{"id":2715,"date":"2009-11-15T20:53:51","date_gmt":"2009-11-15T18:53:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=2715"},"modified":"2022-05-19T16:18:31","modified_gmt":"2022-05-19T16:18:31","slug":"cfp-die-ruhigen-jahre-geschlechterverhaltnisse-in-beiden-deutschen-staaten-in-den-1950er-und-fruhen-1960er-jahren-publication-ariadne-dl-23112009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=2715","title":{"rendered":"CfP: Die &#8222;ruhigen&#8220; Jahre? Geschlechter(verh\u00e4ltnisse) in beiden deutschen Staaten in den 1950er und fr\u00fchen 1960er Jahren (Publikation: Ariadne); DL: 23.11.2009"},"content":{"rendered":"<p><strong>Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung <\/strong><a href=\"http:\/\/www.addf-kassel.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(Web)<\/a><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Deadline: <\/strong>23.11.2009<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Der Lobgesang auf die 1950er und fr\u00fchen 1960er Jahre &#8211; angestimmt von konservativen Feuilletonisten, die diese Jahre als Hochphase &#8218;traditioneller&#8216;, westdeutscher Familienwerte preisen &#8211; erweist sich bei genauerer Betrachtung als Abwehrgesang gegen heutige Ver\u00e4nderungen in den Geschlechterverh\u00e4ltnissen. Verschiebungen in der Familienstruktur, eine immer breiter werdenden Akzeptanz neuer Familienformen und das Aufbrechen rigider M\u00e4nnlichkeitsvorstellungen lassen die &#8218;ruhigen&#8216; und nicht zuletzt deshalb auch beruhigenden Anfangsjahrzehnte der Bundesrepublik im R\u00fcckblick als Ausweg aus der heute diagnostizierten Geschlechter-Krise erscheinen.<\/p>\n<p>Noch bis Mitte der 1950er Jahre geisterte das Schreckgespenst vom &#8222;Frauen\u00fcberschuss&#8220; und den &#8222;unvollst\u00e4ndigen Familien&#8220; durch die westdeutschen Medien. Als Gegenma\u00dfnahme wurde <!--more-->mit dem 1953 erstmals in Deutschland eingerichteten Familienministerium unter Franz-Josef Wuermeling die Familie als &#8222;Urkern staatlicher Gemeinschaft&#8220; definiert, in der den Frauen die Rolle des &#8222;segenspendenden Herzens&#8220; zugewiesen wurde. Nach zwei Weltkriegen und ihren Katastrophen war die Wiederherstellung rigider Geschlechterrollen sowie das Leitbild von Ehe und Kernfamilie als dominante Lebensform wichtiger Bestandteil einer &#8218;Normalisierung&#8216; der Lebensverh\u00e4ltnisse. Gleichzeitig wurde die Familie als Basis f\u00fcr eine neue politische Identit\u00e4t und Selbstdefinition Westdeutschlands betrachtet. Nicht zuletzt musste im Zeichen des &#8218;kalten Krieges&#8216; ein stabiles Bollwerk gegen den Kommunismus mit der Restaurierung der Kernfamilie gebildet werden. Entsprechend wurden sozialpolitische Konzeptionen f\u00fcr die Nachkriegsgesellschaft mit spezifischen Vorstellungen \u00fcber die Familie verkn\u00fcpft, die wiederum ma\u00dfgeblich die bundesrepublikanische Geschlechterpolitik beeinflussten. Sie implizierten die propagandistische Aufwertung der Ehefrau und Mutter und &#8211; vice versa &#8211; die ideologische Abwertung der westdeutschen erwerbst\u00e4tigen (Ehe)Frauen wie der weiblichen Werkt\u00e4tigen in der DDR.