{"id":69326,"date":"2023-03-21T02:18:00","date_gmt":"2023-03-21T02:18:00","guid":{"rendered":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=69326"},"modified":"2023-03-21T07:32:56","modified_gmt":"2023-03-21T07:32:56","slug":"vortragsreihe-lets-talk-about-sex-zeitgeschichte-und-sexualitaeten-sose-2023-hamburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=69326","title":{"rendered":"Vortragsreihe: Let\u2019s talk about sex! Zeitgeschichte und Sexualit\u00e4ten, SoSe 2023, Hamburg"},"content":{"rendered":"<p><strong>Forschungsstelle f\u00fcr Zeitgeschichte in Hamburg<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.zeitgeschichte-hamburg.de\/contao\/index.php\/veranstaltungen\/articles\/vortragsreihe-583.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(Web)<\/a><\/p>\n<p>Zeit: April bis Juli 2023, donnerstags, 18.30-20.00 Uhr<br \/>\nOrt: Forschungsstelle f\u00fcr Zeitgeschichte in Hamburg<\/p>\n<p>Sexualit\u00e4ten sind eingebunden in die Geschlechter- und Gesellschaftsordnungen ihrer Zeit. In diesen wurden und werden sie verhandelt, gelebt und bewertet, aber auch verboten und verfolgt. Sechs Referent:innen gehen in der Veranstaltungsreihe den zeitgeschichtlichen Konstruktionen und Aushandlungen von Sexualit\u00e4ten auf den Grund. Wie wurden Sexualit\u00e4ten politisiert und in welche Machtbeziehungen waren sie eingebunden? Wer bestimmte, was als \u201agesund\u2018, was als \u201aabnormal\u2018 galt, was gewollt und begehrt sein sollte? An welchen Orten wurden Sexualit\u00e4ten angeeignet, erm\u00f6glicht oder verhindert? Und: Wie kann eigentlich eine Geschichte der Sexualit\u00e4ten geschrieben werden?<\/p>\n<p><strong>Programm<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>20.04.2023: Benno Gammerl (Florenz): Geschichten von Sex, Sexualit\u00e4t und Sexualit\u00e4ten: Wie lassen sie sich schreiben und inwiefern k\u00f6nnen emotionshistorische Ans\u00e4tze dabei helfen?<\/li>\n<li>11.05.2023: Sebastian Bischoff (Bielefeld): Die Rechte und der Sex. Konservative und extrem rechte Perspektiven auf die &#8222;Sexuelle Revolution&#8220; in der Bundesrepublik nach 1960<\/li>\n<li>01.06.2023: Anna H\u00e1jkov\u00e1 (Warwick): Warum wir eine Geschichte der Sexualit\u00e4t des Holocaust brauchen. Eine Einf\u00fchrung<\/li>\n<li>15.06.2023: Alina Potempa (Berlin): Der Papst, die Moral und die \u201eStimme der Natur\u201c \u2013 Reden \u00fcber Sex(ualit\u00e4t) im Kontext des \u201ekatholischen &#8217;68\u201c<\/li>\n<li>22.06.2023: Ulrike Schaper (Berlin): \u201eIst ja keine Schande mehr, heutzutage, wo es sogar einen Kolle gibt\u201c \u2013 Sextourismus, Sexotisierung und sexuelle Befreiung seit 1968<\/li>\n<li>13.07.2023: Andrea Rottmann (Berlin): Stadtgeschichte queeren: Urbane R\u00e4ume zwischen privat und \u00f6ffentlich<!--more--><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Abstracts<\/strong><\/p>\n<p>Donnerstag, 20. April 2023, 18.30 Uhr<br \/>\n<strong>Prof. Dr. Benno Gammerl (Florenz): Geschichten von Sex, Sexualit\u00e4t und Sexualit\u00e4ten: Wie lassen sie sich schreiben und inwiefern k\u00f6nnen emotionshistorische Ans\u00e4tze dabei helfen?<\/strong><\/p>\n<p>Die queere Zeitgeschichte ist ein dynamisches Feld. Im Zentrum stehen nicht nur schwule und lesbische Vergangenheiten, sondern auch intersektionale Aspekte, also \u00dcberschneidungen von homo- und trans-feindlichen mit klassistischen, rassistischen und anderen Diskriminierungen. Die Emotionsgeschichte kann helfen, diese komplexen Lebenslagen zu begreifen, die oft ebenso vielschichtig und ambivalent sind wie die Gef\u00fchlswelten historischer Akteur*innen. Obwohl sich f\u00fcr gleichgeschlechtlich begehrende und gender-nonkonforme Menschen vieles zum Besseren gewendet hat, pr\u00e4gen \u00c4ngste nach wie vor gro\u00dfe Teile des queeren Lebens. Solche zwiesp\u00e4ltigen Wirklichkeiten kommen zur Geltung, wenn neben dem Begehren auch das F\u00fchlen in den Blick ger\u00e4t. Zugleich weitet sich die Perspektive vom Sexuellen aufs Intime, also auf verschiedene Formen zwischenmenschlicher N\u00e4he, die sich nicht immer in ein klares Homo-Hetero-Schema zw\u00e4ngen lassen. Solche Weitungen und Uneindeutigkeiten k\u00f6nnen die queere Zeitgeschichte und die Zeitgeschichte generell enorm bereichern.