{"id":27015,"date":"2016-05-09T01:23:33","date_gmt":"2016-05-09T01:23:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=27015"},"modified":"2022-07-06T13:04:30","modified_gmt":"2022-07-06T13:04:30","slug":"der-erste-weltkrieg-in-nachlaessen-von-frauen-nr-71-feldpost-von-christl-lang-und-leopold-wolf-5-und6-april-1916-wien-und-ein-unbekannter-ort-in-italien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=27015","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 74: Feldpost von Christl Lang und Leopold Wolf, 9. und 10. Mai 1916, Wien und ein unbekannter Ort in Italien"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #333399;\"><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1916-04-23.jpg\" rel=\"attachment wp-att-27016\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-27016 size-thumbnail\" title=\"Zeichnung der Unterkunft von Leopold Wolf im Brief vom 23. April 1916 [Zum Vergr\u00f6\u00dfern anklicken]\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1916-04-23-150x150.jpg\" alt=\"1916 04 23\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Die b\u00fcrgerlich situierte Christl Lang (geb. 1891) erw\u00e4hnte in ihren regelm\u00e4\u00dfigen Briefen an den Verlobten Demonstrationen von Frauen in Wien, sie sendete ihm Fotografien, k\u00fcndigte ein Paket mit Lebensmitteln an und machte sich um seine Gesundheit sorgen, weswegen sie auch eine Schneebrille schickte. Leopold Wolf (geb. 1891) scherzte dar\u00fcber und machte Andeutungen \u00fcber seinen Aufenthaltsort. Auch reflektierte er \u00fcber das Verh\u00e4ltnis eines verlobten Mannes zu seiner Herkunftsfamilie. Es wird dabei zudem sichtbar, dass beide versuchten, gesellschaftliche Konventionen als Verlobte zu erf\u00fcllen und wie sie mit dem jeweiligen Gef\u00fchl von Einsamkeit umgegangen sind.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><strong>Brief, Christl Lang an Leopold Wolf<\/strong><\/p>\n<p>Wien, 9. Mai 1916.<br \/>\nLiebster Poldi!<br \/>\nSoeben erhielt ich Deinen l. langen Brief vom 23. d. M. und auch diese fragliche Abbildung eines Feldpostkistels. (oder der 3 Aranzini im 5 kg. Paket). Das ist infam, diese Naschkatz m\u00f6chte ich erwischt haben m\u00f6gen. <span style=\"color: #333399;\">[Ein Paket mit Lebensmitteln war unvollst\u00e4ndig angekommen.]<\/span> Wer anderer wird\u2019s denn gewesen sein, als diese Telefonpatrouille? Jetzt bin ich Dir nur neugierig ob Du die weiteren Sendungen auch so \u00e4hnlich bekommst. In einem Packerl sandte ich Dir ein Chokoladbrot und Husarenkrapferln, im andern gr\u00fcne Schneebrillen, letzteres ist sehr wichtig f\u00fcr Deine Augen. Ich habe auf das Packerl draufgeschrieben \u201eFeldausr\u00fcstungsgegenstand\u201c, obs was gen\u00fctzt hat wird sich ja bereits erwiesen haben, nicht wahr. Diese Brillen sind aber nicht nur f\u00fcr Schnee, sondern auch f\u00fcr die Sonne und ich rate Dir dringenst an selbe zu ben\u00fctzen.<br \/>\nDein Ostersonntagssmenu liest sich ja ganz sch\u00f6n ist sogar pomp\u00f6s, aber gut mu\u00df es weniger gewesen sein. Wenn man zum Vergleich die Menukarte vom vorigen Jahr liest l\u00e4uft einem f\u00f6rmlich das Wasser im Mund zusammen, das waren ja paradiesische Zeiten, wann kommt Ihr wieder? Das ist eine gro\u00dfe Frage, die lange Zeit zur Antwort braucht. Bei uns in Wien aber ist man schon sehr ungeduldig und mit Recht.