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Klicktipp: Margareth Lanzinger und Waltraud Schütz: Die übersehenen Berufstätigen des 19. Jahrhunderts (Diskussion, online zum Nachhören)

Ö1-Podcast „Science Arena“ | Neue Reihe des Radiokulturhauses „1848, die Frauen und weiter“ (Web)

Im Wirtschaftsleben hatten Frauen im 19. Jahrhundert annähernd dieselben Rechte wie Männer – beispielsweise ein Gewerbe zu führen. Gleichzeitig waren sie rechtlich dem Mann als Familienoberhaupt unterstellt, was dazu führte, dass oft nur ledige, geschiedene und verwitwete Frauen von diesen Rechten Gebrauch machen konnten – zumindest in bürgerlichen Kreisen. Im Handwerk und in der Arbeiter:innenschaft war die berufstätige Frau die Norm.
Wie die Situation der Frauen de jure und de facto in den unterschiedlichen Gesellschaftsschichten aussah, diskutierten die Historikerinnen Margareth Lanzinger (Univ. Wien) und Waltraud Schütz (ÖAW) bei den ORF-Journalistinnen Irene Suchy und Katharina Gruber am 2. Juni 2025 im RadioCafe im Rahmen der Reihe „1848, die Frauen und weiter“.

Online verfügbare Aufnahmen zum Nachhören:

  • Folge des Podcasts „Science Arena“ (52:40 Minuten) (Web)
  • Bericht von Katharina Gruber auf orf.at inklusive Videoaufnahme der Diskussion (26.12.2025) (Web)

Weitere Folge der Reihe:

  • Gabriella Hauch und Veronika Helfert: Der Kampf um Frauenrechte im 19. Jahrhundert (27.05.2025) (Web)

Reihe in Kooperation mit ORF Topos und Ö1.

Klicktipp: Die Blattmacherinnen. Als Frauen in Redaktionen das Wort ergriffen (Online-Ausstellung)

Ariadne an der Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) (Web)

Ariadne, die frauen- und genderspezifische Informations- und Dokumentationsstelle der ÖNB, hat eine neue Web-Ausstellung mit dem Titel „Die Blattmacherinnen“ kuratiert. Zu sehen ist die Schau bis März 2026 auf der Website der ÖNB, gestaltet wurde sie von Andrea Reisner von Andrea Gruber.

Rubriken (Web)

  • Frauen zwischen den Zeilen. Geschlecht und Journalismus um 1900
  • Bürgerliche Revolutionärin. Marie Lang und die „Dokumente der Frauen“
  • Sprachrohr der Unzufriedenen. Adelheid Popp und die „Arbeiterinnen-Zeitung“
  • Journalistin im Dienste Gottes. Hanny Brentano und die „Österreichische Frauenwelt“
  • Schreiben ohne Korsett. Fanny Burckhard und die „Wiener Mode“
  • Blattmacherinnen im Interview. 2025: Fünf Journalistinnen geben Einblick in ihre Arbeit

Sie prägten Debatten, setzten Themen und führten Redaktionen – dennoch sind ihre Namen heute kaum bekannt. Die neue Online-Ausstellung der ÖNB rückt jene Frauen ins Zentrum, die bereits um 1900 in einer männlich dominierten Medienlandschaft Redaktionen leiteten und dabei eigene journalistische Wege gingen. Anhand von Zeitungsausschnitten, Titelblättern, Dokumenten und Fotografien porträtiert diese Online-Ausstellung vier „Blattmacherinnen“, die um die Jahrhundertwende Geschichte(n) schrieben: Die bürgerliche Frauenrechtsaktivistin Marie Lang, die Sozialdemokratin Adelheid Popp, die katholische Publizistin Hanny Brentano und die Modeschriftstellerin Fanny Burckhard. Auch in die Gegenwart wird eine Brücke geschlagen: In Video-Interviews berichten fünf österreichische Journalistinnen über ihre Erfahrungen und Herausforderungen an der Spitze von Redaktionen. Weiterlesen … (Pressemeldung)

