{"id":30469,"date":"2017-07-24T02:54:32","date_gmt":"2017-07-24T02:54:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=30469"},"modified":"2022-07-06T12:22:27","modified_gmt":"2022-07-06T12:22:27","slug":"der-erste-weltkrieg-in-nachlaessen-von-frauen-nr-108-tagebuch-von-bernhardine-alma-24-juli-1917-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=30469","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 109: Tagebuch von Bernhardine Alma, 24. Juli 1917, Wien"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/NL-09-Alma-Bernhardine-1917-07-24.jpg\" rel=\"attachment wp-att-30489\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-30489 size-thumbnail\" title=\"Tagebuch von Bernhardine Alma, 24. Juli 1917, SFN, NL 09 [Zum Vergr\u00f6\u00dfern anklicken]\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/NL-09-Alma-Bernhardine-1917-07-24-150x150.jpg\" alt=\"NL 09 Alma Bernhardine 1917 07 24\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><span style=\"color: #333399;\">Bernhardine Alma (geb. 1895) besuchte seit 1916 verwundete Soldaten in Krankenh\u00e4usern, um ihnen kleine Geschenke zu bringen und Gesellschaft zu leisten. Dabei hatte sie den aus M\u00e4hren stammenden Jaro G. kennengelernt. Nachdem beide \u2013 aufgrund von Missverst\u00e4ndnissen \u2013 \u00fcber Monate keinen Kontakt gehabt hatten, besuchte er sie im Sommer 1917 \u00fcberraschend, als er sich in Wien auf Fronturlaub befand. Neben detaillierten Berichten aus dem sozialen Umfeld der Diaristin beschreibt sie immer wieder auch kurz die verschiedenen Strategien, wie sie an Lebensmittel oder Kohlen f\u00fcr den gro\u00dfen Familienhaushalt gelangte.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>24. VII. abends. Dienstag.<br \/>\nFolgende 2 Karten erhielt ich heute aus Bad Luhacovic <span style=\"color: #333399;\">[Wo Jaro G. gerade auf Besuch bei seiner Familie war]<\/span>: Hochverehrtes Fr\u00e4ulein! Denke wenn Sie\u2019s auch nicht glauben wollen, viel an Sie. Werde noch eine Tage bei meinem Papa verweilen, dann komme ich auf einige Tage nach Wien und dann hei\u00dft\u2019s leider wieder an die Front! Mit Handk\u00fcssen und Empfehlungen zu Hause Ihr ergebener \u2013 Hochverehrtes Fr\u00e4ulein! Obwohl Sie mir wenig, sagen wir \u00fcberhaupt nicht glauben, so sende ich Ihnen die aufrichtigsten Gr\u00fc\u00dfe und Handk\u00fcsse Ihr ergebener \u2013 Beide waren vom 21.d. datiert u. gestempelt. Auf einer Adresse schrieb er Hedchen, auf der anderen Hederl. Mir gef\u00e4llt seine Schrift so gut! Ich glaube, da\u00df er morgen da sein wird. Hoffentlich best\u00e4tigt sich dieser Glaube! Ich habe ja wieder so Sehnsucht nach ihm! Seine Eltern m\u00fcssen riesig stolz auf ihn sein. Ich bin gl\u00fccklich, da\u00df er nicht irgendwie beleidigt ist.<br \/>\nSamstag beichtete ich bei unserem Pfarrerl, der mir dann gleich die kleine Madonna <span style=\"color: #333399;\">[ein kleines, christliches Mitbringsel]<\/span> f\u00fcr Jarerl <span style=\"color: #333399;\">[Kosename f\u00fcr Jaro] <\/span>weihte. Sonntag empfing ich die heilige Communion. Nachmittag war die Cora mit der Kleinen da <span style=\"color: #333399;\">[Cora von St., die 1890 geborene Schwester der Schreiberin, hatte im Sommer 1916 geheiratet und war inzwischen Mutter eines S\u00e4uglings]<\/span>. Co will durchaus wieder zu uns ziehen, aber Ma <span style=\"color: #333399;\">[ihre gemeinsame Mutter]<\/span> will nat\u00fcrlich nicht. Dann wollte Cora, da\u00df <!