{"id":22013,"date":"2015-08-02T01:44:41","date_gmt":"2015-08-02T01:44:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=22013"},"modified":"2022-07-06T14:37:53","modified_gmt":"2022-07-06T14:37:53","slug":"erster-weltkrieg-in-nachlaessen-von-frauen-nl-14-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=22013","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 50: Briefe von Adolf M\u00fcller an seine Ehefrau in Wien und Langenlois, 2. bis 17. August 1915 aus Belzec in Galinzien und Wien"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1915-08-02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-22088 size-thumbnail\" title=\"Karten von Adolf an Lousie M\u00fcller, 2. August 1915\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1915-08-02-150x150.jpg\" alt=\"1915 08 02\" width=\"150\" height=\"150\"><\/a><span style=\"color: #000080;\">Adolf M\u00fcller (geb. um 1880) war Rechnungsrat in Wien. Im Mai 1915 versah er seinen Kriegsdienst in der Verwaltung eines \u201eFeldmarodenhaus\u201c in Libiaz in Galinzien. Hier hat ihn seine Ehefrau Louise M\u00fcller (geb. um 1890) auch besucht. Wie bereits im Juli 1915 angek\u00fcndigt, war Adolf M\u00fcller im Sommer nun auf dem Weg in den Urlaub in Wien. Die Anreise hat sich aufgrund eines Missgeschickes aber sehr verz\u00f6gert.<\/span><\/p>\n<p>2.\/VIII.15<br \/>\nLiebe Louise!<br \/>\nDieser Transport ist gr\u00e4sslich Ich bin nicht einmal noch am Ziel! Vergi\u00df nicht, am 9. ist der Mutter ihr 70. Geburtstag, fahre mit den Kindern hinauf &amp; Otto <span style=\"color: #000080;\">[der \u00e4ltere Sohn des Paares]<\/span> soll einen sch\u00f6nen Wunsch <span style=\"color: #000080;\">[.]<\/span>. Hoffentlich bekommt ihr diese Karte.<br \/>\nGru\u00df Ku\u00df Adolf<\/p>\n<p>Belzec, 5. VIII. 15<br \/>\nLiebe Louise!<br \/>\nHoffentlich hast du meine Karte von vor gestern, worin ich dich an Mutters 70. Geburtstag erinnerte, erhalten! Wann ich nach hause kommen werde, wei\u00df ich nicht, mir ist n\u00e4mlich folgendes Malheur passiert: Morgen Dienstag \u00bd 4h fr\u00fch standen wir in Rzezow. Ich fragte den Schaffner, ob wir voraussichtlich solange stehen bleiben w\u00fcrden da\u00df ich in die Kantine Kaffee trinken gehen k\u00f6nnte, was der bejahte. Ich tus wie ich zur\u00fcckkomme ist mein Zug mit Kiste, S\u00e4bel, Brodsack weg. Ich fahre gleich mit dem n\u00e4chsten Zug nach, habe ihn jedoch nicht eingeholt. Nun fahre ich der Kiste nach von einem Bahnhof zum anderen, jedoch bis her ohne Erfolg. Gestern war ich beim Sanit\u00e4tschef in Kamionka Lipnik, der mich zuerst t\u00fcchtig zusammenschimpfte, jedoch dann als ich meine Entschuldigungsgr\u00fcnde in wohlgesetzter Rede vorbrachte, freundlicher wurde &amp; versprach \u201edie Nachforschungen selbst in die Hand zu nehmen\u201c. Solange bis dabei irgendein Resultat herauskommt, mu\u00df ich nun hier bleiben. Ich werde dir m\u00fcndlich alles N\u00e4here erz\u00e4hlen, bitte es jedenfalls vorderhand nicht an die gro\u00dfe Glocke zu h\u00e4ngen.<br \/>\nDich &amp; die Kinder k\u00fcsst herzlichst<br \/>\nEuer Vater<\/p>\n<p>Belzec, 9. August 1915<br \/>\nLiebe Louise!<br \/>\nHoffentlich hast du meine diversen Karten erhalten &amp; wei\u00dft in welch sch\u00e4ndlicher Lage ich bin. Das hei\u00dft hier geht mir ja gegenw\u00e4rtig nichts ab, Geld k\u00f6nnte ich nicht einmal brauchen, da man so wie so nichts zu kaufen bekommt (ich habe noch bei 10 K) aber <!--more-->das Bewusstsein, wenn ich nach Wien komme, die Nasen &amp; vielleicht 8 Tage einsperrn, das sind rosige Aussichten! Die Kiste ist spurlos verschwunden, der Sanit\u00e4tschef hat auf s\u00e4mtlichen Stationen telegrafisch anfragen lassen, bis heute ist kein positives Ergebnis vorliegend. Man hat es nach Wien depeschiert &amp; bis von dort die Antwort kommt, schickt er mich heim, dann beginnt die Trag\u00f6die 2. Teil!<\/p>\n<p>So ein Warentransport ist das unangenehmste Gesch\u00e4ft, das ich bisher vom Kriege kennen gelernt habe. Da kannst du 8\u201310 Tage an so einem Lastwagen gefesselt sein &amp; darfst ihn nicht au\u00dfer Gesichtsweite lassen, sonst f\u00e4hrt er eben davon &amp; stehst da mit deinen Kenntnissen. Und gerade in dieser Zeit fiel Mutters 70. Geburtstag, wo ich doch so gerne wenigstens in Wien gewesen w\u00e4re. Irgendwelche Sorgen brauchst du dir nicht um mich zu machen, es ist eben nur wieder eine unangenehme Erfahrung mehr, die ich im Kriege gemacht habe.