<br \/>\nHeute sollen f\u00fcrchterliche Krawalle am Rudolfsheimer Markt u. im X. Bez. Gewesen sein. Eine nicht unbedeutende Menge Frauen zogen sogar vors Parlament um zu randalieren. Wenn nur auch ein Erfolg zu sehen w\u00e4re. Auch auf unseren B\u00fcrgermeister <span style=\"color: #333399;\">[Richard Weiskirchner]<\/span> haben sie es scharf. Ich kann dies Ekel auch nicht leiden, er ist ja doch sehr viel schuld an dieser wirtschaftlichen Misere, daf\u00fcr ist er aber vorige Woche zum \u201eEhrenb\u00fcrger\u201c ernannt worden, was einen gewissen Herrmann zu einer <a href=\"http:\/\/ww1.habsburger.net\/de\/kapitel\/kriegsbuergermeister-richard-weiskirchner\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Karikatur im \u201eMorgen\u201c <\/a>veranla\u00dfte, die wohl selten gut ist. So jemanden zu verunstalten und doch erkennen lassen <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span> ist das ist eine Kunst. Ich hab wirklich Tr\u00e4nen gelacht als ich das sah: Sr. Exzell. steht vor dem Spiegel angetan mit allen Zeichen seiner W\u00fcrden und fragt: Spieglein, Spieglein an der Wand wer ist der Sch\u00f6nste im ganzen Land. Das ist doch k\u00f6stlich. Dazu diese Bulldogg-Visage.<!--more--><br \/>\nWie ich in Deinem Brief las, verlegst Du Du Dich aufs \u201eLeut\u201c zeichnen, nun ich glaub das d\u00fcrfte Dir nicht so schwer fallen, wie ich aus Erfahrung wei\u00df. <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span> Es w\u00fcrde mich aber doch kolossal freuen wenn ich eines Tags Dein eigenh\u00e4ndiges Konterfei kriegen w\u00fcrde, so arg wie Du sagst wirds wohl nicht sein, oder hast Du Dich so sehr ver\u00e4ndert? Versuch doch einmal ein paar Fotos zu schicken, ich krieg Deine Briefe ja so alles verschlossen, vermutlich von Dir selbst. Also ich bitte riskiere es nur.<br \/>\nEventuell zeichne etwas dr\u00fcber, wenn ichs dann ins Wasser leg, geht alles wieder weg.<br \/>\nHanns schrieb mir eine Karte, da\u00df ich demn\u00e4chst beim Willy <span style=\"color: #333399;\">[die beiden Br\u00fcder von Leopold Wolf]<\/span> einige Bilder sehen werde, die er schickt, na also. Probier es auch. Was mich betrifft werde ich mich revanchieren, sogar schon im Voraus.<br \/>\nWir waren doch wie ich Dir bereits schrieb Sonntag in Breitensee [im Garten der Familie Wolf]. Unser mitgebrachtes Nachtmahl verzehrten wir sehr gem\u00fctlich in Euerem \u201eLusthaus\u201c. Bei der Gelegenheit wurde die Fotografiererei zur reinsten Landplage. Einmal von da, einmal von dort, wurden wir fotografiert. Einige solche Produkte lege ich heute bei, und hoffe, sie machen Dir einiges Vergn\u00fcgen. An jenem Sonntag war ein so wundervoller Abend, sternbes\u00e4ter Himmel und der liebe gute Mond schien hell. Es war recht lustig, doch kam auch eine Zeit wo ich recht melancholische Anwandlungen bekam. Ich dachte mir wie 1000mal sch\u00f6ner w\u00fcrde es sein, wenn ich nicht so allein so dasitzen m\u00fc\u00dfte, wenn Du bei mir w\u00e4rst und ich bei Dir, aber schnell unterdr\u00fcckte ich diesen sehns\u00fcchtigen Wunsch denn es ist ja doch zwecklos und h\u00e4tte blo\u00df \u00fcble Folgen haben k\u00f6nnen. Glaubst Du, da\u00df mich ein Mensch in der ganzen Gesellschaft verstanden h\u00e4tte? H\u00f6chstens mein Mamerl u. Onkel Franz. Wei\u00dft Du mein Onkel Franz liebt mich