Ariadne
Weiterführende Informationen zur frauen- und genderspezifische Informations- und Dokumentationsstelle (Web)

Klicktipp: „fernetzt – der Blog“ wird zehn! Der Wissenschaftsblog für Frauen- und Geschlechtergeschichte feiert Jubiläum

fernetzt – Wissenschaftsblog für Frauen- und Geschlechtergeschichte (Web)

Im November 2015 startete der fernetzt-Blog mit einem Wunsch: einen digitalen Raum zu schaffen, in dem junge Forscher*innen der Frauen- und Geschlechtergeschichte ihre Arbeiten teilen können. Zehn Jahre später ist aus dieser Idee eine lebendige Plattform geworden, die Forschungsergebnisse, Debatten und Perspektiven über Fach- und Ländergrenzen hinweg sichtbar macht.

120 Beiträge, 100 Stimmen – ein Jahrzehnt Bloggeschichte
Bisher sind auf dem wissenschaftlichen Gemeinschaftsblog über 120 Beiträge von mehr als 100 Autor*innen aus dem In- und Ausland erschienen. Sie stellen aktuelle Forschungsprojekte vor, diskutieren interdisziplinäre Methoden, erschließen seltenes Quellenmaterial und präsentieren feministische Projekte und Debatten. Die Beiträge erscheinen auf Deutsch oder Englisch und richten sich sowohl an die wissenschaftliche Fachcommunity als auch an die interessierte Öffentlichkeit. „Wissenschaftliches Bloggen ergänzt klassische Publikationen und macht die Themen der Frauen- und Geschlechtergeschichte einem breiteren Publikum zugänglich. Unser Blog zeigt, wie facettenreich feministische Forschung ist“, so das Redaktionsteam, das aktuell aus acht ehrenamtlichen Mitgliedern besteht.

Ein wachsendes Netzwerk
Trägerin des Blogs ist der Verein „fernetzt – Junges Forschungsnetzwerk Frauen- und Geschlechtergeschichte“, gegründet 2011 von einer Gruppe junger Historikerinnen in Wien. Ziel des Vereins ist es, der Vereinzelung in der Wissenschaftspraxis entgegenzuwirken und einen offenen, nicht hierarchischen Raum zu schaffen, in dem Forschung, Forschungsalltag und feministische Perspektiven geteilt, diskutiert und weitergedacht werden können. Aus der anfänglich 5-köpfigen Gruppe ist inzwischen ein stetig wachsendes Netzwerk geworden, das feministische Wissenschaft stärkt – innerhalb und außerhalb akademischer Räume, digital und analog. Neben der Blogarbeit organisiert fernetzt regelmäßig Veranstaltungen wie die Forschungswerkstatt „fernetzt eure Projekte“, feministische Pubquizze und Stammtische und ist an der Vortragsreihe „Geschichte am Mittwoch“ an der Univ. Wien (Web) beteiligt. Ergänzt werden die Aktivitäten durch einen offenen Mailverteiler sowie Social-Media-Kanäle auf Instagram, Bluesky und Facebook.

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Klicktipp: frauenmuseum.space. Interviews und Objekte aus der Sammlung des Frauenmuseums Hittisau (Portal)

Sammlung des Frauenmuseums Hittisau (Web)

Das Frauenmuseum Hittisau öffnen Teile seiner Sammlung im virtuellen Raum: 55 narrative Interviews und zahlreiche ausgewählte Objekte erzählen Geschichten von Frauen, ihrem Alltag, ihrer Lebensrealität und ihrem kreativen, politischen sowie gesellschaftlichen Wirken. Sie geben damit Einblicke in kaum Gehörtes oder fast Vergessenes. Diese sind jetzt auf der Website frauenmuseum.space online frei zugänglich.
Die Sammlung des Frauenmuseum Hittisau dokumentiert das vielfältige Wirken von Frauen in Geschichte, Kultur und Gesellschaft. Sie umfasst Objekte, Tondokumente, Kunstwerke und Alltagsgegenstände, die weibliche Lebensrealitäten sichtbar machen. Der Schwerpunkt liegt auf Objekten mit regionalen Bezügen, eingebettet in internationale Kontexte. Teile der Sammlung bilden den fixen Bestand des Musems, andere funktionieren als „dislozierte Sammlung“: Objekte werden dem Museum temporär überlassen, um sie zu erforschen, zu dokumentieren und in Folge – angereichert mit Wissen, Erinnerung und Würdigung – wieder in den ursprünglichen Kontext zurückzugeben. Die Sammlung wächst kontinuierlich und bildet die Grundlage für forschungsbasierte Ausstellungen und Bildungsarbeit.

