{"id":4666,"date":"2010-12-22T11:53:00","date_gmt":"2010-12-22T09:53:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=4666"},"modified":"2022-05-19T16:16:01","modified_gmt":"2022-05-19T16:16:01","slug":"cfp-tagung-krieg-im-geschlechterkontext-wien-092011-einreichfrist-31122010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=4666","title":{"rendered":"CfP: Tagung &#8222;Krieg im Geschlechterkontext \u2013 Themenfelder und Perspektiven der Frauen- und Geschlechtergeschichte des Ersten Weltkrieges&#8220; (Wien, 09\/2011); DL: 31.12.2010"},"content":{"rendered":"<p><strong>Birgitta Bader-Zaar, <\/strong><strong><\/strong><strong>Christa H\u00e4mmerle <\/strong><strong>(Univ. Wien) und <\/strong><strong>Oswald \u00dcberegger <\/strong><strong>(Univ. Hildesheim) im Rahmen der Forschungsplattform &#8222;<\/strong><a href=\"https:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/Neuverortung-Geschlechtergeschichte\/cms\/index.php?lang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Neuverortung der Frauen- und Geschlechtergeschichte&#8220;<\/strong><\/a><strong> der Univ. Wien in Kooperation mit dem Arbeitskreis Historische Friedensforschung (AKHF)<\/strong><\/p>\n<p>Zeit: 29. September bis 1. Oktober 2011<br \/>\nOrt: Wien<br \/>\nEinreichfrist Call for Papers: <strong>31. Dezember 2010<\/strong><\/p>\n<p>Forschungen zum Ersten Weltkrieg haben seit l\u00e4ngerem Konjunktur, wenn auch nicht in allen nationalen Historiographien und Wissenschaftskulturen gleicherma\u00dfen. Besonders neue Inhalte und Ans\u00e4tze der Weltkriegsforschung sind sehr disparat vertreten, was transnationale Perspektiven noch immer erschwert.<!--more--><\/p>\n<p>In hohem Ausma\u00df gilt das bis heute f\u00fcr frauen- und geschlechtergeschichtliche Untersuchungen, obwohl l\u00e4ngst deutlich geworden ist, dass die damaligen Kriegsgesellschaften ebenso wie die komplexen Folgen des Ersten Weltkrieges ohne Ber\u00fccksichtigung der analytischen Kategorie Geschlecht nicht ausreichend erfasst und verstanden werden k\u00f6nnen. Denn in allen beteiligten Staaten f\u00fchrte dieser weitgehend totale Krieg nicht nur zur breiten Unterst\u00fctzung des Krieges durch Frauen an der weiblich konnotierten &#8222;Heimatfront&#8220;, sondern auch zu ihrem gegenl\u00e4ufigen Einsatz in den Kampfgebieten. Zudem wurde im Ersten Weltkrieg weit wirkm\u00e4chtiger als je zuvor soldatische M\u00e4nnlichkeit idealisiert \u2013 mit Implikationen f\u00fcr die hegemonialen Geschlechter- und Gesellschaftsordnungen, die auch pazifistische Bem\u00fchungen und Aktivit\u00e4ten erschwerten. Die umfassende Stilisierung der nationalen Volksgemeinschaften zu Kampfgemeinschaften, und damit verbunden Kriegshetze und ideologische Verblendung, sind ein europ\u00e4isches Ph\u00e4nomen, ebenso wie die Erfahrung kriegerischer Gewalt bis hin zum aktiven T\u00f6ten, zu Flucht und Vertreibung \u2013 in vielerlei auch geschlechterdifferenten Auspr\u00e4gungen.<\/p>\n<p>Wie aber lassen sich bereits vorliegende Arbeiten zu solchen Themenfeldern der Frauen- und Geschlechtergeschichte des Ersten Weltkrieges b\u00fcndeln? Welche Bilanz ergibt die Zusammenschau einschl\u00e4giger Forschungen und wo liegen bestehende Schwerpunkte und Defizite des Forschungsfeldes \u2013 zum Beispiel im Vergleich unterschiedlicher nationaler Untersuchungen oder in Bezug auf die neueste M\u00e4nnlichkeitsforschung? Und wie dringlich gestaltet sich die Anbindung genderspezifischer Studien an politik-, sozial- und wirtschafts-, kultur-, mentalit\u00e4ts- und\/oder gesellschaftsgeschichtliche Perspektivierungen des Ersten Weltkrieges? Welche Differenzen bestehen, wenn der Blick erweitert wird und nationale Historiographien in einen \u00fcbergreifenden, komparatistischen Kontext gestellt werden? Lassen sich dann bislang getroffene Einsch\u00e4tzungen der Forschung noch aufrecht erhalten und Historikerinnen-Debatten \u2013 etwa zur kriegsbedingten Virulenz der Geschlechterbeziehungen oder einer angeblich emanzipativen Wirkung des Krieges \u2013 verallgemeinern?