{"id":19908,"date":"2015-02-06T01:56:17","date_gmt":"2015-02-06T01:56:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=19908"},"modified":"2022-07-06T12:15:48","modified_gmt":"2022-07-06T12:15:48","slug":"der-erste-weltkrieg-in-nachlaessen-von-frauen-nr-29-tagebuch-von-bernhardine-alma-6-bis-8-februar-1915-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=19908","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 29: Tagebuch von Bernhardine Alma, 6. bis 8. Februar 1915, Wien"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #333399;\"><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/NL-09-Alma-Bernhardine-1915-02-06.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-19930 size-thumbnail\" title=\"Tagebuch von Bernhardine Alma, 6. Februar 1915\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/NL-09-Alma-Bernhardine-1915-02-06-150x150.jpg\" alt=\"NL 09 Alma Bernhardine 1915 02 06\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Im Februar 1914 schien sich f\u00fcr Bernhardine Alma (geb. 1895) eine M\u00f6glichkeit zu finden, sich in der Kriegskrankenpflege zu engagieren. In ihrem Tagebuch dokumentiert sie dabei auch den gro\u00dfen b\u00fcrokratischen Apparat, der die verschiedenen (freiwilligen) Hilfst\u00e4tigkeiten von Frauen und M\u00e4nnern im Ersten Weltkrieg administrierte.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>6. Februar 1915. Samstag, abends.<br \/>\n\u201eWas w\u00e4re das Leben ohne Hoffnung!\u201c \u2013 Das Wetter ist kalt. <span style=\"color: #333399;\">(\u2026) <\/span>Heute ging ich mit Sigrid <span style=\"color: #333399;\">[der \u00e4lteren Schwester, geb. 1891]<\/span> ins Rote Kreuz \u2013 sie wartete heraussen. Ich fragte einen jungen Mann um die Frau v. B. (sie ist zwar ein Frl.) der mich hinwies. Ich h\u00e4tt\u2018s alleine auch gefunden! \u2013 Ich gab ihr die Empfehlung zur\u00fcck (sie sagte, da\u00df die Baronin S. gestern da gewesen war!) und dann sagte ich, da\u00df ich auch in die Kanzlei ginge oder in die K\u00fcche \u2013 aber Pflegerin sei mir am liebsten. Nun gab sie mir eine Empfehlung an ein Frl. B. oder B.<span style=\"color: #333399;\"> [zwei \u00e4hnlich klingende Namen]<\/span> (ich sah ihr beim Schreiben zu), sie fing an: \u201e\u00dcberbringerin wurde vom Gf. Traun empfohlen\u201c (so \u00e4hnlich) und dann merkte sie mich auch als Hilfspflegerin vor, und sagte, da\u00df sie mir schreiben w\u00fcrde, das hei\u00dft darum ersuchte ich sie. Sollte die Empfehlung keinen Erfolg habe, soll ich wieder zu ihr kommen. Nun gingen Sigrid u. ich (Sigrid wartete dann wieder) (der eine Beamte fragte mich heute, ob die Sache erledigt sei, was ich leider verneinen mu\u00dfte). \u00dcbrigens hatte mich der Dr. v. ? dem Grafen Traun als Fr\u00e4ulein Alma vorgestellt, (am Donnerstag) also, wir gingen in die Tuchlauben 7. Ein sehr netter \u00e4lterer Herr f\u00fchrte mich zum Frl. B., dem er meine Empfehlung gab. Nun war das Frl. sehr nett, ich setze mich, sie schrieb sich Namen, Alter, Wohnung auf von mir, da\u00df ich von 3-6 f\u00fcr B\u00fcroarbeiten, Depots oder K\u00fcche sei, <!--more-->als Anmerkung schrieb sie dazu vom Grafen Traun empfohlen. Und sie wird mir schreiben, k\u00f6nne aber vorl\u00e4ufig noch keinen Termin angeben. Hoffentlich komme ich bald dazu! Nun werde ich von Brieftr\u00e4ger zu Brieftr\u00e4ger warten. Aber das Gef\u00fchl, da\u00df nichts draus wird, das ich bei der L. damals und vorgestern beim Grafen hatte, hatte ich diesmal nicht. Sollte ich lange keine Antwort bekommen, m\u00f6chte ich von meinen Eltern erreichen, da\u00df ich Frl. v. B. um eine Empfehlung ins St. Elisabeth Spital bitten kann. Sigrid beichtete heute beim D. <span style=\"color: #333399;\">[dem Pfarrer der Schreiberin]<\/span>; er sah reizend aus. \u2013 Ich hoffe auf eine baldige Antwort vom Roten Kreuz. Habe ich bis zum 16. Februar schon eine g\u00fcnstige bekommen? \u2013<\/p>\n<p>Etwas sp\u00e4ter<br \/>\nMich regt das R.K. sehr auf. Wann werde ich Antwort bekommen? Ach, Hoffnung! Sigrid hat f\u00fcr die Leute Geschirr gekauft. Wann werde ich Antwort bekommen? Und was f\u00fcr??? \u2013 \u2013<\/p>\n<p>7. Februar 1915. Abends. Sonntag.