{"id":37299,"date":"2019-02-15T02:12:20","date_gmt":"2019-02-15T00:12:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=37299"},"modified":"2025-09-16T09:32:14","modified_gmt":"2025-09-16T07:32:14","slug":"der-erste-weltkrieg-in-nachlaessen-von-frauen-nr-148-tagebuch-von-bernhardine-alma-15-bis-18-februar-1919-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=37299","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 150: Tagebuch von Bernhardine Alma, 15. und 18. Februar 1919, Wien"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #333399;\"><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/NL-09-Alma-Bernhardine-1919-02-15.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-37302 size-thumbnail\" title=\"Bernhardine Alma, Tagebuch, 15. Februar 1919, SFN NL 09\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/NL-09-Alma-Bernhardine-1919-02-15-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Bernhardine Alma (geb. 1895) lebte mit ihren Eltern und zwei Geschwistern in gutb\u00fcrgerlichen Verh\u00e4ltnissen in Wien. Seit 1915 war sie im Kriegshilfsdienst t\u00e4tig gewesen. Sie ver\u00f6ffentlichte verschiedene kleinere Beitr\u00e4ge in Zeitschriften, viel Zeit wandte sie f\u00fcr Arbeit im Familienhaushalt auf. Sie besuchte h\u00e4ufig die Kirche und legte dort die Beichte ab. In ihren regelm\u00e4\u00dfig gef\u00fchrten Tageb\u00fcchern werden diese Themen detailliert beschrieben. Im Februar 1919 besch\u00e4ftigte sie sich darin zudem mit der anstehenden ersten Wahl zur konstituierende Nationalversammlung f\u00fcr Deutsch\u00f6sterreich, bei der erstmals auch Frauen zugelassen wurden \u2013 und immer wieder auch mit einer mit Kriegsende beendeten Liebesbeziehung.<\/span><\/p>\n<p>Samstag, abends, 15.\/II.19<br \/>\nWenn nur die dummen Wahlen schon vorbei w\u00e4ren! Ich m\u00f6chte doch gerne, da\u00df es meinem \u00d6sterreich gut geht! Und Wien soll eine ber\u00fchmte Kunststadt werden \u2013 diese politischen Verh\u00e4ltnisse liegen doch schwerer auf mir, als ich dachte! \u2013 Donnerstag Steg, Donau <span style=\"color: #000080;\">[vermutlich bestimmte Verkaufsstellen f\u00fcr Lebensmittel]<\/span>. Ich gab meine Schuhe (Absatzrichten = 5 K) zu dem Schuster auf der L\u00e4nde und bekam sie heute noch nicht, daf\u00fcr wurd er keck genug, mir hofieren zu wollen. Der Pepi (O. F. T.) <span style=\"color: #333399;\">[?]<\/span> hab ich geschrieben, da\u00df ich erst Mittwoch oder Donnerstag komme. Wegen der Wahlen. F\u00fcr zuhause habe ich mitunter sehr, sehr viel zu tun!\u00a0<span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span><\/p>\n<p>18. Februar 1919 abends. Dienstag<br \/>\nAch, war das heute eine sch\u00f6ne, milde Luft, streichelnd und warm und voll Ahnungen \u2013 voll Erwartungen und Tr\u00e4ume! O \u2013 Gott ist ewig gut \u2013 aber wir sind schwach; sehr schwach! \u2013 Sonntag war ich erst vor der Messe w\u00e4hlen (nat\u00fcrlich christlich-sozial) nach der Messe beim P. sehr gut beichten, der sehr lieb war und dann gleich das Heilige Sakrament spendete.<span style=\"color: #333399;\"> [\u2026]<\/span> Meine Schuhe habe ich heute bekommen, was mir recht ist. Mit dem B\u00fcgeln u. W\u00e4scheausbessern (auch <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span>stopfen) bin ich heute fertig geworden. <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span> Ich bin sehr, sehr m\u00fcde \u2013 auch geistig. Eine seltsame Schwere ist in mir. <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span><br \/>\nIn Wien haben die Sozialdemokraten gesiegt, in der Provinz (Gott sei Dank!) die Christlichsozialen, so da\u00df sie jetzt ungef\u00e4hr gleich sind. Wenn nur meiner Kirche nichts geschieht! \u2013 Nach J. G. <span style=\"color: #333399;\">[M\u00e4nnerbekanntschaft, mit der sich die Schreiberin im Herbst 1918 vermutlich aus politischen Gr\u00fcnden \u00fcberworfen hat]<\/span> habe ich oft wieder Sehnsucht, dr\u00e4ngende, ungeduldige Sehnsucht, wenngleich ich auch oft lang nicht an ihn denke, neulich nicht viel. <span style=\"color: #333399;\">[\u2026]<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Sammlung Frauennachl\u00e4sse NL 09<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">Kein weiterer Eintrag aus dem Nachlass von Bernhardine Alma<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\">Voriger Eintrag aus dem Tagebuch von Bernhardine Alma <a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=35908\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">am 10. November 2018<\/a><\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #333399;\">Zum Tagebuch von Bernhardine Alma im Ersten Weltkrieg siehe auch: <\/span><span style=\"color: #333399;\">Ulrike Seiss, \u201c\u2026 ich will keinen Krieg oder als Krankenschwester mit!\u201d Selbstinszenierungen, Kriegsrezeption und M\u00e4nnlichkeitsbilder im Tagebuch einer jungen Frau im Ersten Weltkrieg, Wien, Diplomarbeit, 2002 sowie weiters <a href=\"https:\/\/ww1.habsburger.net\/de\/erinnerungen\/tagebuch-aus-der-hinterlassenschaft-von-bernhardine-alma\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ww1.habsburger.net\/de.<\/a><br \/>\n<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Die Verwendung der Namen der Schreiber\/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachl\u00e4sse mit den \u00dcbergeber\/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgr\u00fcnden anonymisiert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen \u2013 Ausz\u00fcge aus Best\u00e4nden der Sammlung Frauennachl\u00e4sse Nr. 150, Tagebuch von Bernhardine Alma, Datum, SFN NL 09, unter: URL<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernhardine Alma (geb. 1895) lebte mit ihren Eltern und zwei Geschwistern in gutb\u00fcrgerlichen Verh\u00e4ltnissen in Wien. Seit 1915 war sie im Kriegshilfsdienst t\u00e4tig gewesen. Sie ver\u00f6ffentlichte verschiedene kleinere Beitr\u00e4ge in Zeitschriften, viel Zeit wandte sie f\u00fcr Arbeit im Familienhaushalt auf. Sie besuchte h\u00e4ufig die Kirche und legte dort die Beichte ab. 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