{"id":5624,"date":"2011-02-22T07:41:43","date_gmt":"2011-02-22T05:41:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=5624"},"modified":"2022-05-19T16:15:37","modified_gmt":"2022-05-19T16:15:37","slug":"cfp-morderinnen-verbrechen-korper-inszenierung-102011-siegen-dl-30042011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=5624","title":{"rendered":"CfP: M\u00f6rderinnen: Verbrechen &#8211; K\u00f6rper &#8211; Inszenierung (10\/2011, Siegen), DL: 30.04.2011"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dr. Hyunseon Lee, Dr. Nicola Glaubitz, Zentrum f\u00fcr Gender Studies, Universit\u00e4t Siegen, Siegen<br \/>\n<\/strong><br \/>\nZeit: 13.-14.10.2011<br \/>\nOrt: Universit\u00e4t Siegen<br \/>\nEinreichfrist: 30.04.2011<\/p>\n<p>&#8218;VerbrecherInnen werden nicht als VerbrecherInnen geboren, sondern dazu gemacht.&#8216; Diese Anspielung auf Simone de Beauvoirs &#8222;Das andere Geschlecht&#8220; (1949) steht in krassem Gegensatz zu Cesare Lombrosos &#8218;kriminellem K\u00f6rper&#8216;, der als &#8218;anormaler&#8216; K\u00f6rper biologisch, psychologisch, aber auch soziologisch zum Verbrechen vorherbestimmt ist.<\/p>\n<p>Doch jener umstrittene kriminelle K\u00f6rper scheint im Laufe eines Jahrhunderts Transformationen erlebt zu haben, wenn er &#8211; zumindest seinen medialen Inszenierungen zufolge &#8211;\u00a0 nicht mehr im dunklen Milieu heruml\u00e4uft, sondern \u00fcberall, sogar nebenan im Wohnzimmer, lauert und allabendlich an jeder Stra\u00dfenecke mit unauff\u00e4lligem Habitus seine Lust auf Verbrechen auslebt. Zudem sind die Tatorte nicht mehr M\u00e4nnerdom\u00e4ne, sondern auch bev\u00f6lkert von Frauen: nicht mehr nur von Prostituierten und Kommissarinnen, nicht nur von Opfern m\u00e4nnlicher Gewalt, sondern auch von T\u00e4terinnen. <!--more--><\/p>\n<p>Die geplante interdisziplin\u00e4re Konferenz will anstatt des g\u00e4ngigerweise thematisierten weiblichen Todes die weiblichen T\u00f6tungen und dabei besonders den <strong>K\u00f6rper weiblicher Verbrecher<\/strong> unter die Lupe nehmen. Weibliche T\u00f6tungen verletzen Normen: ethische, juristische, humanit\u00e4re, soziale und oft auch politische. Aber bei n\u00e4herem Hinsehen ist Verbrechen nicht gleich Verbrechen, und vor allem ist Verbrecherin nicht gleich Verbrecher. Denn wahrgenommen und medial inszeniert werden kriminelle Normverst\u00f6\u00dfe auch als Verletzung von Gendernormen. Die<br \/>\nungeschriebenen Vorstellungen von &#8218;richtigen&#8216; Geschlechterverh\u00e4ltnissen und Geschlechtsidentit\u00e4ten werden dann sichtbar, wenn m\u00e4nnliche Gewalt selbstverst\u00e4ndlich, weibliche Gewalt zum Skandalon wird. Hier wird oft &#8218;fehlende&#8216; Weiblichkeit zum Kriterium der \u00f6ffentlichen Meinungsbildung \u00fcber die Verbrecherin oder M\u00f6rderin.<\/p>\n<p>Wenn sich in westlichen Gesellschaften tats\u00e4chlich seit dem sp\u00e4ten 19. Jahrhundert Phasen der sozio\u00f6konomischen Entdifferenzierung von Geschlechterrollen und solche der Reaffirmation und Naturalisierung (oder Normalisierung) abwechseln und \u00fcberlagern, so w\u00e4re hier nach den konkreten Manifestationen von de- und regendering zu fragen: Die Inszenierung krimineller K\u00f6rper wirft insbesondere im Hinblick auf de-<br \/>\nund regendering der Geschlechter interessante Fragen auf, zumal der biologische K\u00f6rper im Bereich der Gender-Studien keineswegs als abgetan gelten kann.