{"id":5225,"date":"2010-12-23T08:21:08","date_gmt":"2010-12-23T06:21:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=5225"},"modified":"2022-05-19T16:16:01","modified_gmt":"2022-05-19T16:16:01","slug":"cfp-performing-emotions-zum-verhaltnis-von-politik-und-emotion-in-der-fruhen-neuzeit-und-in-der-moderne-event-juni-2011-berlin-dl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=5225","title":{"rendered":"Symposium: Performing Emotions. Zum Verh\u00e4ltnis von Politik und Emotion in der Fr\u00fchen Neuzeit und in der Moderne, 23.-25.06.2011, Berlin"},"content":{"rendered":"<p><strong>Internationales und interdisziplin\u00e4res Symposium, organisiert von Dr.in Claudia Jarzebowski und Prof.in Dr.in Anne Kwaschik<\/strong><br \/>\nZeit: 23.-25.Juni 2011<br \/>\nOrt FU Berlin<br \/>\n<strong><\/strong><a href=\"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/abstract.pdf\" target=\"_self\" rel=\"noopener\">Exposee als PDF<\/a><br \/>\nPolitik und Emotion werden im Fortschrittsdenken der westlichen Moderne als gegenl\u00e4ufig angesehen. Innerhalb des klassischen europ\u00e4ischen Dualismus von Rationalit\u00e4t und Emotionalit\u00e4t sind Emotionen zumeist als das Andere eines auf rationalen Entscheidungen basierenden Politischen beschrieben worden. Erst in j\u00fcngster Zeit sind ernsthafte theoretische Versuche zu beobachten, Emotionen als eine konstitutive Dimension menschlichen Seins und Handelns und damit auch der Politik analytisch und konzeptionell zu begreifen. Dabei stehen die Grundbegriffe theoretischen Denkens zu Diskussion, die \u00dcberwindung der auf Platon zur\u00fcckgehenden Entgegensetzung von Rationalit\u00e4t und Leidenschaft, die strukturierend auch andere Begriffe \u2013 und grunds\u00e4tzlich die Wahrnehmung von politischer \u00d6ffentlichkeit und die Beschreibung gesellschaftlicher Partizipation organisiert und Handlungsr\u00e4ume generiert. Mit dieser Entgegensetzung von Politik und Emotion ist eine weitreichende Dichotomisierung in der symbolischen und alltagsgebundenen Weltwahrnehmung verbunden, die die Bereiche Natur, Weiblichkeit, Innen\/Privatheit, Emotion auf der einen Seite und Kultur, M\u00e4nnlichkeit, Au\u00dfen\/\u00d6ffentlichkeit, Rationalit\u00e4t auf der anderen Seite trennt. Im Ausgang <!--more-->von der kritischen Auseinandersetzung mit diesem Erbe der Aufkl\u00e4rung, das Pierre Bourdieu als di-vision du monde analysiert hat, soll das Symposium neue Perspektiven f\u00fcr die wissenschaftliche Konzeptionalisierung von Politik und Emotion entwickeln, innerhalb derer systematische Kategorien f\u00fcr eine vergleichende Geschichte erprobt werden k\u00f6nnen. Eine transepochale Historisierung scheint methodischer Hinsicht umso wichtiger als die auch in der Zeitgeschichte verwendeten und diskutierten theoretischen Konstrukte der Historischen Emotionenforschung, wie vor allem Barbara Rosenweins f\u00fcr das fr\u00fche Mittelalter entwickelte Konzept von den emotional communities (Barbara Rosenwein, 2002\/2006) in ihrer Relevanz f\u00fcr die Analyse moderne Gesellschaften erst zu diskutieren w\u00e4ren. F\u00fcr den Gegenstand des Symposiums, das Spannungs- und Bedingungsverh\u00e4ltnis von Politik und Emotion, bezeichnet das Jahr \u201a1800\u2019 nach wie vor eine klassisch zu nennende und selten \u00fcbertretene zeitliche Grenze, vor allem in historiographischer Hinsicht (Reinhart Koselleck, 1987). Bis in die 1990er Jahre dominierten vor allem diejenigen Kulturtheorien, die die Zeit um 1800 als Epochengrenze, die die Moderne von vormodernen Epochen trenne, etablierten. