{"id":741,"date":"2007-12-20T10:35:37","date_gmt":"2007-12-20T08:35:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=741"},"modified":"2022-05-19T16:22:11","modified_gmt":"2022-05-19T16:22:11","slug":"cfp-fur-heft-022008-der-femina-politica-reprasentation-im-wandel-deadline-070108","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=741","title":{"rendered":"CfP f\u00fcr Heft 02\/2008 der Femina Politica: Repr\u00e4sentation im Wandel, Deadline: 07.01.08"},"content":{"rendered":"<p>Seit zwei Jahren regiert in Deutschland eine Bundeskanzlerin. Die erste \u00dcberraschung dar\u00fcber ist verflogen und anders als im Wahljahr selbst wird &#8222;Geschlecht&#8220; kaum mehr thematisiert, wenn es um Entscheidungen, Regierungsstil oder Auftreten von Frauen in politischen Spitzenfunktionen geht. Hat sich damit das einst zentrale Thema &#8222;<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.femina-politica.de\" rel=\"noopener\">Frauen in der (institutionellen) Politik<\/a>&#8220; der alten Frauenbewegung und der politikwissenschaftlichen Frauen- und Geschlechterforschung erledigt? Ganz sicher nicht. Zum einen ist die politische Sph\u00e4re noch immer eine m\u00e4nnliche Dom\u00e4ne, und es sind \u00fcberwiegend M\u00e4nner, die auf nationaler, europ\u00e4ischer und weltweit transnationaler Ebene die politischen Entscheidungen treffen. Zum anderen erfolgt die geschlechterdifferenzierte Verteilung der politischen Positionen zumeist entlang der Achse von &#8222;weichen&#8220;<br \/>\nPolitikfeldern wie Familien-, Gesundheits- und Bildungspolitik einerseits und &#8222;harten&#8220; Politikfeldern wie Au\u00dfen-, Finanz- oder Sicherheitspolitik andererseits.<!--more--><br \/>\nJenseits dieser noch immer deutlichen deskriptiven Unterrepr\u00e4sentation von Frauen in Parteien,<br \/>\nParlamenten und Regierungen steht das Beispiel Angela Merkel &#8211; und anderer exponierter Politikerinnen &#8211; stellvertretend f\u00fcr das insbesondere in der feministischen Auseinandersetzung diskutierte Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen der (symbolischen) Vertretung einer Gruppe (Frau sein bzw. &#8222;standing for&#8220;) und dem (substanziellen) Handeln f\u00fcr eine Gruppe (f\u00fcr Frauen handeln bzw. &#8222;acting for&#8220;). Zugespitzt lautet die Frage, ob Frauen an der politischen Spitze zu einer besseren Repr\u00e4sentation oder Interessenvertretung von Frauen beitragen. Eine Analyse dieses Spannungsverh\u00e4ltnisses kann z.B. entlang der von Judith Squires vorgeschlagenen vier einfachen<br \/>\nInterrogativpronomen &#8222;was, wie, wo und weshalb wird repr\u00e4sentiert?&#8220; durchgef\u00fchrt werden. Aus einer feministischen Perspektive geht es somit zum einen darum, wie der Anteil von Frauen in der institutionellen Politik erh\u00f6ht werden kann. Hierf\u00fcr ist es erforderlich, die formellen und informellen Barrieren (z.B. Sozialisationsmuster, Rekrutierungs- und Wahlverfahren, m\u00e4nnlich gepr\u00e4gte politische Kultur, m\u00e4nnerb\u00fcndische Strukturen) einer gleichberechtigten Teilhabe bzw. Repr\u00e4sentation von Frauen zu analysieren sowie nach Verkn\u00fcpfungen zwischen diesen Faktoren zu suchen.