<br \/>\nMich regt das Rote Kreuz so auf und ich darf es nicht zeigen. Am 18 d. beginnt die echte deutsche Blockade Englands. Ob ich bis dahin vom Roten Kreuz Nachricht bekommen haben werde? \u2013 Ach, ich mu\u00df so viel daran denken. Heute predigte der D. Heute waren Onkel und Tante (d.i. Hugo u. Hedwig) da. Papa spielte heute sehr sch\u00f6n Klavier. Wann ich Antwort bekommen werde, wann \u2013 und wie? \u2013<br \/>\nIch bin so, so, so ungl\u00fccklich!<br \/>\nSchl\u00e4gt eine Hoffnung fehl,<br \/>\nNie fehle dir das Hoffen,<br \/>\nEin Tor ist zugetan,<br \/>\nDoch tausend sind noch offen! \u2013<\/p>\n<p>8. Februar 1915 abends.<br \/>\nObigeres schrieb ich heute in sehr tr\u00fcber Stimmung. Dann kam Hoffnung \u00fcber mich. Vielleicht, vielleicht bekomme ich bald, sehr bald Antwort vom Roten Kreuz. Sollte dies (oder ich hoffe, hoffe, hoffe, da\u00df ich diese Woche noch recht sehr liebe Antwort bekomme) nicht sein bis zum 17. d., werde ich wahrscheinlich den hw. Herrn P. oder sonst einen hohen Geistlichen schreiben, damit ich eine Empfehlung ans St. Elisabethspital bekomme. \u2013 Es hofft der Mensch so lange er lebt. \u2013 Cora <span style=\"color: #333399;\">[die \u00e4lteste Schwester, geb. 1890]<\/span> will einen Samariterkurs machen, um dann als Sergius\u2018 <span style=\"color: #333399;\">[dem Verlobten, der als Soldat eingezogen war]<\/span> Frau <span style=\"color: #333399;\">[mit]<\/span> zu k\u00f6nnen. Sie darf nat\u00fcrlich \u2013 ach, Cora geht es eigentlich so gut und mir geht nichts aus. Aber vielleicht doch! <span style=\"color: #333399;\">(\u2026)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 09<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\"> N\u00e4chster Eintrag aus dem Tagebuch von Bernhardine Alma <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=19922\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 26. Februar 2015<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\"> Voriger Eintrag aus dem Tagebuch von Bernhardine Alma <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=19904\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 4. Februar 2014<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert.<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #333399;\">Zum Tagebuch von Bernhardine Alma im Ersten Weltkrieg siehe auch: Ulrike Seiss, \u201c\u2026 ich will keinen Krieg oder als Krankenschwester mit!\u201d Selbstinszenierungen, Kriegsrezeption und M\u00e4nnlichkeitsbilder im Tagebuch einer jungen Frau im Ersten Weltkrieg, Wien, Diplomarbeit,2002 sowie weiters <a href=\"https:\/\/ww1.habsburger.net\/de\/erinnerungen\/tagebuch-aus-der-hinterlassenschaft-von-bernhardine-alma\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ww1.habsburger.net\/de.<\/a><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 29, Tagebuch von Bernhardine Alma, Datum, SFN NL 09, unter: URL<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Februar 1914 schien sich f\u00fcr Bernhardine Alma (geb. 1895) eine M\u00f6glichkeit zu finden, sich in der Kriegskrankenpflege zu engagieren. In ihrem Tagebuch dokumentiert sie dabei auch den gro\u00dfen b\u00fcrokratischen Apparat, der die verschiedenen (freiwilligen) Hilfst\u00e4tigkeiten von Frauen und M\u00e4nnern im Ersten Weltkrieg administrierte. 6. Februar 1915. 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