{"id":37285,"date":"2019-02-06T02:17:03","date_gmt":"2019-02-06T00:17:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=37285"},"modified":"2022-05-24T08:53:53","modified_gmt":"2022-05-24T08:53:53","slug":"der-erste-weltkrieg-in-nachlaessen-von-frauen-nr-147-korrespondenz-von-maria-und-adolf-e-6-bis-8-februar-1919-steiermark","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=37285","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Nachl\u00e4ssen von Frauen Nr. 149: Korrespondenz von Maria und Adolf E., 6. bis 8. Februar 1919, Steiermark"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #333399;\"><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/NL-174-Handschrift-Maria-E-ohne-Datum-1915-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-34276 size-thumbnail\" title=\"Handschrift von Maria E. aus 1914, SFN NL 174\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/NL-174-Handschrift-Maria-E-ohne-Datum-1915-2-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Anfang 1919 plante Familie E. einen Umzug in eine steirische Bezirkshauptstadt. Adolf E. hatte hier eine Rechtsanwaltskanzlei er\u00f6ffnet. Nach einigen Wochen hatte er ein passendes Wohnhaus gefunden und nach seiner Ehefrau \u201eVilla Maria\u201c getauft. Zur selben Zeit besch\u00e4ftigte das junge Paar die Scharlacherkrankung ihrer vier kleinen Kinder sowie die Wahlen, f\u00fcr die Adolf E. sich engagierte. Die Briefe liegen in der Sammlung Frauennachl\u00e4sse als Abschriften von Ausz\u00fcgen vor.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">[Stadt]<\/span>, am 6. Februar. 1919.<br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[Mein lieber Adolf!]<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span> Glaubst Du mir, da\u00df ich schon in der Nacht <span style=\"color: #333399;\">[im Gedanken]<\/span> unsere <span style=\"color: #333399;\">[zuk\u00fcnftige]<\/span> Wohnung eingerichtet habe? Denn ich freue mich ja schon sosehr, auch wenn sie nicht so sch\u00f6n und ger\u00e4umig und bequem ist wie unsere jetzige. Aber wir werden sie uns schon recht heimisch herrichten und ich kann kaum mehr die Zeit erwarten, die uns endlich f\u00fcr immer eint <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span> Nach Mutters Schilderung d\u00fcrfte ich nur f\u00fcr Luise<span style=\"color: #333399;\"> [Dienstbotin der Familie]<\/span> schwer Platz finden! Den Traum nach einem eigenen und sch\u00f6neren Zimmer als in <span style=\"color: #333399;\">[Stadt]<\/span>, habe ich ihr bereits ausgeredet. Doch sie hofft heimlich noch immer in sp\u00e4teren Zeiten ein solches. Wenn bis Weihnachten die Kanzlei geht, kann ich mir ja vom Christkind in das eine Zimmer statt des eisernen einen Kachelofen w\u00fcnschen. Gelt?<br \/>\nAber die Hauptsache ist, da\u00df wir bald Dir nachkommen <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span><br \/>\nHeute erlebten wir eine gro\u00dfe Freude. Zu meiner und der Kinder \u00dcberraschung kam ein sehr schweres Kisterl von Deinem Vater [aus M\u00e4hren] mit folgendem Inhalt: 6 Kg wei\u00dfes, 3\u00bd Kg Kornmehl, 2\u00bd Kg Trockenmilch, fast 1 Kg Butterschmalz, Seife und Schaffleisch! Schade, da\u00df Du davon nichts hast! [\u2026] Ich bin sehr froh \u00fcber dieses wertvolle Geschenk! \u2013 <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span><br \/>\nDen Kindern im Spital geht es gut. Mir auch so ziemlich. Bitte vergi\u00df nicht, meinen Trauungsschein als Wahllegitimation zu suchen; Ich habe ihn nicht. Vielleicht kommen Dir auch die Taufscheine der Kinder unter, die ich eventuell f\u00fcr die neue Zuckeranmeldung brauchen k\u00f6nnte!<span style=\"color: #333399;\"> [\u2026]<\/span><br \/>\nPetroleum habe ich keines, doch ficht mich das in der Vorfreude aufs elektrische Licht wenig an!<br \/>\nNussi <span style=\"color: #333399;\">[geb. 1914]<\/span> fragte heute, ob sein lieber Papa auch ein K\u00f6nig sei? Die Kinder schicken Dir viele Bussi! <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[Deine Maria]<\/span><\/p>\n<p>z. Februar 1919<br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[Meine liebe Maria!]