abg\u00f6ttisch und ich ihn. Er ist nach Dir der Einzige zu dem ich unbedingtes Vertrauen hab und dem ich gerne etwas erz\u00e4hl. Ich finde in ihm so viel \u00c4hnlichkeit mit meiner guten Gro\u00dfmutter, nicht an \u00c4u\u00dferlichkeiten, sondern im Wesen u. Charakter, und ich bin \u00fcberzeugt, wenn Du ihn n\u00e4her kennen lernen wirst, wirst Du ihn auch lieb gewinnen. Sag nur nicht immer \u201eHerrn Onkel\u201c, das ist so steif, wie ihr es beide in Wahrheit garnicht seid. Wenn Du da w\u00e4rst, w\u00e4ret Ihr doch l\u00e4ngst verbr\u00fcdert.<br \/>\nNun danke ich Dir sehr f\u00fcr Deine ausf\u00fchrliche Beschreibung, jetzt kann ich mir doch ann\u00e4hernd eine Vorstellung Deiner Behausung und Deines Treibens machen. <span style=\"color: #333399;\">[Leopold Wolf hat im vorangegangenen Brief eine Skizze seiner Unterkunft gesendet.]<\/span><br \/>\nEs ist nur kaum glaublich, da\u00df Ihr noch so mitten im Winter drinnen steckt, wo wir schon bald vor Hitze vergehen. Zu Ostern zwar wickelten wir uns auch noch in Pelze ein, aber schon die Woche drauf wurde es so hei\u00df wie im Monat Juli. Seit gestern ist es aber wieder k\u00fchler, das erste Gewitter hat abgek\u00fchlt.<br \/>\nWenn so ein scheu\u00dfliches Wetter ist, denke ich mit doppelter Sorge an Dich, wir habens ja gut, wir sind gleich unter Schutz und Dach, aber dort oben, wo man fast schutzlos preisgegeben ist den Elementen. Das verstehen auch nur diejenigen, die so etwas schon selbst mitgemacht haben die allein k\u00f6nnen ermessen was es hei\u00dft im Gebirg zu leben. Eigentlich beneide ich Dich um Deinen Aufenthalt, d.h. da\u00df ich ihn Dir von ganzen Herzen g\u00f6nne sowie alles, was Dich gl\u00fccklich macht. Ich freue mich ja so unendlich, da\u00df es Dir verg\u00f6nnt ist alle diese Herrlichkeiten, die zwar auch viele Schattenseiten haben werden zu schauen, besonders aber da\u00df wir uns auch in diesem Punkt nahe gekommen sind.<br \/>\nPoldi, wenn wir so jetzt beisammen sein k\u00f6nnten. Ich heul schon fast bei dem Gedanken einer solchen M\u00f6glichkeit, vor Freude nat\u00fcrlich. Jetzt sei aber nicht b\u00f6s mein lieber lieber Poldi, wenn ich schon Schlu\u00df mache. Es ist schon sp\u00e4t geworden und Mama die neben mir sitzt dr\u00e4ngt zum Schlafengehen. Mama tut Dich herzlich gr\u00fc\u00dfen und ich umarme und k\u00fcsse Dich innig<br \/>\nDeine Christl<br \/>\nEntschuldige meine heutige \u201eSchmierage\u201c, wirst Du\u2019s \u00fcberhaupt lesen k\u00f6nnen?<!--more--><\/p>\n<p><strong>Leopold Wolf an Christl Lang, Stempel: \u201eZensuriert. Zur Bef\u00f6rderung geeignet.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>10. V. 16.<br \/>\nLiebste Tini!<br \/>\nIn diesem Brief gestehe ich schon wieder einmal meine Verge\u00dflichkeit ein und sende Dir jetzt erst das Bildl, das ich Dir im vorigen Brief beilegen wollte. Zugleich bitte ich Dich vielmals um Verzeihung, wenn ich eben so verge\u00dflich war. Nicht wahr? Du bist mir nicht b\u00f6s! Was soll man denn schon tun mit einem Menschen der oft schon von der Hand in den Mund vergi\u00dft!<br \/>\nNun aber vielen Dank f\u00fcr Dein abermaliges s\u00fc\u00dfes Packerl, ich konnte vorerst nur eine Karte schreiben (oder 2?). Nun kommen aber Deine einigen Briefe. Was Dir der Hptm. G gesagt hat ist nat\u00fcrlich gar nicht wahr. Wo der Olly sein soll, schon gar nicht! Der ist viel viel weiter vorne, und sieht die 2 Lacken, wie er immer die Seen hei\u00dft, direkt hinter sich. (Vorne ist nat\u00fcrlich immer dort wo der Feind ist.) Wenn man seine fr\u00fcheren Briefe aufmerksam liest, kommt man schon drauf!