<\/p>\n<p>Donnerstag, 11. Mai 2023, 18.30 Uhr<br \/>\n<strong>Dr. Sebastian Bischoff (Bielefeld): Die Rechte und der Sex. Konservative und extrem rechte Perspektiven auf die &#8222;Sexuelle Revolution&#8220; in der Bundesrepublik nach 1960.<\/strong><\/p>\n<p>1970 res\u00fcmierte der Bundesgerichtshof, in der Bundesrepublik sei in nur einem Jahrzehnt \u201edie bisherige Tabuisierung des Sexuallebens nahezu v\u00f6llig abgebaut worden, so da\u00df Fragen der Sexualit\u00e4t nunmehr in aller Offenheit er\u00f6rtert werden\u201c. Diese Vorstellung eines radikalen wie schnellen Wandels der Sexualmoral wurde in der Forschung l\u00e4ngst durch die Untersuchung langer historischer Linien, gegenl\u00e4ufiger Bewegungen und Stabilit\u00e4ten der Sexual- und Geschlechterordnung relativiert. Gleichwohl stellten sich die Entwicklungen zeitgen\u00f6ssisch durchaus als abrupter Prozess dar, wobei hier meist Entwicklungen der Medialisierung und Kommodifizierung des Sexuellen Erw\u00e4hnung finden. Die gesellschaftlich breit getragene ideologische wie aktivistische Gegenwehr war bisher jedoch Randnotiz, dabei hatte der sexuelle Wandel in gro\u00dfen Teilen des deutschen Konservatismus und der v\u00f6lkisch-radikalnationalistischen Rechten einen vehementen Gegner. Der Vortrag fokussiert hierf\u00fcr auf drei zeitgen\u00f6ssisch umk\u00e4mpfte Themen: \u201ePornowelle\u201c, schulische Sexualerziehung und homosexuelles Begehren. Es soll ein Ausblick gewagt werden auf die heutige Rechte und deren erfolgreiche Erz\u00e4hlungen vom \u201eGender-Wahn\u201c und \u201eGro\u00dfen Austausch\u201c, die immer auch ein Bild von der den\u201868ern \u00fcberantworteten \u201esexuellen Revolution\u201c enthalten.<\/p>\n<p>Donnerstag, 1. Juni 2023, 18.30 Uhr<br \/>\n<strong>Prof. Dr. Anna H\u00e1jkov\u00e1 (Warwick): Warum wir eine Geschichte der Sexualit\u00e4t des Holocaust brauchen. Eine Einf\u00fchrung. <\/strong><\/p>\n<p>Kooperationsveranstaltung mit der Forschungsgruppe Gewalt-Zeiten der Universit\u00e4t Hamburg und dem Institut f\u00fcr die Geschichte der deutschen Juden<\/p>\n<p>In den letzten zwanzig Jahren wandte sich die Holocaust-Forschung der Sexualit\u00e4t zu, insbesondere der der Verfolgten. Zuerst war es die sexuelle und sexualisierte Gewalt, die langsam in den Fokus des wissenschaftlichen und popul\u00e4ren Interesses r\u00fcckte. Der betr\u00e4chtliche Widerstand, mit dem die Forscher*innen zu diesem Thema anf\u00e4nglich k\u00e4mpfen mussten, hat mittlerweile nachgelassen, und das Thema hat sich in der Forschung etabliert. Dennoch bleibt es ein Minenfeld. Gebiete wie queeres Verlangen, sexueller Tauschhandel, trans* Geschichte oder sexuelle Gewalt unter M\u00e4nnern werden schnell als unpassend oder gar \u201ewoke\u201d abgetan und kritisiert. In diesem Vortrag gehe ich der Frage nach, welche neuen Perspektiven die Geschichte der stigmatisierten Sexualit\u00e4t w\u00e4hrend der Shoah er\u00f6ffnet \u2013 und welche Rolle dabei der Historikerin zukommt.<\/p>\n<p>Donnerstag, 15. Juni 2023, 18.30 Uhr<br \/>\n<strong>Dr. Alina Potempa (Berlin): Der Papst, die Moral und die \u201eStimme der Natur\u201c \u2013 Reden \u00fcber Sex(ualit\u00e4t) im Kontext des \u201ekatholischen &#8217;68\u201c<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber Sex sprach man im Katholizismus im Sp\u00e4tsommer 1968 allerorten. Nachdem Papst Paul VI. Ende Juli mit der Enzyklika Humanae vitae Katholik:innen den Gebrauch k\u00fcnstlicher Empf\u00e4ngnisverh\u00fctungsmittel verboten hatte, brach bei den Gl\u00e4ubigen ein Sturm der Entr\u00fcstung los, der seinesgleichen suchte. Die Frage, wie Sexualit\u00e4t in einer katholischen Ehe zu leben sei, wurde dabei nicht nur abstrakt und in theologischen Kategorien, sondern h\u00e4ufig mittels sehr konkreter Berichte \u00fcber die eigenen sexuellen Erfahrungen verhandelt. Apologetische Stimmen glaubten, in der hitzig gef\u00fchrten Debatte insbesondere \u00fcber die \u201eNatur\u201c der weiblichen Lust gar eine \u201ehysteriforme Massenpsychose\u201c zu erkennen.