{"id":819,"date":"2008-01-30T12:56:34","date_gmt":"2008-01-30T10:56:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/Geschichte\/salon21\/?p=819"},"modified":"2022-05-19T16:21:55","modified_gmt":"2022-05-19T16:21:55","slug":"cfp-macht-und-ohnmacht-autobiographischen-erzahlens-grundlagentheoretische-fragen-und-interdisziplinare-perspektiven-event-deadline-200208","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/salon21.univie.ac.at\/?p=819","title":{"rendered":"CfP: Macht und Ohnmacht auto\/biographischen Erz\u00e4hlens. Grundlagentheoretische Fragen und interdisziplin\u00e4re Perspektiven (Event), Deadline: 20.02.08"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jahrestagung der <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.soziologie.de\/sektionen\/b02\/\" rel=\"noopener\">Sektion Biographieforschung<\/a><\/strong><strong><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.soziologie.de\/sektionen\/b02\/\" rel=\"noopener\"> in der DGS<\/a>, Flensburg<\/strong><\/p>\n<p>Datum: 10.-12.07.2008<br \/>\nOrt: Universit\u00e4t Flensburg<br \/>\n<strong>Deadline:<\/strong> 20.02.2008<\/p>\n<p>\u201eErz\u00e4hlung\u201c als kulturelles (Re-)Pr\u00e4sentationsformat und \u201eErz\u00e4hlen\u201c als spezifischer Modus kommunikativer Praxis geh\u00f6ren zu den theoretische Kernkonzepten der sozialwissenschaftlichen Biographieforschung. In Deutschland haben vor allem Fritz Sch\u00fctzes sprachsoziologische Arbeiten zur Fundierung der Biographieforschung beigetragen und den Nutzen eines erz\u00e4hltheoretischen Zugangs f\u00fcr empirische soziologische Forschung deutlich gemacht. Das \u201enarrative Interview\u201c<!--more-->, von Sch\u00fctze Mitte der 1970er Jahre entwickelt, ist ein prominent gewordenes Ergebnis dieser Arbeiten, das heute, ebenso wie eine Reihe weiterer narrationsanalytischer Verfahren, einen festen Platz im Kanon qualitativer Sozialforschung gefunden hat. Angesichts der Selbstverst\u00e4ndlichkeit der Verwendung narrativer Erhebungsmethoden und erz\u00e4hlanalytischer Verfahren werden die grundlagentheoretischen Fragestellungen, erz\u00e4hltheortischen Pr\u00e4missen und methodologischen \u00dcberlegungen, die zur Entwicklung und Ausgestaltung dieser Forschungsmethoden gef\u00fchrt haben, allerdings nur noch selten thematisiert.<\/p>\n<p>Auch unabh\u00e4ngig von den Forschungspraxen rund um das narrative Interview sind erz\u00e4hltheoretische Grundlagenfragen seit der \u201eEntdeckung\u201c dieses Zugangs in der Soziologie seit langem nicht mehr diskutiert worden. Dabei gab und gibt es Fragen, die nach wie vor offen sind und die erkenntnistheoretischen und methodologischen Grundlagen der Biographieforschung betreffen: z.B. Fragen nach<\/p>\n<p>\u2022 der Historizit\u00e4t und kulturellen Kontextualit\u00e4t narrativer Darstellungsformen: Kann Erz\u00e4hlen als ein universales kognitives Muster angenommen werden oder ist es an (eine) bestimmte Kultur(en) gebunden? Wie relevant sind historische und kulturelle Differenzen? Welche Differenzierungen narrativer Schemata finden sich in historischen und interkulturell vergleichenden Forschungen und welche Konsequenzen ergeben sich daraus f\u00fcr die Praxis der Biographieforschung?<\/p>\n<p>\u2022 dem Verh\u00e4ltnis von \u201egro\u00dfen\u201c und \u201ekleinen\u201c Erz\u00e4hlungen und den daran gebundenen Konstruktionen kollektiver und individueller Identit\u00e4t: Welchen Wirklichkeitsstatus haben auto\/biographische Erz\u00e4hlungen, angesichts des \u201eEndes der gro\u00dfen Erz\u00e4hlungen\u201c? Wie h\u00e4ngen individuelle Lebensgeschichten mit der \u201egro\u00dfen Geschichte\u201c und ihrem \u201eZerbrechen\u201c zusammen? Aber auch: Gilt f\u00fcr \u201enarrative Identit\u00e4t\u201c die gleiche Kritik, die insbesondere von poststrukturalistischen Ans\u00e4tzen an Identit\u00e4tstheorien formuliert wurde, oder bietet ein narrativer Ansatz gerade einen neuen, nicht identit\u00e4tslogisch festschreibenden Zugang zum Problem der Identit\u00e4t?