{"id":50003,"date":"2021-07-22T02:26:27","date_gmt":"2021-07-22T00:26:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=50003"},"modified":"2022-05-19T15:52:35","modified_gmt":"2022-05-19T15:52:35","slug":"cfp-maedchenfantasien-zur-politik-und-poetik-des-maedchenhaften-event-06-2022-zuerich-bis-30-092021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=50003","title":{"rendered":"CfP: M\u00e4dchen*fantasien \u2013 zur Politik und Poetik des M\u00e4dchenhaften (Event, 06\/2022, Z\u00fcrich); bis: 30.092021"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/cropped-cropped-KPUVheader2-scaled-scaled-2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-50009 size-thumbnail alignleft\" src=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/cropped-cropped-KPUVheader2-scaled-scaled-2-150x150.png\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>7. Tagung der Kommission Kulturen popul\u00e4rer Unterhaltung und Vergn\u00fcgung in der Dt. Gesellschaft f\u00fcr Volkskunde <\/strong><a href=\"https:\/\/www.kpuv.de\/kommission\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(Web)<\/a>; <strong>Moritz Ege, Christine L\u00f6tscher, Julian Schmitzberger und Anja Schwanh\u00e4u\u00dfer (Z\u00fcrich und G\u00f6ttingen) <\/strong><\/p>\n<p>Ort: Universit\u00e4t Z\u00fcrich<br \/>\nZeit: 02.-04.06.2022<br \/>\nEinreichfrist: 30.9.2021<\/p>\n<p>Starke, w\u00fctende, s\u00fc\u00dfe, fiese M\u00e4dchen, good girls und bad girls, fat girls und sad girls, waif und Wildfang, Tomboy und Nesth\u00e4kchen, geek girls, und Superheldinnen, diverse&#8216; girls* of color mit intersektionaler Agenda und deutsche M\u00e4dels mit blonden Z\u00f6pfen, M\u00e4dchen mit Basecap und mit Kopftuch, girls, grrrls, gurls, Rebellinnen mit Pfeil und Bogen, Heidis M\u00e4dchen, M\u00e4dchen-cyborgs, Pferdem\u00e4dchen, total nat\u00fcrliche M\u00e4dchen und M\u00e4dchen, die sich gerade nicht \u00fcber das biologische Geschlecht bestimmen: Die Pop(ul\u00e4r)kultur macht vielf\u00e4ltige M\u00e4dchen-Figuren sichtbar und, im Sinne Angela McRobbies, \u201eluminous&#8220;.<\/p>\n<p>M\u00e4dchen kuscheln, kratzen, l\u00e4stern, lauschen, lieben, tiktoken, twerken, tratschen, z\u00e4hmen, zicken. Wenn wir mit Simone de Beauvoir davon ausgehen, dass M\u00e4dchen nicht als M\u00e4dchen geboren, sondern zu M\u00e4dchen werden, dann verweist das M\u00e4dchenhafte aus kulturanalytischer Perspektive nicht zuletzt auf habituelle und \u00e4sthetische Stile. Sie werden in kulturellen Repr\u00e4sentationen aufgef\u00fchrt und in (M\u00e4dchen*-)Gruppen gelebt, die sich nicht nur wegen, sondern auch trotz ihrer \u2013 weiterhin in vielerlei Hinsicht untergeordneten \u2013 gesellschaftlichen Rolle und den damit verbundenen Regeln und Codes m\u00e4dchenhaftverhalten. \u201eM\u00e4dchen*fantasien&#8220; meint hier zweierlei: einerseits die riechenden, tastenden, schmeckenden, h\u00f6renden, f\u00fchlenden Jugendlichen selbst \u2013 samt ihrer welt-schaffenden Imaginationen, ihren Tr\u00e4umen, W\u00fcnschen und Sehns\u00fcchten. Anderseits