{"id":309,"date":"2007-07-26T09:24:12","date_gmt":"2007-07-26T07:24:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=309"},"modified":"2022-05-19T16:23:46","modified_gmt":"2022-05-19T16:23:46","slug":"tagung-politik-auf-dem-boulevard-die-rolle-von-mannern-und-frauen-bei-der-popularisierung-von-politik-durch-die-medien-27-29092007-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=309","title":{"rendered":"Tagung: Politik auf dem Boulevard? Die Rolle von M\u00e4nnern und Frauen bei der Popularisierung von Politik durch die Medien, 27.-29.09.2007, Berlin"},"content":{"rendered":"<p>DG PuK Fachgruppe Medien, \u00d6ffentlichkeit und Geschlecht, Margreth L\u00fcnenborg und Brigitte Kerchner (FU Berlin)<br \/>\nDatum: 27.-29.09.2007<br \/>\nOrt: Harnack-Haus, Berlin<br \/>\nWird heute von politischer Kommunikation gesprochen, so ist auch von der fortschreitenden Boulevardisierung von Politik die Rede. Beschrieben wurde dies mit Stichworten wie Personalisierung, Simplifizierung, Emotionalisierung, Privatisierung\/Intimisierung und Visualisierung. Offenbar kennzeichnen diese Ph\u00e4nomene inzwischen zunehmend die mediale Darstellung von Politik, sie scheinen aber auch f\u00fcr das politische Handeln selbst konstitutiv wirksam zu werden. Und so haben die strukturellen Ver\u00e4nderungen in der politischen Kommunikation, die mit einer verst\u00e4rkten Boulevardisierung einhergehen, letztlich auch Konsequenzen f\u00fcr die Darstellung und das Handeln der Geschlechter.<!--more--><br \/>\nIn der Forschung werden die angesprochenen Ph\u00e4nomene widerspr\u00fcchlich bewertet. Innerhalb der politischen Kommunikationsforschung \u00fcberwiegt bislang die negative Sicht; bef\u00fcrchtet wird hier vor allem ein Verlust an reflexiver \u00d6ffentlichkeit sowie die schwindende Qualit\u00e4t eines \u201aseri\u00f6sen\u2019 Journalismus. Aus der Perspektive einer politikwissenschaftlichen Demokratieforschung wird man dem weitgehend zustimmen. Dagegen f\u00e4llt das Urteil in der Gender-Forschung weniger eindeutig aus. GeschlechterforscherInnen aus der Kommunikationswissenschaft begreifen Information und Unterhaltung nicht unbedingt als Gegensatz, sondern als komplement\u00e4re Bestandteile \u00f6ffentlicher Kommunikation. Zudem wird im Aufbrechen der traditionellen institutionen- und elitenzentrierten Berichterstattung nicht allein ein Verlust, sondern auch die Chance f\u00fcr innovative Ver\u00e4nderung gesehen: Mit den neuen Formen der Berichterstattung k\u00f6nnen auch neue Akteurinnen und Akteure auf den Plan treten; und m\u00f6glicherweise l\u00e4sst eine popularisierte Sprache b\u00fcrokratische Sprachh\u00fclsen obsolet und eine verst\u00e4rkte Orientierung am Publikum den Alltag von M\u00e4nnern und Frauen politisch relevanter werden. Birgt also die Boulevardisierung auch ein Potenzial, den gender gap in der Medienberichterstattung zu verringern?<br \/>\nSo w\u00e4chst derzeit in der kommunikations- und politikwissenschaftlichen Geschlechterforschung das Interesse, die Ma\u00dfst\u00e4be zu \u00fcberpr\u00fcfen, mit denen politische Kommunikation bislang bewertet wurde. Hier setzt die Tagung an. Ziel ist es dabei, genauer zu eruieren, wie sich derzeit auf dem Feld einer ver\u00e4nderten medialen politischen Kommunikation M\u00e4nner und Frauen als AkteurInnen positionieren. Welche Konsequenzen hat die Boulevardisierung des Politischen f\u00fcr die Geschlechterver-h\u00e4ltnisse in Medien und Politik?