<\/p>\n<p>Die vom <strong>29. September bis 1. Oktober 2011<\/strong> in Wien stattfindende internationale <strong>Tagung &#8222;Krieg im Geschlechterkontext \u2013 Themenfelder und Perspektiven der Frauen- und Geschlechtergeschichte des Ersten Weltkrieges&#8220;<\/strong> will solchen Fragen anhand von <strong>vier ausgew\u00e4hlten Themenkomplexen<\/strong> nachgehen, die zentral scheinen f\u00fcr dieses Forschungsfeld. Damit nimmt sie das bevorstehende Erinnerungsjahr 2014 zum Anlass f\u00fcr eine eingehende Diskussion, will die bisherigen Ergebnisse bilanzieren und zuk\u00fcnftige Forschungsperspektiven entwerfen \u2013 auch im Sinne eines Beitrages zur Historischen Friedensforschung, die sich unter anderem besonders intensiv mit Aspekten der gesellschaftlichen Militarisierung und Militarismuskritik befasst hat.<\/p>\n<p>Einschl\u00e4gig forschende Historikerinnen und Historiker sind eingeladen, ihren Vorschlag f\u00fcr einen Beitrag zu dieser Tagung in Form eines Abstracts zu einem der <strong>vier<\/strong> folgenden, eng miteinander <strong>verflochtenen<\/strong> Themenbereiche sp\u00e4testens bis 31. Dezember 2010 einzureichen.<\/p>\n<p><strong><em>*\u00a0Kriegsfront \u2013 Heimatfront:<\/em><\/strong> Der Erste Weltkrieg wurde auch als \u201eVolkskrieg\u201c gef\u00fchrt, gem\u00e4\u00df einem seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert generierten Kriegskonzept, das auf die Mobilisierung aller menschlichen und materiellen Ressourcen zielte. Daher entstanden damals nicht nur Fronten, sondern ebenso \u201eHeimatfronten\u201c. Wie, mittels welcher Kriegs- und Geschlechterbilder, figurierten nationale Diskurse zwischen 1914 und 1918 diese neue Gesellschaftsordnung, die eine \u2013 hierarchisch konstruierte \u2013 Differenz zwischen den Frontsoldaten und einer \u201eweiblich\u201c gesetzten \u201eHeimatfront\u201c verabsolutierte? Lassen sich diesbez\u00fcglich Ver\u00e4nderungen im Kriegsverlauf festmachen, und konterkarierende Entw\u00fcrfe f\u00fcr eine Geschlechterordnung im Krieg? Kam es tats\u00e4chlich in allen kriegf\u00fchrenden Staaten zur breiten Mobilisierung einer \u201eHeimatfront\u201c? Welche M\u00e4nnlichkeits- und Weiblichkeitskonzepte wurden in der Kontrastierung zwischen \u201eFront\u201c und \u201eHeimat\u201c generiert?<\/p>\n<p><strong><em>*\u00a0Gewalt:<\/em><\/strong> Milit\u00e4r- und Zivilgesellschaft erlebten die Pr\u00e4senz von Gewalt im Krieg (wie die Erfahrung von Gefangenschaft, sexueller Gewalt oder von anderen Formen kriegerischer Gewalt bis hin zum aktiven T\u00f6ten) in teilweise sehr unterschiedlicher, aber durchaus auch in \u00e4hnlicher Weise. Welche Rolle spielte das pers\u00f6nliche Erleiden oder die Teilhabe an physischer oder psychischer Gewalt innerhalb der Kriegserfahrung von M\u00e4nnern bzw. Frauen? Wie wurde Gewalt anlassbezogen gedeutet und welche geschlechtsspezifischen Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten lassen sich diesbez\u00fcglich festmachen? Wie gestaltete sich der Umgang der Kriegsgesellschaften mit dem massenhaften aktiven T\u00f6ten und welche t\u00e4ter- und opferspezifischen Erinnerungsmuster bildeten sich im Laufe des Krieges und in der Nachkriegszeit heraus? Inwiefern lassen sich diesbez\u00fcglich nations-, landes- beziehungsweise regionsspezifische Unterschiede und Auff\u00e4lligkeiten verorten? Die Imagination, Erfahrung und Aus\u00fcbung (auch exzessiver) kriegerischer Gewalt beeinflusste auch herrschende M\u00e4nnlichkeits- und Weiblichkeitsvorstellungen. Inwiefern hat die Verallt\u00e4glichung von Gewalt Geschlechterkonstruktionen ver\u00e4ndert, demontiert, neu definiert oder auch radikalisiert?