Category Archives: Topic_Frauenbewegungen

Lesung und Gespräch: Anton Schulte: tin*stories erzählen, 10.02.2023, Leipzig

Feministische Bibliothek MONAliesA (Web)

Zeit: 10.02.2023, 19.00 Uhr
Ort: MONAliesa, Bernhard-Göring-Str. 152, Leipzig-Connewitz

Beschreibung: „Trans*, inter* und nicht-binär (tin*) sind kein Trend – das zeigt ein Blick in die Geschichte. Doch leider werden Geschichten, die nicht in die weiße, cis-, endo-, heteronormative Perspektive von Geschichtsschreibung passen, viel zu selten erzählt und damit unsichtbar gemacht. Sie fehlen in der Schule, in den Lehrplänen an der Uni, im Museum und auf Stadtrundgängen.“
Der Sammelband „tin*stories. Trans | inter | nicht-binäre Geschichte(n) seit 1900“ will das anhand verschiedener Beiträge ändern. Anton Schulte hat darin einen Text veröffentlicht, der die Lebensgeschichten von zwei trans Personen aus der ersten Hälfte des 20. Jhds. in Frankfurt am Main und Wien erzählt. Im Rahmen seines Masterstudiums in „Queer History“ am Goldsmiths College in London stieß er auf die Akten von Walter H. und Ernestine W. Bei der Veranstaltung wird Anton Schulte seine Recherche vorstellen und besprechen, wie die Lebensrealität von trans und geschlechtsunkonformen Personen in einer Gesellschaft aussah, in der Abweichung von der biologistischen Geschlechtermatrix als undenkbar galt.

  • Joy Reißner und Orlando Meier-Brix (Hg.): tin*stories. Trans | inter | nicht-binäre Geschichte(n) seit 1900, Münster 2022 (Web)

Anton Schulte ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur für Geschichte der Neuzeit am Institut für Geschichte, Martin-Luther-Univ. Halle. 2014–2018: Studium der Geschichte und Politikwissenschaften an der Univ. Wien, 2018–2019: Masterstudium in Queer History am Goldsmiths College, Univ. of London.

Quelle: Facebook

CfP: Hegemonie (Momentum-Kongress 2023, 10/2023, Hallstadt); bis: 16.04.2023

Momentum-Kongress (Web)

Zeit: 19.-22.10.2023
Ort: Hallstadt
Einrichfrist: 16.04.2023

Das Generalthema 2023 ist „Hegemonie“. Im Zentrum des Austausches stehen zehn Tracks:

  1. Wer hat die Macht, unseren Planeten zu retten?
  2. Identitäten und Interessen
  3. Hegemonien verschieben
  4. Die Hegemonie der Ökonomie
  5. Hegemonie in Arbeit und Wohlfahrtsstaat
  6. Hegemonie organisieren
  7. Die Rolle der Hegemonie
  8. Hegemonie in/durch Medien
  9. Hegemonie in Bildung und Wissenschaft
  10. Was ist Kunst?

Track #1: Wer hat die Macht, unseren Planeten zu retten?

  • Gefahr erkannt, doch längst nicht gebannt: Warum werden die sehr eindeutigen Erkenntnisse und Empfehlungen der Klimaforschung nicht umgesetzt?
  • Worauf sollen wir uns konzentrieren, auf die Veränderung individuellen Verhaltens oder kollektiver Verhältnisse?
  • Welche Allianzen für Klimapolitik sollen geschmiedet, welche Gelegenheitsfenster genutzt werden – und welche besser nicht?

