{"id":34456,"date":"2018-08-11T02:27:32","date_gmt":"2018-08-11T02:27:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=34456"},"modified":"2022-07-06T14:44:08","modified_gmt":"2022-07-06T14:44:08","slug":"der-erste-weltkrieg-in-nachlaessen-von-frauen-nr-1xx-feldpostkarten-von-adolf-mueller-an-seine-ehefrau-11-august-bis-3-september-1918-aus-der-gegend-von-sbarasch-in-der-ukraine-nach-nasice-in-kro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=34456","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 132: Feldpostkarten von Adolf M\u00fcller an seine Ehefrau und die kleinen S\u00f6hne, 11. bis 22. August 1918 aus der Gegend von Sbarasch in der Ukraine nach Na\u0161ice in Kroatien"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #333399;\"><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1918-08-03.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-34460 size-thumbnail\" title=\"Adolf an Louise M\u00fcller, 11. August 1918, SFN NL 14 III [Zum Vergr\u00f6\u00dfern anklicken]\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1918-08-03-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"><\/a>Adolf M\u00fcller (geb. 1881) war im Zivilleben Finanzbeamter in Wien. Als Soldat war er in der Kriegsverwaltung t\u00e4tig. Im Sommer 1918 hatte er Urlaub mit seiner Familie in Nasice in Slavonien (Kroatien) verbracht. Anfang August r\u00fcckte er von dort wieder in das Frontgebiet bei Sbarasch in der Ukraine ein. Die von ihm erhaltenen Postkarten an seine Ehefrau Louise M\u00fcller (geb. 1886) sind teilweise mit Schreibmaschine verfasst. Es werden darin u.a. Einkommensstrategien besprochen. Das Ehepaar bem\u00fchte sich offenbar um eine Gehaltserh\u00f6hung bzw. Unterst\u00fctzungszahlungen, wof\u00fcr Louise M\u00fcller Amts\u00e4nge erledigte. Adolf M\u00fcller beschrieb weiters seine Tagesabl\u00e4ufe und Men\u00fcfolgen. Auch gab der 37-J\u00e4hrige Kommentare zur Erziehung und der Ern\u00e4hrung der zwei kleinen S\u00f6hne ab. Kritik an der aktuellen Situation wird v.a. subtil ausgedr\u00fcckt, etwa durch die Verwendung der auf Postkarten gedruckten Phrase &#8222;Ich bin gesund und es geht mir gut.&#8220;<\/span><\/p>\n<p>Zbaraz, 11.\/VIII.18<br \/>\nLiebe Louise!<br \/>\nIch bin fahrplanm\u00e4\u00dfig gestern morgens um 6h in Budapest angekommen, verwendete den Vormittag zur Besichtigung der Stadt, n.m. gegen 2h fuhr ich wieder fort, war heute fr\u00fch um 8h in Lemberg, wo schon der Zug nach Tarnopol bereit stand, um 2h waren wir in T. und um 5h im gelobten (?) Lande Zbaraz. Im Laufe dieser Woche sollen die noch beim SW Baon verbliebenen Deutsch Meister des Mannschaftsstandes &#8211; also ohne die Chargen &#8211; zum IR4 einr\u00fccken, also ich bleibe, nach den Worten zu schlie\u00dfen mit denen mich der Baonsadjudant Ltnt. H. begr\u00fc\u00dfte hier!<br \/>\nGru\u00df &amp; Ku\u00df Adolf <span style=\"color: #333399;\">[quer \u00fcber den Text geschrieben]<\/span><\/p>\n<p>11.\/VIII.17<br \/>\nLieber Otto! <span style=\"color: #333399;\">[Der \u00e4ltere Sohn]<\/span><br \/>\nDie Mutter hat mir geschrieben, dass du der Gro\u00dfmutter einen Wunsch <span style=\"color: #333399;\">[Gratulationsschreiben]<\/span> geschrieben hast. Hoffentlich ist er dir m\u00f6glichst sch\u00f6n, &amp; fehlerfrei gelungen. Denke dir, vielleicht komme ich gar Ende dieses oder Anfang des n\u00e4chsten Monats auf ein paar Tage nach Wien, bzw. Prittlach <span style=\"color: #333399;\">[<span class=\"st\">Pr\u00edtluky in S\u00fcdm\u00e4hren]<\/span><\/span>. Wei\u00dft du, der Kaiser braucht, weil wir so eine gute Menage <span style=\"color: #333399;\">[Verpflegung]<\/span> haben, schon wieder Geld &amp; da mu\u00df ich Kriegsanleihe zeichnen, was du &amp; Gottfried<span style=\"color: #333399;\"> [der kleine Bruder]<\/span> gezeichnet habt, ist schon aufgehangen. Nehmt ihr flei\u00dfig Sonnenb\u00e4der? Und tust du hie &amp; da lesen, schreiben &amp; rechnen? Vergi\u00df nicht ganz darauf! Viele Bussi dir &amp; Gottfried<br \/>\nschickt euer Vater<\/p>\n<p>14.\/VIII.18<br \/>\nLiebe Louise.<br \/>\nIch erhielt gestern eine Karte von Mutter, worin sie sich nach dem Pipi <span style=\"color: #333399;\">[Huhn]<\/span>, das noch immer nicht gekommen ist, erkundigt. Also schaue, dass du im Laufe der Woche vielleicht etwas, wenn auch kein Federvieh, ihr schicken kannst <span style=\"color: #333399;\">[von der Sommerfrische nach Wien]<\/span>, denn ein gegebenes Versprechen muss man halten. Heute ist N. wieder auf Absentierung gefahren, weil seine Mutter schwer erkrankt ist, also habe ich wieder das Vergn\u00fcgen t\u00e4glich von 8 Uhr morgens bis <span style=\"color: #333399;\">[.]