mediale, auch fiktionale Repr\u00e4sentationen von M\u00e4dchen und M\u00e4dchenhaftigkeit sowie die gesellschaftlichen Hoffnungen, Heilsversprechen, Utopien, Vorurteile, Begierden Verniedlichungen etc., die auf M\u00e4dchen projiziert werden und die sie aushalten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Gerade in den letzten Jahren sind die St\u00e4rkung von M\u00e4dchen, die Schaffung positiver Identifikationsm\u00f6glichkeiten und die Abkehr von althergebracht-patriarchalen Normen zu besonders prominenten Zielen von progressiver Kulturproduktion und -politik avanciert. Junge Frauen* <!--more-->steigern mit ihrer Kritik die Sensibilit\u00e4t gegen\u00fcber sexistischer (und anderer) Diskriminierung. Prominente Botschafter*innen gegen Klimawandel, Krieg, Flucht und Vertreibung, f\u00fcr den Tierschutz und f\u00fcr M\u00e4dchenrechte sind, wie vielfach kommentiert, derzeit oft M\u00e4dchen. Black lives matter begann in den USA als von jungen Frauen gef\u00fchrte Bewegung. In den sozialen Medien gehen Pop und Politik ohnehin ineinander \u00fcber: Aktivismus organisiert sich \u00fcber die sozialen Medien und M\u00e4dchen partizipieren und artikulieren sich auf diesem Weg; nicht wenige Influencer*innen sind woke; m\u00e4dchengepr\u00e4gte fandoms gehen in Polit-Aktionen \u00fcber. Der zeitgen\u00f6ssische Feminismus tritt auch und gerade als junger, popul\u00e4rer Netz-Feminismus an die \u00d6ffentlichkeit. Anders gesagt: In einer Zeit, in der die alten, wei\u00dfen M\u00e4nner als politisch-moralische Anti-Figur der Gegenwartskultur(kritik) fungieren, verspricht das M\u00e4dchen* vielfach (wieder?) eine bessere, gerechtere, jugendlichere, und vielleicht auch: sinnlichere Welt \u2013 der die Zukunft geh\u00f6ren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund solcher zeitdiagnostischer Eins\u00e4tze, aber auch einer offenen Herangehensweise an das Themenfeld der \u201eM\u00e4dchen*fantasien&#8220;, soll die Tagung ethnografische, medienkulturanalytische und historisch-anthropologische Beitr\u00e4ge zusammenf\u00fchren und miteinander ins Gespr\u00e4ch bringen.<\/p>\n<p>Von Interesse sind deshalb unter anderem Beitr\u00e4ge \u00fcber &#8230;<\/p>\n<p><strong>Ikonische<\/strong> <strong>popul\u00e4rkulturelle M\u00e4dchen-Figuren und Darstellungsweisen<\/strong><\/p>\n<p>Also: M\u00e4dchen in Medien und Medien f\u00fcr M\u00e4dchen; die Repr\u00e4sentation in (popul\u00e4rer) Literatur bzw. Kinder- und Jugendmedien, Musik, Filmen, Werbung, Serien, Games etc., bzw. kulturelle Erzeugnisse, die den M\u00e4dchenmarkt bedient haben und bedienen.<\/p>\n<p><strong>M\u00e4dchen* als Produzentinnen\/Konsumentinnen\/Prosumerinnen und Kritikerinnen von zeitgen\u00f6ssischer Popul\u00e4r- und insbesondere Internetkultur<\/strong><\/p>\n<p>Internet und soziale Medien haben in den letzten Jahren entscheidend zum Wandel von M\u00e4dchen-Figuren und zu deren Politisierungen beigetragen, nicht zuletzt, weil die Technologien vielen jungen Frauen neue Formen von Teilhabe erm\u00f6glichen. Manche sozialen Medien gelten