{"id":75367,"date":"2024-03-25T02:04:00","date_gmt":"2024-03-25T02:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=75367"},"modified":"2024-03-22T07:07:27","modified_gmt":"2024-03-22T07:07:27","slug":"workshop-freundschaftsbriefe-im-20-jahrhundert-05-04-2024-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=75367","title":{"rendered":"Workshop: Freundschaftsbriefe im 20. Jahrhundert, 05.04.2024, Berlin"},"content":{"rendered":"<p><strong>Leibniz-Zentrum f\u00fcr Literatur- und Kulturforschung, Falko Schmieder und Leibniz Institute for Jewish History and Culture, Simon Dubnow<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/veranstaltungen-detail\/items\/freundschaftsbriefe-im-20-jahrhundert.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(Web)<\/a><\/p>\n<p>Zeit: 05.04.2024<br \/>\nOrt: Berlin<\/p>\n<p>\u00bbSoll ich Ihnen danken? In welcher Form? Um wieviel leichter k\u00f6nnte ich einen ganzen Roman erfinden, als die w\u00fcrdige und herzliche Art treffen, meine Dankbarkeit auszusprechen. Wo hatte ich je einen solchen Freund, wie Sie es sind?\u00ab Dies schrieb der Schriftsteller Joseph Roth im Juli 1934 aus Marseille an Stefan Zweig, der ihn in den unsicheren ersten Monaten der Emigration umfassend unterst\u00fctzte. In diesem Brief suchte Roth nicht nur nach Worten des Danks, sondern auch nach einem treffenden Bild, das die ungleiche Freundschaft mit dem ber\u00fchmten Kollegen zu fassen vermochte \u2013 und er w\u00e4hlte die markante Metapher \u00bbeines Kahns auf offenem Meer, der einem Dampfer begegnet\u00ab. Es geh\u00f6rt zur Pointe des Briefs und auch zur Besonderheit seines Verfassers, dass Roth das Nebeneinander dieser so ungleich erscheinenden Freundschafts-Boote sogleich ausdeutet. Er zog aus dem Vergleich nicht nur den naheliegenden Schluss, dass es f\u00fcr den kleinen Kahn schwieriger sei, \u00bbdiese Freundschaft zu tragen\u00ab, sondern \u00fcberraschenderweise auch die umgekehrte Wertung: f\u00fcr die soziale Konstellation mag das Verh\u00e4ltnis von Gebendem und Empfangendem eindeutig sein, nicht aber f\u00fcr die Idee der Freundschaft; hier ist es auch der Schuldner, der das Gewicht der Freundschaft gleichberechtigt mittr\u00e4gt, auf dem sie sozusagen ganz unmittelbar ruht.<br \/>\nDieser Ausschnitt aus einer einzigen Korrespondenz in den aufgew\u00fchlten Zeitl\u00e4ufen Mitte des 20. Jhds. verweist nicht nur auf die besondere Funktion und Notwendigkeit von Briefen zwischen Freundinnen und Freunden, sondern auch auf die vielen Paradoxien, die sie zu einem Erkenntnisinstrument machen: Wer treibt an, wer bremst? Wer gibt und wer nimmt? Wer tr\u00e4gt, wer wird getragen? Wieviel N\u00e4he, wieviel Offenheit und Ehrlichkeit und wieviel Kritik hat in diesen Briefgespr\u00e4chen Platz? Neben Gemeinsamkeiten und Sympathien: Wie werden Unterschiede und Dissens zum Thema? Freundschaftsbriefe sind immer Dokumente einer Beziehung, die nicht durch die Geburt vorgegeben wird, sondern die selbstgew\u00e4hlt ist: So ist Freundschaft \u2013 durch Briefe ausgedr\u00fcckt und in Briefen beschworen \u2013 immer schon ein Akt der Souver\u00e4nit\u00e4t, ganz unabh\u00e4ngig von den Inhalten, die in Briefen zum Ausdruck kommen. Ein Gespr\u00e4ch wird verlangsamt durch Briefe, in ihnen nimmt Freundschaft als \u00bbeine Form der Heimat\u00ab (Philipp Lenhard) Gestalt an. <!--more-->Dem Austausch zwischen Roth und Zweig, ein Klassiker des Genres, lassen sich viele weitere Beispiele an die Seite stellen, man denke nur an das umfassende Briefwerk Hannah Arendts, in dem Freundschaftsbriefe der gr\u00f6\u00dfte Teil sind.<\/p>\n<p><strong>Programm <\/strong><a href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/veranstaltungen-detail\/items\/freundschaftsbriefe-im-20-jahrhundert.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(Web)<\/a><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>10.15 Uhr <strong>Begr\u00fc\u00dfung und Er\u00f6ffnung<\/strong><\/p>\n<p>Eva Geulen und Falko Schmieder (Leibniz-Zentrum f\u00fcr Literatur- und Kulturforschung: ZfL), Yfaat Weiss und Nicolas Berg (Leibniz Institute for Jewish History and Culture, DI)<\/p>\n<p>10.30 Uhr <strong>Die Erfahrung des Exils<\/strong><\/p>\n<p>Felix Steilen (DI): Der Blick zur\u00fcck nach Europa: Beobachtungen zu einer brieflichen Konfiguration der 1930er Jahre<br \/>\nChristoph Hesse (ZfL): \u00bb\u00dcber den Ozean ausgestreckte Hand. Tut sehr gut &#8230;\u00ab: Freunde auf der Flucht \u2013 Hermann Borchardt und George Grosz<\/p>\n<p>13.30 Uhr <strong>Literatur und Wissenschaft<\/strong><\/p>\n<p>Zahiye Kundos (DI): The Journal as Letterbox: Contesting the Spirit of Modern Arabic Literature in 1933<br \/>\nMagdalena Gronau, Martin Gronau (ZfL): \u00bbEine Mischung von saugrob und z\u00e4rtlich\u00ab: Gelehrte Kritik in Korrespondenzen von befreundeten Physikern im Exil<\/p>\n<p>15.45 Uhr <strong>Aufbruch ins Neue<\/strong><\/p>\n<p>John de Lima (DI): Pseudonyme Autorschaft in Franz Rosenzweigs Freundschaftsbriefen<br \/>\nZaal Andronikashvili (ZfL): Louis Althusser und Merab Mamardashvili: Freundschaft und Ideologie diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leibniz-Zentrum f\u00fcr Literatur- und Kulturforschung, Falko Schmieder und Leibniz Institute for Jewish History and Culture, Simon Dubnow (Web) Zeit: 05.04.2024 Ort: Berlin \u00bbSoll ich Ihnen danken? 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