Interviews: Feste. Kämpfe. 100 Jahre Frauentag | Pflege das Leben | Das Dach über mir | Zwischen den Welten

Objekte: Gestickte Moral | Salzmann Nachlass

Feste. Kämpfe. 100 Jahre Frauentag – Interviews (Web)
Im Rahmen der Ausstellung „Feste. Kämpfe. 100 Jahre Frauentag“ (2011-2012) thematisierte ein eigener Ausstellungsteil die Situation von Frauen in Vorarlberg und setzt sie mit den Bemühungen der verschiedenen frauenbewegten Gruppierungen in Beziehung. Dabei sind Audiointerviews rund um die Frauenorganisationen im Bregenzerwald entstanden. In sieben Interviews berichten Vertreterinnen unterschiedlicher Ortsgruppen der Frauenbewegung sowie des Frauennetzwerkes über ihre Motivation und Art des Engagements, über Ihre Tätigkeiten und Herausforderungen sowie das Verhältnis zum Internationalen Frauentag.

Pflege das Leben – Interviews (Web)
Die Ausstellung „Pflege das Leben. Betreuung* Pflege* Sorgekultur“ (2017-2018) widmete sich der Kultur­geschichte der Pflege mit dem Fokus auf Frauengeschichte. Continue reading

Klicktipp: Women’s Labour Activism (new Website)

ZARAH: Women’s labour activism in Eastern Europe and transnationally (Web)

On 26.09.2025 ZARAH launched Women’s Labour Activism – a public history website showcasing the stories of women activists from Central, Eastern and Southeastern Europe who fought to improve women’s position in the world of work.

The project amplifies their contributions to the struggle for a fairer society. Built on more than five years of academic research, the website uses the possibilities of digital storytelling to present women’s life stories, activism and networks in an accessible, interconnected and richly illustrated way. It is designed for students discovering new topics, activists drawing inspiration from past struggles, teachers and scholars seeking classroom resources and digital historians looking for innovative examples. The goal is for the website to become a reliable and enriching English-language resource for anyone interested in women’s history, labour activism and the region. (Web)

Categories
Activism (Web)
People (Web)
Networks (Web)
Sources (Web)
Essays (Web)

Team: The website was conceptualized, written and curated by team member Zhanna Popova, with the full support of the ZARAH team. The design and development were carried out by Luca Gőczey (UI, Studio STOKI), Áron Fridvalszky (UX), and József Bóné (development).

Further virtual appearances of the project
ZARAH projekt’s webiste (Web)
ZARAH projekt’s weblog „Through the Lens of Women’s Work and Activism“ (Web)

Klicktipp: Lilli Koenig: Detektivarbeit im Archiv – (K)eine Königsdisziplin (Podcast)

Österreichischen Mediathek (Web): Podcast Resonanzraum

In der aktuellen Folge #29 des Podcasts Resonanzraum (Web) begeben sich Liisa Hättasch und Jasmin Hilbert auf Spurensuche ins Archiv – und halten Ausschau nach Personen, die zwar zu hören, aber nicht offiziell zu finden sind. Anhand des Beispiels der Autorin, Illustratorin und Verhaltensforscherin Lilli Koenig (1918-1994) wird beleuchtet, warum gerade Frauen in Archiven häufig unsichtbar bleiben.
Welche Person verbirgt sich hinter der Stimme, die bis vor kurzem namenlos war? Warum sind Frauen in Archiven oft unterrepräsentiert? Und wie kann dem entgegengewirkt werden?