<\/p>\n<p>\u2022 den Spielr\u00e4umen und Grenzen f\u00fcr narrative Konstruktionen des Selbst: Welche Freir\u00e4ume haben Subjekte, wenn sie ihre Geschichte erz\u00e4hlen? Inwiefern sind sie immer schon \u201ein Geschichten verstrickt\u201c (Schapp) und unterliegen dem Zwang historischkultureller Erz\u00e4hltraditionen? Und: Welche Zw\u00e4nge \u00fcbt das Erz\u00e4hlen selbst aus? Erz\u00e4hlen wir unser Leben oder leben wir unsere Erz\u00e4hlungen? Kann auto\/biographisches Erz\u00e4hlen gar als \u201edas\u201c machtvolle Prinzip moderner Selbstkonstruktion betrachtet werden? Unter welchen Bedingungen wird ein Erz\u00e4hlen des Selbst m\u00f6glich\/verunm\u00f6glicht und welche Effekte bringt es hervor?<\/p>\n<p>Grundlagenfragen dieser Art sollen im Mittelpunkt der Tagung stehen und zu Beitr\u00e4gen anregen. Um sie angemessen diskutieren zu k\u00f6nnen, ist geplant, auch Konzepte und Zug\u00e4nge aus anderen Disziplinen und interdisziplin\u00e4ren Diskursen einzubeziehen, die sich grundlegend mit dem Ph\u00e4nomen Erz\u00e4hlen besch\u00e4ftigen: Sozio- und Psycholinguistik, Geschichtswissenschaft, Psychologie, Philosophie, Literaturwissenschaft, Gender Studies, Cultural Studies u.a. Der Zugang \u00fcber Disziplinen und Forschungsrichtungen soll allerdings nicht zum Ordnungsprinzip der Tagung werden. Vielmehr soll das Thema \u00fcber Fragestellungen und Schwerpunkte erschlossen werden.<\/p>\n<p>Zur Orientierung f\u00fcr die Einreichung von Abstracts k\u00f6nnen vier Fragenkomplexe dienen:<\/p>\n<p>(1) Konstruktion \u2013 Repr\u00e4sentation \u2013 Fiktion? Erkenntnistheoretische Fragen nach dem Status von Narrationen in der Biographieforschung und anderen Forschungszusammenh\u00e4ngen;<br \/>\n(2) \u201eIn Geschichte(n) verstrickt\u201c \u2013 Geschichte(n) als sozialer Zwang und Bearbeitungsmaterial f\u00fcr individuelle und kollektive Sinnproduktion: Gestaltungsspielr\u00e4ume und soziale Normierungen auto\/biographischer Erz\u00e4hlungen;<br \/>\n(3) Identit\u00e4t und Kultur \u2013 Erz\u00e4hlen als kulturelle Praxis der Herstellung von Identit\u00e4t;<br \/>\n(4) Ausschl\u00fcsse, Differenzen, Verstummen und Verhinderung narrativer Kommunikation, Erz\u00e4hlen, Zuh\u00f6ren und Wegh\u00f6ren im Kontext von diskrepanten kollektivgeschichtlichen Bez\u00fcgen, Konfliktsituationen und Machtdifferenzen.<br \/>\nNeben diesen grundlagentheoretisch ausgerichteten Fragenkomplexen wird es eine Session geben, in der exemplarisch die gesellschaftspolitische Relevanz von Erz\u00e4hlen (z.B. im Kontext politischer Konfliktbearbeitung) untersucht wird.Wir bitten um die Einreichung von Abstracts von max. 1 Seite bis zum 20. Februar 2008 an: bettina.dausien#uni-flensburg.de<\/p>\n<p>Auf Basis der eingereichten Abstracts wird bis ca. Mitte M\u00e4rz ein vorl\u00e4ufiges Programm erstellt und auf der Homepage der Sektion ver\u00f6ffentlicht, so dass eine fr\u00fchzeitige Anmeldung zur Tagung m\u00f6glich ist. Das Organisationsteam freut sich \u00fcber Hinweise auf interessante Ans\u00e4tze und Projekte zum Tagungsthema, insbesondere aus benachbarten Disziplinen.<\/p>\n<p>Kontakt:<br \/>\nProf.in Dr.in Bettina Dausien<br \/>\nInstitut f\u00fcr Allgemeine P\u00e4dagogik und Erwachsenenbildung\/Weiterbildung<br \/>\nUniversit\u00e4t Flensburg<br \/>\nAuf dem Campus 1<br \/>\n24943 Flensburg<br \/>\nbettina.dausien&#8217;uni-flensburg.de<\/p>\n<p>URL des CfP: http:\/\/hsozkult.geschichte.hu-berlin.de\/termine\/id=8634<\/p>\n<p><strong \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jahrestagung der Sektion Biographieforschung in der DGS, Flensburg Datum: 10.-12.07.2008 Ort: Universit\u00e4t Flensburg Deadline: 20.02.2008 \u201eErz\u00e4hlung\u201c als kulturelles (Re-)Pr\u00e4sentationsformat und \u201eErz\u00e4hlen\u201c als spezifischer Modus kommunikativer Praxis geh\u00f6ren zu den theoretische Kernkonzepten der sozialwissenschaftlichen Biographieforschung. 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