{"id":34512,"date":"2018-08-27T02:07:37","date_gmt":"2018-08-27T02:07:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=34512"},"modified":"2022-07-06T14:44:32","modified_gmt":"2022-07-06T14:44:32","slug":"34512","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=34512","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 134: Feldpostkarten von Adolf M\u00fcller an seine Ehefrau, 27. August bis 7. September 1918 aus der Gegend von Sbarasch in der Ukraine nach Na\u0161ice in Kroatien"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #333399;\"><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1918-08-27.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-34519 size-thumbnail\" title=\"Adolf an Louise M\u00fcller, 27. August 1918, SFN NL 14 III [Zum Vergr\u00f6\u00dfern anklicken]\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1918-08-27-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"><\/a>Aus dem Nachlass von Louise und Adolf M\u00fcller sind 138 Schreiben erhalten, die der Finanzbeamte (geb. 1881) zwischen 1915 und 1918 an seine Ehefrau und die kleinen S\u00f6hne adressiert hat. Im Sp\u00e4tsommer 1918 war er bei Sbarasch in der Ukraine in der Kriegsverwaltung eingesetzt. Louise M\u00fcller (geb. 1886) war in Nasice in Slavonien (Kroatien) auf Sommerfrische. Auf den regelm\u00e4\u00dfig verfassten Postkarten hielt Adolf M\u00fcller die Versorgung der Kompagnie sowie auch die der Familie in Wien bzw. in den Ferien fest. Er besprach das Vorhaben, eine Gehaltserh\u00f6hung bzw. Unterhaltszahlungen zu erreichen, wozu seine Ehefrau die Amtsg\u00e4nge in Wien erledigte. Wiederholt wurde auch das Funktionieren der Post angesprochen und der 37-J\u00e4hrige problematisierte die gesellschaftlichen Konventionen des Korrespondierens mit Verwandten und Bekannten.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>27.\/VIII.18<br \/>\nLiebe Louise!<br \/>\nDie Sorgen, die du dir bei Schnitzel und Gurkensalat wegen meiner Ern\u00e4hrung machst, sind ja begreiflich, jedoch kann ich dir zu deiner Beruhigung mitteilen, da\u00df sie unbegr\u00fcndet sind. Allerdings, Schnitzel gibt&#8217;s bei uns keine, aber das St\u00fcck Rindfleisch, das wir zu Mittag bekommen, schmeckt auch ganz gut und die Menage ist im allgemeinen soweit ausreichend, da\u00df ich mit einer kleinen Zubu\u00dfe aus eigenem <span style=\"color: #333399;\">[Sold]<\/span> meinen Hunger vorderhand \u2013 stille. Als besagte Zubu\u00dfe kaufe ich mir gew\u00f6hnlich nach dem Essen \u00bd <span style=\"color: #333399;\">[?]<\/span> Obst (Birnen, Zwetschken) die 1 K\u20131 K 50 kosten, und abds. vor dem Schlafengehen, gehe ich noch ins Kaffeehaus auf 1 Glas s\u00fc\u00dfe oder saure Milch. Unl\u00e4ngst trank ich ein Glas gezuckerte (!!) saure Milch, das war ein G\u00f6ttergetr\u00e4nk, versuchs einmal. Kostete allerdings \u2013 etwas weniger als \u00bc l \u2013 1 K!! Aber&#8217;s war delikat! Hast du dich schon wegen des Unterhalt-Beitrages erkundigt, es soll jemand im Hause nachgefragt haben! Gru\u00df, Ku\u00df Adolf<\/p>\n<p>28.\/VIII<br \/>\nLiebe Louise.