<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span> Gestern habe ich Dir nicht schreiben k\u00f6nnen, weil ich nachmittags in einem 1\u00bd Stunden entfernten D\u00f6rfchen: Etzersdorf bei einer W\u00e4hlerversammlung war; der Weg hin u. noch mehr fast der zur\u00fcck im Monden- u. Sternenlicht durch die Waldwinterpracht war sch\u00f6n, <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span> Donnerstag haben wir Bauernversammlung hier, Freitag ists m\u00f6glich, da\u00df ich in Arzberg bei Passail bin. Du siehst also, ich bin jetzt mehr politisch als beruflich t\u00e4tig, doch hoffe ich, da\u00df eines das andere erg\u00e4nzt. \u2013 <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[Dein Adolf]<\/span><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">[Stadt]<\/span>, am 8. Februar 1919.<br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[Mein lieber Adolf!]<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span> Was Du mir von Deinen politischen Reisen erz\u00e4hlst, interessiert mich alles sehr. Ich kenne Gutenberg und Arzberg (ein kleinwinziges Nest) von Fu\u00dfpartien, die ich als junges M\u00e4dchen gemacht habe. Machst Du diese \u201eWahlfahrten\u201c alle zu Fu\u00df? Mit Sonntag wird dann Deine politische T\u00e4tigkeit wohl aufh\u00f6ren, die nebst dem Zweck, denen sie dienen, doch den einen pers\u00f6nlichen Vorteil haben, da\u00df Du im ganzen Umkreis bekannt wirst. Gelt?<br \/>\nHeute war ich beim Arzt, der (ausgenommen meine schreckliche Magerkeit) mit mir ganz zufrieden ist <span style=\"color: #333399;\">[Maria E. war an TBC erkrankt]. [&#8230;]<\/span> Heute habe ich 37.6\u00b0, wahrscheinlich von der F\u00fcllung, die mich sehr m\u00fcde gemacht hat [\u2026]<br \/>\nDen Kindern im Spital geht es sehr gut. Hedwig <span style=\"color: #333399;\">[geb. 1915]<\/span> m\u00f6chte schon so gern nach Hause, Karli <span style=\"color: #333399;\">[geb. 1917]<\/span> bi\u00df gleich ins Bisquitt, das ihm Mutter hinaus brachte. Die Buben sind ganz brav; sie streiten nicht einmal extra viel und Heribert <span style=\"color: #333399;\">[geb. 1914]<\/span> weint nur, wenn er \u201eHunger\u201c hat, was ziemlich oft der Fall ist \u2013 so oft er n\u00e4mlich was zu essen sieht! Unl\u00e4ngst fing er zwar aus einem anderen Grund im Betterl zu weinen an: \u201eMama, ich f\u00fcrchte mich!\u201c \u201eAber Nusserl, Du f\u00fcrchtest Dich doch nie; warum heute?\u201c \u201eDa\u00df ich aufspringe!\u201c Ich mu\u00dfte herzlich lachen! <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span><br \/>\nDein Taufen der Villa auf meinen Namen machte mir soviel Freude! Du bist ja so gut, mein Lieb! <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">[Deine Maria]<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 174<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">N\u00e4chster Eintrag aus dem Nachlass von Maria E. <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=37291\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 21. Februar 2019<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">Voriger Eintrag aus dem Nachlass von Maria E. <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=37273\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 23. J\u00e4nner 2019<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In diesem Fall sind auch die Ortsangaben anonymisiert angegeben. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert. Die Briefe des Ehepaars E. liegen in der Sammlung Frauennachl\u00e4sse \u2013 in Ausz\u00fcgen \u2013 als Abschrift vor.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 149, Tagebuch von Maria E., Datum, SFN NL 174, unter: URL<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang 1919 plante Familie E. einen Umzug in eine steirische Bezirkshauptstadt. Adolf E. hatte hier eine Rechtsanwaltskanzlei er\u00f6ffnet. Nach einigen Wochen hatte er ein passendes Wohnhaus gefunden und nach seiner Ehefrau \u201eVilla Maria\u201c getauft. 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