<br \/>\nDie Ostergockerln habe ich schon dankend best\u00e4tigt, und Dein [Penkola] <span style=\"color: #333399;\">[ein bestimmter Stift?]<\/span> tut flei\u00dfig Dienst. Nur zum Briefschreiben, kann ich ihn kaum nehmen, weil ich eine so schwere Hand hab von dem Herumsteigen mit und ohne Stock, da\u00df ich einen dicken Stiel in der Hand brauche, wenn ich sie rasch bewegen will. Beim Zeichnen kann ich ihn dagegen sehr gut brauchen und ich habe gleich an dem Abend an dem ich ihn kriegte das bisher beste \u201ePortr\u00e4t\u201c gezeichnet.<br \/>\nMit dem Neffen der Frau Dr. S. vertr\u00e4gt sich der Olly gut, nur hat sie eben recht mit dem was sie sagt. Da\u00df das nat\u00fcrlich jetzt \u00e4u\u00dferlich wenigstens nicht der Fall ist, bringen die Umst\u00e4nde mit sich, doch \u00e4ndert so was den inneren Menschen nicht.<br \/>\nMein Stimmungsumschwung freut mich selber, und ebenso wundert es mich fast, wie Du selber auf Dinge draufkommst die ich nie geschrieben hab, weil sie einfach nicht dazu taugten. Hoffentlich gibt sich beim n\u00e4chsten Urlaub Gelegenheit dr\u00fcber zu sprechen. Der Zwiespalt aus dem ich mir eine richtige \u00dcberzeugung (und die zu meinem Heil) erk\u00e4mpfen mu\u00dfte, das stimmt alles. Jetzt glaube ich auch nicht mehr so ganz an alle die Dinge, die ich damals so schwarz gesehen habe, obzwar sich nichts ereignet hat, was mich zu einer andern Ansicht h\u00e4tte bringen k\u00f6nnen. Ich meine da das Kapitel von zu Haus. Vater hat mir noch immer nicht geschrieben, nicht ein Wort. Aber eins ist sicher: Seit unserer Verlobung hab ich immer empfunden, da\u00df nun etwas vorgeht in mir, was mein Verh\u00e4ltnis zu den Eltern ganz bedeutend \u00e4ndert, n\u00e4mlich die Zugeh\u00f6rigkeit zum Elternhaus f\u00fchlte ich t\u00e4glich geringer und damals, als ich Dir den (traurigen) Brief schrieb, dachte ich, mich bindet nun nichts mehr als die Dankespflicht an die Sache. Nichtsdestoweniger wollte ich mich durchaus nicht mit dem Gedanken vertraut machen, nun niemand zu haben, wohin man sich als Kind wenden konnte, und da dachte ich Mama und Papa [die Eltern von Christl Wolf] w\u00fcrden mir f\u00fcrderhin die Eltern in der Beziehung schon ersetzen. Da\u00df ich mich aber verlassen f\u00fchle, war gewi\u00df nicht so gemeint, denn ich wei\u00df wohl sehr gut was ich an meinem liebsten M\u00e4del habe und bin stolz darauf. Die Stimmung ist aber l\u00e4ngst nicht mehr die von damals, ich hab es mir eines bessern \u00fcberlegt und bin das gerade Gegenteil. Wie das kam, wei\u00df ich selber nicht.<br \/>\nNun aber erinnere ich mich, da\u00df die liebe Tini mir auf diese Fragen nicht antwortet. [sic] Da hab ich Dich gefragt um die diversen Familienfesttage und Antwort \u2013 ? Niema! Also die Geschreibsel vom Herrn Br\u00e4utigam heraus aus dem Ofen, noch einmal nachsehen, was er alles fr\u00e4gt und dann erst verbrennen. Nat\u00fcrlich aber auch antworten! Gerade die obige Frage ist sehr wichtig bei meinem schlechten Ged\u00e4chtnis, und die Aufschreibung hab ich doch seinerzeit mit der Brieftasche verloren! \u00dcber H. hast Du auch noch nicht geschrieben. Bitte sei so gut und schreib bald, was Ihr gesprochen habt, m\u00f6chte w\u00fcrde mich doch riesig interessieren!