<br \/>\n<strong>Drei Ebenen gilt es dabei zu unterscheiden:<\/strong><br \/>\n<strong>I. Politikberatung und Medienproduktion<\/strong><br \/>\nIn welcher Weise sind Frauen und M\u00e4nner als KommunikatorInnen beteiligt an der Boulevardisierung von Politik? F\u00fchrt der gestiegene Anteil von Frauen im Journalismus zu einer verst\u00e4rkten Unterhaltungsorientierung? Lassen sich unterschiedliche geschlechtsgebundene Kommunikationskonzepte auf der Ebene der PR-StrategInnen und politischen BeraterInnen finden? Unterscheiden sich politische Journalisten und Journalistinnen in ihrem Verst\u00e4ndnis von \u00d6ffentlichkeit, ihrer Nutzung von Quellen, ihrer Pr\u00e4ferenz f\u00fcr unterschiedli-che Genres und Darstellungsformen? Warum finden wir viele Journalistinnen in der Rolle der Moderatorin politischer Gespr\u00e4chsrunden, jedoch wenige als Kommentatorinnen?<br \/>\n<strong><br \/>\nII. Die Inhalte von Medien und Politik<\/strong><br \/>\nAuff\u00e4llig ist zun\u00e4chst die deutliche Unterrepr\u00e4sentation von Frauen in der Politik. Dar\u00fcber hinaus tr\u00e4gt aber offenbar auch die Art der medialen Pr\u00e4sentation dazu bei, ein geschlechterhierarchisches Image von Politik zu konstruieren. Hier stellen sich folgende Fragen: Wie werden Politikerinnen und Politiker medial (re-)pr\u00e4sentiert? Was geschieht, wenn neben der \u00f6ffentlichen Funktion auch das Privatleben thematisiert wird? Lassen sich die Stile von Qualit\u00e4ts- und Boulevardmedien \u00fcberhaupt noch prinzipiell voneinander abgrenzen, und wie beeinflussen diese Stile die Inhalte von Medien und Politik? Welche Formate bieten das Potenzial f\u00fcr neuartige, unorthodoxe Pr\u00e4sentationsweisen, und in welcher Weise wird Politik in Unterhaltungsformaten dargestellt? Lassen sich aus Sicht der Geschlechterforschung Standards f\u00fcr eine angemessene Politikberichterstattung formulieren? Bei welchen Themen werden Geschlechterbilder zur strategischen Kommuni-kation eingesetzt? (bspw. \u201eFrauen im Islam\u201c, Geschlechtergerechtigkeit als Norm europ\u00e4ischer Zugeh\u00f6rigkeit)<br \/>\n<strong>III. Medienrezeption und die Akzeptanz von Politik<\/strong><br \/>\nGemeinhin wird davon ausgegangen, M\u00e4nner und Frauen verhielten sich in der Mediennutzung und ihren medialen Pr\u00e4ferenzen verschieden. Ob jedoch pauschal davon gesprochen werden kann, Frauen seien st\u00e4rker an Unterhaltung, M\u00e4nner eher an Information interessiert, wird inzwischen bezweifelt. Hier gilt es genauer nachzufragen: Wie nutzen Frauen und M\u00e4nner mediale Darstellungen von Politik? Wie muss Politikberichterstattung beschaffen sein, um M\u00e4nner und Frauen gleicherma\u00dfen zu erreichen? Erschlie\u00dfen Boulevard-Formate ein anderes (geschlechtsspezifisches) Publikumssegment als klassische Informationsprogramme? Welche Anforderungen an Politikberichterstattung artikulieren etwa (junge) Frauen? Aus der Perspektive der Politikwissenschaft interessiert zudem: Inwiefern hat die Form der medialen Pr\u00e4sentation Auswirkungen auf die Akzeptanz von Politik? Und gibt es einen Zusammenhang zwischen einer medialen \u00dcberformung des Politischen und der oft beklagten \u201ePolitikverdrossenheit\u201c von M\u00e4nnern und Frauen?<br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.kommwiss.fu-berlin.de\/politik.html\" rel=\"noopener\">Website der Tagung<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DG PuK Fachgruppe Medien, \u00d6ffentlichkeit und Geschlecht, Margreth L\u00fcnenborg und Brigitte Kerchner (FU Berlin) Datum: 27.-29.09.2007 Ort: Harnack-Haus, Berlin Wird heute von politischer Kommunikation gesprochen, so ist auch von der fortschreitenden Boulevardisierung von Politik die Rede. Beschrieben wurde dies mit Stichworten wie Personalisierung, Simplifizierung, Emotionalisierung, Privatisierung\/Intimisierung und Visualisierung. 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