  • Lilli Koenig: Detektivarbeit im Archiv – (K)eine Königsdisziplin (31:48 Minuten) (Web)

Lilli Koenig – Eine Stimme zwischen den Zeilen
Wenn eine Frauenstimme in einem historischen Film erklingt, ohne im Abspann aufzutauchen, wie findet man sie dann wieder? Oder anders gefragt: Wenn eine Frauenstimme durchs Archiv rauscht, aber niemand sie verschlagwortet, war sie dann wirklich da? Willkommen im Metadaten-Paradox, das zur Autorin, Illustratorin und Verhaltensforscherin Lilli Koenig geführt hat. Ihre Stimme tauchte zuerst bei der Recherche für einen Social-Media-Beitrag auf. Was als simpler Post begann, entwickelte sich bald zur detektivischen Spurensuche: Wer spricht da eigentlich über das Liebesleben der Anemonenfische?
Lilli Koenig, ausgebildet an der „Graphischen“ in Wien, war nicht nur die stille Stimme hinter der Kamera, sondern auch Jugendbuchautorin und Ko-Gründerin der Biologischen Station Wilhelminenberg, die sie 1946 mit Otto König in Wien aufbaute. Dort war sie an Verhaltensbeobachtungen sowie an der Realisierung der ÖWF-Filme beteiligt, meist ohne Anerkennung. Dass ihre Arbeit im Archiv lange unsichtbar blieb, lag weniger an ihrer Bedeutung als an Strukturen. Solche Lücken zeigen, wie sehr Archive auf Kontextarbeit angewiesen sind – ein Prozess, der nie abgeschlossen ist.
1956 ist Lilli Koenig im Archiv zum ersten Mal im Film „Verhaltensweisen junger Warzenschweine“ sowohl zu hören als auch zu sehen. Erwähnt wird nur ihr Mann Otto Koenig als Urheber, sie bleibt anonym. Continue reading

Klicktipp: Die Blattmacherinnen. Als Frauen in Redaktionen das Wort ergriffen (Online-Ausstellung)

Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB); „Ariadne“ (Web)

Soeben ist die Web-Ausstellung „Die Blattmacherinnen“ online gegangen, kuratiert von Ariadne, der frauen- und genderspezifischen Informations- und Dokumentationsstelle der Österreichischen Nationalbibliothek. Zu sehen ist die Schau bis 23.03.2026 auf der Website der ÖNB. Gestaltet wurde sie von Andrea Reisner von Andrea Gruber.

Rubriken (Web)

  • Frauen zwischen den Zeilen. Geschlecht und Journalismus um 1900
  • Bürgerliche Revolutionärin. Marie Lang und die „Dokumente der Frauen“
  • Sprachrohr der Unzufriedenen. Adelheid Popp und die „Arbeiterinnen-Zeitung“
  • Journalistin im Dienste Gottes. Hanny Brentano und die „Österreichische Frauenwelt“
  • Schreiben ohne Korsett. Fanny Burckhard und die „Wiener Mode“
  • Blattmacherinnen im Interview. 2025: Fünf Journalistinnen geben Einblick in ihre Arbeit

Sie prägten Debatten, setzten Themen und führten Redaktionen – dennoch sind ihre Namen heute kaum bekannt. Die neue Online-Ausstellung der ÖNB rückt jene Frauen ins Zentrum, die bereits um 1900 in einer männlich dominierten Medienlandschaft Redaktionen leiteten und dabei eigene journalistische Wege gingen. Anhand von Zeitungsausschnitten, Titelblättern, Dokumenten und Fotografien porträtiert diese Online-Ausstellung vier „Blattmacherinnen“, die um die Jahrhundertwende Geschichte(n) schrieben: Die bürgerliche Frauenrechtsaktivistin Marie Lang, die Sozialdemokratin Adelheid Popp, die katholische Publizistin Hanny Brentano und die Modeschriftstellerin Fanny Burckhard. Auch in die Gegenwart wird eine Brücke geschlagen: In Video-Interviews berichten fünf österreichische Journalistinnen über ihre Erfahrungen und Herausforderungen an der Spitze von Redaktionen. Weiterlesen … (Pressemeldung)

