{"id":22114,"date":"2015-08-05T10:57:46","date_gmt":"2015-08-05T10:57:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=22114"},"modified":"2022-07-06T14:27:58","modified_gmt":"2022-07-06T14:27:58","slug":"der-erste-weltkrieg-in-nachlaessen-von-frauen-nr-52-schreiben-von-richard-poehn-an-die-mutter-und-schwester-in-wien-5-bis-8-august-1915-von-einem-unbestimmbaren-ort-in-italien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=22114","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 52: Feldpostschreiben von Richard P\u00f6hn an die Mutter und Schwester in Wien, 5. bis 8. August 1915 von einem unbestimmbaren Ort in Italien"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #333399;\"><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1915-08-05.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-22116 size-thumbnail\" title=\"Postkarte von Richard P\u00f6hn mit der Zeichnung eines Kessels, 8. August 1915\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1915-08-05-150x150.jpg\" alt=\"SFN NL 20\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Der junge Wiener Richard P\u00f6hn (geb. 1892) war als Mannschaftssoldat der \u201ek.u. k. tiroler Kaiserj\u00e4ger\u201c im Juli 1915 von der Ostfront nach Italien versetzt worden. Weiterf\u00fchrende Informationen zu seiner Biografie sind nicht erhalten. Seine Familie lebte im 13. Wiener Gemeindebezirk, Richards Bruder Hans P\u00f6hn war Anfang des Ersten Weltkrieges in der &#8222;Petroleum-Abteilung&#8220; der &#8222;Anglobank&#8220; in der Wiener Innenstadt besch\u00e4ftigt.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><strong>Richard P\u00f6hn an seine Mutter Amalie P\u00f6hn<\/strong><\/p>\n<p>5.\/8. 1915<br \/>\nLiebe Mama!<br \/>\nWie ich dir schon mitteilte, sind wir jetzt gegen Italien. Kamen am 1.\/8. hier an, haben auf einem Burgesfu\u00df unser Lager. Haben auch ein anderes Feldpostnummer 98. Ich w\u00e4re in Ru\u00dfland lieber geblieben, anfangs freude ich mich wenigstens auf die Fahrt, da sie mir das Telegram nicht annamen war auch die Freude dahin.<br \/>\nHir bekommt man wieder nichts zu kaufen au\u00dfer Wein, da kostet der \u00bd L 1 K. Auf der Fahrt hatte ich auch keine Gelegenheit mir einmal ortenliches essen zu kaufen, durften in kein Gasthaus, bin auf der ganzen Fahrt zu einem Bier gekommen mehr nicht. Auf Wiedersehen.<br \/>\nViele herzliche Gr\u00fc\u00dfe von deinem Sohn Richard.<br \/>\nGr\u00fc\u00dfe an alle. Ich bin gesund.<\/p>\n<p><strong>Richard P\u00f6hn an seine Schwester &#8222;Addy&#8220; P\u00f6hn<\/strong><\/p>\n<p>5.\/8. 1915.<br \/>\nLiebe Addy!<br \/>\nIch habe den Brief vom 23.7. a. 2.\/8. erhalten. Du schreibst, das du mir schon 5mal Schokolade 3mal Sacharin <span style=\"color: #333399;\">[einen k\u00fcnstlichen S\u00fc\u00dfstoff]<\/span> geschickt <span style=\"color: #333399;\">[hast].<\/span> Habe aber alles nur einmal bekommen. Liebe Addy schicke mir au\u00dfer Zigaretten nichts in Kuvert, denn um Sacharin iss schade wenn ich im nicht bekomme, glaube es wird sehr teuer sein. Hoffentlich wird da wir jetzt gegen Italien sind, die Paketpost wieder gehen.<br \/>\nSonst weis ich nichts neues als das es mir hir gar nicht gef\u00e4llt wenn ich die Berge anschaue grau\u00dft mir. <!--more-->Wie ich Mama schon mitteilte, haben wir ein anders Feldpostnummer 98. Was ist mit St. <span style=\"color: #333399;\">[vermutlich einem gemeinsamen Bekannten]<\/span>? Ich bin gesund. Viele herzliche Gr\u00fc\u00dfe von deinem Bruder Richard<br \/>\nGr\u00fc\u00dfe an alle<\/p>\n<p>8.\/8. 1915<br \/>\nLiebe Addy!<br \/>\nIch habe heute Brief 21. mit Zigaretten und Brief mit Zitronens\u00e4ure und das Sch\u00e4chtelchen aus Aluminium mit Sacharin erhalten. Vielen Dank. Habe schon Angst gehabt als du mir in gestrigem Brief geschrieben hast dass das Aluminium Schachterl am Wege ist, hatte gro\u00dfe freude als ich es heute erhilt. Die Briefe mit Milchschokolade habe ich nur einen erhalten und das war noch in Ru\u00dfland.<br \/>\nLiebe Addy wir sind am 1.\/8. hier in K\u00fcstenland angekommen und liegen hir am Fu\u00dfe eines Berges (Freilager) die Gegend ist sehr reich an Wein, \u00fcberal sind <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span> Weinlauben und Weing\u00e4rten. Aber er ist sehr teuer \u00bd L 1 K. Holte mir 1 \u00bd L in meinem Ke\u00dfel trank im wies Wasser hatte gro\u00dfen Durscht. Du mu\u00dft n\u00e4mlich wissen ich habe keine Menaschschale mehr sondern einen russischen Kessel <span style=\"color: #333399;\">[Zeichnung]<\/span> so sie er aus. wegen der verenterten Feldpostnummer brauchst du keine Angst zu haben kommt alles nach.<br \/>\nViele herzliche Gr\u00fc\u00dfe von Richard<br \/>\nHabe Messerl und Uhr noch<br \/>\nUhr geht sehr gut<\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 20<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">N\u00e4chster Eintrag aus der Korrespondenz von Richard P\u00f6hn <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=22205\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 21. August 2015<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\"> Voriger Eintrag aus der Korrespondenz von Richard P\u00f6hn <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=21317\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 14. Juli 2015<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 52, Briefe von Richard P\u00f6hn, Datum, SFN NL 20, unter: URL<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der junge Wiener Richard P\u00f6hn (geb. 1892) war als Mannschaftssoldat der \u201ek.u. k. tiroler Kaiserj\u00e4ger\u201c im Juli 1915 von der Ostfront nach Italien versetzt worden. Weiterf\u00fchrende Informationen zu seiner Biografie sind nicht erhalten. Seine Familie lebte im 13. 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