{"id":48534,"date":"2021-04-22T02:22:24","date_gmt":"2021-04-22T00:22:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=48534"},"modified":"2022-05-19T15:53:17","modified_gmt":"2022-05-19T15:53:17","slug":"ausstellung-vor-schand-und-noth-gerettet-06-05-2021-bis-30-03-2022-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=48534","title":{"rendered":"Ausstellung: &#8222;Vor Schand und Noth gerettet&#8220;?! Findelhaus, Geb\u00e4ranstalt und die Matriken der Alser Vorstadt, 06.05.2021 bis 30.03.2022, Wien"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/13189-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-48536 size-thumbnail alignleft\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/13189-1-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Bezirksmuseum Josefstadt<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.bezirksmuseum.at\/de\/bezirksmuseum_8\/ausstellungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(Web)<\/a><\/p>\n<p>Laufzeit: 06.05.2021 bis 30.03.2022<br \/>\n\u00d6ffnungszeiten: Mi 18\u201320.00 Uhr, So 10\u201312.00 Uhr<br \/>\nOrt: Bezirksmuseum, Schmidg. 18, 1080 Wien<\/p>\n<p class=\"BasicParagraph fliesstext\">Wo heute die Lange Gasse in die Alser Stra\u00dfe m\u00fcndet, befand sich von 1788 bis 1910 ein stark frequentiertes Geb\u00e4ude: Das Wiener Findelhaus. Die Einrichtung von Findelh\u00e4usern in vielen europ\u00e4ischen St\u00e4dten sollte dazu beitragen, Kindsmorde zu verhindern und die Kindersterblichkeit zu reduzieren. Gleichzeitig wurden damit bev\u00f6lkerungspolitische Intentionen verfolgt &#8211; so auch in der Alser Vorstadt. Das Wiener Findelhaus wurde 1784 gegr\u00fcndet. Seit 1788 befand es sich in der Alserstra\u00dfe 23. Im Laufe seines Bestehens nahm es ca. 750.000 Kinder auf und vermittelte sie zu Pflegepl\u00e4tzen am Land. Der Gro\u00dfteil dieser Kinder war in der Geb\u00e4ranstalt zur Welt gekommen, die sich auf dem Areal des ehemaligen AKH befand.<\/p>\n<p class=\"BasicParagraph fliesstext\">Anhand von rund 100 Exponaten aus mehr als 15 wissenschaftlichen Institutionen setzt sich die Ausstellung mit den ehemaligen Einrichtungen im heutigen 8. und 9. Bezirk auseinander. Lebenssituationen von Frauen, die ungewollt Mutter wurden oder keine M\u00f6glichkeit hatten, ihr Kind selbst gro\u00dfzuziehen, werden ebenso in einem sozial- und gesellschaftshistorischen Kontext thematisiert, wie Biografien von sogenannten Findelkindern. <a href=\"https:\/\/www.bezirksmuseum.at\/de\/bezirksmuseum_8\/ausstellungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Weiterlesen &#8230; (Web)<\/a><\/p>\n<p><strong>Online-Er\u00f6ffnung<\/strong><\/p>\n<p>Zeit: 06.05.2021, 18.00 Uhr<br \/>\nvirtueller Ort: Youtube-Kanal der Wiener Bezirksmuseen <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/channel\/UCLikLHWGsY5UBB4FZXNmUlA\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(Web)<\/a><\/p>\n<p>Beschreibung auf &#8222;Der Achte.at&#8220;: &#8222;Wo heute die Lange Gasse in die Alser Stra\u00dfe m\u00fcndet, befand sich von 1788 bis 1910 ein stark frequentiertes Geb\u00e4ude: das Wiener Findelhaus. Hier wurden Kinder abgegeben, deren ledige M\u00fctter nicht f\u00fcr sie sorgen konnten \u2013 dabei handelte es sich um ein Massenph\u00e4nomen, wie die Historikerin Verena Pawlowsky erkl\u00e4rt: &#8218;In manchen Jahren des 19. Jhds. ging ein Drittel der in Wien geborenen Kinder diesen Weg: von einer ledigen Frau zur Welt gebracht, im Wiener Findelhaus abgegeben.&#8216; In weiterer Folge wurden diese Kinder meist aufs Land vermittelt \u2013 wo sie ihren Pflegefamilien ein zus\u00e4tzliches Einkommen brachten und h\u00e4ufig sozial ausgegrenzt wurden.<\/p>\n<p>Das Findelhaus wurde <!--more-->unter Joseph II. 1784 als Teil des Allgemeinen Krankenhauses gegr\u00fcndet, um Kindsmorde und Abtreibungen zu verhindern und die Kinder- und S\u00e4uglingssterblichkeit zu reduzieren. Gleichzeitig waren Geb\u00e4r- und Findelh\u00e4user bev\u00f6lkerungspolitische Instrumente: Der Staat wollte Arbeitskr\u00e4fte und Soldaten.<\/p>\n<p>Das Haus in der Alser Stra\u00dfe 23 gibt es nicht mehr, wohl aber jenes der ehemaligen Wiener Geb\u00e4ranstalt, die sich direkt am Krankenhausgel\u00e4nde befand und eng mit dem Findelhaus verkn\u00fcpft war. W\u00e4hrend reiche Frauen hier gegen Bezahlung anonym geb\u00e4ren konnten, dienten mittellose schwangere Frauen m\u00e4nnlichen Studenten als &#8218;Unterrichtsmaterial&#8216;. Damit verhalfen sie der Anstalt zu ihrem Erfolg. Gef\u00fchle von Scham und Intimit\u00e4t wurden ihnen oftmals abgesprochen. Ob jene Frauen &#8218;vor der Schand und Noth gerettet&#8216; wurden \u2013 wie es in der Gr\u00fcndungsschrift des Allgemeinen Krankenhauses hei\u00dft \u2013, ist daher fraglich.<\/p>\n<p>Vor allem arme, ledige und oft auch zugewanderte Frauen nutzten die beiden Institutionen. \u00d6konomische Zw\u00e4nge und ein restriktives Eherecht machten es diesen Frauen unm\u00f6glich, ihre Kinder selbst gro\u00dfzuziehen. Verh\u00fctungsmethoden gab es zu dieser Zeit nur unzureichend, Schwangerschaftsabbr\u00fcche standen unter Todesstrafe. \u00dcber die V\u00e4ter der Kinder ist sehr wenig bekannt. Ungewollte Schwangerschaft wurde zu einem &#8218;Frauenproblem&#8216; gemacht, die V\u00e4ter wurdenkaum zur Verantwortung gezogen. Die Frage nach den Handlungs- und Entscheidungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Frauen bei ungewollten Schwangerschaften ist hochaktuell \u2013 werden doch erk\u00e4mpfte reproduktive Rechte immer wieder angegriffen.&#8220; <a href=\"https:\/\/derachte.at\/vor-schand-und-noth-gerettet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Weiterlesen &#8230; (Web)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bezirksmuseum Josefstadt (Web) Laufzeit: 06.05.2021 bis 30.03.2022 \u00d6ffnungszeiten: Mi 18\u201320.00 Uhr, So 10\u201312.00 Uhr Ort: Bezirksmuseum, Schmidg. 18, 1080 Wien Wo heute die Lange Gasse in die Alser Stra\u00dfe m\u00fcndet, befand sich von 1788 bis 1910 ein stark frequentiertes Geb\u00e4ude: Das Wiener Findelhaus. 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