{"id":33642,"date":"2018-04-13T02:45:55","date_gmt":"2018-04-13T02:45:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=33642"},"modified":"2022-07-06T14:43:42","modified_gmt":"2022-07-06T14:43:42","slug":"der-erste-weltkrieg-in-nachlaessen-von-frauen-nr-128-feldpostkarten-von-adolf-mueller-an-louise-mueller-13-april-bis-14-juni-1918-aus-der-gegend-von-brody-in-galinzien-nach-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=33642","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 128: Feldpostkarten von Adolf M\u00fcller an Louise M\u00fcller, 13. April bis 14. Juni 1918 aus der Gegend von Brody in Galinzien nach Wien"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #333399;\"><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1918-04-13.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-33644 size-thumbnail\" title=\"Postkarte von Adolf an Louise M\u00fcller, 13. April 1918, SFN NL 14 III [Zum Vergr\u00f6\u00dfern anklicken] \" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1918-04-13-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"><\/a>Adolf M\u00fcller (geb. 1881) war im Fr\u00fchling 1918 <\/span><span style=\"color: #333399;\">&nbsp;in der Verwaltung <\/span><span style=\"color: #333399;\">im Frontgebiet in Galizien eingesetzt. Auf den von ihm erhaltenen Feldpostkarten kommentierte der 37-J\u00e4hrige genau seine Einkommenssituation als Soldat. Der Finanzbeamte schilderte, dass er an der Front besser versorgt war als die Familie zu Hause, weswegen er Lebensmittel aus Galizien nach Wien schickte. Mit Louise M\u00fcller (geb. 1886) hatte er hier zwei kleine S\u00f6hne. Entsprechend entgegnete er auch dem offenbar von seiner Frau ge\u00e4u\u00dferten Wunsch nach einer Vergr\u00f6\u00dferung ihrer Familie. In einer an Adolf M\u00fcllers Mutter gerichteten Postkarte behauptet er, dass Angeh\u00f6rige anderer Stabstellen nach Hause versetzt werden w\u00fcrden, was Adolf M\u00fcller ebenfalls anstrebte. In einem Schreiben an seine Ehefrau erinnerte sich an einen gemeinsamen Urlaub in Frankreich und Gro\u00dfbritannien, gegen die nun Krieg gef\u00fchrt wurde.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>13.\/IV.18<br \/>\nLiebe Louise!<br \/>\nSoeben lese ich in der \u201eKriegspost\u201c vom 11.\/IV. dass ich zum Adjunkten der st\u00e4dt. Hauptkassa ernannt worden bin, also bekommst du am 1.\/V ein Batzen Geld! 50 K Gehaltnachtrag, 75 K Quarteiergeld Nachtrag, 250 K Gehalt &amp; 375 K Quartiergeld! Also 750 K abz\u00fcglich der Steuer &amp; Stempelgeb\u00fchren. Davon kannst du mir dann ganz leicht die jetzt allmonatlich (!!) f\u00e4lligen 50 K schicken. \u00dcbrigens bekommen wir jetzt auch au\u00dfer der L\u00f6hnung noch Brotrelutum <span style=\"color: #333399;\">[Bezug]<\/span> von 1 K 80 pro Dekade &amp; ein Getr\u00e4nk.-relutum, das f\u00fcr die Zeit vom 1.-10.\/IV. 7 K 02 ausmachte. Also, wenn\u2019s nicht regnet, so tr\u00f6pfelts! Damit kann ich mich so gen\u00fcgend voraus ern\u00e4hren, dass ich\u2019s dann 14 Tage in Wien bei 20 dkg Fleischwochenmenge &amp; Mangel aller \u00fcbrigen Nahrungsmittel aushalte! Hast du schon irgendeinen Entschlu\u00df wegen Sommeraufenthaltes gefasst? Was machen die Buam <span style=\"color: #333399;\">[Buben]<\/span>? Gru\u00df Ku\u00df<br \/>\nAdolf<\/p>\n<p>21.\/V.18<br \/>\nLiebe Louise!<br \/>\n\u00dcbermorgen \u201edreht\u201c sich Rgl. N. nur wei\u00df ich noch nicht auf wie lange (14 Tage oder 4 Wochen) &amp; wenn der zur\u00fcckkommt, \u201edreht\u201c sich der Adolf <span style=\"color: #333399;\">[vermutlich eine Bezeichnung f\u00fcr Urlaub]<\/span>. Es ist schon wieder eine Woche her, seit ich <!--more-->von dir die letzte Nachricht habe, au\u00dfer dir schreibt \u00fcberhaupt niemand, ich habe heute Gisela zum Namenstage gratuliert, wei\u00df bis heute nicht, ob sie den Brief erhalten hat, mit einem Worte: a Freud kann man haben, wenn man sieht, wie man den verschiedenen Verwandten ans Herz gewachsen ist! Ja, wenn die 2 Sterne von Gold w\u00e4ren, w\u00fcrden sie mich vielleicht einer Antwort w\u00fcrdigen, aber so mit einem ganz gemeinen Korp., da vergibt man sich ja etwas wenn man seine Korrespondenzen erwidert!