{"id":37273,"date":"2019-01-23T01:32:54","date_gmt":"2019-01-22T23:32:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=37273"},"modified":"2022-05-24T08:55:02","modified_gmt":"2022-05-24T08:55:02","slug":"xx","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=37273","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Nachl\u00e4ssen von Frauen Nr. 148: Korrespondenz von Maria und Adolf E., 23. bis 26. J\u00e4nner 1919, Steiermark"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #333399;\"><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/NL-174-Handschrift-Maria-E-ohne-Datum-1915-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-34276 size-thumbnail\" title=\"Handschrift von Maria E. aus 1914, SFN NL 174\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/NL-174-Handschrift-Maria-E-ohne-Datum-1915-2-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Maria und Adolf E. lebten in gutb\u00fcrgerlich situierten Verh\u00e4ltnissen in einer steirischen Stadt. Anfang 1919 war ein Umzug geplant. Adolf E. hatte eine Rechtsanwaltskanzlei in einer Bezirkshauptstadt er\u00f6ffnet, die \u00dcbersiedlung von Maria E. und den vier kleinen Kindern war wurde schriftlich geplant. Ein weiteres Thema der Briefe waren die bevorstehenden Wahlen, f\u00fcr die sich Adolf E. und mehrere Personen aus dem Umfeld der Familie engagiert haben. Kritisch besprochen wurde dabei die Idee einer &#8222;Frauenpartei&#8220;. Die Briefe liegen in der Sammlung Frauennachl\u00e4sse als Abschriften von Ausz\u00fcgen vor.<\/span><\/p>\n<p>23. J\u00e4nner 1919<br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[Meine liebe Maria!]<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span> Die mir heute \u00fcbersandte Abmeldung vom <span style=\"color: #333399;\">[Meldeamt an der bisherigen Adresse]<\/span> habe ich schon abgegeben u. bin nunmehr ganz se\u00dfhaft hier <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span><br \/>\nWas die Flugzettel von den christlich demokratischen Gremien anlangt, so beachtest Du ihn wohl nicht; ich staune, da\u00df Du nicht sofort die Sache als das erkannt hast, als eines Sprengmittel, das Dr. Metzger <span style=\"color: #333399;\">[?]<\/span> in unsere politische Organisation legen will. Seine n\u00e4chste Umgebung, die also eigene Frauenlisten aufstellen will, damit ja nur bestimmt da\u00df der christlich sociale Kandidat durchf\u00e4llt, ist aber dabei so abh\u00e4ngig von Dr. Metzger, also auch einem Mann, da\u00df sie ohne ihn nicht einmal mit der kath. Frauenorganisation verhandeln konnte. Wenn er sein Unwesen so weiter treibt u. zerst\u00f6rt, was wir m\u00fchevoll aufbauen, wird das Volksblatt energisch gegen ihn auftreten m\u00fcssen; Material ist ja genug gegen ihn da! \u2013 <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span><br \/>\nIn der Kanzlei habe ich f\u00fcr Clienten nicht gar soviel zu tun, doch gibts immer Besch\u00e4ftigung. F\u00fcr Mittag habe ich ein st\u00e4ndiges Mittagessen a 4 K, abends mu\u00df ich mir noch f\u00fcr st\u00e4ndig suchen, langsam wird alles gehen <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[Dein Adolf]<\/span><\/p>\n<p>24. J\u00e4nner 1919<br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[Meine liebe Maria!]<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span> Da mein Fr\u00e4ulein f\u00fcr sich in Graz zu tun hat, nimmt sie f\u00fcr Dich 10 frische Eier mit, die ich eben gekauft habe; sie sind hier angeblich sehr teuer, kosten 1 St 1 K! <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[Dein Adolf]<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">[Stadt]<\/span>, am 25. J\u00e4nner 1919.<br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[Mein lieber Adolf!]<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span> Du brauchst Dich wirklich nicht zu sorgen, da\u00df ich wegen solcher Ideen unserer Partei untreu werde, wie es in Deinem Briefe fast den Anschein hatte <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span> \u00dcbrigens verspreche ich mir davon wohl wenig Erfolg. Das ist ja sicher eine unfa\u00dfbare Idee, die von unverzeihlichem Eigensinn Zeugnis gibt, ohne damit nat\u00fcrlich das ganze Ziel<!--more--> Metzgers, das er sich mit dem unpolitischen \u201eWei\u00dfen Kreuz\u201c gesetzt hat, verurteilen zu m\u00fcssen! <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span> Auch sonst war ich Zeuge in einer Versammlung, wie Metzger f\u00fcrs \u201eGrazer Volksblatt\u201c eingetreten ist, dem diese Zeitung sehr viele seiner Abonnenten verdankt.\u2013 Da ist mir nur immer leid, wenn sich solche Idealisten zum Schlusse in eine ungl\u00fcckliche Idee verrennen, statt ihre Kraft in gemeinsamer Arbeit auszuwirken. So fasse ich alles auf.