{"id":33541,"date":"2018-04-19T15:55:40","date_gmt":"2018-04-19T15:55:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=33541"},"modified":"2022-07-06T12:59:55","modified_gmt":"2022-07-06T12:59:55","slug":"der-erste-weltkrieg-in-nachlaessen-von-frauen-nr-128-feldpost-von-christl-und-leopold-wolf-19-april-1918-von-wien-an-einen-unbekannten-ort-in-polen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=33541","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 129: Feldpost von Christl und Leopold Wolf, 19. April 1918, von Wien an einen unbekannten Ort in Polen"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #333399;\"><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1918-04-19.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-33542 size-thumbnail\" title=\"Brief von Christl an Leopold Wolf, 19. April 1918, SFN NL 14 I [Zum Vergr\u00f6\u00dfern anklicken]\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1918-04-19-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"><\/a>Im Fr\u00fchling 1918 war die Wienerin Christl Wolf (geb. Lang, geb. 1891) Mutter geworden. Brieflich berichtete die 27-J\u00e4hrige ihrem Ehemann Leopold Wolf (geb. 1891) von der Entwicklung des S\u00e4uglings. Daneben schilderte sie auch die neue Situation als Haushaltsvorst\u00e4ndin und ihre Erwartungn an ihr Dienstm\u00e4dchen. Im selben Brief erkl\u00e4rte sie gesch\u00e4ftliche Entscheidungen ihrer Eltern, \u00fcber die sie detailliert informiert war und fragte nach Anweisungen von ihrem Ehemann, wie sie hier in seiner Abwesenheit auftreten solle.<\/span><\/p>\n<p>Wien, 19. IV. 1918.<br \/>\nLiebster Poldi!<br \/>\nSch\u00f6nen Dank f\u00fcr Deinen heutigen Brief, der allerdings erst nach 5 t\u00e4giger Pause eintraf. Also trotzdem Dich die Langeweile plagt wie ich bemerke entwickelst Du nicht einmal den in letzter Zeit so bew\u00e4hrten Schreibflei\u00df. Oder, nimmt Dich die omin\u00f6se Kaffeehausbedienung, auf die Du ein Auge (wie sch\u00f6n von Dir, da\u00df Du nicht gleich alle zwei wirfst) zu werfen beabsichtigtest so in Anspruch? Armes Kind was hast du f\u00fcr einen Vatta!!! \u2013<br \/>\nNun die Einleitung Deines Briefes in der es hei\u00dft, da\u00df Du Dich nur f\u00fcr 14 Tage installierst ist ja sehr verhei\u00dfungsvoll, ansonsten verr\u00e4tst Du mir aber nicht viel, wie die Sache steht. Die 14 Tage w\u00e4ren ja bald um, also lang hast Du nimmer Zeit.&nbsp;<span style=\"color: #333399;\">[&#8230;]<\/span><br \/>\nDann gleich noch eine Neuigkeit. G., d. i. dem Papa sein H\u00e4useragent, der ihm bis jetzt H\u00e4user kauft u. verkauft hat ist vorgestern gekommen und hat dem Papa einen K\u00e4ufer f\u00fcr das Stroheckgassenhaus gebracht und seit gestern hat Papa schon das Geld in der Tasche. Und zwar mit gl\u00e4nzenden Gewinn. Kannst Dir vorstellen was f\u00fcr ein Geris um die H\u00e4user ist. Der Besitzer vom Blatt &#8222;Salon&#8220;, ein gewi\u00dfer E. hats gekauft. [&#8230;] (Reiner Gewinn 40.000 K) doch bitt ich Dich das nicht weiterzuerz\u00e4hlen. Mama setzt sich nun in den Kopf bis l. Mai mu\u00df ein anderes in Hitzing gekauft sein, und setzt alle Hebel in Bewegung. Na ich bin neugierig ob das gelingt.<br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[&#8230;]<\/span> Bei der Gelegenheit mach ich Dich aufmerksam, da\u00df es Mama ihre Absicht ist, falls sie ein Haus jetzt kaufen und eine halbwegs passende Wohnung drinnen ist, selbe uns anzutragen. Das hei\u00dft auf Deutsch, da\u00df sie will, da\u00df wir in ihr Haus ziehen. Wie verh\u00e4ltst Du Dich dazu, da\u00df es seine Vor- u. Nachteile h\u00e4tte brauche ich nicht erst sagen. Bitte schreibe mir, wie ich mich diesbez\u00fcglich Mama gegen\u00fcber zu verhalten habe.