Track #2: Identitäten und Interessen

  • Wie wird die eigene (Geschlechts-)Identität zur Selbstverständlichkeit, wie kann das aufgebrochen werden, und was geschieht dann? Continue reading

Ausstellung: Aufsässiges Land – Streik, Protest und Eigensinn, ab 18.02.2023, St. Pölten

Sonderausstellung im Haus der Geschichte Niederösterreich (Web)

Laufzeit: 18.02.2023–21.01.2024
Ort: Museum Niederösterreich, Kulturbezirk 5, 3100 St. Pölten

Am Beispiel unterschiedlicher Protestbewegungen in Niederösterreich legt die Ausstellung dar, wie der ländliche Raum die soziale und politische Entwicklung der letzten 170 Jahre geprägt hat. Man kämpft gegen schlechte Arbeitsbedingungen, geringe Bezahlung und die Beschneidung von Rechten, aber auch gegen umweltzerstörende Maßnahmen. Die Ausstellung wirkt einer Geschichtsschreibung entgegen, die den ländlichen Raum als politisch passiv und von Entscheidungen in den Machtzentren abhängig betrachtet.
„Aufsässiges Land“ bildet ein breites politisches Spektrum sowie verschiedene Milieus mit unterschiedlichen Interessen ab: Es geht unter anderem um den „Bauernbefreier“ Hans Kudlich, um Tabakarbeiterinnen in Stein, die 1886 gegen die Entlassung einer Kollegin protestieren, um die großen Streiks der Jahrhundertwende in Neunkirchen und im Traisental, aber auch um ein widerständiges Netzwerk von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in der NS-Zeit. Zu den jüngeren Beispielen gehören einer der längsten Streiks der zweiten Republik, ausgetragen im Traiskirchner Semperit-Werk, Traktordemonstrationen gegen die Agrarpolitik der Regierung in den 1970er-Jahren und die Besetzung der Hainburger Au 1984.

Die Ausstellung wird vom Team des Hauses der Geschichte gemeinsam mit Jessica Richter vom Institut für Geschichte des ländlichen Raumes (Web) und dem Schriftsteller Martin Prinz kuratiert. Lenz Mosbacher veranschaulicht als Zeichner und Texter die historischen Ereignisse.

CfP: Mapping Gender Struggles. Geschlecht als Konfliktfeld sozialer Bewegungen der Gegenwart (Event, 11/2023, München); bis: 28.02.2023 [REMINDERIN]

Kommission Frauen- und Geschlechterforschung in der Dt. Gesellschaft für Empirische Kulturwissenschaft (DGEKW), Inst. für Empirische Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der LMU München und Frauenakademie München e. V.

Zeit: 23.-25.11.2023
Ort: München
Einreichfrist: 28.02.2023

Geschlecht scheint eine zentrale Kategorie sozialer Bewegungen der Gegenwart geworden zu sein, wenn auch auf ganz unterschiedliche Art und Weise. In feministischen sowie LGBTIQ+-Bewegungen, die in den letzten Jahren weltweit wieder zu einer wichtigen gesellschaftlichen Kraft wurden (Wichterich 2020), ist Geschlecht das zentrale Argument. Ihre Themen wie sexuelle Selbstbestimmung, Recht auf Abtreibung oder Kampf gegen sexualisierte Gewalt sind aktuell stark umkämpft und stehen global auf den politischen Agenden – nicht nur von sozialen Bewegungen, sondern auch von Regierungen. Beispiele sind die Pro-Choice-Kämpfe in Polen, Irland oder den USA, die Proteste gegen Femizide in Argentinien oder Spanien oder aber auch politische Aktionen gegen Trans- und Queer-Feindlichkeit wie in Ungarn, Saudi-Arabien oder Kenia.
Bei Bewegungen für Klimagerechtigkeit, Anti-Rassismus oder Freiheitsrechte dagegen geht es nicht primär um ein geschlechterpolitisches Anliegen, trotzdem sind auch deren Forderungen von feministischen Überzeugungen durchdrungen und vor allem werden Frauen als Führungspersonen dieser Proteste sichtbar wie noch nie (Redecker 2021). Das zeigen zum Beispiel transnationale Gruppierungen wie Fridays for Future oder Black Lives Matter, aber auch die Demokratiebewegungen in Belarus oder Chile, die Massenmobilisierung für reproduktive Rechte in Irland und Polen oder ganz aktuell die Proteste im Iran, wo die Ermordung einer jungen Kurdin der Auslöser war, die Forderungen der Akteur:innen aber letztlich auf einen Regimewechsel abzielen. Gleichzeitig formieren sich global erstarkende rechte Bewegungen in ihrer Argumentation ebenfalls entlang von Geschlecht, sowohl im … weiterlesen und Quelle (Web).

