{"id":20684,"date":"2015-05-08T01:51:25","date_gmt":"2015-05-08T01:51:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=20684"},"modified":"2022-07-06T12:32:37","modified_gmt":"2022-07-06T12:32:37","slug":"der-erste-weltkrieg-in-nachlaessen-von-frauen-nr-41-tagebuch-von-bernhardine-alma-8-bis-20-mai-1915-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=20684","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 42: Tagebuch von Bernhardine Alma, 8. bis 20. Mai 1915, Wien"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000080;\"><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/NL-09-Alma-Bernhardine-1915-05-08.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-20685 size-thumbnail\" title=\"Tagebuch von Bernhardine Alma, 8. Mai 1915 [Zum Vergr\u00f6\u00dfern anklicken]\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/NL-09-Alma-Bernhardine-1915-05-08-150x150.jpg\" alt=\"NL 09 Alma Bernhardine 1915 05 08\" width=\"150\" height=\"150\"><\/a>Bernhardine Alma (geb. 1895) f\u00fchrte von 1908 bis 1979 Tagebuch, das schlie\u00dflich 47 B\u00e4nden umfasste, die gesch\u00e4tzt 25.000 Eintr\u00e4ge enthalten. Darin dokumentierte sie u.a. auch sehr detailliert die Organisation ihrer unentgeltlichen Kriegshilfsdienst-Arbeiten als Schreibkraft im Ersten Weltkrieg. Seit Fr\u00fchling 1915 besuchte sie auch regelm\u00e4\u00dfig Soldaten in Wiener Spit\u00e4lern. Im Eintrag vom 20. Mai 1915 schildert sie zudem Unterstellungen, die Frauen gemacht wurden, die als Rot-Kreuz-Schwestern t\u00e4tig waren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">8. Mai 1915.<\/span> in the evening.<br \/>\n\u201eSchon zu viel edlen Blutes, Warmen Bauernbluts geflossen!\u201c <span style=\"color: #000080;\">[Zitat nach &#8222;Dreizehnlinden&#8220; von Friedrich Wilhelm Weber]<\/span> Der Gedanke an die, die buchst\u00e4blich leiden und bluten im Feld oder auf dem Meer, ist f\u00fcrchterlich. Ach, m\u00f6g die schmerzhafte Mutter Gottes sich der leidenden Frauen und M\u00fctter, sich die himmlische Marienk\u00f6nigin all des Lebens auf Erden erbarmen und uns von Gott einen Frieden erbitten.<\/p>\n<p>Die Zahl der gef. Russen in den Karpathen soll auf 70.000 gestiegen und Libau <span style=\"color: #000080;\">[Liepaja in Lettlant]<\/span> gefallen sein. Die Fr. v. P. <span style=\"color: #000080;\">[eine Vorgesetzte im Kriegshilfsdienst]<\/span> hat gesagt, wenn die Russen im Mai aus Galizien kommen, kann im Juni Frieden sein. \u2013 Die Totenliste schreibe ich sehr ungern. Bei den Gefangenen freut mich immer, da\u00df sie nicht gefallen sind. Aber die Toten sind so traurig zu schreiben. \u2013<!--more--> Das eine Frl., sie hei\u00dft Klara und ist bald 30 Jahre alt, (sieht aber j\u00fcnger aus), kann ich sehr gut leiden, weil sie sehr nett zu mir ist. Ich will<span style=\"color: #333399;\"> [als Schauspielerin]<\/span> zur B\u00fchne! \u2013 Ich will es mit einer Macht, als ob kein Krieg w\u00e4re.<\/p>\n<p>N\u00e4chste Woche gehe ich zur Marienandacht und zu den hl. Sakramenten. Hoffentlich ist es morgen nett im Spital, trotzdem ich mich sehr darauf freue, sehr! \u2013<\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">[\u2026]<\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">17. Mai 1915.<\/span> abends.<br \/>\nHeute war reizendes Wetter; warm, beinahe hei\u00df. Heute war die Lisi da<span style=\"color: #000080;\"> [beim Schreib-Dienst]<\/span>, was \u00f6d war, sie ist aber ganz lieb. Die Fr. v. P. war heute schon da und ganz nett; ich war ja wirklich flei\u00dfig, als sie fort war. Aber sie redet so gegen unsere Offiziere, nun, sie ist eben eine Deutsche. Und die Deutschen bilden sich so viel ein! \u2013<\/p>\n<p>Wenn nur mit Ru\u00dfland schon Friede w\u00e4re! \u2013 Das w\u00e4re wenigstens ein Anfang. Der Frieden ist so etwas Sch\u00f6nes \u2013 unsagbar sch\u00f6n und auf einmal ist so ein dumm=\u00f6der Krieg gekommen. Die Italiener sind ein grausliches Gesindel, aber kein Krieg ist besser als einer. Man mu\u00df sich doch nicht gegenseitig umbringen unter Kulturv\u00f6lkern; das konnten doch schon die Wilden. \u2013 Ich m\u00f6chte etwas Sch\u00f6nes erleben.<\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">[\u2026]<\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">20.Mai 1915. abends.<\/span><br \/>\nWird Krieg mit Italien sein? Es ist ein unausstehliches Gesindel, diese Italiener mit ihrer <span style=\"color: #000080;\">[d\u2019Anunzio]<\/span> \u2013 aber ich will doch nicht recht wieder einen neuen Krieg, der fordert wieder neue Menschenopfer. \u2013 Jetzt ist eine Extra-Ausgabe. \u2013 ist es der italienische Krieg? <span style=\"color: #000080;\">(\u2026)<\/span><\/p>\n<p>Die Lisi hat mir sehr viel Schlechtes von den Roten Kreuz Pflegerinnen erz\u00e4hlt. Im Findelhaus <span style=\"color: #000080;\">[Institution, wo alleine stehende Frauen ihre Kinder zur Welt bringen konnten]<\/span> sollen auf einmal 3000 gewesen sein u dgl. Man h\u00f6rt viel Schlechtes von ihnen. Ich will aber noch immer Verwundete pflegen. Ich bin etwas umfangen. Morgen mu\u00df ich um Kohle gehen, was \u00f6d ist. \u2013<\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 09<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\">N\u00e4chster Eintrag aus dem Tagebuch von Bernhardine Alma <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=21286\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 9. Juni 2015<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Voriger Eintrag aus dem Tagebuch von Bernhardine Alma <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=20630\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 17. April 2015<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert.<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #000080;\">Zum Tagebuch von Bernhardine Alma im Ersten Weltkrieg siehe auch: Ulrike Seiss, \u201c\u2026 ich will keinen Krieg oder als Krankenschwester mit!\u201d Selbstinszenierungen, Kriegsrezeption und M\u00e4nnlichkeitsbilder im Tagebuch einer jungen Frau im Ersten Weltkrieg, Wien, Diplomarbeit, 2002 sowie weiters <a href=\"https:\/\/ww1.habsburger.net\/de\/erinnerungen\/tagebuch-aus-der-hinterlassenschaft-von-bernhardine-alma\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ww1.habsburger.net\/de.<\/a><br \/>\n<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 41, Tagebuch von Bernhardine Alma, Datum, SFN NL 09, unter: URL<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernhardine Alma (geb. 1895) f\u00fchrte von 1908 bis 1979 Tagebuch, das schlie\u00dflich 47 B\u00e4nden umfasste, die gesch\u00e4tzt 25.000 Eintr\u00e4ge enthalten. 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