<br \/>\nFam. Ebstein habe ich bereits geschrieben. Das war \u00fcbrigens sehr gut von Dir, da\u00df Du mich aufmerksam machtest. Soll ich vielleicht noch jemand schreiben? Da m\u00f6chte ich Dich schon bitten, sag mir immer davon, Du wei\u00dft, da\u00df ich Eure diversen Bekanntschaften nicht kenne, und doch mu\u00dfte ich wohl so Menschen schreiben um nicht etwa irgendeinen Versto\u00df zu machen.<br \/>\nPost dauert zu uns bestenfalls 3 Tage, gew\u00f6hnlich aber 5. Der Hanns kriegt sie schon nach 2 Tagen.<br \/>\nNun kommt der hei\u00dfe Dank f\u00fcr Deine Pauken. Da hast Du eigentlich recht, Tini, da\u00df man gr\u00fcne Gl\u00e4ser tragen soll, wenn einem Sturm und Sand zu einer Augenentz\u00fcndung verhelfen, oder wenn sie gar noch durch Anstrengung allein erzeugt wird. Man sagt ja z. B. von unseren ber\u00fchmten Regiments\u00e4rzten, da\u00df f\u00fcr alle Krankheiten unter dem Magen \u2013 Kommodschuhe und f\u00fcr alle \u00fcber dem Magen \u2013 Aspirin gut sind. Jetzt kommen noch Schneebrillen dazu. Also wenn ich mir einmal in den Finger schneiden sollte, werde ich Schneebrillen tragen, das kann g\u2019sund werden.<br \/>\n\u201eAlso f\u00fcr die Sorge wird man noch ausgelacht\u201c! wirst Du sagen.<br \/>\nNun aber kr\u00e4nk dich nicht, teuerste Tini, Du darfst nicht glauben, da\u00df ich Deinen guten Rat nicht befolgen werde. Gestern sind auch tats\u00e4chlich schon die gr\u00fcnen Brillen gekommen und ich bin Dir sehr dankbar daf\u00fcr. Wenns auch schon aus ist mit dem Schnee, so werde ich sie doch mit viel Nutzen in der grellen Sonne ben\u00fctzen k\u00f6nnen. Ich bin nun schon in gro\u00dfer Verlegenheit, wie ich alle Deine Sorge um mich werde belohnen k\u00f6nnen; vorl\u00e4ufig kann ich nicht mehr, als Dir wieder sagen, da\u00df ich Dein braver Poldi sein und bleiben werde, der es schon in besseren Zeiten belohnen wird, was Du jetzt tust.<br \/>\nWie sind doch in den letzten Tagen die Packerln nur so geflogen kommen! Die Tatsache selber, diese sch\u00f6ne Absicht, mir eine Freude machen zu wollen ist vollauf gelungen. Weibliche Sp\u00f6tter k\u00f6nnten da wieder sagen: \u201eNa, ja! Das ham\u2019 mer ja scho l\u00e4ngst g\u2019wu\u00dft, der Weg zum Herzen der M\u00e4nner geht wirkli durch\u2019n Magen!\u201c<br \/>\nF\u00fcr heute schlie\u00df ich, sei mir nicht b\u00f6s, weil ich unartig war und sei herzlichst gegr\u00fc\u00dft und gek\u00fcsst von Deinem Poldi.<br \/>\nHandk\u00fcsse zu Hause! Wenn Du brav bist, schreib ich heute \/morgen\/ gleich wieder!<\/p>\n<p><strong>Feldpostkorrespondenzkarte von Leopold Wolf an Christl Lang, Vermerk. \u201eeingelangt 21.5.1916.\u201c; Stempel: \u201eZensuriert. Zur Bef\u00f6rderung geeignet.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>10. V. 16.<br \/>\nLiebstes Christerl!<br \/>\nVielen herzlichen Dank f\u00fcr Dein s\u00fc\u00dfes Packerl. Gestern kam ich da so wieder halbkaputt nach Haus \u2013 es wird schon wirklich alle Tage \u00e4rger mit der Schinderei \u2013 da hatte ich einen derartigen Mohrendurst, da\u00df ich am liebsten einen Liter Bier auf einen Sitz ausgetrunken h\u00e4tte. Aber bescheiden wie ich schon bin, war ich mit Wasser zufrieden und go\u00df mir in das ausnahmsweise reine Glas ein, nachdem ich den Anton an die Luft gesetzt hatte, weil er gar zu impertinent nach Knoblauch roch. In der Eile hatte ich aber Benzin erwischt, so da\u00df ich bei meiner Erhitzung leicht h\u00e4tte in die Luft gehen k\u00f6nnen. Ich spie darauf wie wein Gerberhund doch gleich drauf brachte mir ein Telefonist Dein Packerl.