Trainings, die thematisch an die Ausstellung anknüpfen Continue reading

Klicktipp: The many futures of gender: Oral Histories of Feminist Theory (Website)

The many futures of gender: Oral Histories of Feminist Theory; Patricia Purtschert (Web)

What are the different histories of feminist theory? The project poses and reflects on this question in interviews with high-influential international academics such as Joan Wallach Scott, Donna J. Haraway or Londa Schiebinger:
Conversations are carried out with protagonists who had and have a formative influence on feminist theories. In engaging with these scholars, the projekt’s activists wish to delve deeper not only into the ideas and concepts that form the key basis of these theories but also to explore the historical contexts, the collective thinking, political practices and historical controversies that enabled them at the time. The conversations bring forth exigent questions around power, inequality and violence, intersectionality, the relation of sex, gender and sexuality, or the critique of binary thinking. The projects discusses the contributions of feminism into analyzing and challenging significant differences other than gender – such as race, class, nationality, religion, and caste. It is rooted in oral history, philosophical exchange, and feminist traditions of collective thinking. It has value for those of us interested in the history of feminist theory and in feminism as a resourceful way of challenging dominant knowledges and creating different ones. Read more … (Web)

  • Conversations (so far) with: Linda Martín Alcoff | Joan Wallach Scott | Donna J. Haraway | Margo Okazawa-Rey | Ann Laura Stoler | Londa Schiebinger | Anne Fausto Sterling | Vandana Shiva | Chandra Talpade Mohanty (Web)

About this project: We are interested in exploring the historical contexts that enabled the thinking of these pathbreaking feminist scholars at the time. We also want to find out how conversations with other feminists as well as collective strands of thinking and debating shaped the emergence of their work. In these conversations, we trace back the genealogies of thoughts and concepts that they helped to bring forth and map future paths of feminist thinking, including such that address current controversies and burning questions. The conversations bring forth exigent questions around power, inequality and violence, they tackle the relation of sex, gender and sexuality as well as the relation of sex, body and materiality. We discuss the contributions of feminism into analyzing and challenging significant differences other than gender – such as race, class, nationality, religion, and caste and the way they are entangled with each other. Read more … (Web) 

Klicktipp: Girl Pop (Sendungen/Podcast von Irmi Wutscher auf Ö1)

Ö1-Reihe Musikviertelstunde/Radiokolleg; Irmi Wutscher (Web)

Frauen dominierten 2024 die Musikcharts und räumten bei den Grammys 2025 ab. Gleichzeitig entstand eine neue Online Girl-Kultur mit Brat Summer, Barbie-Memes und Girl-Influencern, die die Popmusik beeinflusst. Girlishness, also Mädchenhaftigkeit, wurde in verschiedenen Popkultur-Epochen strategisch inszeniert, von den Spice Girls und Riot Grrrls der 1990er über Britney Spears, Beyoncé und Taylor Swift in den 2000er und 2010er Jahren bis zu den Brats von heute. „Girl“-Sein ist dabei keine feste Identität, sondern wandelbar. Die Ö1-Journalistin Irmi Wutscher erforscht in der Musikviertelstunde (je 15 Minuten) vier Jahrzehnte Girl-Kultur und deren Einfluss auf die Popkultur:

  • Riot Grrrls und Girlies: Die 1990er-Jahre (04.08.2025) (Web)
  • It’s Britney, Bitch: Die Nullerjahre (05.08.2025) (Web)
  • Empowerment und Girlbosse: Die 2010er-Jahre (06.08.2025) (Web)
  • Brat Summer und Sapphic Pop: Die 2020er-Jahre (07.08.2025) (Web)

