{"id":232,"date":"2007-06-29T09:25:16","date_gmt":"2007-06-29T07:25:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=232"},"modified":"2022-05-19T16:24:10","modified_gmt":"2022-05-19T16:24:10","slug":"die-konstruktion-einer-heiligenthe-making-of-a-saint","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=232","title":{"rendered":"CfP &#8211; Die Konstruktion einer Heiligen\/The Making of a Saint, 01.2009, Venedig"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Konstruktion einer Heiligen. Katharina von Siena, Tomaso Caffarini und Venedig \/ The Making of a Saint: Catharina of Siena, Tomaso Caffarini and Venice<\/strong><\/p>\n<p>VeranstalterInnen: Jeffrey F. Hamburger (Harvard) und Gabriela Signori (Konstanz), Venedig<\/p>\n<p>Datum: 12.-14.01.2009<br \/>\nOrt: Centro Tedesco di Studi Veneziani<br \/>\n<strong>Deadline:<\/strong> 31.10.2007<\/p>\n<p>Wie man einen Heiligen &#8222;macht&#8220;, in dieser politisch h\u00f6chst brisanten Frage hatten die italienischen Mendikanten schon seit geraumer Zeit n\u00fctzliche Erfahrungen sammeln k\u00f6nnen. Als geradezu paradigmatisch gilt in dieser Hinsicht die Lebensbeschreibung, die der Ordensgeneral Bonaventura (gest. 1274) posthum von Franziskus von Assisi (gest. 1226) entwarf. <!--more-->Laut Ordensbeschluss sollte die neue Vita, Bonaventuras Version, alle \u00e4lteren Viten- bzw. Legendenversionen ersetzen. Das Armutsideal war zum Problem geworden. Ein Blick auf die Handschriften\u00fcberlieferung lehrt, dass der Beschluss auch konsequent umgesetzt worden ist.<\/p>\n<p>Einen \u00e4hnlich massiven Eingriff in die Legendenproduktion beobachten wir bei der Dominikanerterziaren Katharina von Siena (gest. 1380), die mit Franziskus von Assisi in vielerlei Hinsicht (Christus-Imitation, Stigma u.\u00e4.) &#8222;konkurrierte&#8220;. Katharinas Leben und Wirken darf als bekannt vorausgesetzt werden. Ihre Lebensbeschreibung entstammt der Feder ihres langj\u00e4hrigen Beichtvaters, des Ordensgenerals Raimund von Capua (gest. 1399). Raimund hatte f\u00fcnf Jahre nach Katharinas Tod, also 1385, in Rom mit der Niederschrift der sogenannten Legenda maior begonnen. Fertig stellen sollte er sein Werk aber erst zehn Jahre sp\u00e4ter, und zwar in Venedig, nicht in Rom. Aber erst Raimunds Ordensbruder, der Sienese Tommaso Caffarini (gest. nach 1417), verhalf der Legende zu ihrem durchschlagenden Erfolg. Ausgangspunkt seiner umfassenden Werbet\u00e4tigkeit f\u00fcr die Heilige war die Hafenstadt Venedig. Hier, in Venedig, ereignete sich in den Jahren 1412 bis 1416 auch jener &#8222;Prozess&#8220;, der das sp\u00e4tere Heiligsprechungsverfahren unter Papst Pius II. vorwegnehmen sollte. Auf Wunsch frommer Laien hatte Francesco Bembo, der Bischof von Venedig, 26 Personen, vorwiegend Mitglieder des Dominikanerordens, vor sich geladen. Sie sollten ihm Auskunft erteilen \u00fcber das Leben, die Wunder und die posthume liturgische Verehrung der Heiligen. Im Vorfeld hatte Tommaso Caffarini in Venedig von der Legenda maior zahlreiche Kopien erstellen und den Geladenen zukommen lassen. Sie wurden sozusagen auf den Text eingeschworen; Abweichungen duldete Tommaso Caffarini keine. Treffend bemerkte Robert Fawtier, bis heute einer der besten Legendenkenner (Sainte Catherina de Sienne. Essai de critique des sources. Sources hagiographiques, Paris 1921, S. 38): &#8222;die Legenda maior [war] der Kanon, dem sich die Zeugen unterzuordnen hatten, und Tommaso Caffarini hat darauf geachtet, dass sie nicht im kleinsten Detail von ihrer Vorlage abwichen. Alle Zeugen haben die Legenda maior gekannt.&#8220; Caffarini selbst \u00e4u\u00dferte sich wiederholt zu seinen vielf\u00e4ltigen Bem\u00fchungen, die Vita in ganz Europa zu verbreiten (Libellus de Supplemento III, 6, Art. 15).