{"id":24254,"date":"2016-06-08T01:11:03","date_gmt":"2016-06-08T01:11:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=24254"},"modified":"2022-05-24T13:16:01","modified_gmt":"2022-05-24T13:16:01","slug":"nl-174-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=24254","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 78: Kriegsgefangenenkarten von Georg M. an seine Verlobte in Wien, 8. Juni bis 14. Juli 1916, Astrachan und Moskau\/RUS"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1916-06-081.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-24370 size-thumbnail\" title=\"Kriegsgefangenenpostkarte von Georg M., 8. Juni 1916 [Zum Vergr\u00f6\u00dfern anklicken]\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1916-06-081-150x150.jpg\" alt=\"1916 06 08\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><span style=\"color: #333399;\">Im zivilen Leben hatte der Wiener Georg &#8222;Schurlei&#8220; M. (geb. 1884) als Friseur gearbeitet. Im Juni 1916 wurde er bei Gefechten bei Astrachan an der Wolga verletzt in ein Kriegsgefangenen-Spital eingeliefert. In den folgenden Wochen schrieb der 32j\u00e4hrige wiederholt an seine Verlobte Juli &#8222;Julei&#8220; G. (geb. 1881). Er berichtete von seinen Verletzungen und der Genesung, behauptete dabei, dass es ihm &#8222;gut&#8220; gehen w\u00fcrde, versuchte die Freundin zu beruhigen und bat um die Zusendung von Kleidung und Geld. Die vielfachen Wiederholungen der Inhalte auf den insgesamt 18 erhaltenen Postst\u00fccken deuten darauf hin, dass Georg M. davon ausgegangen ist, dass nicht jedes auch in Wien ankommen w\u00fcrde.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>8. Juni 1916 \u00a0 1<br \/>\nMein liebstes Julei!<br \/>\nGott g\u00e4be, dass Du diese Karte bekommen m\u00f6gest. Teile Dir h\u00f6fl.<span style=\"color: #333399;\">[ich]<\/span> mit, dass ich am 10. Juni verwundet und dadurch in Gefangenschaft kam. Meine Verletzungen sind nicht schwer. Bekam drei Sch\u00fcsse in die F\u00fcsse. Durchschuss der linken Wade, wahrscheinlich mit Sehnenverletzung. Durchschuss der linken Ferse, Durchschuss der rechten Kniekehle. Alles Ohne Knochenverletzung, was man noch ein Gl\u00fcck nennen muss. Bleibe ruhig und bei guter Hoffnung meine Julei. Befinde mich auf dem Wege in das Spital. Wahrscheinlich nach Moskau. Werde dann bald wieder gesund sein. Es geht mir gut.<br \/>\nHerzlichste Gr\u00fcsse an alle Verwandten und Bekannten. Dich innigst K\u00fcssend bleibe ich<br \/>\nDein Schurlei<\/p>\n<p>Moskau 21. VI. 1916<br \/>\nMein liebstes Julei!<br \/>\nTeile Dir h\u00f6fl. mit, dass ich gestern hier ankam und heute wieder wegtransportiert werde. Wurde verwundet und dadurch kam ich in Gefangenschaft. Ich erhielt drei Sch\u00fcsse, zwei in den linken, einen in den rechten Fuss. Sind aber nur leichte Verletzungen und werde bald wieder hergestellt sein. Es geht mir gut. Sei ruhig, mein Julei, und guter Hoffnung.<br \/>\nHerzlichste Gr\u00fcsse an Mutter, alle Verwandten und Bekannten. Im Geiste stets bei Dir, k\u00fcsse ich Dich innigst und bleibe Dein<br \/>\nSchurlei<\/p>\n<p>Astrachan, 4. Juli, 1916 \u00a0 3<br \/>\nMein liebes Julei!