Die Popkultur erlebt in den 1990er-Jahren ihre prominenteste Ära der Girl(ie)s. „Acting like a girl“ war eine neue Möglichkeit für Frauen in der Rockmusik, kulturelle Sichtbarkeit zu erlangen. Denn, sagt Missy-Magazine Mitgründerin Sonja Eismann: welche Zuschreibung an weiblich gelesene Personen gerade die meiste Sprengkraft entwickelt, hängt auch vom Kontext ab. Und gerade in den 1990ern (und zu einem Teil auch jetzt bei den Brat Girls) liegt eine gewisse Verweigerungshaltung gegenüber Anforderungen des Weiblich-Seins in der Selbstbezeichnung als Mädchen. Girlishness kann dabei grenzüberschreitend und feministisch sein, wie bei den Brats („Gören“) und den Riot Grrrls, aber auch den patriarchalen Status Quo zementieren, der Frauen in einer kindlichen, sexy, launischen und zahmen Rolle sieht.
Das galt für die Alternative-Welt, wo sich an der Westküste der USA mit Riot Grrrl eine Punk-Subkultur entstand. So wie das Babydoll-Kleid mit den klobigen Stiefeln wurde hier unschuldige Weiblichkeit im Auftreten mit Texten über sexuelle Gewalt oder Frauen-Unterdrückung kombiniert. Weichgespült erreichte der Girl-Trend aber auch den Mainstream, der Versatzstücke des Riot Grrrl-Punk aufgriff – ein bauchfreies Top und ein Bindi draufklatschte und als Girl Power an die Massen verkaufte.

Bücher zum Thema
Verena Bogner: Not Your Business, Babe! KiWi: 2024.
Sonja Eismann: Candy Girls. Sexismus in der Musikindustrie. Continue reading

Klicktipp: Hitler-Ludendorff-Putsch 1923: „Petras Aufzeichnungen“ von Paula Schlier (Buch, Podcast und Materialien)

Forschungsinstitut Brenner-Archiv der Univ. Innsbruck: Annette Steinsiek und Ursula A. Schneider sowie Bayerischer Rundfunk (Web)

Kennen Sie Paula Schlier? Sie war 1899 geboren worden, lebte in Bayern und hatte im Ersten Weltkrieg als Pflegerin gearbeitet. Anfang der 1920er-Jahre hatte sie bereits Zeitungsartikel gegen die NSDAPA publiziert, als sie sich in das NS-Kampfblatt „Völkischer Beobachter“ einschlich. Getarnt als Sekretärin schrieb die damals 24-Jährige auf, was sie erlebte. Dazu gehörte das Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz genau so wie der Putschversuch im November 1923 in München. Ihren tagebuchartigen Bericht über die Ereignisse veröffentlichte sie in ihrem literarischen Erstlingswerk „Petras Aufzeichnungen oder Konzept einer Jugend nach dem Diktat der Zeit“, das 1926 im Brenner-Verlag in Innsbruck erschien.
Das Buch wurde zeitgenössisch gefeiert, u.a. von Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann, als „Ausdruck einer neuen Sachlichkeit“ und Statement gegen die sich nach rechts radikalisierende Welt, 2018 wurde es neu aufgelegt. Paula Schliers Nachlass wird im Forschungsinstitut Brenner-Archiv der Univ. Innsbruck aufbewahrt. Zum 100. Jahrestag des sog. „Hitler-Putsches“ (auch „Hitler-Ludendorff-Putsches“) am 8./9.11.2023 hat der Bayerische Rundfunk einen Film und einen Podcast zu  Paula Schlier produziert. Der Podcast ist weiterhin online frei verfügbar:

Podcastreihe: „Petras Aufzeichnungen“ von Paula Lochte (auf BR2)
#Trailer „Paula sucht Paula“ (Web)
#1 Hitler-Putsch (28 Minuten) (Web)
#2 Metoo vor 100 Jahren (33 Minuten) (Web)
#3 Die Gestapo (35 Minuten) (Web)

Buch: „Petras Aufzeichnungen“ von Paula Schlier
Das Buch von 1926 wurde 2018 im Otto Müller Verlag neu aufgelegt, 2023 ist es bei BoD 2023 (Edition Quellen und Kultur 1) auch als Taschenbuch erschienen: Paula Schlier: Petras Aufzeichnungen oder Konzept einer Jugend nach dem Diktat der Zeit (Web)
Herausgegeben, kommentiert und mit einem Nachwort versehen von Annette Steinsiek und Ursula A. Schneider Continue reading