{"id":28980,"date":"2017-03-03T02:02:49","date_gmt":"2017-03-03T02:02:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=28980"},"modified":"2025-06-04T06:24:28","modified_gmt":"2025-06-04T06:24:28","slug":"der-erste-weltkrieg-in-nachlaessen-von-frauen-nr-97-tagebucheintraege-der-niederoesterreicherin-ella-reichel-3-und-5-maerz-1917-neulengbach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=28980","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 97: Tagebucheintr\u00e4ge der Nieder\u00f6sterreicherin Ella Reichel, 3. und 5. M\u00e4rz 1917, Neulengbach"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000080;\"><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/NL-38-Tagebuch-Ella-Reichel-1917-03-03.jpg\" rel=\"attachment wp-att-28981\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-28981 size-thumbnail alignleft\" title=\"Tagebuchaufzeichnungen von Ella Reichel, 3. M\u00e4rz 1917 [Zum Vergr\u00f6\u00dfern anklicken]\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/NL-38-Tagebuch-Ella-Reichel-1917-03-03-150x150.jpg\" alt=\"NL 38 Tagebuch Ella Reichel 1917 03 03\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Ella Reichel (geb. 1905) wuchs im Nieder\u00f6sterreichischen Neulengbach auf, wo die Eltern am Hauptplatz eine Eisenwarenhandlung f\u00fchrten. Ihre Schwester Anna war 1909 geboren worden. Seit ihrem 8. Lebensjahr notierte Ella Reichel tagebuch\u00e4hnliche Aufzeichnungen parallel in verschiedenen Kalender- und Notizheften. Darin beschrieb sie einerseits die Ereignisse in ihrem sozialen Umfeld. Kriegsbezogene Themen waren im Fr\u00fchling 1917 u.a. die Dienst-Verpflichtung ihres 44j\u00e4hrigen Vaters oder Kontrollen, bei denen die Menge von privat gekauftem Getreide \u00fcberpr\u00fcft wurde. Andere Informationen d\u00fcrfte die 12j\u00e4hrige von H\u00f6rensagen oder aus Zeitungen erhalten haben.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>Samstag, am 3. III. 1917.<br \/>\nNach 1 1\/4 Jahren schreibe ich wieder ein paar Zeilen. Der furchtbare Krieg hat noch nicht aufgeh\u00f6rt. Am 28. Juni 1916 ist unser liebes Annal gestorben. <span style=\"color: #000080;\">[Die j\u00fcngere Schwester der Schreiberin litt an Trisomie 21.]<\/span> Frau V. <span style=\"color: #000080;\">[das Kinderm\u00e4dchen]<\/span> hat 8 Tage nach dem Tod das Feld r\u00e4umen m\u00fc\u00dfen. Marie <span style=\"color: #000080;\">[das Dienstm\u00e4dchen]<\/span> kocht jetzt. Am Sommer kam Tante Thea und Onkel Fritz. Sie blieben ein paar Wochen hier. Zu Weihnachten bekam ich sehr viele Geschenke. Vater <span style=\"color: #000080;\">[Paul Reichel, geb. 1873]<\/span> ist Feuerwerker <span style=\"color: #333399;\">[Feuerwehrmann]<\/span> geworden. Am 5. J\u00e4nner 1917 bekam ich Bauchfellentz\u00fcndung. Die schwerste Krankheit die es gibt. Ich stand furchtbare Schmerzen aus. Doktor L. rettete mir das Leben. Jetzt bin ich Gott sei Dank wieder soweit hergestellt, darf aber noch nicht in die Luft. Am Vortag von meiner Krankheit waren Mutter, Luisl <span style=\"color: #333399;\">[das Dienstm\u00e4dchen der Familie]<\/span> und ich in St. P\u00f6lten bei Frau Z. um Mehl, wir bekamen 15 kg. Nachmittag kam die Getreidekommission. Wir hatten gro\u00dfe Angst da\u00df wir verraten wurden den n\u00e4chsten Tag wurde ich krank. Zu \u00d6sterreich, Deutschland, T\u00fcrkei, und Bulgarien sind noch ein paar Feinde dazugekommen. Wir haben jetzt die Hungernot im Lande, in Wien starben Leute am Hungertiphus. Mutter und Omama jammern alle Tage. Nun aber genug, ich <del>[&#8230;]<\/del> schlie\u00dfe.<!--more--><\/p>\n<p>5. M\u00e4rz 1917.<br \/>\nVergessenes mu\u00df nachgeholt werden. Am 3. April 1914 wurde der S. Hansi geboren <span style=\"color: #000080;\">[vermutlich ein Kind aus dem sozialen Umfeld]<\/span>. Er ist jetzt ein reizender Kerl von 3 Jahren. Am 10. September 1916 fuhren Omama, Gretl <span style=\"color: #000080;\">[1897 geborene Cousine der Schreiberin]<\/span> und ich nach Mariazell <span style=\"color: #000080;\">[einer der bekanntesten Walfahrtsorte in \u00d6sterreich]<\/span>. Es war eine herrliche Fahrt. <span style=\"color: #000080;\">(\u2026)<\/span> Vater hat Mitte M\u00e4rz wieder Musterung <span style=\"color: #000080;\">[Paul Reichel war wegen einer Erkrankung vom Kriegsdienst freigestellt worden.]<\/span> Heute Montag zog ich zum ersten Mal seit meiner Krankheit wieder feste Schuhe und Kleider an den fr\u00fcher hatte ich einen Schlafrock.<\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 38<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> N\u00e4chster Eintrag aus dem Tagebuch von Ella Reichel <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=29601\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 26. M\u00e4rz 2017<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Voriger Eintrag aus dem Tagebuch von Ella Reichel <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=24248\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 7. April 2016<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 97: Tagebuch von Ella Reichel, Datum, SFN NL 38, unter: URL<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ella Reichel (geb. 1905) wuchs im Nieder\u00f6sterreichischen Neulengbach auf, wo die Eltern am Hauptplatz eine Eisenwarenhandlung f\u00fchrten. Ihre Schwester Anna war 1909 geboren worden. Seit ihrem 8. Lebensjahr notierte Ella Reichel tagebuch\u00e4hnliche Aufzeichnungen parallel in verschiedenen Kalender- und Notizheften. Darin beschrieb sie einerseits die Ereignisse in ihrem sozialen Umfeld. Kriegsbezogene Themen waren im Fr\u00fchling 1917 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"class_list":["post-28980","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-edition-wk1-in-selbstzeugnissen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28980","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=28980"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28980\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":80986,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28980\/revisions\/80986"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=28980"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=28980"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=28980"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}