<br \/>\nGru\u00df &amp; Ku\u00df<br \/>\nAdolf<\/p>\n<p>9.\/VI.18<br \/>\nLiebe Louise!<br \/>\nSeit du wieder auf F. P. 583 <span style=\"color: #333399;\">[Feldpostnummer]<\/span> schreibst, bekomme ich t\u00e4glich eine Karte (3 bisher), heute erhielt ich \u00fcbrigens noch die 50 K &amp; das hat das letzte Restel \u201eGrant\u201c, das angeblich meinen Korrespondenzen anhaftete, vertilgt. Hollero, duli\u00f6! Welche Unterst\u00fctzg. meinst du eigentlich, die Frau St. bekommt? Den staatlichen Unterhaltsbeitrag, auf den hast du doch keinen Anspruch da wir ja im vollen Genu\u00df meines Gehaltes stehen. Allerdings ohne die Kriegszulage, aber ich glaube kaum, da\u00df ich von der letzteren, wenn ich davon leben m\u00fcsste, das Auslangen f\u00e4nde! Gestern sind, wie ich dir bereits schrieb Rgl. B. &amp; Inf B. aus Wien gekommen, der letztere, dem ich in einem Sacke Mehl &amp; Bohnen mitgegeben habe, sagt, dass er sie bei Frau Sch. abgegeben hat. Hast du sie schon bekommen? Wie ist das Mehl? Und was hast du dir zu deinem Geburtstage f\u00fcr ein Packerl gekauft? Vielleicht gar Bohnen? Hast du meine Gratulation erhalten? In drei Wochen liegt in deinen Armen<br \/>\ndein Adolf<\/p>\n<p>10.\/VI.18<br \/>\nLiebe Mutter!<span style=\"color: #333399;\"> [Mutter von Adolf M\u00fcller]<\/span><br \/>\nAlso auf nach Slawonien!<span style=\"color: #333399;\"> [Die Familie plante die Sommerfrische in Kroatien]<\/span> Es ist mir zwar alles andere eher als angenehm, wenn ich vielleicht 40 Stunden bis Wien radle, dann abermals einige 20 Stunden das Gewerbe fortsetzen, aber schlie\u00dflich, was tut man nicht alles aus Liebe (und aus Hunger!) Wenn ich anstatt Mag. Beamter Bahnbeamter w\u00e4re, w\u00e4re der Krieg schon aus f\u00fcr mich, die Eisenbahner r\u00fcsten schon ab. Also hier und da erf\u00fcllt mich doch so eine leise Hoffnung, da\u00df ich in diesem Jahre noch in mein Zivilkwandel hinein schl\u00fcpfen werde, aber gleich im n\u00e4chsten Augenblicke bem\u00e4chtigt sich wieder ganze Hoffnungslosigkeit meiner. Wann gehst du schon nach Meidling hinaus, Ende dieses oder erst Anfang n\u00e4chsten Monats? Ich hoffe gegen den letzten nach Wien zu komen und m\u00f6chte doch wenigstens 8 Tage in Wien bleiben.<br \/>\nHandku\u00df u. auf Wiedersehen Adolf<\/p>\n<p>12.\/VI.18<br \/>\nLiebe Louise!<br \/>\nDer das schwarze Mehl und die Bohnen brachte, war der B., das meiste d\u00fcrftest du im Laufe dieser Woche von G. bekommen. Soll ich H\u00fclsenfr\u00fcchte auch hineinbringen, die kosten auch schon 8 K und mehr per kg, aber wenn man sie drinnen vielleicht gar nicht bekommt, zahle ich lieber hier diese Wucherpreise. Die S\u00e4cke in denen G. Mehl bringt, schicke mir umgehend wieder heraus, die F. P. klappt zwar jetzt tadellos (ich erhielt heute deine Karte vom 8.\/VI) immerhin ist nicht mehr viel Zeit zu verlieren. Was deine Sehnsucht nach einem kleinen M\u00e4derl anlangt, musst du dich schon an eine andere Pers\u00f6nlichkeit wenden, <span style=\"color: #333399;\">[zu solcher]<\/span> Zeit! La\u00df dir einmal das Wirtschaftsbuch von der Christl zeigen <span style=\"color: #333399;\">[<a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=33541\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Christine und Leopold Wolf<\/a> waren Verwandte des Ehepaares M\u00fcller. Sie waren gerade Eltern einer kleinen Tochter geworden]<\/span>, das kann man sich zur Not leisten, wenn man so eine reiche Mama hat, und selbst der d\u00fcrften mitunter glaube ich, die Grausbirnen aufsteigen oder glaubst du da\u00df die ganzen Ausgaben der H. Oberl. <span style=\"color: #333399;\">[Leopold Wolf]<\/span> von seinem Gehalt bestreitet?<br \/>\nGru\u00df &amp; Ku\u00df<br \/>\nAdolf<\/p>\n<p>14.\/VI.18<br \/>\nLiebe Louise!