<br \/>\nGru\u00df &amp; Ku\u00df Adolf<\/p>\n<p>Wien, 17. VIII.15<br \/>\nLiebe Louise!<br \/>\nIch bin heute mit demselben Zuge, mit dem ihr kamet, aus Krakau hier angekommen (1\/2 3h n.m.) bin nachhause gegangen &amp; h\u00f6rte, dass ihr in L. <span style=\"color: #000080;\">[Langenlois bei Krems in Nieder\u00f6sterreich, wo Louise M\u00fcller inzwischen mit den Kindern auf Sommerfrische war]<\/span> seid. Bleibe nur weiterhin oben, so lange es sch\u00f6n ist &amp; die Mutter oben bleibt, ich habe zu Hause alles gefunden, was ich brauche, W\u00e4sche, Gewand &amp; Geld (!! Ich kam mit 000 K Bargeld in Wien an, da ich die letzten \u201eMohikaner\u201c gestern in Krakau auf ein bescheidenes Nachtmahl ausgeb.)<\/p>\n<p>Ich habe dir aus Belcec 3 Karten geschrieben, die du scheinbar nicht erhalten hast. Wie hat Mutter ihren 70. Geburtstag verbracht. Hat sie meine \u2013 allerdings nur auf einer Korrespondenzkarte mit Bleistift geschriebenen \u2013 W\u00fcnsche erhalten?<\/p>\n<p>Ich war jetzt im Theresienbad &amp; habe meinem K\u00f6rper eine nicht mehr ganz \u00fcberfl\u00fcssige Reinigung angedeihen lassen. Also bleibe neue Seite vorderhand nur noch oben, oder warte zu mindestens ab, was ich dir morgen mitteilen werde, ich gehe n\u00e4mlich erst morgen ins Spital, heute sitze ich als Civilgigerl gewaschen, geschn- &amp; gekampelt (??) im Terffoo<span style=\"color: #000080;\"> [?]<\/span> &amp; bilde mir ein ich bin schon wieder im Zivil.<\/p>\n<p>Gru\u00df &amp; Ku\u00df dir &amp; Kindern Handku\u00df der Gro\u00dfmutter<br \/>\nAdolf<\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 14 III<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\">N\u00e4chster Eintrag aus der Korrespondenz von Adolf und Louise <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=29950\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 15. M\u00e4rz 1917<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Voriger Eintrag aus der Korrespondenz von Adolf und Louise M\u00fcller <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=21283\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 5. Mai 1915<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert.<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #333399;\">Zur Feldpost des Ehepaars M\u00fcller siehe weiters <a href=\"https:\/\/ww1.habsburger.net\/de\/erinnerungen\/feldpostkarten-aus-der-hinterlassenschaft-von-adolf-mueller\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ww1.habsburger.net\/de.<\/a><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Das Ehepaar M\u00fcller war nahe verwandt mit der <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=21292\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Familie von Leopold Wolf und Christl Lang, SFN NL 14 I.<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 50, Briefe von Adolf an Louise M\u00fcller, Datum, SFN NL 14 III, unter: URL<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Adolf M\u00fcller (geb. um 1880) war Rechnungsrat in Wien. Im Mai 1915 versah er seinen Kriegsdienst in der Verwaltung eines \u201eFeldmarodenhaus\u201c in Libiaz in Galinzien. Hier hat ihn seine Ehefrau Louise M\u00fcller (geb. um 1890) auch besucht. Wie bereits im Juli 1915 angek\u00fcndigt, war Adolf M\u00fcller im Sommer nun auf dem Weg in den Urlaub [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"class_list":["post-22013","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-edition-wk1-in-selbstzeugnissen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22013","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22013"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22013\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":64517,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22013\/revisions\/64517"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22013"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22013"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22013"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}