<br \/>\nDie Schrift sehen, und alles war vergessen. Oder das Packerl aufmachen, und es war vergessen! Ich setzte mich auf den Petroleumofen, (der aber nicht) geheizt war) und w\u00e4hrend ich so nachdachte, was meine Tini doch f\u00fcr ein braves M\u00e4del ist, wie sie immer an mich denkt und mir viel Freuden macht, &#8211; siehe da, war nix mehr da! Du Christl, das ist nicht etwa Piet\u00e4tlosigkeit Deiner Kochkunst gegen\u00fcber, denn ich kann Dir sagen, was anderes h\u00e4tte ich nicht anger\u00fchrt, (wie die vielen Tage vorher) aber dieser \u2013 no, wie hei\u00dft das? dieser Guglhupf oder die Torte, der Kuchen, (oder sind das Keks oder was) kurz und gut das was m\u00f6rderisch gut und ich beweine es nur, da\u00df keine F\u00fcnfkilopakeln jetzt gehen. Der <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span> hat nat\u00fcrlich auch was bekommen, denn geteilt schmeckts noch viel viel besser, aber viel halt nicht! Denn wie ich das machte &#8211; &#8211; &#8211;<br \/>\nEs lebe die schwarze K\u00f6chin der braunen Kuchen!<br \/>\nViele innigste Bussi und nochmals hei\u00dfen Dank!<br \/>\nDein Poldi.<\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 14 I<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">N\u00e4chster Eintrag aus der Korrespondenz von Christine Lang und Leopold Wolf <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=27024\">am 13. Mai 2016<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\"> Voriger Eintrag aus der Korrespondenz von Christine Lang und Leopold Wolf <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=25536\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 5. April 2016<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert.<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #333399;\">Zur Feldpostkorrespondenz von Christine Lang und Leopold Wolf siehe auch: Christa H\u00e4mmerle: Schau, da\u00df Du fort kommst! Feldpostbriefe eines Ehepaares. In: Christa H\u00e4mmerle: Heimat\/Front. Geschlechtergeschichte\/n des Ersten Weltkriegs in \u00d6sterreich-Ungarn, Wien\/K\u00f6ln\/Weimar 2013, S 55-83.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333399;\">Zum Kriegsfotoalbum von Leopold Wolf siehe <a href=\"https:\/\/ww1.habsburger.net\/de\/erinnerungen\/kriegsfotoalbum-aus-der-hinterlassenschaft-von-leopold-wolf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ww1.habsburger.net\/de.<\/a><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 74, Korrespondenz von Christine Lang und Leopold Wolf , Datum, SFN NL 14 I, unter: URL<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die b\u00fcrgerlich situierte Christl Lang (geb. 1891) erw\u00e4hnte in ihren regelm\u00e4\u00dfigen Briefen an den Verlobten Demonstrationen von Frauen in Wien, sie sendete ihm Fotografien, k\u00fcndigte ein Paket mit Lebensmitteln an und machte sich um seine Gesundheit sorgen, weswegen sie auch eine Schneebrille schickte. 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