selbst als (verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig) m\u00e4dchenhaft (TikTok, Instagram, Snapchat, etc.). Durch die Allt\u00e4glichkeit von Social Media und feministische Diskussionen um die Bedeutungen und Grenzen medialer Politiken ger\u00e4t auch das Verh\u00e4ltnis von inszenierter Medienrealit\u00e4t und sozialer Wirklichkeit in den Blick. Was bedeutet dies f\u00fcr die M\u00e4dchenforschung nach eigenen Ma\u00dfst\u00e4ben? Welche Rolle spielen dabei identity politics verschiedener Provenienz?<\/p>\n<p><strong>Popul\u00e4rkulturell gepr\u00e4gte und die Popul\u00e4rkultur pr\u00e4gende M\u00e4dchen-Alltage in verschiedenen sozialen Milieus<\/strong><\/p>\n<p>Die Ethnografie von M\u00e4dchen und ihren Praktiken (bzw. den Praktiken, die sie zu M\u00e4dchen machen) erm\u00f6glicht es, \u201eM\u00e4dchen*fantasien&#8220; jenseits der Wirklichkeit\/Fantasie-Dichotomie zu beschreiben, u.a. unter dem Aspekt allt\u00e4glicher symbolischer Kreativit\u00e4t. Wie gehen M\u00e4dchen mit den gesellschaftlichen Anforderungen des M\u00e4dchenseins, z.B. den Diktaten der Freundlichkeit, H\u00e4uslichkeit und affektiver Arbeit um, wie gestalten sie Alltag in der Auseinandersetzung mit dem kulturellen Mainstream und seinen Bildern und Mythen? Wie werden seriell erzeugte Tr\u00e4ume, Fantasien und Sehns\u00fcchte angeeignet und umgedeutet? Inwieweit f\u00f6rdern und viertiefen, inwieweit verhindern sie alternative M\u00e4dchenhaftigkeit(en) bzw. l\u00f6sen sich davon ab? Das zielt auf Ethnografie in klassischen Jugendsubkulturen (Rocker-, HipHop-, Hippie-, Emo-, Gothic-Girls, Cosplayerinnen, etc.), aber auch die Ethnografie von spezifischeren M\u00e4dchen-Jugend(sub)kulturen (angefangen bei der \u201ebedroom culture&#8220;), die nicht alle auf den ersten Blick als solche erkannt werden. Dabei sollten gerade gesellschaftlich nicht-dominante Erfahrungs- und Artikulationsr\u00e4ume eine besondere Rolle spielen.<\/p>\n<p><strong>M\u00e4dchen* als Gegenstand von gesellschaftlichen Debatten, Politiken, Wissensregimen<\/strong><\/p>\n<p>Die angesprochenen Ph\u00e4nomene sind auch Gegenstand von politischen Auseinandersetzungen und institutionellem Handeln: Von Medienerziehungskampagnen in Schulen und durch freie Tr\u00e4ger, M\u00e4dchen-F\u00f6rderprogramme (z.B. f\u00fcr mehr M\u00e4dchen* in MINT-F\u00e4chern oder im HipHop, in der Geschichte der Bundesrepublik einst zugunsten des katholischen Arbeiterm\u00e4dchens vom Land), Marketing-Kampagnen. Auch sie tragen \u2013 mit popul\u00e4rkulturellen Mitteln und in popul\u00e4rkulturellen Handlungsfeldern \u2013 zur \u00f6ffentlichen Figurierung bzw. Konstruktion von M\u00e4dchen* bei und er\u00f6ffnen und strukturieren allt\u00e4gliche Handlungsr\u00e4ume, wenn auch nicht immer im Sinne jener Institutionen. So l\u00e4sst sich die Popul\u00e4rkulturethnografie auch mit Ans\u00e4tzen zusammenf\u00fchren, die in der \u201epolitical anthropology&#8220; eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen.