{"id":37235,"date":"2018-10-15T13:23:49","date_gmt":"2018-10-15T11:23:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=37235"},"modified":"2022-07-06T13:01:13","modified_gmt":"2022-07-06T13:01:13","slug":"der-erste-weltkrieg-in-nachlaessen-von-frauen-nr-137-feldpost-von-christl-lang-und-leopold-wolf-15-und-22-oktober-1918-von-einem-unbekannten-ort-in-italien-nach-niederoesterreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=37235","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Nachl\u00e4ssen von Frauen Nr. 137: Feldpost von Christl Lang und Leopold Wolf, 15. und. 22. Oktober 1918, von einem unbekannten Ort in Italien nach Nieder\u00f6sterreich"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #333399;\"><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1918-10-15.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-37241 size-thumbnail\" title=\"Leopold an Christl Wolf, 15. Oktober 1918, SFN NL 14 I\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/1918-10-15-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Christine Wolf (geb. Lang, geb. 1891) und Leopold Wolf (geb. 1891) aus Wien waren seit Fr\u00fchsommer 1917 verheiratet. Seit Winter 1918 waren sie Eltern einer kleinen Tochter. Christine Wolf lebte in den letzten Monaten in einem Ausweichquartier in Nieder\u00f6sterreich. Aus der Feldpost des Paares sind gut 200 Schreiben erhalten. Die zwei am sp\u00e4testen datierten Schreiben wurden im Oktober 1918 verfasst. Darin geht es um Artzbesuche der jungen Mutter, die Regelung der Gehaltseinstufung als Soldat sowie auch Strategien einer m\u00f6glichen Versetzung. Der inzwischen als \u201eAutooffizier\u201c im Rang eines Oberleutnants bei der Artillerie eingestufte Leopold Wolf deutet darin mehrfach an, ein baldiges Ende der Kriegshandlungen zu erwarten.<\/span><\/p>\n<p>15.10. 18.<br \/>\nLiebstes Weibi!<br \/>\nDu wirst Dich nat\u00fcrlich in erster Linie wundern auf wie feinem Briefpapier ich Dir schreibe. Das hab ich gelegentlich der Ausgrabungen in meinem Schreibtisch entdeckt. Nichtsdestotrotz w\u00e4re ich schon froh zu wissen wie&#8217;s Dir geht. Ich h\u00e4tte Dir schon in Wien sagen k\u00f6nnen, Du m\u00f6chtest statt wegen Deiner Plombe nach Horn, gleich nach Wien fahren, damit Du auch zum Prof. S. gehen kannst. Denn ich denke mir, es wird halt doch besser sein, Du wartest erst nicht lang und l\u00e4\u00dft Dir ins Augerl schauen, was denn da los ist.<br \/>\nWozu zuwarten? Die Kleine, die ja hoffentlich wohlbehalten Deine Abwesenheit \u00fcberstanden hat, wird auch diesmal sch\u00f6n brav sein. Also fahre gleich nach Wien, es wird vielleicht nur auf Augentropfen oder derlei ankommen, bevor vielleicht eine Entz\u00fcndung oder sonst was Unangenehmes heraus kommt. Ja?<br \/>\nHier hat mein Vertreter, ein Aspirant, sehr brav gearbeitet, so da\u00df ich schon l\u00e4nger ausbleiben konnte, als ich anf\u00e4nglich beabsichtigt. In den letzten Tagen hat&#8217;s allerdings greulich geregnet, so wie es heute noch fortgeht. In Trient hatten wir zum Nachtmahl \u2013 K 2.40! \u2013 Hendl mit sehr fetten Makkaroni nach einer Vorspeise \u2013 ein St\u00fcck Hering. Um 11h nachts, also mit gro\u00dfer Versp\u00e4tung, war ich hier.<br \/>\nIch habe \u2013 wie die Verh\u00e4ltnisse jetzt liegen &#8211; nicht mehr viel zu tun hier, vielleicht gar nichts mehr, was sich morgen oder \u00fcbermorgen entscheiden wird. Also kann ich beruhigt ins Spital gehen und mein sonst notwendig gewordener Vertreter dorthin, wo der Pfeffer gedeiht.<br \/>\nNach allem, was ich hier h\u00f6re und sehe, steht schon alles am Sprung nach r\u00fcckw\u00e4rts, man erwartet den Eintritt der unausbleiblichen Ver\u00e4nderungen fr\u00fcher, als man vern\u00fcnftiger Weise annehmen kann. Jedenfalls bin ich aber immer noch fr\u00fcher dran abzufahren.<br \/>\nNun kommt eine sehr erfreuliche Mitteilung: Mit dem Ausr\u00fcstungsbeitrag {von 150.- K} bin ich, wie ich Dir schon sagte, diesmal wieder <!--more-->durchgefallen, weil ich 2 Monate in Wien im Stand gef\u00fchrt wurde. Daf\u00fcr aber ist eine Anordnung herausgekommen, wonach ein Oberleutnant, (ledig) 280.- K zu erhalten hat, wenn ihm diese obigen K 150.- nicht ausbezahlt wurden. Ich bin aber nicht ledig, ergo findet das auf mich keine Anwendung. Ein verheirateter Oberleutnant, ohne Kinder erh\u00e4lt K. 320.-, nachdem ich aber Kinder, &#8211; halt! nur ein Kind \u2013 habe, so findet auch das auf mich keine Anwendung, sondern jener Fall, nach welchem ein Oblt., verheiratet, mit Kind \u2013 380.- K bekommt, welche gleich auszuzahlen sind. Also sind damit die Auslagen, welche ich am Sonntag dem Vater zur\u00fcckgab (318.- K) reichlich gedeckt und auf die restlichen Gelder kannst Du heut schon s\u00fcndigen.