CfP: Towards a history of women’s self-defence against gender-based violence (Edited Volume); by: 15.03.2023

Simona Feci (Palermo) and Laura Schettini (Padova) – Società italiana delle storiche (SIS) (Web)

Proposals due: 15.03.2023

Male violence against women has gained increasing importance in recent decades, both in the public debate and among scholars. Historical research has analysed it since the 1970s, gradually taking into consideration the multiple dimensions and forms of violence and studying long-term continuities and changing factors. Important insights have been gained into the history of the legal legitimisation of violence, achieved through secular institutions such as the ius corrigendi, crime of honour, forced marriage by rape, the discipline of adultery, separations, and female sexuality. If at an early stage historiography worked mainly on the deep links that violence had and has with gender inequality, family order, patriarchy, more recent strands of study have considered the emotions enlisted in masculine narratives of violence (see Rizzo and L. Schettini Ed.: Maschilità e violenza di genere, Genesis XVIII, 2019, 2), the variables – of race, class and other social categories – that contribute to the construction of the category of victim, the practices of male support at the scene of violence – from the community to courtrooms, passing through public security offices and domestic space.
Many aspects of the history of male violence against women remain unexplored. In particular, the history of women’s practices of self-defence, individual and collective, organised and spontaneous, against male violence is still to be recounted. This is the topic on which the editors are opening a research project and inviting proposals for a collective book to be published in spring 2024 by Italian publisher Viella. This is a crucial history, which promises to take into consideration new elements useful for a more correct understanding of the issue.
Elsa Dorlin’s study „Self-Defense. A Philosophy of Violence“ (2022/2017) with the various historical examples supporting the author’s considerations, is an important first reference for delving into the experiences of reaction to the domination exercised over the body and lives, not only of women. Another study … read more and source (Web).

CfP: Integrating the Rural World. Economy, Society and Politics in Central and Eastern Europe, 1848–1939 (11/2023, Sibiu); by: 31.03.2023

Executive Unit for Financing Higher Education, Research, Development, and Innovation, Romania; Lucian Blaga Univ. of Sibiu; Central European Univ. Vienna; Alexandru Ioan Cuza Univ. of Iași; and Univ. of Bucharest

Time: 02.-05.11.2023
Venue: Sibiu, Romania
Proposals due: 31.03.2023

Central and Eastern Europe has a strong rural tradition, with peasants playing – oftentimes just ‘discursively’ – an important role in the economic, social, political and cultural life of local but also national communities. The constant concern of intellectuals to define the peasantry as a social actor and to understand the socio-economic or family relations within the rural world, regarded as a cultural universe in itself, has generated an extremely diverse literature, scientific and fictional alike. Superimposed on the development of modern urban-bourgeois societies, the process of nation-building led to the ‘rediscovery’ of the peasant by the political, cultural and academic elites. From a marginal and dismissive character of the process of social transformation, the peasant became in the 19th and 20th centuries the epicenter of research, a subject to be ‘examined’ and ‘mapped.’ However, approaches to the village were almost invariably ideologized: analyzed from a conservative perspective, the peasantry was placed outside modernity, in an idyllic socio-cultural universe, governed by traditions and customs; in the critical reading grid of progressive, liberal or socialist ‘realism,’ rural life was marked by an irrational resistance to the ‘new’ and by material and educational ‘backwardness,’ which allegedly condemned the village to chronic underdevelopment.
The conference aims to open a forum of reflection and debate on how national elites in Central and Eastern Europe have related to the peasantry in the process of building the modern state and a democratic political system, and the way political integration took place, by … read more and source (Web).

