{"id":31575,"date":"2017-10-25T06:54:58","date_gmt":"2017-10-25T06:54:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=31575"},"modified":"2022-05-19T16:00:26","modified_gmt":"2022-05-19T16:00:26","slug":"defensio-jessica-richter-die-produktion-besonderer-arbeitskraefte-auseinandersetzungen-um-den-haeuslichen-dienst-in-oesterreich-ende-des-19-jahrhunderts-bis-1938-06-11-2017-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=31575","title":{"rendered":"Defensio: Jessica Richter: Die Produktion besonderer Arbeitskr\u00e4fte. Auseinandersetzungen um den h\u00e4uslichen Dienst in \u00d6sterreich (Ende des 19. Jahrhunderts bis 1938), 06.11.2017, Wien"},"content":{"rendered":"<p><strong>441. Defensio einer Dissertation aus der Studienrichtung Geschichte<\/strong><br \/>\nZeit: Mo., 06.11.2017, 12:30 Uhr<br \/>\nOrt: Institut f\u00fcr Wirtschafts- u. Sozialgeschichte, Kommunikationsraum, Universtit\u00e4tsring 1, 1010 Wien<br \/>\nWas wir heute unter Beruf und Erwerbsarbeit verstehen, ist historisch relativ jung. Ihre Entstehung ist in Europa und den USA eng mit der Entwicklung des Sozialstaats und der Einf\u00fchrung neuer arbeitsrechtlicher Regelungen seit dem Ende des 19. Jhds. verbunden. Zwar blieb umstritten, was Arbeit sein und wie sie organisiert sein sollte, aber kontinuierliche, au\u00dferh\u00e4usliche, gelernte und hoch formalisierte Berufserwerbsarbeit wurde immer mehr als Referenz und Ma\u00dfstab f\u00fcr alle anderen Lebensunterhalte durchgesetzt. Ihre Etablierung als legitimster Lebensunterhalt ver\u00e4nderte auch alle anderen Weisen, sich ein Auskommen zu organisieren. W\u00e4hrend manche Lebensunterhalte (vollst\u00e4ndig oder in Teilen) der Berufserwerbsarbeit angepasst wurden, wurden andere Lebensunterhalte mehr und mehr aus dem Spektrum dessen ausgeschlossen, was offiziell als richtige Arbeit gelten konnte. Die Geschichte der Arbeit ist die Geschichte dieser Auseinandersetzungen und damit auch eine Geschichte jener anderen Lebensunterhalte, gegen die Berufserwerbsarbeit als legitimste Arbeit durchgesetzt wurde.<br \/>\nEiner dieser anderen Lebensunterhalte war der h\u00e4usliche Dienst. Er bestand kaum als berufliche Erwerbsarbeit, allein schon, weil bei ihm Wohn- und Arbeitsort zusammenfielen. Jessica Richter untersucht in ihrer Dissertation, wie <!--more--><br \/>\ner in den Auseinandersetzungen um Arbeit in Relation zu anderen Diensten und Lebensunterhalten definiert, organisiert und praktiziert wurde. Denn obwohl die Dienstverh\u00e4ltnisse von h\u00e4uslichen DienstbotInnen und Hausgehilfinnen bereits breit erforscht wurden, steht eine konsequente Untersuchung dieser Geschichte im obigen Sinn noch aus.<br \/>\nNoch in den 1930er Jahren war der Dienst im fremden Haushalt die wichtigste Erwerbst\u00e4tigkeit von Frauen. Deren Zugang zu anderen Einkommensm\u00f6glichkeiten war im Vergleich zu M\u00e4nnern begrenzter. Was der Dienst aber sein, wie er definiert und organisiert werden sollte, war um die Jahrhundertwende und bis in die Zwischenkriegszeit hoch umstritten gewesen. Waren Hausgehilfinnen untergeordnete Haushaltsmitglieder, Teil der Familie oder Lohnarbeiterinnen? Die Auseinandersetzungen darum, auch in Form von Debatten, f\u00fchrten in den 1920er Jahren zu einigen Gesetzes\u00e4nderungen, durch die Hausgehilfinnen zum ersten Mal  einigen Errungenschaften der ArbeiterInnenbewegung zugutekamen. Gleichzeitig blieben die neuen Gesetze in vielerlei Hinsicht ambivalent und wurden nur zum Teil umgesetzt. Auch einige Grundsatzentscheidungen des Verwaltungsgerichtshofs f\u00fchrten dazu, dass Hausgehilfinnen immer klarer als besondere (anstatt als regul\u00e4re) Arbeitskr\u00e4fte bestimmt wurden.<br \/>\nWie sich der h\u00e4usliche Dienst ver\u00e4nderte, l\u00e4sst sich anhand der Gesetzes\u00e4nderungen allein aber kaum untersuchen. Die neuen Gesetze waren ja selbst vorl\u00e4ufiges Ergebnis der fortgesetzten Auseinandersetzungen um den h\u00e4uslichen Dienst, zu denen nicht nur PolitikerInnen, Beh\u00f6rden und staatliche Einrichtungen, sondern auch Interessen- und Wohlt\u00e4tigkeitsorganisationen, alle DienstgeberInnen und alle Hausgehilfinnen selbst beitrugen. Letztere praktizierten den Dienst auf ganz unterschiedliche Weisen. Im Einklang mit den Zielen der sozialdemokratischen Gewerkschaft nahmen sich manche berufsarbeitliche Standards zum Ma\u00dfstab f\u00fcr ihre Dienstverh\u00e4ltnisse, obwohl sie weiterhin mit ihren DienstgeberInnen unter einem Dach lebten. Die Dienstverh\u00e4ltnisse anderer Hausgehilfinnen waren hingegen nicht nur von Berufserwerbsarbeit weit entfernt, sondern enthielten auch keine Familienintegration. Diese Stellen waren von Instabilit\u00e4t, Mangel an Regulierung und gro\u00dfe Unterschiede zwischen den Haushalten gepr\u00e4gt. In meiner Dissertation untersuche ich diese Auseinandersetzungen und die vielf\u00e4ltigen Praktiken im \u00dcberblick wie im Detail, indem ich einen heterogenen Quellenkorpus u.a. aus Selbstzeugnissen, politischen Publikationen, offiziellen Dokumenten oder popul\u00e4rer Literatur einem systematischen Vergleich unterziehe.<br \/>\nOnline verf\u00fcgbare Publikation von Jessica Richter zum Thema: Zwischen Treue und Gef\u00e4hrdung? Arbeitssuche, Stellenvermittlung und Stellenwechsel von Hausgehilfinnen in \u00d6sterreich (1918-1938). Production of Work &#8211; Working Paper Nr. 2\/2009. <a href=\"http:\/\/pow.univie.ac.at\/fileadmin\/user_upload\/proj_pow\/Texte\/J_Richter_Hausgehilfinnen3.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(Link)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>441. Defensio einer Dissertation aus der Studienrichtung Geschichte Zeit: Mo., 06.11.2017, 12:30 Uhr Ort: Institut f\u00fcr Wirtschafts- u. Sozialgeschichte, Kommunikationsraum, Universtit\u00e4tsring 1, 1010 Wien Was wir heute unter Beruf und Erwerbsarbeit verstehen, ist historisch relativ jung. 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