<br \/>\nNicht zuletzt mit ihren verschiedenartigen Bestrebungen zur diskursiven Normierung einer \u201enat\u00fcrlichen\u201c Sexualit\u00e4t, an die spezifische Geschlechtermodelle gekoppelt waren, stand die katholische Diskussion um Humanae vitae in deutlicher Beziehung zur sogenannten \u201esexuellen Revolution\u201c um 1968 mit ihren K\u00f6rperdiskursen, ihren Wissenskulturen und ihren Politisierungsdimensionen. All dies gilt es im Vortrag in den Blick zu nehmen, liefert doch das \u201ekatholische \u201868\u201c, so soll gezeigt werden, hinreichend Ebenen, Dynamiken und Implikationen, um in einer \u201eZeitgeschichte der Sexualit\u00e4ten\u201c unter keinen Umst\u00e4nden fehlen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Donnerstag, 22. Juni 2023, 18.30 Uhr<br \/>\n<strong>Prof. Dr. Ulrike Schaper (Berlin): \u201eIst ja keine Schande mehr, heutzutage, wo es sogar einen Kolle gibt\u201c \u2013 Sextourismus, Sexotisierung und sexuelle Befreiung seit 1968<\/strong><\/p>\n<p>Der Sextourismus in L\u00e4ndern des Globalen S\u00fcdens entwickelte sich etwa zeitgleich mit einer politisch aufgeladenen Diskussion zur sexuellen Befreiung. W\u00e4hrend der Ausbau eines Massenferntourismus in der Bundesrepublik ab Mitte der 1960er Jahre einsetzte, bef\u00f6rderten sexualpolitische Diskussionen im Umfeld der Studierendenbewegung und der Neuen Linken seit Ende der 1960er Jahre die Aufladung sexueller Befreiung als zentralen Weg gesellschaftlicher Transformation. Sie verst\u00e4rkten l\u00e4ngerfristige Entwicklungen einer Aufl\u00f6sung restriktiver sozialer und rechtlicher Normen und einer Pluralisierung von Moralvorstellungen, sexuellen Einstellungen und Praktiken.<br \/>\nDer Vortrag lotet die Ber\u00fchrungspunkte zwischen diesen beiden Entwicklungen aus. Er zeigt, dass sie nicht nur parallel auftraten, sondern sich immer wieder \u00fcberschnitten und aufeinander bezogen wurden. Dabei geht es nicht nur um teils \u00fcberraschende Bezugnahmen sextouristischer Rechtfertigungen zu sexualpolitischen Bewegungen. Vor allem wird illustriert, wie stark sich Verhei\u00dfungen von sexueller Befreiung mit rassifizierenden und sexotisierenden Imaginationen der Reiseziele verbanden, wie sich antib\u00fcrgerliche Kritik an christlich-westlicher Sexualmoral mit Zivilisationskritik vermischte und welche Begrenzungen und blinde Flecken die Diskussionen um die sexuelle Befreiung kennzeichnete.<\/p>\n<p>Donnerstag, 13. Juli 2023, 18.30 Uhr<br \/>\n<strong>Dr. Andrea Rottmann (Berlin): Stadtgeschichte queeren: Urbane R\u00e4ume zwischen privat und \u00f6ffentlich<\/strong><\/p>\n<p>Am Beispiel von Berlin zwischen 1945 und 1970 geht der Vortrag der Frage nach, was es bedeutet, queere Zeitgeschichte zu schreiben, und warum ein raumhistorischer Zugang daf\u00fcr vielleicht besonders geeignet ist. Stadtbezogene Studien sind ein klassisches Genre in der Geschichte der Homosexualit\u00e4t \u2013 man denke an Eldorado (1984), Gay New York (Chauncey 1994), Queer London (Houlbrook 2005) oder Gay Berlin (Beachy 2014). Viele dieser wichtigen Studien waren aber nicht queer konzipiert \u2013 weder stand im Fokus, wie geschlechtliche und sexuelle Normen auch durch r\u00e4umliche Praktiken konstruiert wurden, noch waren sie an Subjektivit\u00e4ten jenseits m\u00e4nnlicher Homosexueller interessiert (Ausnahmen best\u00e4tigen die Regel). Wie es anders gehen k\u00f6nnte, dazu sollen im Vortrag einige Vorschl\u00e4ge gemacht werden.<\/p>\n<p>Quelle: https:\/\/www.hsozkult.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Forschungsstelle f\u00fcr Zeitgeschichte in Hamburg (Web) Zeit: April bis Juli 2023, donnerstags, 18.30-20.00 Uhr Ort: Forschungsstelle f\u00fcr Zeitgeschichte in Hamburg Sexualit\u00e4ten sind eingebunden in die Geschlechter- und Gesellschaftsordnungen ihrer Zeit. 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