonntag, abends.17. Oktober<br \/>\nAch, heute ist schon der 18! und Sonntag abends. Ich wei\u00df nicht, wie ich zu solchem Irrtum kam. \u00dcbrigens irrt der Mensch, so lang er strebt und ist nur der Irrtum des Lebens. \u2013 Das Wetter verh\u00e4lt sich sch\u00f6n, aber es ist noch immer Krieg. Das nebenbei die Eltern einen anfangen, ist zu der gro\u00dfen Zeit kleinlich. \u2013 Gebeichtet habe ich gestern nicht, da ich umsonst in die Kirche wartete und zulange nicht bleiben wollte. Der Barmherzige Bruder hat gestern bedauert, noch keinen Hl. Bernhard <span style=\"color: #000080;\">[vermutlich ein Andachtsbild]<\/span> zu haben. Und abends war mein Kurs! Nat\u00fcrlich hatte ich noch Zeit die Betten etz zu machen. Mein Kurs ist reizend. Es sind viele H\u00f6rer und -innen, der Professor, etwas \u00c4hnliches und ein junger Bursch, an dem probiert wird. Das Vortragen schon ist sehr interessant, aber das Praktische liegt mir halt noch viel mehr. Da ich das 2. Mal das 1. Mal war, meldete ich mich bei den praktischen Versuchen nicht, werde es aber n\u00e4chsten Samstag tun.<\/p>\n<p>Ach, und die Pr\u00fcfung am Schlu\u00df! \u2013 Aber daf\u00fcr brauch ich ein Buch um 40 h. \u2013 Bisher habe ich davon nichts gesagt. Da sich die Mama aber sehr f\u00fcr den Kurs interessiert, habe ich Hoffnung darauf, was ich ja so sehr will! \u2013 Es ist ja entz\u00fcckend, da\u00df ich hingehen kann und wenn ich dann ein Zeugnis habe, ein gutes nat\u00fcrlich, habe ich auch viel mehr Aussicht, zu Verwundeten zu kommen. Was in einer Woche ist? \u2013 Habe ich da schon das Buch? Wie war es da am Samstag? \u2013 \u2013 \u2013 Was in einem Monat sein wird? Was wird bis zu meinem Geburtstag geschehen?! \u2013 Heute war Kirchweifest, daher eine feierliche Messe, nach deren Ende Knabenh\u00f6rtler <span style=\"color: #000080;\">(?)<\/span> reizend die Volkshymne bliesen. Heute wurden Oper und Burg er\u00f6ffnet. Zu Marius <span style=\"color: #000080;\">[j\u00fcngerer Bruder, geb. 1902]<\/span> kommen der Arthur N. und Carlo N. viel. Heute spielte Papa wundersch\u00f6n Klavier. Papa sollte seine Sachen doch aufschreiben! \u2013 Ich bin auf meinen k\u00fcnftigen Gatten sehr neugierig. Ich m\u00f6chte mein Buch f\u00fcr die Pr\u00fcfung m\u00f6glichst bald haben! \u2013 Das will ich so sehr!!! \u2013<!--more--><\/p>\n<p>[\u2026]<\/p>\n<p>Samstag. 25.Oktober 1914. abends.<br \/>\n\u201eDich gr\u00fc\u00dfend, nahm\u2018 ich Abschied auf von dir!\u201c N\u00e4mlich bis Donnerstag, resp. Freitag. Der Doktor sagte n\u00e4mlich gestern, da\u00df er, nachdem der Krieg ihn brauche, schon Donnerstag die Pr\u00fcfung mache. Das ist schrecklich schnell gekommen. Ich habe sehr viel zu lernen, denn meine h\u00e4uslichen Pflichten werde ich nicht vernachl\u00e4ssigen, das ist doch klar. Dann m\u00f6chte ich auch wissen, wie die Pr\u00fcfung war, wenn ich wieder hereinschreiben. Ob ich sie bestanden habe? Vorz\u00fcglich bestanden. Hilf mir mein Gott! Allein kann ich sie nicht bestehen und mir liegt so viel daran, so sehr viel! \u2013 \u2013 \u2013 Jetzt sind sch\u00f6ne, ruhige Tage, k\u00fchl und mild. Tage, an denen man sich wohl f\u00fchlen m\u00f6chte. Papa spielt entz\u00fcckend Klavier, die Beatrix<span style=\"color: #000080;\"> [vermutlich eine selbst komponierte Operette]<\/span>. Nach dem Furchtbaren des Krieges wirkt die Kunst doppelt sch\u00f6n. (\u2026) Cora<span style=\"color: #000080;\"> [die \u00e4ltere Schwester, geb. 1890, deren Verlobter Sergius als Soldat eingezogen war]<\/span> ist grauslich, wenn es l\u00e4utet und nicht der erwartete Brieftr\u00e4ger ist. \u2013 Nun schlie\u00dfe ich. Ich m\u00f6chte die Pr\u00fcfung gut bestehen! \u2013 Oh, wenn sie nur schon vorbei w\u00e4re \u2013 vorz\u00fcglich vorbei! \u2013 Sie geht mir ja so, so, so nahe! Wenn ich wieder herein schreibe \u2013 \u2013 !!!! \u2013<\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 09<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> N\u00e4chster Eintrag aus dem Tagebuch von Bernhardine Alma <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=18086\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 29. Oktober 2014<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Voriger Eintrag aus dem Tagebuch von Bernhardine Alma <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=18015\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 15. September 2014<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert.<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #000080;\">Zum Tagebuch von Bernhardine Alma im Ersten Weltkrieg siehe auch: Ulrike Seiss, \u201c\u2026 ich will keinen Krieg oder als Krankenschwester mit!\u201d Selbstinszenierungen, Kriegsrezeption und M\u00e4nnlichkeitsbilder im Tagebuch einer jungen Frau im Ersten Weltkrieg, Wien, Diplomarbeit, 2002 sowie weiters <a href=\"https:\/\/ww1.habsburger.net\/de\/erinnerungen\/tagebuch-aus-der-hinterlassenschaft-von-bernhardine-alma\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ww1.habsburger.net\/de.<\/a><br \/>\n<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 19: Tagebuch von Bernhardine Alma, 17. und 25. Oktober 1914, SFN NL 09, unter: URL<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernhardine Almas (geb. 1895) bem\u00fchte sich seit Beginn des Ersten Weltkrieges um die Erlaubnis ihrer Eltern, sich im Kriegshilfsdienst in der Verwundeten-Pflege engagieren zu d\u00fcrfen. Im Oktober 1914 stimmten sie schlie\u00dflich dem Besuch eines entsprechenden Kurses zu, den sie nun abends besuchte. 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