<br \/>\nZum anderen steht die Frage im Raum, ab welcher Schwelle eine numerische Erh\u00f6hung von Frauen zu qualitativen Ver\u00e4nderungen f\u00fchrt (z.B. im Rahmen der &#8222;Critical-Mass&#8220;-Theorie). In diesem Zusammenhang ist insbesondere auch kritisch zu diskutieren, mit welchen Erwartungen und Inhalten eine verst\u00e4rkte Repr\u00e4sentation von Frauen verbunden wird. Die Erkenntnis, dass es sich bei Frauen um keine homogene Gruppe mit kollektiver Identit\u00e4t und kollektivem Interesse handelt sowie die \u00dcberschneidung von verschiedenen Ungleichheitsdimensionen, wie sie im Zuge der Auseinandersetzung \u00fcber Intersektionalit\u00e4t herausgearbeitet wurde, hat die Existenz von Fraueninteressen in Frage gestellt. Die Ersetzung des Begriffes Interesse durch Bed\u00fcrfnisse &#8211; wie sie von Anne Phillips in die Debatte gebracht wurde &#8211; kn\u00fcpft an die \u00dcberlegung an, dass es<br \/>\nlebenslaufspezifische geteilte Problemlagen von Frauen gibt (z.B. Kinder und daraus folgend die Herausforderung, Vereinbarkeits- und Careprobleme zu l\u00f6sen).<br \/>\nDar\u00fcber hinaus fokussiert die (feministische) Repr\u00e4sentationsforschung bislang die institutionelle<br \/>\nPolitik, insbesondere Parteien und Parlamente. Es ist allerdings zu beachten, dass bestimmte Themen auf ganz anderen Ebenen verhandelt werden (supra-national, regional und lokal). Zugleich bleibt m\u00f6glicherweise eine substantielle Repr\u00e4sentation von Frauen in den demokratisch legitimierten Arenen insofern ohne substantielle Einflussnahme, weil diese selbst an Bedeutung verlieren (&#8222;Entmachtung der Parlamente&#8220;) gegen\u00fcber Lobbygruppen, Wirtschaftsverb\u00e4nden, der Ministerialb\u00fcrokratie etc. Dies betrifft auch eine verst\u00e4rkte<br \/>\nDemokratisierung von Entscheidungsprozessen: Einerseits wird mit der Governance-Diskussion Hoffnung auf eine weitere Demokratisierung gesetzt, da damit h\u00e4ufig inklusive, partizipatorische Verhandlungsregime und die<br \/>\nEinbeziehung zivilgesellschaftlicher Akteure verbunden werden. Damit k\u00f6nnen sich potenziell die Einflusschancen von Frauen verbessern. Andererseits ist jedoch zu beobachten, dass zunehmend politische Entscheidungen faktisch von \u00f6konomischen Interessen und Interessengruppen beeinflusst werden, deren Repr\u00e4sentanten nicht nur nicht demokratisch legitimiert sind, sondern die sich dar\u00fcber hinaus vielfach als elit\u00e4rer M\u00e4nnerclub beschreiben lassen.<br \/>\nWir bitten deshalb um die Einreichung von Abstracts zu den folgenden<br \/>\nThemenfeldern:<br \/>\nI. Deskriptive Repr\u00e4sentation<br \/>\nEmpirische, auch international vergleichende Beitr\u00e4ge, die sich mit den kulturellen, institutionellen und sozialstrukturellen Determinanten der (Unter-)Repr\u00e4sentation von Frauen in der Politik auseinandersetzen. Dar\u00fcber hinaus von Interesse sind Beitr\u00e4ge, die sich mit der medialen Darstellung von Politikerinnen und ihrer inhaltlichen Politik auseinandersetzen.<br \/>\nII. Substanzielle Repr\u00e4sentation<br \/>\nDie Auseinandersetzung \u00fcber Repr\u00e4sentation ist eng verbunden mit der Frage, welche inhaltlichen Erwartungen mit einer st\u00e4rkeren Repr\u00e4sentation von Frauen verbunden werden. Gibt es so etwas wie eine Politik f\u00fcr Frauen? Und wenn ja, wie s\u00e4he diese aus? Bedarf es eines &#8222;strategischen Essentialismus&#8220; (Benhabib)? Was zeichnet eine Politik aus, die mehr Geschlechtergerechtigkeit herstellt? Ver\u00e4ndert sich durch die Teilhabe an Macht die Haltung gegen\u00fcber tendenziell eher machtlosen Gruppen?