<br \/>\nDann erinnere ich Dich gleich, da\u00df Mama am 7. Mai Namenstag hat, einen Tag nach <!--more-->den Vater seinen. Bitte vergi\u00df nicht. Wenn Du auch glaubst Du k\u00f6nntest bis an dem Tag in Wien sein, so schreibe doch auf alle F\u00e4lle eine Karte. Du wei\u00dft ja, Mama ist in der Beziehung riesig empfindlich. \u2013<br \/>\nWegen der Gas brauch ich nichts mehr unternehmen, da ja jetzt schon uneingeschr\u00e4nkter Verbrauch gestattet ist. Erst im Herbst mu\u00df ich mich wieder darum k\u00fcmmern. Bitte vergi\u00df nicht auf meine Aspestplatte <span style=\"color: #333399;\">[?]<\/span>, ich k\u00f6nnte sie schon so notwendig brauchen. Das Ma\u00df hast Du in Deinem Notizbuch. Einen Schein d.h. die Quittung von Deiner Gage habe ich gefunden. Es steht drauf, da\u00df Du sie umgehend unterschrieben einsenden sollst. Ich glaub das ist jetzt schon zu sp\u00e4t. Du wirst das dort schon geordnet haben, nicht wahr? Na auf alle F\u00e4lle heb ich ihn auf.<br \/>\nUnserem M\u00e4di gehts recht gut, bis auf den Ausschlag, also besser ist er schon, sie hat teilweise schon eine neue Haut, aber die ist so fein u. zart, da\u00df die viele N\u00e4sse, trotzdem ich sie sehr flei\u00dfig trocken lege, doch best\u00e4ndig reizt. Das wird noch lange dauern bis das gut wird. Aber sonst ist sie schon so herzig, sie kann schon recht stramm ihr Kopferl halten, allein darf ich sie auch nicht liegen lassen, z.B. wenn sie offen am Diwan liegt und es passt ihr irgendetwas nicht rutscht sie gleich davon. Als ich sie das letztemal gewogen hab, hatte sie 3260 gr. also sie nimmt ganz sch\u00f6n zu. Sie ist auch kolossal lebhaft und bei Tag schl\u00e4ft sie nicht mehr so viel wie fr\u00fcher! In der Nacht ist sie meistens recht brav. Sehr oft schl\u00e4ft sie von 1\/2 10h bis um 1\/2 7, 7h fr\u00fch. Mehr kann man doch nicht verlangen.<br \/>\nAuch ich schaue schon bedeutend besser aus. Hab wieder ein volleres Gesicht. Ich glaub Du wirst zufrieden sein mit Deinem sch\u00f6nen Weibi, wenn Du wieder kommst, doch wenn Du nur schon da w\u00e4rst. Ich komm mir so halb vor, es fehlt mir immer was, so einsam ist&#8217;s. Lang ertrag ich das nicht!<br \/>\nHeute habe ich noch dazu eine Sorge mehr. Mit der B.<span style=\"color: #333399;\"> [dem Dienstm\u00e4dchen]<\/span> hat es doch keinen Halt. Ich mu\u00df mich um eine Nachfolgerin umsehen was schwer genug ist. Nachdem es aber nicht anders ist, kann man nichts machen. Sie schimpft t\u00e4glich \u00fcber die Kriegsk\u00fcche in einer Weise, die mir zuwider ist. Ich glaube n\u00e4mlich auch, sie wird von den anderen M\u00e4deln beim Essen holen aufgehetzt. Sie erz\u00e4hlt mir ja sehr oft wie sie alle miteinander dort schimpfen \u00fcber die K\u00fcche u. ihre Frauen. Dann will sie mir den Kinderwagen nicht hinauf u. hinunter tragen. Nun was soll ich da machen?<br \/>\nWegen der Kost h\u00e4tt sie sich wahrlich nicht so beklagen brauchen. Wenns auch Mittag weniger gut war, daf\u00fcr hatten wir abends immer was gutes. Wir haben jeden abend Fleisch und was dazu. Mehr kann man doch nicht.