{"id":33485,"date":"2018-12-31T02:22:39","date_gmt":"2018-12-31T02:22:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=33485"},"modified":"2022-07-01T11:33:56","modified_gmt":"2022-07-01T11:33:56","slug":"der-erste-weltkrieg-in-nachlaessen-von-frauen-nr-xx-tagebucheintraege-der-niederoesterreicherin-ella-reichel-31-dezember-1918-neulengbach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=33485","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 146: Tagebuch von Ella Reichel, 31. Dezember 1918 und 26. Februar 1919, Neulengbach"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/NL-38-Tagebuch-Ella-Reichel-1918-12-31-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/NL-38-Tagebuch-Ella-Reichel-1918-12-31-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-51912\" width=\"177\" height=\"187\" title=\"Tagebuch von Ella Reichel, 31. Dezember 1918, SFN NL 38 V [Zum Vergr\u00f6\u00dfern anklicken]\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n<p><span style=\"color: #333399;\">Ella Reichel (geb. 1905) wuchs im Nieder\u00f6sterreichischen Neulengbach auf, wo die Eltern am Hauptplatz eine Eisenwarenhandlung f\u00fchrten. Die j\u00fcngere Schwester Anna war im Juni 1916 gestorben. Seit ihrem 8. Lebensjahr notierte Ella Reichel sporadisch Aufzeichnungen in verschiedenen Tageb\u00fcchern. Zum Jahreswechsel 1918\/19 notierte sie dabei insbesondere die vielen Todesf\u00e4lle in ihrer Umgebung. Gleichzeitig berichtet sie von verschiedenen aktuellen Vorkommnissen und den vielen Geschenken, die sie zu Weihnachten erhalten hat. Im Februar 1919 wird ein Konflikt mit einem Dienstm\u00e4dchen angesprochen. Dabei kam es auch zur Drohung, die Familie wegen &#8222;Hamsterns&#8220; anzuzeigen.<\/span><\/p>\n<p>31. Dez. 1918.<br>T. Franzl starb am 23. November, T. am 2. Dezember und das Schrecklichste, K. Annal starb am 12. Dezember. So lustig und gesund und schon sterben m\u00fc\u00dfen. Sie hatte zuerst Grippe und dann Lungenentz\u00fcndung und Ghirnhautreiz. Es war furchtbar! Zuerst hatte Reserl Grippe und Lungenentz\u00fcndung und war auch sehr schlecht. Reserl ist aber jetzt schon gesund. Auch so starben viele Leute. R. Antschi, H. Hansi, Frau R. (Tante) und noch viele Andere. Diese Sterblichkeit ist entsetzlich. Luisl <span style=\"color: #333399;\">[eine Freundin, die vermutlich in Ober\u00f6sterreich zur Schule ging oder eine Stelle hatte]<\/span> ist seit 6. November hier, da in Gmunden solche Unruhen waren. Am 8. J\u00e4nner f\u00e4hrt sie wieder fort. Wir haben am 7. <span style=\"color: #333399;\">[J\u00e4nner]<\/span> Schule. Am 21. Dez. (be) wurden uns die Zeugni\u00dfe (f) vorgelesen. Ich hatte 2 zweier, in Handarbeit und in Singen. Die S. <span style=\"color: #333399;\">[die Lehrerin]<\/span> ist eine alte, eklige Schachtel. Am Chor geht es jetzt immer sehr lustig zu. Zu Weihnachten bekam ich: Ein gro\u00dfes, wundersch\u00f6nes Bild, darunter ein kleineres, einen wei\u00dfen [Rodenschal], eine Ringdose, einen wei\u00dfen Spitzenkragen, Geldb\u00f6rse (Perl), K\u00f6lnerwasser, Noten, (L) Photographie von Gretl, Ohrringe, Hausschuhe, Bonbons, Seidenbeutel, &#8211; &#8211; -. Der Christbaum ist auch sehr sch\u00f6n. Nun Schlu\u00df!<\/p>\n<p>26. Februar 1919.<br>Resi <span style=\"color: #333399;\">[ein Dienstm\u00e4dchen]<\/span> ist eine Diebin! Samstag vor <!--more-->8 Tagen ging Vater Geld ab. Er z\u00e4hlte das \u00fcbrige, merkte es an und am selben Tage abends, gingen ihm (1917) {548} ab. N\u00e4chsten Tag sagte Vater es Resi und durchsuchte sie ganz. Richtig fand er bei ihr 1917 K. Sie wollte uns nun wegen den Hamstern anzeige. Doch sie \u00fcberlegte es sich noch und gestand ihren Diebstahl ein. Nun haben wir einen guten Grund, sie aus den Dienst schicken.<span style=\"color: #333399;\"> [\u2026]<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 38 V<\/span><br><span style=\"color: #333399;\">Kein weiterer Eintrag aus dem Nachlass der Familie Reichel.<\/span><br><span style=\"color: #333399;\">Voriger Eintrag aus dem Tagebuch von Ella Reichel <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=33497\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 1. November 2018<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 146: Tagebuch von Ella Reichel, 31. Dezember 1918, SFN NL 38, unter: URL<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ella Reichel (geb. 1905) wuchs im Nieder\u00f6sterreichischen Neulengbach auf, wo die Eltern am Hauptplatz eine Eisenwarenhandlung f\u00fchrten. Die j\u00fcngere Schwester Anna war im Juni 1916 gestorben. Seit ihrem 8. Lebensjahr notierte Ella Reichel sporadisch Aufzeichnungen in verschiedenen Tageb\u00fcchern. 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