{"id":29601,"date":"2017-03-26T03:22:58","date_gmt":"2017-03-26T03:22:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=29601"},"modified":"2022-07-06T08:03:35","modified_gmt":"2022-07-06T08:03:35","slug":"der-erste-weltkrieg-in-nachlaessen-von-frauen-nr-99-tagebucheintraege-der-niederoesterreicherin-ella-reichel-26-maerz-1917-neulengbach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=29601","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 100: Tagebucheintr\u00e4ge von Ella Reichel, 26. M\u00e4rz 1917, Neulengbach"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #333399;\"><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/NL-38-Tagebuch-Ella-Reichel-1917-03-26.jpg\" rel=\"attachment wp-att-29603\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-29603 size-thumbnail\" title=\"Tagebucheintrag von Ella Reichel, 26. M\u00e4rz 1917, SFN NL 38 V [Zum Vergr\u00f6\u00dfern anklicken!]\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/NL-38-Tagebuch-Ella-Reichel-1917-03-26-150x150.jpg\" alt=\"NL 38 Tagebuch Ella Reichel 1917 03 26\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Die Eltern von Ella Reichel (geb. 1905) f\u00fchrten am Hauptplatz von Neulengbach, nahe Wien, eine Eisenwarenhandlung. Das Gesch\u00e4fts- und Wohnhaus stand am Hauptplatz der Kleinstadt. Die j\u00fcngere Schwester Anna war im Juni 1916 gestorben. Seit ihrem 8. Lebensjahr notierte Ella Reichel Tagebuchaufzeichnungen parallel in verschiedenen Kalender- und Notizheftformaten. 1917 begann sie, daf\u00fcr ein versperrbares Tagebuch zu vewenden. In ihrem ersten Eintrag fasste die 12j\u00e4hrige auch Ereignisse aus ihrem pers\u00f6nlichen Umfeld sowie der Weltpolitik zusammen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>Neulengbach, 26. III. 1917.<br \/>\nAm 24. war mein Namenstag; der Tag, wo ich mein Tagebuch bekam. Auch andere Geschenke bekam ich: Ein Silberk\u00f6rbchen mit frischen Blumen gef\u00fcllt, 2 Hyazinthen=St\u00f6cke, eine gro\u00dfe Mandeltorte und Geld von den Gro\u00dfeltern. Vor beil\u00e4ufig 2-3 Monaten bekam ich Bauchfellentz\u00fcndung. Jetzt erst genesen habe ich Hausuntericht von meiner Klassenlehrerin Fr\u00e4ulein Elisa S. Ich gehe in die f\u00fcnfte Klasse, bin aber schon 12 Jahre alt, da ich vor 3 Jahren eine schwere Lungenentz\u00fcndung bestehen mu\u00dfte und daher ein Jahr pausierte. Gestern schneite es ununterbrochen den ganzen Tag am Abend war der Schnee schon 30\u201340 cm hoch. Heute taut es wieder. Gestern lag ich an sehr starken Schnupfen. Wir haben jetzt schon 2 Jahre 8 Monate furchtbaren Weltkrieg. Ru\u00dfland, Frankreich, England und Serbien, Italien und Amerika halten zusammen, bei uns, \u00d6sterreich, Deutschland, T\u00fcrkei und Bulgarien. In Ru\u00dfland (Petersburg) ist Revolution ausgebrochen. Zar Nikolaus hat abgedankt. Er, mit seiner Familie wurde gefangen genommen und auf Schlo\u00df Klein-Zarskoje=Selo gebracht. Die Revolution ist f\u00fcr den Frieden, da in Ru\u00dfland Hungersnot herrscht. Auch bei uns ist schon die Hungersnot ausgebrochen, in Wien sterben schon viele Leute an Hungertiphus, Mein Vater <span style=\"color: #333399;\">[Paul Reichel, geb. 1873]<\/span> ist als Feuerwerker in einer Kanzlei in Wien angestellt. Ist auch schon 2 Jahre einger\u00fcckt. F\u00e4hrt aber alle Tage am abend nach Hause. Ich korrespondiere mit einem <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=24262\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Leutnant, Namens B.<\/a>, aus dem Feld. Mein Cousin ist als Rechnungsunteroffizier bei Belgrad, der andere in Italien. <span style=\"color: #333399;\">(\u2026)<\/span><!--more--><\/p>\n<p>2. April 1917.<br \/>\nMontag bekam meine Lehrerin ein Telegram, gerade in der Stunde und mu\u00dfte sofort nach Wien fahren. Donnerstag, Freitag, und Samstag bin ich wieder gelegen, hatte eine leichte Influenza. Gestern, Samstag war ein herrlicher Fr\u00fchlingstag. Mutter, Vater und ich waren bei Gro\u00dfvater, in der Villa. K. Annal, Luisl, Franzl und ich spielten im Garten. Habe von K. Pepi <span style=\"color: #333399;\">[Cousin der Schreiberin]<\/span> gepre\u00dfte Veilchen aus Serbien bekommen. Heute ist ein trostloser Tag, immer regnet es. Will denn der Fr\u00fchling gar nicht Einzug halten? Heute wieder keine Hausstunde gehabt, na\u2019 mir liegt nichts daran. Vor Gestern werde hoffentlich kein mehr haben. Sie gibt immer furchtbar viel auf. Bin sehr froh dar\u00fcber. Jetzt werde ich lese, da das Kr\u00e4nzchen gekommen ist. <span style=\"color: #333399;\">[&#8222;Das Kr\u00e4nzchen&#8220; war eine speziell an M\u00e4dchen gerichtete Buchreihe, die in hoher Auflage seit 1899 erschienen ist. 1916\/17 erschien der Titel &#8222;Im sonnigen Nest&#8220; von Sophie Kloerss.]<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 38<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\"> N\u00e4chster Eintrag aus dem Tagebuch von Ella Reichel <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=30961\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 7. Oktober 2017<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\"> Voriger Eintrag aus dem Tagebuch von Ella Reichel <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=28980\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 3. M\u00e4rz 2017<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 100: Tagebuch von Ella Reichel, Datum, SFN NL 38, unter: URL<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Eltern von Ella Reichel (geb. 1905) f\u00fchrten am Hauptplatz von Neulengbach, nahe Wien, eine Eisenwarenhandlung. Das Gesch\u00e4fts- und Wohnhaus stand am Hauptplatz der Kleinstadt. Die j\u00fcngere Schwester Anna war im Juni 1916 gestorben. Seit ihrem 8. 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