{"id":24231,"date":"2016-01-02T01:57:49","date_gmt":"2016-01-02T01:57:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=24231"},"modified":"2022-07-06T12:19:06","modified_gmt":"2022-07-06T12:19:06","slug":"der-erste-weltkrieg-in-nachlaessen-von-frauen-nr-64-tagebuch-von-bernhardine-alma-2-und-3-jaenner-1916-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=24231","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 64: Tagebuch von Bernhardine Alma, 2. und 3. J\u00e4nner 1916, Wien"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #333399;\"><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1916-01-021.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-24473 size-thumbnail\" title=\"Tagebuch von Bernhardine Alma, 2. J\u00e4nner 1916 [Zum Vergr\u00f6\u00dfern anklicken]\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1916-01-021-150x150.jpg\" alt=\"1916-01-02\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Bernhardine Alma (geb. 1895) berichtete in ihren seit 1908 ausf\u00fchrlich gef\u00fchrten Tageb\u00fcchern u.a. von ihren regelm\u00e4\u00dfigen Besuchen der Beichte in verschiedenen katholischen Kirchen in Wien. Seit einigen Monaten war sie im freiwilligen Kriegshilfsdienst t\u00e4tig. Sie erledigte dabei mehrmals in der Woche Schreibarbeiten und besuchte verwundete Soldaten in verschiedenen Spit\u00e4lern. Im November 1915 war sie daf\u00fcr mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet worden. Ihrer Formulierung nach hat sie auch ihre beiden \u00e4lteren Schwestern Cora (geb. 1890) und Sigrid (geb. 1891) &#8222;moralisch dazu [gezwungen]&#8220;.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>2. J\u00e4nner 1916. abends. Sonntag<br \/>\nHeute war ich bei der hl. Beichte und Communion. Ich beichtete bei meinem U., der etwas streng, aber sehr herzig war. Ich gehe Donnerstag hoffentlich wieder zu ihm. Die hl. Communion empfing ich vom P<span style=\"color: #333399;\">[ater]<\/span> S. Ich tu das so sehr gern. \u2013 Heute war die Lisy da. Sie ist ein ganz liebes M\u00e4del. Ich bekam heute einen Kartenbrief von meinem Jaro <span style=\"color: #333399;\">[eine Bekanntschaft von den Spitals-Besuchen, der ihr eine Liebeserkl\u00e4rung gemacht hatte].<\/span> Er dankte f\u00fcr meine Zeilen, w\u00fcrde sich freuen, wenn er wieder einmal das Gl\u00fcck h\u00e4tte, mit mir zu plaudern, f\u00fchlt sich verlassen. Ich soll ihm bringen, was mir gef\u00e4llt, auch Dreizehnlinden<span style=\"color: #333399;\"> [1878 erschienenes Historienepos von Friedrich W. Weber]<\/span>. Er lie\u00df der Mama die Hand k\u00fcssen und unterschrieb sich schon Leutnant. Ich glaube, meine Gratulation hatte er noch nicht bekommen. Was das Jahr bringen wird? Ins Spital ging Sigrid mit mir, ich mu\u00dfte sie moralisch dazu zwingen, aber dann gefiel es ihr doch. Der eine Rum\u00e4ne liegt noch immer so. Der andere hat so ein liebes Gesicht, das ich streichelte. Der mit dem durchgeschossenen Gesicht hat mir f\u00fcr den n\u00e4chsten Sonntag eine Fotografie versprochen und zwar sehr gerne. Die eine Schwester bedauerte so, da\u00df ich bei der Weihnachtsbescherung nicht dabei gewesen. Ich habe der Tante Lilly eine Karte geschrieben. Wann der Fritz kommen oder schreiben wird? Papa ist sehr nett zu mir. Alles wird so teuer! \u2013 Wenn der Krieg nur schon aus w\u00e4re! \u2013<!--more--><\/p>\n<p>3. J\u00e4nner 1916. abends. Montag.