<\/p>\n<p>Zwar trat &#8211; mit f\u00fcnfj\u00e4hriger Versp\u00e4tung und neun Jahre sp\u00e4ter als in der DDR &#8211; am 1. Juli 1958 in der Bundesrepublik das Gleichberechtigungsgesetz in Kraft, doch abgesehen von marginalen Liberalisierungen der patriarchalischen Familienstrukturen sollte weiterhin eine strikte hierarchische Arbeitsteilung innerhalb der Familie beibehalten bleiben, nach der der Ehemann als Alleinern\u00e4hrer und seine Gattin als Hausfrau und Mutter fungierten. Auch die seit Ende der 1950er Jahre in Westdeutschland unter dem Slogan &#8218;Die Wirtschaft braucht die Frau&#8216; propagierte neue Arbeitsform der Teilzeitarbeit sollte zun\u00e4chst eher zu einer Stabilisierung dieses Geschlechterrollenmodels denn zu seiner Abl\u00f6sung beitragen. Neuarrangements, die unter dem Label &#8218;Drei-Phasen-Modell&#8216; f\u00fcr eine Vereinbarkeit von (Halbtags-)Erwerbs- und Familienarbeit warben, schufen die Figur der prek\u00e4r arbeitenden Zuverdienerin, deren Arbeit sowohl jederzeit einsetzbar wie k\u00fcndbar war.<\/p>\n<p>Waren dies sowohl die Konzepte wie auch die Leitbilder einer bundesrepublikanischen Arbeits-, Sozial- und Familienpolitik, die das als klassisch oder traditionell behauptete Geschlechterverh\u00e4ltnis zu restrukturieren suchten, stellen neuere Forschungen gerade die Normativit\u00e4t dieser Konzepte ins Zentrum neuer Fragestellungen. So wird zunehmend daran gezweifelt, dass die Frauen in der Bundesrepublik vom Arbeitsmarkt ausschlie\u00dflich verdr\u00e4ngt und an Heim und Herd gebunden wurden, w\u00e4hrend die Frauen in der DDR via verb\u00fcrgter Gleichberechtigung einen geschlechterpolitischen Aufbruch erlebten. Nicht zuletzt die Ende der 1960er\/Anfang der 1970er Jahre erfolgten gesellschaftlichen Umbr\u00fcche deuten darauf hin, dass sich die westdeutschen Frauenbewegungen der darauf folgenden Jahrzehnte weniger vor dem Hintergrund fest zementierter Geschlechterverh\u00e4ltnisse herausbildeten, sondern ihre Mobilisierungskraft gerade deshalb gewannen, weil ein Wandlungs- und Emanzipationsprozess auf wichtigen gesellschaftlichen Feldern bereits in vollem Gang war.<\/p>\n<p>Im Blick auf das Geschlechterverh\u00e4ltnis in der DDR stellt sich hingegen die Frage, in welcher Weise nach dem &#8218;erzwungenen Matriarchat&#8216; der Nachkriegsjahre auch hier zun\u00e4chst Konzepte zum Zuge kamen, die der staatlich sanktionierten Gleichheit vor dem Gesetz eine Re-Familialisierung mit entsprechenden Attributen der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung an die Seite stellte. Zudem ist zu vermuten, dass es auch in der DDR durch die Bew\u00e4hrung der Frauen in m\u00e4nnlichen Dom\u00e4nen zu einer Irritation der Geschlechterordnung kam. L\u00e4sst sich somit &#8211; analog zu Studien \u00fcber westliche Nachkriegsgesellschaften &#8211; auch f\u00fcr die DDR von einer Re-Maskulinierung der Gesellschaft in Politik, Wirtschaft und Kultur sprechen?<\/p>\n<p>Die Ariadne &#8211; Forum f\u00fcr Frauen- und Geschlechtergeschichte, ist die Zeitschrift der Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung und erscheint zwei Mal im Jahr. Im Zentrum der verschiedenen Hefte stehen immer die (historischen) Frauenbewegungen, die mit diesen Bewegungen verbundenen Ideen und Theorien sowie die Geschlechterverh\u00e4ltnisse. In diesem Heft soll den angeblich so ruhigen 1950er und fr\u00fchen 1960er Jahren nachgegangen werden.