<br \/>\nDie Geschichte der von Venedig aus gesteuerten Verbreitung der lateinischen Legendenversion hatte Robert Fawtier in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts minuti\u00f6s erschlossen. Ihm ging es noch prim\u00e4r darum, die Legende von der Geschichte, das hei\u00dft die Spreu vom Weizen zu trennen. Im Blickpunkt seiner Aufmerksamkeit stand Tommaso Caffarini und die in Venedig aufgenommen oder nach Venedig geschickten Zeugenaussagen (Processus).<br \/>\nDie im Auftrag von Caffarini erstellten Kopien wanderten schnell weiter: Bald auch sollten die ersten Textzeugen der Legenda maior ihren Weg \u00fcber die Alpen finden. Die Etappen dieser Wanderung sind aber weit weniger gut erschlossen als die Entstehung des Legendenkanons. Alsbald zeichnen sich erste Rezeptionsherde ab: in N\u00fcrnberg, Paris und Prag. Die Verbindungslinien zwischen Nord und S\u00fcd verlaufen \u00fcber gemeinsame Reformideale; alsbald entstanden die ersten \u00dcbersetzungen des kanonischen Textes, zun\u00e4chst ins Italienische, dann in die ober- und niederdeutsche Sprache sowie in das Mittelniederl\u00e4ndische; es folgten \u00dcbersetzungen ins Englische, Franz\u00f6sische und Spanische. Auch in der Geschichte des europ\u00e4ischen Buchdrucks hinterlie\u00df die Legende tiefe, bislang aber unaufgedeckte Spuren.<\/p>\n<p>Diese &#8222;gesamteurop\u00e4ische&#8220; Verbreitung des Textes, nicht die schon hundertfach gew\u00fcrdigte Heilige, soll im Blickpunkt unserer Aufmerksamkeit stehen. Zu Diskussion stehen sollen zugleich auch Konstruktion und Propagierung des Katharinenkultes in verschiedenen Bildformen bzw. -tr\u00e4gern (Wand- und Tafelmalerei, Teppiche, Gebetb\u00fccher und andere Andachtsbilder) unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der grundlegenden Differenzen, die sich in der Kultverbreitung n\u00f6rdlich und s\u00fcdlich der Alpen abzeichnen. Im \u00fcbrigen wurde auch der Bilderkult von Tommaso Caffarini gezielt gesteuert (Libellus de Supplemento III, 6, Art. 15): &#8222;Ich gab auch Anweisung, dass das Bild der Jungfrau nicht nur in unseren und anderen Kirchen gemalt werde, sondern dass es auch in Form kleiner und auf diese Weise handlicher Bildchen vielen \u00fcbergeben werde und von einer gr\u00f6\u00dferen Zahl verehrt und leichter verbreitet werden k\u00f6nne. Von den besagten Bildern ist tats\u00e4chlich eine beachtliche Anzahl \u00fcberallhin verteilt worden, \u00fcber Meer und Land und sogar bis hinein in die Lebensbereiche der Ungl\u00e4ubigen; und t\u00e4glich geschieht es, dass sie aus besonderer Verehrung der Jungfrau sowohl den Venezianern als auch von anderen in verschiedene Gegenden gebracht werden.&#8220;<\/p>\n<p>The Making of a Saint:<br \/>\nCatharina of Siena, Tomaso Caffarini and Venice<\/p>\n<p>Jeffrey Hamburger (Havard) und Gabriela Signori (Konstanz)<\/p>\n<p>How does one construct a saint? Italian mendicants had already been able to accumulate a good deal of experience in dealing with this politically explosive question for some. In this regard, the posthumous description of the life of Francis of Assisi (d. 1226) written by the Master General of the Order, Bonaventure (d. 1274) could be regarded as paradigmatic. According to the decree of the Order, Bonaventure\u2019s version was to take the place of all older lives and versions of the legend. The manuscript record clearly indicates that this resolution was acted on decisively.