--more-->ich zu ihr ziehe, was Ma aber gar nicht ernst zu nehmen scheint. Ich will auch nicht, obgleich mir die Cora leid tut, wenn sie so sagt, da\u00df ihr der Sergius<span style=\"color: #333399;\"> [Ehemann der Schwester]<\/span> nie Noten gebracht hat etz. <span style=\"color: #333399;\">[vermutlich Musiknoten f\u00fcr die Hausmusik]<\/span>. Die kleine Ilsa <span style=\"color: #333399;\">[?]<\/span> wird riesig h\u00fcbsch und herzig.<\/p>\n<p>Gestern ging ich ins R.K. nachschauen. <span style=\"color: #333399;\">[Die Schreiberin versah seit eineinhalb Jahren im Roten Kreuz Schreibarbeiten. Derzeit hatte sie Urlaub.]<\/span> Es waren f\u00fcr mich belanglose Postsachen und dann die Familie Dr. Kellermann retour gekommen. <span style=\"color: #333399;\">[Ein Fortsetzungsroman, den die Diaristin bei einer Zeitschrift eingereicht hatte.]<\/span> Der N. <span style=\"color: #333399;\">[vermutlich ein Kollege beim Roten Kreuz]<\/span> ist ein netter Junge. Ich glaube aber, da\u00df sich der H. \u00e4rgert, wenn ich mir ihm spreche. Er kam aber trotzdem zu mir her. Wie schnell mir das R. K. im Inneren fremd geworden ist. Und wie nahe mir der Jaro bei jeder Trennung steht! \u2013 Heute O.F.T. <span style=\"color: #333399;\">[?]<\/span> \u2013<\/p>\n<p>Gestern bekam ich per Nachnahme 2 \u00bd kg Kartoffelmehl von der Elsah. Das \u201eSeemannslos\u201c <span style=\"color: #333399;\">[Musikst\u00fcck f\u00fcr Klavier]<\/span> ist reizend! Ich m\u00f6chte es gerne recht sch\u00f6n spielen k\u00f6nnen! \u2013 Wenn das Jarerl nur nicht an die Front m\u00fc\u00dfte! D.W.g. <span style=\"color: #333399;\">[Dein Wille geschehe]<\/span>! \u2013<\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 09<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\"> N\u00e4chster Eintrag aus dem Tagebuch von Bernhardine Alma <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=30496\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 16. September 2017<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\"> Voriger Eintrag aus dem Tagebuch von Bernhardine Alma <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=30467\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 17. Juli 2017<\/a><\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #333399;\">Zum Tagebuch von Bernhardine Alma im Ersten Weltkrieg siehe auch: Ulrike Seiss, \u201c\u2026 ich will keinen Krieg oder als Krankenschwester mit!\u201d Selbstinszenierungen, Kriegsrezeption und M\u00e4nnlichkeitsbilder im Tagebuch einer jungen Frau im Ersten Weltkrieg, Wien, Diplomarbeit, 2002 sowie weiters <a href=\"https:\/\/ww1.habsburger.net\/de\/erinnerungen\/tagebuch-aus-der-hinterlassenschaft-von-bernhardine-alma\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ww1.habsburger.net\/de.<\/a><br \/>\n<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 109, Tagebuch von Bernhardine Alma, Datum, SFN NL 09, unter: URL<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernhardine Alma (geb. 1895) besuchte seit 1916 verwundete Soldaten in Krankenh\u00e4usern, um ihnen kleine Geschenke zu bringen und Gesellschaft zu leisten. Dabei hatte sie den aus M\u00e4hren stammenden Jaro G. kennengelernt. 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