<br \/>\nIch muss dich nur fragen, ob Familie G. meine Karte, die ich ihnen gleich nach meiner Ankunft hier schrieb, erhalten hat, ich habe bis heute keine Antwort und ich schliesse daraus, dass besagte Karte vielleicht gar nicht angekommen ist. Also erkundige dich und teile mir das Ergebnis mit, denn ich m\u00f6chte nicht gerne in den Augen der Emma jun. oder sen. als Flegel dastehen, der nicht weiss, was sich geh\u00f6rt. Bei uns vergeht fast kein Tag, wo es nicht mindestens 1 mal regnet, und die Abende sind schon geradezu k\u00fchl. Wie geht es dir und den Buam <span style=\"color: #333399;\">[Buben]<\/span>, rechnet Otto <span style=\"color: #333399;\">[der \u00e4ltere Sohn]<\/span>, wenn schon nicht t\u00e4glich aber wenigst<span style=\"color: #333399;\">[ens]<\/span> hie und da einmal, schaden w\u00fcrde es ihm nicht. Hast du dich schon erkundigt, wegen des U. B. Schreiben <span style=\"color: #333399;\">[betreffend einer Gehaltserh\u00f6hung bzw. Unterhaltszahlungen]<\/span> an die Kontr. H. oder F., vielleicht teilen die dir mit, was los ist. Gruss und Kuss, Adolf<\/p>\n<p>28.\/VIII<br \/>\nLiebe Louise.<br \/>\nIch bekomme schon wieder 3 Tage keine Post von dir, findest du gar keine Zeit mehr, deinem armen Manne zu schreiben? Ich habe gestern auch an H. Konr. E. geschrieben und ihn um Auskunft gebeten, was es f\u00fcr eine Bewandtnis mit unserem Unterhaltsbeitrag hat, da angeblich jemand im Hause war, ein pane <span style=\"color: #333399;\">[?]<\/span> Amtsdiener und sich nach dir erkundigt hat. Ich hoffe, er hat nicht unerlaubte Absichten gehabt, sondern blos den Auftrag, dir das Dekret, enthaltend Gew\u00e4hrung oder Abweisung (hoffentlich das erstere) zuzustellen. Heute ist im Sokolsaale Liedertafel des ukrainischen Gesangvereines, ich werde vielleicht ein wenig hin schauen. Mein gegenw\u00e4rtiger Saldo Vortrag betr\u00e4gt 3 K 50, also kannst dir vorstellen, dass ich heut der Welt einen Haxen ausreissen werde. Also <!--more-->besser&#8216; Dich und schreibe bald deinem Adolf.<\/p>\n<p>29\/VIII.18<br \/>\nLiebe Louise.<br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span> Gestern war Liedertafel des ukrain. Gesangsvereins, ich h\u00f6rte mir ein St\u00fcck an, einen gemischten Chor f\u00fcr M\u00e4nner- und Frauenstimmen, den haben sie ganz tadellos gesungen. Bussi Adolf.<\/p>\n<p>2.\/IX.18<br \/>\nLiebe Louise.<br \/>\nDu schreibst mir nicht, ob Onkel Jaques meine Gratulation erwidert hat, ich bekomme von Familie G. keine Antwort, ich bin ausser mit dir nur noch mit Mutter und Karl in Korrespondenz, denn wer meine Karten und Briefe nicht beantwortet, dem dr\u00e4nge ich mich nicht auf. Ich habe Langs<span style=\"color: #333399;\"> [die Eltern der Cousine<\/span> <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=33541\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Christl Wolf<\/a><span style=\"color: #333399;\">]<\/span> von hier aus noch nie nicht geschrieben, und werde auch nicht eher schreiben bis ich nicht von ihnen eine Best\u00e4tigung \u00fcber meine Schreiben erhalte. Ich habe es endlich einmal satt, immer den Dem\u00fctigen zu spielen und mich ungestraft gar so als Nullerl <span style=\"color: #333399;\">[\u00f6sterreichischer Begriff f\u00fcr eine als inferior wahrgenommene Person]<\/span> behandeln zu lassen. die 50 K liess ich mir durch einen Kameraden, der 13 auf 3 Tage nach Wien fuhr, aus der Sparkasse (von Karl) 14 herausbringen, also kannst du dir vorstellen, dass es mir momentan nicht schlecht geht. Wie lange gedenkst du in N. <span style=\"color: #333399;\">[Nasice in Slavonien\/Kroatien]<\/span> zu bleiben? Elise und Clothilde waren wieder in Wien. Gruss und Kuss Adolf.<\/p>\n<p>3.\/IX.18<br \/>\nLiebe Louise!<br \/>\nDeinen Brief vom 29.