<\/p>\n<p>Die Tagung soll M\u00e4dchen*-Stimmen in einer auf verschiedenen Ebenen weiterhin Jungs-dominierten Popul\u00e4r- und Unterhaltungskulturforschung Geh\u00f6r verschaffen und geschlechtskonstituierenden und -spezifischen Wahrnehmungsweisen nachsp\u00fcren. Sie fragt, wie kulturelle Figurierungen des M\u00e4dchenseins gesellschaftliche Konjunkturen pr\u00e4gen. Und sie bietet Gelegenheit zum Nachdenken dar\u00fcber, wie sich Begriffe, Gegenstandsbestimmungen und Forschungsstile ver\u00e4ndern m\u00fcssen, um M\u00e4dchen im Kontext von popul\u00e4rer Unterhaltung und Vergn\u00fcgung nach eigenen Ma\u00dfst\u00e4ben zu verstehen und zu beschreiben. Besondere Beachtung schenken wir dabei im Sinne des sensual turn dem Sinnlichen und Imagin\u00e4ren und somit der Ambivalenz von hegemonialen Angeboten und (sinnlicher) Aneignung, von Wahrnehmen und Evozieren, Sp\u00fcren und Repr\u00e4sentieren, F\u00fchlen und Handeln, H\u00f6ren und Sprechen.<\/p>\n<p>Die Tagung richtet sich insbesondere an Kolleg*innen in den Bereichen gegenwartsbezogene und historische Pop(ul\u00e4r)kulturforschung, popul\u00e4re Literatur und Medien, digitale Ethnografie, Jugend-Subkultur-Ethnografie, Gender und Queer Studies und kulturtheoretisch arbeitender (Pop-)Feminismus. Gefragt sind empirisch ges\u00e4ttigte Einzelfallstudien und auch Reflexionen der heuristischen kulturtheoretischen, macht- und konjunkturanalytischen, affekttheoretischen Potenziale solcher Perspektiven. Wie in der Europ\u00e4ischen Ethnologie insgesamt liegt der regionale Fokus prim\u00e4r auf europ\u00e4ischen Gesellschaften und auf der Konstruktion des Europ\u00e4ischen (in all seiner Diversit\u00e4t und im Bewusstsein der Arbitrarit\u00e4t\/Kontingenz solcher Grenzziehungen), Ausnahmen von dieser Regel sind m\u00f6glich und gew\u00fcnscht, wenn sie inhaltlich \u00fcberzeugend begr\u00fcndet sind.<\/p>\n<p>Vorgesehen sind Vortr\u00e4ge von ca. 25 Min. Die Organisator:innen bitten um die Einsendung von Abstracts im Umfang von maximal 400 W\u00f6rtern bis zum 30.9.2021 an maedchentagung@isek.uzh.ch.<\/p>\n<p>Falls keine institutionelle Reisekosten\u00fcbernahme m\u00f6glich ist, kommt das ISEK f\u00fcr die \u00dcbernachtungskosten der Referent:innen auf.<\/p>\n<p>Organisation der Tagung: Moritz Ege, Christine L\u00f6tscher, Julian Schmitzberger und Anja Schwanh\u00e4u\u00dfer (ISEK\/Uni Z\u00fcrich; IfKAEE\/Uni G\u00f6ttingen).<\/p>\n<p><strong>Kontakt<\/strong><br \/>\nAnja Schwanh\u00e4u\u00dfer<br \/>\nWissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt: &#8222;Pferdem\u00e4dchen&#8220;: Struktur und Sinnlichkeit einer jugendkulturellen Figur (DFG &#8211; Eigene Stelle)<\/p>\n<p>Institut f\u00fcr Kulturanthropologie\/Europ\u00e4ische Ethnologie an der Georg-August-Universit\u00e4t G\u00f6ttingen, Heinrich-D\u00fcker-Weg 14, D-37073 G\u00f6ttingen<\/p>\n<p>Buerro in der Kupferfabrik, Br\u00fcckenstr. 1, D-10179 Berlin<\/p>\n<p>E-Mail: anja.schwanhaeusser@uni-goettingen.de<\/p>\n<p>Quelle: kv@d-g-v.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>7. 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