<\/span> Uhr abds. in der Kanzlei zu hocken. Was machen die Buam <span style=\"color: #333399;\">[Buben]<\/span>? Weinen sie, wenn die Mutter zum Kovar drahn geht <span style=\"color: #333399;\">[m\u00f6glicherweise zum Tanz]<\/span>?<span style=\"color: #333399;\"> [\u2026]<\/span> Und wie geht es dir? Hoffentlich \u201ebist du gesund und es geht dir gut\u201c? Bei uns ist am 17. grosses Kaiserfest mit Tanzkr\u00e4nzchen. Jedenfalls ohne mir. Gruss, Kuss, Adolf.<!--more--><\/p>\n<p>21.\/VIII.18<br \/>\nLiebe Louise.<br \/>\nAus deiner Karte vom 15. ersehe ich, dass meine Karte von Budapest nach Nasice gerade 5 Tage gebrauch hat, das sind ja recht tr\u00f6stliche Aussichten f\u00fcr Galizien, da d\u00fcrfte so eine Karte 3 Wochen brauchen. Mutter schrieb mir, dass sie meine 1. Karte vom Felde in 4 Tagen nach Weidling<span style=\"color: #333399;\"> [traditioneller Sommerfrische-Ort bei Wien]<\/span> bekommen hat, w\u00e4hrend eine Karte von Tante Marie aus Gars <span style=\"color: #333399;\">[in Nieder\u00f6sterreich]<\/span> 8 Tage brauchte. Dass du wartest, ist mir sehr unangenehm, hoffentlich nicht vergeblich. Also gegen Ende dieses <span style=\"color: #333399;\">[.]<\/span> heisst s wieder: Auf nach Wolhynien <span style=\"color: #333399;\">[Gegend in der nordwestlichen Ukraine].<\/span> Was wird uns denn dort wieder bevorstehen? Immer, wenn man wo ein bisschen eingew\u00f6hnt ist, heisst s wieder wandern (zu einer andern.) Was machen die Buam, baden sie fleisig in Wasser und Luft? Bei uns vergeht kein Tag, wo es nicht mindestens 1 mal regnet. Gruss und Kuss an dich, die Buam und die \u00fcbrige Nasicer Plattn <span style=\"color: #333399;\">[?]<\/span>.<br \/>\nAdolf <span style=\"color: #333399;\">[quer \u00fcber den Text geschrieben]<\/span><\/p>\n<p>22.\/VIII.18<br \/>\nLiebe Louise!<br \/>\nGestern n.m. kam N. von seiner Absentierung zu r\u00fcck, ich konnte also wieder zum 1. male seit 8 Tagen um 8h die Kanzlei verlassen. Ich gieng also zuerst nachhause, um mich ein bisschen herzurichten, dann besuchte ich G. und gegen 9h gieng ich in ein Kaffeehaus, wo ich immer abds die Reste des I.R. 4 versammeln. Es waren auch bereits einige 12-15 Mann dort, ich trank 2 Milchkaffee, a\u00df eine Art Zwieback dazu, trug auf allgemeines Verlangen, wie es im Theaterjargon hei\u00dft, einige meiner Kriegsgedichte vor und trollte mich gegen 11h wieder heimw\u00e4rts. Hast du schon wegen des Gehaltes an H. B. oder H. Kontr. H. geschrieben? Hat der Karl schon Geld geschickt und wie viel? Rechnet Otto noch hin und da, wenn schon nicht t\u00e4glich? Das alles interessiert mich!<br \/>\nGru\u00df Ku\u00df Adolf<\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 14 III<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">N\u00e4chster Eintrag aus der Korrespondenz von Adolf und Louise M\u00fcller <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=34512\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 27. August 2018<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">Voriger Eintrag aus der Korrespondenz von Adolf und Louise M\u00fcller <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=33642\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 13. April 1918<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert.<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #333399;\">Zur Feldpost des Ehepaars M\u00fcller siehe weiters <a href=\"https:\/\/ww1.habsburger.net\/de\/erinnerungen\/feldpostkarten-aus-der-hinterlassenschaft-von-adolf-mueller\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ww1.habsburger.net\/de.<\/a><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Das Ehepaar M\u00fcller war nahe verwandt mit der Familie von <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=33541\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Christl und Leopold Wolf, SFN NL 14 I.<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 132, Postkarten von Adolf an Louise M\u00fcller, Datum, SFN NL 14 III, unter: URL<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Adolf M\u00fcller (geb. 1881) war im Zivilleben Finanzbeamter in Wien. 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