<\/p>\n<p>Diverse Mediendiskurse wie Literatur, Film, Theater, Oper, Performances, insbesondere Fernsehen liefern die visuellen Schablonen und die narrativen Muster f\u00fcr Genderkonzepte und Genderrelationen. Sie bestimmen aber auch mit, wie kriminelle Normverst\u00f6\u00dfe kulturell verhandelt werden. M\u00f6gliche Fragestellungen k\u00f6nnen hierbei z.B. sein:<\/p>\n<p>&#8211; Welchen Status haben kanonisierte Figuren(paare) wie Medea, Judith, Carmen, Bonnie und Clyde usw. zwischen ca. 1850 und der Gegenwart? Wie werden diese M\u00f6rderderinnen inszeniert, transformiert, aktualisiert?<\/p>\n<p>&#8211; Welche Verschiebungen von Weiblichkeits- und M\u00e4nnlichkeitsnormen haben im Laufe der Zeit stattgefunden, und wie kommen sie zum Ausdruck?<\/p>\n<p>&#8211; Gibt es neue kulturelle Dominanten, Figuren oder Darstellertypen f\u00fcr bestimmte Formen von Mord, oder auch Versuche der Dekonstruktionen von Gendernormen?<\/p>\n<p>&#8211; Welche Konzepte von K\u00f6rper und Gender liegen den Inszenierungen von M\u00f6rderinnen zugrunde?<\/p>\n<p>&#8211; Welche Rolle spielen hierbei die K\u00f6rper der Darstellerinnen wie auch der Akteure und Akteurinnen? Inwiefern kann man von einer Maskerade der Geschlechter sprechen?<\/p>\n<p>&#8211; Welche visuellen und narrativen Stereotype bestimmen die mediale Darstellung von weiblichen Verbrechen (z.B. Mordprozesse von Marianne Bachmaier, Amanda Knox, RAF-Prozesse)? Wie und wo werden solche Stereotype au\u00dfer Kraft gesetzt? Wie lassen sich mediale Konjunkturen bestimmter Verbrechens- oder VerbrecherInnentypen erkl\u00e4ren, welcher politischen Logik folgen sie? (z.B. Serien- und Giftmorde, okkulte und<br \/>\nRitualverbrechen, Kindsmord bzw. -missbrauch?)<\/p>\n<p>&#8211; Gibt es eine bestimmte Medien\u00e4sthetik, nach welcher Verbrechen, insbesondere weiblicher Mord, behandelt wird?<br \/>\n\u00a0<br \/>\nBeitr\u00e4ge zu diesen und weiteren Fragen sind erw\u00fcnscht aus allen Bereichen, die sich mit Gender-Studien befassen und insbesondere aus den Geistes-, Kultur- und Medienwissenschaften.<\/p>\n<p>Die Vortr\u00e4ge k\u00f6nnen auf Deutsch oder Englisch gehalten werden und sollten 20 Minuten nicht \u00fcberschreiten.<\/p>\n<p>Kosten f\u00fcr Anreise und Unterbringung k\u00f6nnen z.T. \u00fcbernommen werden.<\/p>\n<p>Bitte senden Sie ein Abstract (max. 500 Zeichen) und bio- und bibliografische Angaben zu Ihrer Person (max. 5 Zeilen)\u00a0bis zum 30. April 2011 an folgende beide Mailadressen:<br \/>\nDr. Nicola Glaubitz: <a href=\"mailto:glaubitz@anglistik.uni-siegen.de\">glaubitz@anglistik.uni-siegen.de<\/a><br \/>\nDr. Hyunseon Lee: <a href=\"mailto:lee@fk615.uni-siegen.de\">lee@fk615.uni-siegen.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Hyunseon Lee, Dr. Nicola Glaubitz, Zentrum f\u00fcr Gender Studies, Universit\u00e4t Siegen, Siegen Zeit: 13.-14.10.2011 Ort: Universit\u00e4t Siegen Einreichfrist: 30.04.2011 &#8218;VerbrecherInnen werden nicht als VerbrecherInnen geboren, sondern dazu gemacht.&#8216; Diese Anspielung auf Simone de Beauvoirs &#8222;Das andere Geschlecht&#8220; (1949) steht in krassem Gegensatz zu Cesare Lombrosos &#8218;kriminellem K\u00f6rper&#8216;, der als &#8218;anormaler&#8216; K\u00f6rper biologisch, psychologisch, aber [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-5624","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-calls-for-papers"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5624","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5624"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5624\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":61626,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5624\/revisions\/61626"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5624"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5624"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5624"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}