<\/p>\n<p><strong><em>*\u00a0Citizenship:<\/em><\/strong> Der Kriegszustand hatte deutliche Auswirkungen auf das patriotische Selbstverst\u00e4ndnis der Frauenbewegungen, die in einen spezifischen Diskurs des citizenship von Frauen im Kontext des Krieges m\u00fcndeten, dessen Wurzeln in das 19. Jahrhundert zur\u00fcckreichen. In diesem Themenbereich k\u00f6nnte neuen Aspekten dieser Auseinandersetzung mit staatb\u00fcrgerlicher Inklusion, insbesondere deren Verwobenheit mit nationalistischen Diskursen in Gebieten, die nach politischer Autonomie strebten, nachgegangen werden. Hier soll aber auch die Umsetzung des Anspruches auf die gleichberechtigte Integration von Frauen in den Staat Ber\u00fccksichtigung finden. Inwiefern war der Krieg ein Katalysator f\u00fcr Vorkriegsforderungen der Frauenbewegungen, insbesondere im Licht einer h\u00e4ufig postulierten De-Radikalisierung dieser Forderungen durch den Kriegsdiskurs? Und welche Rolle nahmen dann Demobilisierung und Stabilisierung hierarchischer Geschlechternormen in der Nachkriegszeit in dieser Hinsicht ein?<\/p>\n<p><strong><em>*\u00a0Friedensengagement:<\/em><\/strong> Unter diesem Thema sollen jene vielf\u00e4ltigen nationalen wie staaten\u00fcbergreifenden Bem\u00fchungen, Aktivit\u00e4ten und Konzepte fokussiert werden, die von Kriegsbeginn an auf ein rasches Ende des Weltkrieges zielten \u2013 sei es im Kontext der Organisation internationaler Friedenskonferenzen in neutralen Staaten oder sei es in Form von widerst\u00e4ndigem, h\u00e4ufig verfolgtem Handeln in den kriegf\u00fchrenden Staaten selbst. Ab wann und in welchen Kontexten entwickelten sich Forderungen nach Frieden? Wer waren die Tr\u00e4ger und Tr\u00e4gerinnen solcher Proteste, in welchen Netzwerken waren sie organisiert? Welchen neuen Fokus k\u00f6nnen Forschungen zum pazifistischen Engagement und zu den Geschlechterleitbildern der Friedensbem\u00fchungen von Frauen einnehmen?<\/p>\n<p>Ein besonderes Interesse der Tagung ist es, Forscherinnen und Forscher einzuladen, die sich mit in der historischen Forschung bisher eher vernachl\u00e4ssigten Kriegsschaupl\u00e4tzen sowie kriegf\u00fchrenden Staaten und Gesellschaften, etwa in Ost- und S\u00fcdosteuropa, besch\u00e4ftigen. Die Beitr\u00e4ge werden in einem <strong>Tagungsband<\/strong> ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An der Teilnahme Interessierte senden bitte ein deutsch- oder englischsprachiges <strong>Abstract<\/strong> ihres Vortragsvorschlags in der L\u00e4nge von ca. einer Seite (ca. 2.500 Zeichen) und ein <strong>CV<\/strong>an:neuverortung.geschlechtergeschichte@univie.ac.at (Michaela Hafner)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Birgitta Bader-Zaar, Christa H\u00e4mmerle (Univ. Wien) und Oswald \u00dcberegger (Univ. Hildesheim) im Rahmen der Forschungsplattform &#8222;Neuverortung der Frauen- und Geschlechtergeschichte&#8220; der Univ. Wien in Kooperation mit dem Arbeitskreis Historische Friedensforschung (AKHF) Zeit: 29. September bis 1. Oktober 2011 Ort: Wien Einreichfrist Call for Papers: 31. Dezember 2010 Forschungen zum Ersten Weltkrieg haben seit l\u00e4ngerem Konjunktur, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,18],"tags":[],"class_list":["post-4666","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-calls-for-papers","category-1-weltkrieg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4666","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4666"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4666\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":61688,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4666\/revisions\/61688"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4666"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4666"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4666"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}