<br \/>\nIII. Politik als Beruf ? Professionalisierung und Selbstverst\u00e4ndnis Max Webers Konzept &#8222;Politik als Beruf&#8220; ist kein geschlechtsneutrales Konzept, sondern ist zum einen von m\u00e4nnlich gepr\u00e4gten Begriffen und Kategorien bestimmt (z.B. F\u00fchrer, Held, Br\u00fcderlichkeit), zum anderen wird Weiblichkeit mit Unf\u00e4higkeit gleichgesetzt. Wie k\u00f6nnte eine Reformulierung dieses Konzeptes aussehen? Hat sich das Berufsbild von PolitikerInnen<br \/>\ninsgesamt gewandelt und wenn ja, mit welchen Attributen ist es versehen? Unterscheiden sich die Berufsbilder oder das Selbstverst\u00e4ndnis von Politikerinnen und Politikern? Und welcher Zusammenhang besteht zwischen Politik und Pers\u00f6nlichkeit?<br \/>\nIV. Macht und Einfluss jenseits der institutionellen Politik Welche Gruppen bzw. Organisationen sind neben Parteien und Parlamenten am politischen Entscheidungsprozess beteiligt? Auf welchen Ebenen agieren sie, und wie sehen die Politikformen aus? Nach welchen Verfahren erfolgt ihre Zusammensetzung, und wie sind<br \/>\nFrauen darin vertreten? Welche Chancen bzw. Barrieren bestehen f\u00fcr die Umsetzung von Geschlechterpolitiken?<br \/>\nDer Schwerpunkt wird inhaltlich von PD Dr. Beate Hoecker (Gastherausgeberin) und Dr. des. Alexandra Scheele (Redaktion) verantwortet.<br \/>\nWir bitten um ein- bis zweiseitige Abstracts (per mail) bis zum _7. Januar 2008_ an<br \/>\nPD Dr. Beate Hoecker (b.hoecker#ipw.uni-hannover.de) oder an<br \/>\nDr. des. Alexandra Scheele (ascheele#unipotsdam.de)<br \/>\nDie Femina Politica versteht sich als feministische Fachzeitschrift und f\u00f6rdert Frauen in der Wissenschaft. Deshalb werden inhaltlich qualifizierte Abstracts von Frauen bevorzugt.<br \/>\nDie Herausgeberinnen werden auf der Basis der eingereichten Vorschl\u00e4ge Beitr\u00e4ge ausw\u00e4hlen und die AutorInnen benachrichtigen. Der Abgabetermin f\u00fcr die fertigen Beitr\u00e4ge im Umfang von 25.000 bis max. 30.000 Zeichen (inklusive Leerzeichen) ist der 15. Mai 2008.<br \/>\nxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx<br \/>\nRedaktion der Femina Politica<br \/>\nZeitschrift f\u00fcr feministische Politik &#8211; Wissenschaft<br \/>\nc\/o Humboldt Universit\u00e4t Berlin<br \/>\nLandwirtschaftlich-G\u00e4rtnerische Fakult\u00e4t<br \/>\nInstitut f\u00fcr Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus<br \/>\nLuisenstr. 56, 10099 Berlin<br \/>\nE-Mail: redaktion#femina-politica.de<br \/>\nWeb:    <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.femina-politica.de\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.femina-politica.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit zwei Jahren regiert in Deutschland eine Bundeskanzlerin. Die erste \u00dcberraschung dar\u00fcber ist verflogen und anders als im Wahljahr selbst wird &#8222;Geschlecht&#8220; kaum mehr thematisiert, wenn es um Entscheidungen, Regierungsstil oder Auftreten von Frauen in politischen Spitzenfunktionen geht. 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