<br \/>\nHeut nachmittag war ich schon in der Offizierssortenverkaufsstelle. Doch kriegt man noch nichts Vern\u00fcnftiges. Einen Sweater, Halbsohlenleder h\u00e4tte ich kaufen k\u00f6nnen, doch fehlte mir irgend ein Wisch <span style=\"color: #333399;\">[umgangssprachlich f\u00fcr Formular]<\/span>, den ich mir erst beschaffen mu\u00df. (Morgen). Es soll \u00fcbrigens auch W\u00e4sche, oder gar W\u00e4schestoff hier sein, doch wird das Zeugs zuerst f\u00fcr die Frontkanaillen ausgegeben, wir Etappenschweine kriegen was \u00fcbrig bleibt.<br \/>\nIn einem der beiden Briefe, die ich hier vorfand, schreibst Du mir von den Schmerzen der Alma von E. Ich hab doch schon mit der Urschel<span style=\"color: #333399;\"> [\u00f6sterreichisches Schimpfwort f\u00fcr \u201edumme Frau\u201c]<\/span> gesprochen dar\u00fcber, hab auch Dir gesagt, da\u00df es ein Bl\u00f6dsinn ist, einen Chauffeuer von der Autotruppe durch einen Artilleriechauffeuer austauschen zu wollen und werde nun der Alma einen saugroben Brief schreiben. Im \u00fcbrigen erledigt sich diese ganze Frage durch die Ereignisse, die eine nur mehr kurze kriegerische Zukunft voraus sehen lassen, so da\u00df die Protektion des Hausmeistersohnes ohne weiteres entfallen kann. Dem Z. kann man aber auch anderseits keinen gr\u00f6\u00dferen Gefallen tun als ihn dort zu belassen wo es ihn freut und wo er Hoffnung hat, eher abzum\u00fcssen als sonstwo. Ende!<br \/>\nGl\u00fccklicherweise hab ich mich diesmal mit reichlichen Feldpostkarten versehen, so da\u00df ich nicht in die Lage komme, bei dem mir nun bevorstehenden Anstandsschreiben an Mama, sie mit einem ganzen Brief bel\u00e4stigen zu m\u00fcssen. Klein geschrieben, geht auch auf eine Feldpostkarte eine ganze Menge von Herzensausbr\u00fcchen drauf.<br \/>\n\u00dcbermorgen (Donnerstag) telefoniere ich dem H. <span style=\"color: #333399;\">[vermutlich ein Vorgesetzter]<\/span> und kann ihm vielleicht schon von der wahrscheinlich morgen fallenden Entscheidung sagen, dann aber verkomme ich sofort.<br \/>\nBitte schreib aber jedenfalls noch immer hierher, ich werde mir die Post schon nachkommen lassen. Beim Schreiben aber die Augen nicht anstrengen, also bei Tageslicht und nicht bei der Abendfunzen <span style=\"color: #333399;\">[umgangssprachlich f\u00fcr \u201eschlechte Beleuchtung\u201c]<\/span> schreiben.<br \/>\nTausend innigste K\u00fcsse Euch beiden<br \/>\nDein Poldi.<\/p>\n<p>22.10.18.<br \/>\nLiebste Christl!<br \/>\nLeider bin ich momentan mit dem Datum nicht ganz im Klaren. Ich wei\u00df nur, da\u00df heut Montag ist und da\u00df ich morgen von hier abziehen m\u00f6chte. Ich versuchte heute mit Wiener Anschlu\u00df zu bekommen und erhielt w\u00e4hrend dem Gegenruf vom A. K. und wurde mir mitgeteilt da\u00df soeben der Hauptmann H. dort angerufen habe und mir ausrichten l\u00e4\u00dft ich solle morgen ihn vormittag [&#8230;] [&#8230;] also bin ich nat\u00fcrlich [&#8230;] [&#8230;] gespannt, was es da [&#8230;] [&#8230;] geben wird. Etwas besonderes ist es jedenfalls, denn sonst w\u00fcrde H. mich nicht eigens verlangen.<br \/>\nViele herzlichste Gr\u00fc\u00dfe und K\u00fcsse Euch beiden<br \/>\nEuer Poldi.<\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 14 I<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">Kein weiterer Eintrag aus der Korrespondenz von Christine und Leopold Wolf<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">Voriger Eintrag aus der Korrespondenz von Christine Lang und Leopold Wolf <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=33541\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 19. April 2018<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert.<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #333399;\">Zur Feldpostkorrespondenz von Christine Lang und Leopold Wolf siehe auch: Christa H\u00e4mmerle: Schau, da\u00df Du fort kommst! Feldpostbriefe eines Ehepaares. In: Christa H\u00e4mmerle: Heimat\/Front. Geschlechtergeschichte\/n des Ersten Weltkriegs in \u00d6sterreich-Ungarn, Wien\/K\u00f6ln\/Weimar, S 55-83.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #333399;\">Zum Kriegsfotoalbum von Leopold Wolf siehe <a href=\"https:\/\/ww1.habsburger.net\/de\/erinnerungen\/kriegsfotoalbum-aus-der-hinterlassenschaft-von-leopold-wolf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ww1.habsburger.net\/de.<\/a><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 137, Korrespondenz von Christine Lang und Leopold Wolf, Datum, SFN NL 14 I, unter: URL<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christine Wolf (geb. Lang, geb. 1891) und Leopold Wolf (geb. 1891) aus Wien waren seit Fr\u00fchsommer 1917 verheiratet. Seit Winter 1918 waren sie Eltern einer kleinen Tochter. 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