{"id":21283,"date":"2015-05-05T01:20:34","date_gmt":"2015-05-05T01:20:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=21283"},"modified":"2022-07-06T14:36:53","modified_gmt":"2022-07-06T14:36:53","slug":"der-erste-weltkrieg-in-nachlaessen-von-frauen-nr-41-briefe-des-wieners-adolf-mueller-an-seine-ehefrau-5-mai-und-9-juli-1915-aus-libiazlibiaz-und-tarnowtarnow-in-galinzien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=21283","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 41: Briefe des Wieners Adolf M\u00fcller an seine Ehefrau, 5. Mai und 9. Juli 1915 aus Libiaz und Tarn\u00f3w in Galinzien"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #333399;\"><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1915-05-05.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-21337 size-thumbnail\" title=\"Adolf an Louise M\u00fcller, 5. Mai 1915\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1915-05-05-150x150.jpg\" alt=\"1915 05 05\" width=\"150\" height=\"150\"><\/a>Adolf M\u00fcller (geb. um 1880) war Finanzverwaltungs-Beamter in Wien und Vater zweier kleiner S\u00f6hne, die Familie lebte im 5. Bezirk. Im Mai 1915 versah er seinen Kriegsdienst in der Verwaltung eines &#8222;Feldmarodenhaus&#8220; in Libiaz in Galizien, wo ihn seine Ehefrau Louise M\u00fcller (geb. um 1890) auch besucht hat. In seinen Schreiben kommt u.a. die Ungewissheit der Dauer der aktuellen T\u00e4tigkeit und Aufenthaltsorte zum Ausdruck und Adolf M\u00fcller berichtet von den diffusen Informationen und kursierenden Ger\u00fcchte \u00fcber Frontereignisse.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>5.V.1915<br \/>\nLiebe Louise!<br \/>\nHoffentlich bist du gut, das hei\u00dft mit heiler Haut &amp; nicht ganz ger\u00e4derten Knochen in Wien angekommen. In welchem Zustande fandest du die Kinder &amp; in welchem deren Pflegeeltern vor?<\/p>\n<p>Ich habe im Spitale ein ganz nettes Mansardenzimmer gemeinsam mit 2 Einj\u00e4hrigen, im Parterre ist ein Waschraum mit 10 Brausen, das w\u00e4ren alles Lichtpunkte. Nur kr\u00e4nkt es mich, wenn ich durch\u2018s Fenster schaue, drau\u00dfen den herrlichen Sonnenschein sehe, &amp; mu\u00df dann von 7 h fr\u00fch bis 7 h abds Akten- &amp; Journalstaub einatmen. Nun da kann man eben nichts machen, im Zivil geht\u2019s mir ja auch nicht anders.<\/p>\n<p>Gestern war hier ein Ger\u00fccht verbreitet von einer katastrophalen Niederlage der Russen bei Tarnow, 172.000 Gefangene, das erstere hat sich schon best\u00e4tigt, aber die Anzahl der Gefangenen mu\u00df man, scheint\u2018s, durch 10 dividieren. Also Russen d\u00fcrften keine nach Libiaz kommen, jetzt fragt sich\u2019s nur, wie lange ich noch hier bleibe. Es wird jetzt fest abgeschoben. Sie brauchen Leute an der Front, weil der Russ hinausmu\u00df. <!--more-->Zeitungen brauchst Du mir keine schicken, h\u00f6chstens immer die Sonntagzeitung.<br \/>\nGru\u00df Ku\u00df<br \/>\nAdolf<\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">[&#8230;]<\/span><\/p>\n<p>Tarnow, 9. Juli 1915<br \/>\nLiebe Louise!<br \/>\nHeute bin ich den 5. Tag hier, aber es ist noch immer keine Aussicht eines baldigen Abschubes. In unsrer Kaserne geht es zu, wie in einem Bienenhaufen. T\u00e4glich kommen Transporte von 2-300 Personen, gr\u00f6\u00dftenteils Zivilisten, Arbeitern aus Lemberg, Przemysl &amp; t\u00e4glich gehen Transporte ab, also einmal wird ja auch f\u00fcr mich die Stunde schlagen.<\/p>\n<p>Wir genie\u00dfen gro\u00dfe Freiz\u00fcgigkeit von 6 h fr\u00fch bis 8 h hei\u00dft es zu Hause bleiben, da werden die Transporte verlesen, dann k\u00f6nnen wir in die Stadt frei nach unserem Belieben herumbummeln, um \u00bd 12 ist Menage dann wieder bis 2 h Verlesung der nachm. abgehenden Transporte &amp; nachher wieder auf Lepsy <span style=\"color: #333399;\">[&#8222;Lepschi&#8220;: Wienerisch umgangssprachlich f\u00fcr &#8222;sich herumtreiben&#8220;]<\/span> bis 9 h abds!<\/p>\n<p>Ich kenne Tarnow schon, wie meinen Hosensack gestern traf ich im Caf\u00e9 den S. Loisl, meinen Schulfreund, Bruder des Dr. S. den ich seit der 5. Volksschulklasse nicht mehr gesehen hatte. Das Wiedersehen wurde nat\u00fcrlich mit einigen Kr\u00fcgerln befeuchtet, wobei Jugenderinnerungen ausgetauscht wurden. Da sieht man, wozu so ein Krieg mitunter gut ist!<\/p>\n<p>In l\u00e4ngstens 8 Tagen hoffe ich in Wien zu sein! Wenn\u2019s wahr ist!<br \/>\nGru\u00df &amp; Ku\u00df Adolf<\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 14 III<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">N\u00e4chster Eintrag aus der Korrespondenz von Adolf und Louise M\u00fcller <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=22013\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 2. August 1915<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert.<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #333399;\">Zur Feldpost des Ehepaars M\u00fcller siehe weiters <a href=\"https:\/\/ww1.habsburger.net\/de\/erinnerungen\/feldpostkarten-aus-der-hinterlassenschaft-von-adolf-mueller\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ww1.habsburger.net\/de.<\/a><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Das Ehepaar M\u00fcller war nahe verwandt mit der <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=19370\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Familie von Leopold Wolf und Christl Lang, SFN NL 14 I.<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 41, Briefe von Adolf an Louise M\u00fcller, Datum, SFN NL 14 III, unter: URL<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Adolf M\u00fcller (geb. um 1880) war Finanzverwaltungs-Beamter in Wien und Vater zweier kleiner S\u00f6hne, die Familie lebte im 5. 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