<br \/>\nMama hat mir vorige Woche einige male Fleisch geschickt, dann vom Onkel das Geselchte, und vom Gagistenverein <span style=\"color: #333399;\">[Vereinigung von Berufssoldaten]<\/span> bekam ich auch ein sch\u00f6nes St\u00fcck, also gings ja ganz gut. Am Waschtag hat sie sich mit einem Dienstboten im Haus gestritten, hat die eine &#8222;dalkerte B\u00f6hmerin&#8220; gehei\u00dfen u.s.w. und hat mir gleich damals versichert, sie wascht nicht mehr, weil sie sich nicht streitet. Doch schlie\u00dflich, der Quatsch wird Dich nicht interessieren. Schwamm dr\u00fcber.<br \/>\nDoch ja noch etwas, zwischen unsere beiden dienstbaren Geister, Deinem u. meinem spinnt sich was. Mehr kann ich Dir nicht sagen, weil Du ja die Briefe liegen l\u00e4\u00dft.<br \/>\nDen \u201eFiori\u201c <span style=\"color: #333399;\">[?]<\/span> werd ich Dir morgen schicken. Die beiden Zeichnungen im heutigen Brief sind Dir wieder gelungen. Besonders der &#8222;Bundesbruder&#8220; mit der<span style=\"color: #333399;\"> [\u2026]<\/span>hose. Das andere verstehe ich nicht ganz. Das mu\u00dft Du mir erkl\u00e4ren, und ich mu\u00df jetzt schlie\u00dfen, denn das M\u00e4di hat Hunger, was sie mir sehr ger\u00e4uschvoll zum Bewu\u00dftsein bringt.<br \/>\nAlso bitte liebstes Manni schreib ein bissl flei\u00dfiger und komm recht recht bald.<br \/>\nSei innigst gek\u00fc\u00dft von Deinem einsamen Weibi.<\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 14 I<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\"> N\u00e4chster Eintrag aus der Korrespondenz von Christine und Leopold Wolf <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=37235\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 15. Oktober 2018<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\"> Voriger Eintrag aus der Korrespondenz von Christine und Leopold Wolf <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=33514\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 5. M\u00e4rz 2018<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert.<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #333399;\">Zur Feldpostkorrespondenz von Christine Lang und Leopold Wolf siehe auch: Christa H\u00e4mmerle: Schau, da\u00df Du fort kommst! Feldpostbriefe eines Ehepaares. In: Christa H\u00e4mmerle: Heimat\/Front. Geschlechtergeschichte\/n des Ersten Weltkriegs in \u00d6sterreich-Ungarn, Wien\/K\u00f6ln\/Weimar 2103, S 55-83.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333399;\">Zum Kriegsfotoalbum von Leopold Wolf siehe <a href=\"https:\/\/ww1.habsburger.net\/de\/erinnerungen\/kriegsfotoalbum-aus-der-hinterlassenschaft-von-leopold-wolf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ww1.habsburger.net\/de.<\/a><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Das Ehepaar Wolf war verwandt mit der Familie von Louise und Adolf M\u00fcller, SFN NL 14 III, die<\/span> <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=33642\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in ihrer Feldpost auch Bezug auf sie nahmen (Link).<\/a><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 129, Brief von Christine Wolf sn Leopold Wolf, Datum, SFN NL 14 I, unter: URL<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Fr\u00fchling 1918 war die Wienerin Christl Wolf (geb. Lang, geb. 1891) Mutter geworden. Brieflich berichtete die 27-J\u00e4hrige ihrem Ehemann Leopold Wolf (geb. 1891) von der Entwicklung des S\u00e4uglings. Daneben schilderte sie auch die neue Situation als Haushaltsvorst\u00e4ndin und ihre Erwartungn an ihr Dienstm\u00e4dchen. 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