<br \/>\nHeute bekam ich eine Visitkarte von Dr R. u. H. u. Frau erwidern bestens die freundlichen Gl\u00fcckw\u00fcnsche. Dann bekam ich eine Karte vom Jaro, der f\u00fcr meine Gratulation dankte und hoffentlich bald das Gl\u00fcck haben wird, mich sprechen zu k\u00f6nnen. \u2013 Aber die Aufschrift \u201eliebes Fr\u00e4ulein Alma\u201c ist geschmacklos. Hoffentlich hab ich Donnerstag Gelegenheit, ihm dies zu sagen. Hoffentlich kommt der Fritz Donnerstag Vormittag auf. Ich bin neugierig, was sein wird, wenn seine Antwort kommt. Der eine Soldat, der so schlecht aussieht im Spital, der zwar spricht, aber sehr matt und dessen Hand ich streichelte, soll schon die letzten Sakramente empfangen haben. Ob ich ihn noch sehen werde am Sonntag? Das ist ein Nachtrag von gestern. Er tut mir sehr leid, sehr! \u2013Co<span style=\"color: #333399;\">[ra] <\/span>war heute mit mir im R.K. <span style=\"color: #333399;\">[Roten Kreuz].<\/span> Der Hr. H. sagte, da\u00df sie als meine Schwester legitimiert sei und redete dann nett \u00fcber mich. Ich war heute im Bankverein u. in der L\u00e4nderbank. Ich m\u00f6chte einen Geistlichen kennen lernen, der mich hippnotisiert, der es gut mit mir meint, dem ich r\u00fcckhaltlos vertraue. \u2013 Mir ist, als k\u00e4me eine sch\u00f6ne Zukunft.\u2013 \u2013<\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 09<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\"> N\u00e4chster Eintrag aus dem Tagebuch von Bernhardine Alma <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=24237\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 19. J\u00e4nner 2016<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\"> Voriger Eintrag aus dem Tagebuch von Bernhardine Alma <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=23508\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 5. November 2015<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert.<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #333399;\">Zum Thema Beichten im Tagebuch von Bernhardine Alma siehe auch Veronika Helfert, &#8222;Lieber Gott lasse mich sterben &#8211; u. schenke daf\u00fcr Wien Frieden u. Segen.&#8220; Politische Dimensionen im Tagebuch Bernhardine Almas (1934), in: Li Gerhalter und Christa H\u00e4mmerle Hg.innen, Krieg &#8211; Politik &#8211; Schreiben. Tageb\u00fccher von Frauen (1918-1950), Wien\/K\u00f6ln\/Weimar 2015, 33-54 <a href=\"http:\/\/www.boehlau-verlag.com\/978-3-205-78942-0.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(Link zur Verlagsbeschreibung).<\/a><br \/>\n<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333399;\">Zum Tagebuch von Bernhardine Alma im Ersten Weltkrieg siehe auch: Ulrike Seiss, \u201c\u2026 ich will keinen Krieg oder als Krankenschwester mit!\u201d Selbstinszenierungen, Kriegsrezeption und M\u00e4nnlichkeitsbilder im Tagebuch einer jungen Frau im Ersten Weltkrieg, Wien, Diplomarbeit, 2002 sowie weiters <a href=\"https:\/\/ww1.habsburger.net\/de\/erinnerungen\/tagebuch-aus-der-hinterlassenschaft-von-bernhardine-alma\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ww1.habsburger.net\/de.<\/a><br \/>\n<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 64, Tagebuch von Bernhardine Alma, Datum, SFN NL 09, unter: URL<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernhardine Alma (geb. 1895) berichtete in ihren seit 1908 ausf\u00fchrlich gef\u00fchrten Tageb\u00fcchern u.a. von ihren regelm\u00e4\u00dfigen Besuchen der Beichte in verschiedenen katholischen Kirchen in Wien. 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