\/VIII. habe ich heute erhalten und entnehme aus demselben, dass es euch gut geht. Herrn Kontrollor E. habe ich schon geschrieben, bin auf die Antwort neugierig. Wenn du nur bis 15. draussen bleibst <span style=\"color: #333399;\">[in der Sommerfrischt]<\/span>, ist es ja vielleicht m\u00f6glich, dass du mit dem Gehalt bis dahin auskommst ob ich dich werde abholen k\u00f6nnen, weiss ich nicht, schreibe mir auf alle F\u00e4lle genau den Tag, an dem du Nasice zu verlassen gedenkst, dann werden wir ja sehen. Dass die Kinder wenig Milch trinken, macht mir gar keine Freude, denn gerade das w\u00e4re ihnen sehr wohltuend. Mutter hat mir schon geschrieben, dass sie Butter und Topfen von dir erhalten hat und sehr erfreut war. Unsere Adresse in W.W. wird sein: Etappen Post Nr. 167. Wir d\u00fcrften Ende dieser Woche dorthin abgehen, also kannst du deine k\u00fcnftigen Korrespondenzen dorthin richten. Gruss, Kuss Adolf.<\/p>\n<p>7.\/IX.18<br \/>\nLiebe Louise!<br \/>\nAlso das ist die letzte Karte, die ich dir nach N. schreibe, die n\u00e4chste d\u00fcrftest du schon in Wien lesen. Ich wei\u00df zwar nicht, wie lange meine Karte zu dir hinunterbrauchen, aber da ich deine so beil\u00e4ufig nach 6-8 Tagen erhalte, so vermute ich da\u00df sie in der umgekehrten Richtung auch nicht schneller gehen d\u00fcrften. Glaubst du, solange reicht dein Gehalt, den du um 1. bekommen hast, auszukommen, oder gedenkst du vielleicht &#8222;vor der Schlacht von Waterloo&#8220; eine Anleihe von Fl. <span style=\"color: #333399;\">[Gulden, ehemalige W\u00e4hrung in \u00d6sterreich-Ungarn]<\/span> bei der G. Mutter zu machen? Ich frage jetzt schon ob Familie G. meine Karte von hier erhalten hat, Antwort &#8211; keine. Ja, ja, aus den Augen aus dem Sinn. Sage einmal, hat Onkel G. meine Gratulation erwidert, ich habe ihnen von hier aus noch nicht geschrieben, weil ich auf eine Korrespondenz mit jemandem, der es nicht der M\u00fche wert erachtet, meine Karten zu erwidern, verzichte. Sonst geht es euch, hoffentlich gut, bei uns regnets ohne Ende. Gru\u00df, Ku\u00df Adolf<\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 14 III<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">N\u00e4chster Eintrag aus der Korrespondenz von Adolf und Louise M\u00fcller <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=34462\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">am 16. September 2018<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">Voriger Eintrag aus der Korrespondenz von Adolf und Louise M\u00fcller <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=34456\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">am 11. August 1918<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert.<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #333399;\">Zur Feldpost des Ehepaars M\u00fcller siehe weiters <a href=\"https:\/\/ww1.habsburger.net\/de\/erinnerungen\/feldpostkarten-aus-der-hinterlassenschaft-von-adolf-mueller\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ww1.habsburger.net\/de.<\/a><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Das Ehepaar M\u00fcller war nahe verwandt mit der <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=33541\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Familie von Leopold Wolf und Christl Lang, SFN NL 14 I.<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 134, Postkarten von Adolf an Louise M\u00fcller, Datum, SFN NL 14 III, unter: URL<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus dem Nachlass von Louise und Adolf M\u00fcller sind 138 Schreiben erhalten, die der Finanzbeamte (geb. 1881) zwischen 1915 und 1918 an seine Ehefrau und die kleinen S\u00f6hne adressiert hat. 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