\u2013 [\u2026]<br \/>\nDie beiden Buben erlebten jeder gestern eine gro\u00dfe Freude! Unser \u00c4ltester <span style=\"color: #333399;\">[Adolf, geb. 1913]<\/span> erhielt an ihn adressiert ein Paket von der \u201eGnaser Tante Mizl (F.). Du kannst Dir diese Freude vorstellen! Kipferln, Keks und anderes Backwerk, au\u00dferdem, damit die Gro\u00dfmama ihnen noch mehr machen kann: Mehl, Zucker, Marmelade und Hirse! Ich hatte selber Freude mit den Kindern. Nusserl <span style=\"color: #333399;\">[geb. 1914]<\/span> durfte au\u00dferdem am Nachmittag mit Tante Luise, deren Schultasche zerbrochen war, zu seinem vielgeliebten Herrn Bressing, (dem er immer einen L\u00f6ffel voll zu liebe i\u00dft, wenn er heiklig werden will,) der ihm mit \u00c4pfel und Busserln seine Gegenliebe zeigte. Das sind nat\u00fcrlich noch gr\u00f6\u00dfere Freuden, solche Liebesbeweise durch die Tat! Unser armer Elmar hat so noch die Operation bevor! <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span><br \/>\nMutter tr\u00e4umt schon jetzt von dieser bitteren Stunde.\u2013 <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span><br \/>\nUnseren Scharlachkindern geht es besser, sie sind heute gottlob fieberfrei! Ich bin nat\u00fcrlich ganz gl\u00fccklich. Morgen sind es schon 3 Wochen, da\u00df sie im Spital sind. Die Schwester sagte, sie hofft, da\u00df die Krankheit gut verl\u00e4uft, vorausgesetzt da\u00df keine Nierenentz\u00fcndung dazukommt <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span><br \/>\nWenn wir nur schon bald zu Dir kommen k\u00f6nnten! <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span> Wei\u00dft, dort hast Du wenigstens Ruhe vor uns! Gelt mein Alles? Die Buben streiten ja so oft. Manchmal lasse ich sie austoben und -raufen, dann sind sie wieder gut, aber oft fahre ich mit Donnerwetter dazwischen.<br \/>\nIch tr\u00f6ste mich halt damit, da\u00df alle Kinder zanken. \u2013 <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[Deine Maria]<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">[Stadt]<\/span>, am 26. J\u00e4nner 1919.<br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[Mein lieber Adolf!]<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span> Heute fr\u00fch mu\u00dfte unser Ziegenbock abgestochen werden. Die Kuh hatte ihm die Rippen gebrochen <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span><br \/>\nDer Hederl <span style=\"color: #333399;\">[geb. 1915]<\/span> geht es gut. Karli<span style=\"color: #333399;\"> [geb. 1917]<\/span> ist schon so munter, da\u00df er im Betterl schon lebhaft herumh\u00fcpft<span style=\"color: #333399;\"> [\u2026]<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[Deine Maria]<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 174<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">N\u00e4chster Eintrag aus dem Nachlass von Maria E. <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=37285\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 6. Februar 2019<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">Voriger Eintrag aus dem Nachlass von Maria E. <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=37264\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 18. J\u00e4nner 2019<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In diesem Fall sind auch die Ortsangaben anonymisiert angegeben. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert. Die Briefe des Ehepaars E. liegen in der Sammlung Frauennachl\u00e4sse \u2013 in Ausz\u00fcgen \u2013 als Abschrift vor.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 148, Korrespondenz von Maria und Adolf E., Datum, SFN NL 174, unter: URL<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Maria und Adolf E. lebten in gutb\u00fcrgerlich situierten Verh\u00e4ltnissen in einer steirischen Stadt. Anfang 1919 war ein Umzug geplant. Adolf E. hatte eine Rechtsanwaltskanzlei in einer Bezirkshauptstadt er\u00f6ffnet, die \u00dcbersiedlung von Maria E. und den vier kleinen Kindern war wurde schriftlich geplant. Ein weiteres Thema der Briefe waren die bevorstehenden Wahlen, f\u00fcr die sich Adolf [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"class_list":["post-37273","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-edition-wk1-in-selbstzeugnissen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37273","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=37273"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37273\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":63681,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37273\/revisions\/63681"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=37273"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=37273"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=37273"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}