{"id":21276,"date":"2015-05-15T02:39:56","date_gmt":"2015-05-15T02:39:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=21276"},"modified":"2022-07-06T14:29:10","modified_gmt":"2022-07-06T14:29:10","slug":"der-erste-weltkrieg-in-nachlaessen-von-frauen-nr-43-karte-von-richard-poehn-an-seinen-bruder-15-mai-1915-von-einem-unbestimmbaren-ort-an-der-ostfront","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=21276","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 43: Feldpostschreiben von Richard P\u00f6hn an die Mutter, den Bruder und die Schwester in Wien, 15. bis 17. Mai 1915 von einem unbestimmbaren Ort an der Ostfront"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #333399;\"><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1915-05-15.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-21328 size-thumbnail\" title=\"Richard P\u00f6hn an den Bruder Hans P\u00f6hn, 15. Mai 1915\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1915-05-15-150x150.jpg\" alt=\"1915 05 15\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Der junge Wiener Richard P\u00f6hn (geb. 1892) war Mannschaftssoldat der \u201ek.u. k. Tiroler Kaiserj\u00e4ger\u201c an der s\u00fcdlichen Ostfront. In seiner Korrespondenz mit der Mutter, dem Bruder und der Schwester berichtete der 23-J\u00e4hrige von den Anstrengungen der langen Fu\u00dfm\u00e4rsche, der Teilnahme an Gefechten &#8222;in Stellung&#8220; und der rudiment\u00e4ren Unterbringung als &#8218;einfacher Soldat&#8216;. Je nach Adressatin und Adressat gab er dabei unterschiedlich direkte Auskunft \u00fcber seine lebensbedrohte Situation.<\/span><\/p>\n<p><strong>Richard P\u00f6hn an seine Mutter Amalie P\u00f6hn<\/strong><\/p>\n<p>15. \/ 5. 1915<br \/>\nLiebe Mama!<br \/>\nTeile dir mit dass ich noch immer auf dem Masch bin. Wir haben sch\u00f6nes Wetter das ist wirklich ein Gl\u00fcck. Die M\u00e4rsche strengen mich sehr an. Sonst bin ich gesund. Viele herzliche Gr\u00fc\u00dfe von deinem Sohn Richard<br \/>\nGr\u00fc\u00dfe an alle<\/p>\n<p><strong>Richard P\u00f6hn an seinen Bruder Hans P\u00f6hn<\/strong><\/p>\n<p>15. \/ 5. 1915<br \/>\nLieber Hans!<br \/>\nSeid 1. Mai war ich in 5 Gefechten, bin immer gl\u00fccklich durchgekommen.<br \/>\nAm 1. Mai war das gr\u00f6\u00dfte da glaubte ich nimmer das ich wieder gesund herraus komme den da St\u00fcrmten wir die Russischen Sch\u00fctzengr\u00e4ben. Am 2. Mai ging es vorwertz da kam es noch zu 4 Gefechten das dauerde bis zum 7.5. dann kammen die M\u00e4rsche die bis heute noch andauern die nehmen mich am meisten her, oft w\u00fcnschte ich mir eine Kugel, bin so m\u00fcde und Fu\u00dfweh habe ich.<br \/>\nViele herzliche Gr\u00fc\u00dfe von deinem Bruder Richard<\/p>\n<p><strong>Richard P\u00f6hn an seine Mutter Amalie P\u00f6hn<\/strong><\/p>\n<p>17. \/ 5. 1915<br \/>\nLiebe Mama!<br \/>\nIch habe Paket N 69. erhalten herzlichen Dank. Leider <!--more-->war es ganz zertr\u00fckt und die Eier waren schlecht. Wir befinden uns immer auf dem Masch. Liebe Mama schicke mir eine Zitronenseure. Eier bitte sende mir keine mehr, ich kaufe das Ei um 4,10 k. bei die Bauern, die ich meistens alsser roher trinke. Sonst gibt es nichts neues, ich bin gesund.<br \/>\nViele herzliche Gr\u00fc\u00dfe von deinem Sohn Richard<br \/>\nGr\u00fc\u00dfe an alle<\/p>\n<p><strong>Bereits im Februar 1915 hatte Richard P\u00f6hn die Situation der Unterbringung von Mannschaftssoldaten in einer Karte an seine Schwester Adolfine P\u00f6hn geschildert.<\/strong><\/p>\n<p>23. II. 1915<br \/>\nLiebe Addy!<br \/>\nIch weis wohl das du alles wissen willst, aber ich weis nicht ob ich deine Fragen beantworten darf. So schreibe ich dir aufs gradewol vielleicht bekommbst du die Karte. Wir sind immer in Stadeln ein quartiert stundenweid weck von kleine St\u00e4dte, die Sch\u00fctzengraben sind nicht so bequem wie mans in den Zeitungen liest f\u00fcr die Offiziere wohl aber Mannschaft nicht. Unsere sind meistens Mannhoch auch nur sitzshoch kleine Reume wo 2-3 auch 10 Mann platz haben, mit Stroh oder Reisig zum liegen betekt, dann sind kleine \u00d6fen oder offenes Feuer drinnen.<br \/>\nNat\u00fcrlich unter der Erde das Dach ist mit starke Baumeste dar\u00fcber 3 cm hohe Erde bedeckt. Schrapnellsicher <span style=\"color: #333399;\">[mit Metallkugeln gef\u00fcllte Artilleriegranate]<\/span>. N\u00e4chstesmal wieder etwas.<br \/>\nHerzliche Gr\u00fc\u00dfe von deinem Bruder Richard<\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 20<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">N\u00e4chster Eintrag aus der Korrespondenz von Richard P\u00f6hn <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=21331\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 22. Mai 1915<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 43, Briefe von Richard P\u00f6hn, Datum, SFN NL 20, unter: URL<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der junge Wiener Richard P\u00f6hn (geb. 1892) war Mannschaftssoldat der \u201ek.u. k. Tiroler Kaiserj\u00e4ger\u201c an der s\u00fcdlichen Ostfront. 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