<br \/>\nA similarly massive intervention in the production of a legend can be observed in the case of the Dominican tertiary, Catherine of Siena (d. 1380), who in many respects (e.g., the imitation of Christ, stigmatization, etc.) \u201ecompeted\u201c with Francis of Assisi. Catherine\u2019s life and works are well known and can be presumed as a point of departure. The description of her life stems from the pen of her confessor of many years, the Master General of the Order, Raymund of Capua (d. 1399). Raymund started work on the so-called Legenda maior in Rome five years after Catherine\u2019s death, i.e., in 1385. He only comple\u00acted his work, however, ten years later, in Venice, not in Rome. Yet it was first Raymund\u2019s Dominican brother, the Sienese Tommaso Caffarini (d. after 1417), who ensured the extraordinary success of the Legend. The harbor city of Venice provided the point of departure for his extensive efforts to publicize the saint. It was also in Venice that in the years 1412 \u2013 1416 the investigation took place that anticipated the canonization trial that would later take place under Pope Pius II. At the request of pious lay people, Francesco Bembo, the bishop of Venice, invited twenty six witnesses, primarily members of the Dominican Order, to appear before him. They were to provide him with information regarding the life, miracles and posthumous liturgical veneration of the saint. In advance, Tommaso Caffarini had numerous copies of the Legenda maior prepared and distributed to the invitees. They were, so-to-speak, bound by the text; Caffarini did not permit departures from the text. Robert Fawtier, whose account of the Legend (Sainte Catherina de Sienne. Essai de critique des sources. Sources hagio\u00acgraphiques, Paris 1921, S. 38) remains definitive, de-clared: &#8222;the Legenda maior [provided] the rule to which the witnesses had to submit themselves, and Tommaso Caffarini had taken care that none of them departed from their model in the smallest detail. All the witnesses knew the Legenda maior.&#8220;<br \/>\nIn the 1920\u2019s, Fawtier investigated in painstaking detail the history of the dissemination of the Latin Legend as it was disseminated from Venice. His primary concern was to the wheat from the chaff, that is, history from legend. At the center of his attention stood Tommaso Caffarini and the process (Processus) by which the statements of witnesses were either recorded in or sent to Venice.<br \/>\nThe copies commissioned by Caffarini quickly travelled farther. The first textual witnesses to cross the Alps soon followed. The steps by which this process of dissemination occurred, however, have not been traced as systematically as the origin of the Legend. The principal centers of re\u00acception were rapidly established: Nuremberg, Paris und Prague. Uniting the various lines connecting north and south was a common set of reform ideals. Translations of the cano\u00acnical text appeared in short order, first in Italian, then in southern and northern German dialects as well as in Middle Dutch. There followed translations into English, French and Spanish. The Legende also left its mark &#8212; to this day only partially explored &#8212; on the history of European printing. This European-wide dissemination of the text, rather than the saint herself, who has already been appreciated and evaluated hundreds of times, will form the focus of our attention. Also requiring investigation is the propagation and elaboration of Catherine&#8217;s cult in various kinds of imagery (murals and panel paintings, tapestry, prayer books and other forms of devotional imagery), with particular attention to differences in the dissemination of her cult north and south of the Alps and the different ways in which it was incorporated into mendicant propaganda.<\/p>\n<p>Gabriela Signori<\/p>\n<p>Universit\u00e4t Konstanz, FB Geschichte u. Soziologie, Fach D 2<br \/>\n78457 Konstanz<br \/>\n07531-882473<br \/>\n07531-885043<br \/>\ngabriela.signori[at]uni-konstanz.de<\/p>\n<p>URL zur Zitation dieses Beitrages<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Konstruktion einer Heiligen. Katharina von Siena, Tomaso Caffarini und Venedig \/ The Making of a Saint: Catharina of Siena, Tomaso Caffarini and Venice VeranstalterInnen: Jeffrey F. 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