<br \/>\nMein Befinden im gleichen. Zwei Sch\u00fcsse sind geheilt, der dritte macht mir noch Beschwerden. Sonst bin ich gesund und geht es mir gut. Wenn es leicht m\u00f6glich ist, so bitte ich Dich, Julei, mir etwas Geld zu senden. Etwa K. 20-. Aber nur wenn leicht m\u00f6glich. <!--more-->Schreibe mir nur doppelte rote Kreuz-Karten und alles in Lateinschrift, Julei. Bleibe mir gesund und wohl, mein Julei.<br \/>\nHerzlichste Gr\u00fcsse an Mutter, alle Verwandten und Bekannten.<br \/>\nEs k\u00fcsst Dich innigst<br \/>\nDein Schurlei<\/p>\n<p>Astrachan, 7. Juli, 1916\u00a0\u00a0 4<br \/>\nMein liebes Julei!<br \/>\nMein Befinden im gleichen. Der dritte Schuss heilt sehr langsam. Sonst bin ich gesund und geht es mir gut. Wenn ich nur w\u00fcsste, wie es Dir geht. Auf meiner Karte vom 4. D. ersuchte ich um etwas Geld, etwa 20,- K. Aber nur wenn leicht m\u00f6glich. Schreibe nur doppelte rote Kreuz-Karten und alles in Lateinschrift.<br \/>\nHerzliche Gr\u00fcsse an Muter Alle Verwandte und Bekannte.<br \/>\nInnige K\u00fcsse von<br \/>\nDeinem Schurlei<\/p>\n<p>Astrachan, 11. Juli, 1916\u00a0\u00a0 5<br \/>\nMein liebes Julei!<br \/>\nDie Heilung macht nun gute Vortschritte. Auch der dritte Schuss. Bin sonst gesund und geht es mir gut. Sei so gut und sende mir eine Winter-Unterhose, ein Unterhemd und Fusslappen. Auf der Karte vom 4. D. ersuchte ich um etwas Geld, etwa K. 20,- wenn leicht m\u00f6glich. Schreibe nur doppelte rote Kreuz-Karten und alles in Lateinschrift. Hoffe Dich gerne bei Gesundheit.<br \/>\nHerzliche Gr\u00fcsse an Mutter, alle Verwandten und Bekannten.<br \/>\nEs k\u00fcsst Dich innigst<br \/>\nDein Schurlei<\/p>\n<p>Astrachan, 14. Juli, 1916\u00a0\u00a0 6<br \/>\nMein liebes Julei!<br \/>\nDie Heilung macht gute Vortschritte. Werde nun bald die Kr\u00fccken weggeben k\u00f6nnen. Bin sonst gesund und geht es mir gut. Auf meiner Karte vom 4. D. ersuchte ich um etwas Geld, etwa K. 20,- wenn leicht m\u00f6glich und auf derselben vom 11. D. ersuchte ich um eine Winterunterhose, ein Unterhemd und Fusslappen. Bleibe mir gesund, Julei. Schreibet nur doppelte rote Kreuz-Karten und alles in Lateinschrift.<br \/>\nHerzlichste Gr\u00fc\u00dfe an Mutterl, alle Verwandten und Bekannten.<br \/>\nInnigste K\u00fcsse sendet Dir<br \/>\nDein Schurlei<\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 74<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\"> N\u00e4chster Eintrag aus der Korrespondenz von Georg M. <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=24256\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 22. Juli 2016<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Die Korrespondenz des Paares Juli G. und Georg M. wurde im Umfang von 18 erhaltenen Schreiben 2006 auf einem Wiener Flohmarkt gefunden. In den Dokumenten genannte Namen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 78, Kriegsgefangenenkarten von Georg M. an seine Verlobte Julie M., Datum, SFN NL 74, unter: URL<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im zivilen Leben hatte der Wiener Georg &#8222;Schurlei&#8220; M. (geb. 1884) als Friseur gearbeitet. Im Juni 1916 wurde er bei Gefechten bei Astrachan an der Wolga verletzt in ein Kriegsgefangenen-Spital eingeliefert. In den folgenden Wochen schrieb der 32j\u00e4hrige wiederholt an seine Verlobte Juli &#8222;Julei&#8220; G. (geb. 1881). 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