<br \/>\nHeute vor 16 Jahren fuhr ich mit einer holden \u201eMaid\u201c von Paris nach London. Damals ahnte ich nicht, da\u00df 16 Jahre sp\u00e4ter wir mit Franzosen &amp; Engl\u00e4ndern in erbitterter Fehde liegen werden. So \u00e4ndern sich die Zeiten! Den Ort unserer heurigen Sommerfrische hast du mir noch immer nicht mitgeteilt, die 14 Tage werden auf 1-2 um sein, und ich mu\u00df ja den Ortsnamen sowohl, als auch die Route, auf welcher er zu erreichen ist, auf dem Urlaubsscheine angeben. Im gestrigen A. K. B.<span style=\"color: #333399;\"> [Zeitung]<\/span> wurden wieder Dolmetscher f\u00fcr die verschiedenen Sprachen gesucht. Ich meldete mich nat\u00fcrlich gleich f\u00fcr franz. u. englisch, jetzt bin ich neugierig, ob die ersehnte <span style=\"color: #333399;\">[Rufung?]<\/span> in die Dolmetscher Schule nach Wien herauskommt. Ich f\u00fcrchte, sie werden mich nicht weglassen, Oberl. H. der Baonsadjuntant, machte schon \u00e4hnliche Bemerkungen. Er war ganz \u00fcberrascht, als ich ihm von meinen Pr\u00fcfungen erz\u00e4hlte. Jedenfalls: n\u00fctzt es nie, so schadet es nie!<br \/>\nGru\u00df Ku\u00df<br \/>\nAdolf<\/p>\n<p>21.Juni 1918 <span style=\"color: #333399;\">[Postkarte mit Schreibmaschine verfasst]<\/span><br \/>\nLiebe Louise.<br \/>\nGelt, Alte, da schaust, weit hamm mas bracht, jetzt schreiben ma gar auf der Schreibmaschin. Ja, das S\/W I <span style=\"color: #333399;\">[Einheit]<\/span> hat ein modernes Kommando, und da das Geld ja bei uns keine Rolle spielt, so kaufen wir halt ein. Also H\u00fclsenfr\u00fcchte willst du keine mehr, f\u00fcrchtest du etwa die Folgen? Keine Angst, mein Organismus ist schon so daran gew\u00f6hnt, dass besagte Wirkung sich nicht mehr einstellt. In der Fr\u00fche, um 6 Uhr koche ich mir eine halbe Menageschale voll Hirsebrei mittags gibt\u2019s Rindfleisch mit Fisolen, abends wieder Bohnen oder Erbsen, und das wiederholt sich jeden Tag, den Gott uns gibt. Wenn ich denke, als Kind h\u00e4tte man mich mit Fisolen h\u00e4userweit treiben k\u00f6nnen und heute verschlinge ich sie mit leidenschaftsloser Beharrlichkeit. Heut 8 Tage geht\u2019s mir schon besser wenn auch noch nicht ganz gut.<br \/>\nGruss, Kuss, Adolf.<\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 14 III<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\"> N\u00e4chster Eintrag aus der Korrespondenz von Adolf und Louise M\u00fcller <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=34456\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 11. August 2018<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\"> Voriger Eintrag aus der Korrespondenz von Adolf und Louise M\u00fcller <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=29950\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 15. M\u00e4rz 1917<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert.<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #333399;\">Zur Feldpost des Ehepaars M\u00fcller siehe weiters <a href=\"https:\/\/ww1.habsburger.net\/de\/erinnerungen\/feldpostkarten-aus-der-hinterlassenschaft-von-adolf-mueller\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ww1.habsburger.net\/de.<\/a><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Das Ehepaar M\u00fcller war nahe verwandt mit der <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=33514\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Familie von Christl und Leopold Wolf<\/a>, SFN NL 14 I, auf die sie in den vorliegenden Feldpostkarten auch Bezug nahmen Familie von Christl und Leopold Wolf<a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=33514\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> (Link).<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 128, Briefe von Adolf an Louise M\u00fcller, Datum, SFN NL 14 III, unter: URL<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Adolf M\u00fcller (geb. 1881) war im Fr\u00fchling 1918 &nbsp;in der Verwaltung im Frontgebiet in Galizien eingesetzt. 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