<\/p>\n<p>Folgende Fragen k\u00f6nnten dabei im Zentrum des Heftes stehen:<\/p>\n<ul>\n<li>Waren die 1950er und fr\u00fchen 1960er Jahre tats\u00e4chlich so statisch und ruhig, wie sie immer gezeichnet werden?<\/li>\n<li> Welche Rollenmodelle wurden den Geschlechtern angeboten? Wie waren diese aufeinander bezogen? Wie grenzten sie sich voneinander ab?<\/li>\n<li> Gab es Unterschiede zwischen Ost und West?<\/li>\n<li> Welche Auswirkungen zeigte die Formulierung des Gleichberechtigungspassus in den Verfassungen beider Staaten? Welche Wege mussten beschritten werden, um die Gleichberechtigungsforderung in die beiden Gesellschaften umzusetzen?<\/li>\n<li> Spielte die &#8218;alte&#8216; Frauenbewegung auch in den 1950er Jahren noch eine gesellschaftlich wichtige Rolle und wenn ja, welche ?<\/li>\n<li>Gab es Gegenbewegungen bzw. gesellschaftliche Nischen, in denen andere Geschlechterrollen ausprobiert wurden und welchen Preis hatten diese gesamtgesellschaftlich zu bezahlen?<\/li>\n<li> Wie wurde die Geschlechterordnung der 1950er und fr\u00fchen 1960er Jahre von wem argumentativ abgest\u00fctzt bzw. in Frage gestellt?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die einzelnen Beitr\u00e4ge sollten einen Umfang von ca. 26.000 bis 35.000 Zeichen, d.h. ca. 9-12 Manuskriptseiten haben. In Ausnahmef\u00e4llen (zum Beispiel f\u00fcr einen einleitenden Artikel) kann von dieser Ma\u00dfgabe abgesehen werden. Redaktionsschluss wird der 1.6.2010 sein, das Heft erscheint dann im November 2010. Wenn Sie Interesse an der Abfassung eines Artikels haben, reichen Sie uns bitte bis zum <strong>23.11.2009<\/strong> ein aussagekr\u00e4ftiges Expos\u00e9 (1-1\u00bd Seiten) ein. Da sich die genaue inhaltliche Gestaltung des Heftes nach den eingehenden Expos\u00e9s richtet, reichen Sie bitte auch Aufsatzideen ein, die am Rande des Themas zu liegen scheinen. Sie k\u00f6nnen sich auch gerne direkt mit uns in Verbindung setzen, wir stehen Ihnen f\u00fcr weitere Informationen jeder Zeit zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p><strong>Redaktionsteam:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li> Dr.in Julia Paulus, LWL-Institut f\u00fcr westf\u00e4lische Regionalgeschichte, M\u00fcnster;<\/li>\n<li> Dr.in Kerstin Wolff und Silke Mehrwald, Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bitte richten Sie ihre Anfragen sowie ihre Expos\u00e9s (bis zum 23.11.2009) an ff. Mailadresse: wolff#addf-kassel.de<\/p>\n<p><strong>Kontakt:<\/strong><br \/>\nDr.in Kerstin Wolff und Silke Mehrwald, Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung<br \/>\nWolff#addf-kassel.de<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.addf-kassel.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.addf-kassel.de<\/a><\/p>\n<p>URL zur Zitation dieses Beitrages: http:\/\/hsozkult.geschichte.hu-berlin.de\/termine\/id=12578<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung (Web) Deadline: 23.11.2009 Der Lobgesang auf die 1950er und fr\u00fchen 1960er Jahre &#8211; angestimmt von konservativen Feuilletonisten, die diese Jahre als Hochphase &#8218;traditioneller&#8216;, westdeutscher Familienwerte preisen &#8211; erweist sich bei genauerer Betrachtung als Abwehrgesang gegen heutige Ver\u00e4nderungen in den Geschlechterverh\u00e4ltnissen. 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