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass die Zeit um 1800 allenfalls f\u00fcr die westliche Moderne einen derart einschneidenden Charakter besitzt und auch dieses wird zunehmend in dem Ma\u00dfe relativiert, in dem Epochengrenzen grunds\u00e4tzlich an Bedeutung verlieren. An dieser Stelle will das Symposium ansetzen, um im Ergebnis der Diskussionen Kategorien einer transepochalen Perspektive f\u00fcr eine Historische Emotionenforschung zu entwickeln, die Politik und Emotion nicht von vornherein als einander strukturell ausschlie\u00dfende gesellschaftliche Bereiche sozialen Handelns und den flankierenden Diskursen festschreibt.<br \/>\nDas Symposium soll dieses Feld, das immer noch als \u201eterra incognita\u201c gelten kann (Helena Flam, 2002), betreten, kartieren und vermessen. Damit verbunden sind drei grundlegende theoretische Anliegen. Erstens, die grunds\u00e4tzliche Verst\u00e4ndigung \u00fcber die Historizit\u00e4t von Emotionen. Zu fragen w\u00e4re hier insbesondere nach Bedeutungsverschiebungen von Gef\u00fchlen f\u00fcr das politische Handeln und Denken in der Fr\u00fchen Neuzeit und in der Moderne. In dieser vergleichenden Perspektive, die im Sinne Marc Blochs st\u00e4rker auf die Genese der Unterschiede, denn die Beobachtung von \u00c4hnlichkeiten fokussiert, wird das Epochenmodell angreifbar, das in der Historischen Emotionenforschung f\u00fcr die Zeit nach 1800 bestimmend ist. Zweitens, ist es das Ziel des Symposiums, zu einem neu konturierten und historischen Politikverst\u00e4ndnis beizutragen, das Gef\u00fchle als konstitutive Dimension menschlichen Handelns in einer zeitlichen Perspektive beschreiben kann \u2013 im Ausgang von der Frage, inwiefern rationales Handeln auch emotionales Handeln sein kann. Und drittens, soll das Symposium mit den anvisierten Fragehorizonten einen Beitrag zur historischen Semantik der Emotionskategorien insgesamt auf dem Weg zu einem historisch fundierten multiperspektivischen Emotionsbegriff leisten. Die vorgeschlagenen Diskussionseinheiten aktualisieren Emotionen nicht nur als sozio-kulturelle Praktiken und folgen damit der Tendenz, die Unterscheidung zwischen einem angenommenen Gef\u00fchlskern im Inneren des Individuums und dessen \u201e\u00e4u\u00dferer\u201d Repr\u00e4sentation aufzuheben. Gleicherma\u00dfen werden Emotionen auch als Handlungsmodelle verstanden, deren \u201ever\u00e4nderliche Konstellationen der Darstellung, Artikulation und Wahrnehmung\u201d im Rahmen eines erweiterten Performativit\u00e4tskonzepts historisch untersucht werden m\u00fcssen.<br \/>\n<strong>Kontakt<\/strong><br \/>\nDr. Claudia Jarzebowski<br \/>\nFU Berlin<br \/>\nFriedrich-Meinecke-Institut<br \/>\nKoserstr. 20<br \/>\n14 195 Berlin<br \/>\n0049-30-8385 4513<br \/>\nclaudia.jarzebowski@fu-berlin.de<br \/>\nwww.fu-berlin.de\/fmi<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Internationales und interdisziplin\u00e4res Symposium, organisiert von Dr.in Claudia Jarzebowski und Prof.in Dr.in Anne Kwaschik Zeit: 23.-25.Juni 2011 Ort FU Berlin Exposee als PDF Politik und Emotion werden im Fortschrittsdenken der westlichen Moderne als gegenl\u00e4ufig angesehen. 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