Lecture: Masha Bratishcheva: In the Shadow of the Great Reforms: The Invisible Women’s Agency in Russian Empire (1855-1870), 27.01.2023, Vienna and virtual space

Central European University (Vienna) (Web)

Time: Fri., 27.01.2023, 4:00–5:30 pm
Venue: Vienna and virtual space

The period of the great reforms in Russia (1855–1862) coincides with the women’s movement blossoming in Europe. Despite legal advantages and efforts of distinct activists, the history of Russian women’s movement remains scarce. With several exceptions, the principal makers of the movements are invisible in the narrative of the 19th century history. Ignorance of women’s experience and patronizing attitude from historians created a paradox: until recently, scholars prescribed men the definitive role in the formation of the feminist thought in Russia. Unlike English or American suffragists, Russians did not overstep the law; en mass, they chose a path of piecemeal inclusion of female gender in state institutions. Still, they were active, and their impact into building the post-reform society must be restored.
Masha Bratishcheva’s research balances the representation of male and female actors in the women’s movement and analyse the nature of women’s agency which was blurred and obliviated in a grand historical narrative. Instead of defining women as a supplement to the male public sphere, she proposes to explore the limits of their ability to act as independent actors on different levels of public life – on pages of the thick journals, in managing enterprises, and lobbying for the right for higher education.

  • Commentary: Johanna Gehmacher, a.o.Professor of Gender History, Univ. of Vienna

Masha Bratishcheva is a PhD student in history at the Scuola Normale Superiore in Pisa.

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CfP: Politische Emotionen im 19., 20. und 21. Jahrhundert (Event, 06/2023, Paris); bis: 15.03.2023

Julien Corbel und Charlotte Soria (Univ. Sorbonne)

Zeit: 08.-09.06.2023
Ort: Sorbonne Université, Paris
Einrichfrist: 15.03.2023

Diese Tagung fragt nach der Rolle, den Bedeutungen und den Konsequenzen politischer Emotionen bei der Bildung von sozialen Gruppen und in der Festlegung von Regeln und Werten durch bestehende Gruppen als Grundlage für ihr gemeinsames Leben im 19., 20. und 21. Jhd. Es geht also darum nachzuvollziehen, wie die Sozialgeschichte des Politischen durch unterschiedliche Aneignungsgrade politischer Emotionen geprägt wird. Während Emotionen schon ein fruchtbares und etabliertes Feld der deutschen Geschichtsforschung der Moderne darstellen, beschäftigen sich die französischen Studien, die von Gefühlen oder von kollektiven Emotionen handeln, v.a. mit der Geschichte des Mittelalters oder der Frühen Neuzeit, selten mit der der Moderne. In den Politikwissenschaften, der Soziologie, Ethnologie oder Anthropologie hat dieses Thema jedoch schon zahlreiche Arbeiten in Frankreich hervorgebracht. Diese Tagung widmet sich daher diesem spezifischen historischen Feld, indem sie durch die verschiedenen Vorträge Brücken zwischen der deutschsprachigen und der französischsprachigen Forschung schlägt und die in diesen beiden Ländern zu beobachtenden Divergenzen in der Behandlung dieses Forschungsgegenstands vergleicht.
In Form unterschiedlicher Praktiken tragen Emotionen dazu bei, Ideen zu verbreiten und zu verankern, sowie soziale Gruppen zu konturieren. Die Emotionen in der Politik, bzw. politische Emotionen insgesamt – da sie sich im breitesten Sinne auch außerhalb der politischen Sphäre zeigen – sind tatsächliche geschichtliche „Akteure“. Durch empirische Studien wollen wir die „Performativität“ der politischen Emotionen analysieren, u.a. durch die Bildung von Gruppen, die manchmal auch als vorgestellte (imagined) oder emotionale Gemeinschaften bezeichnet werden. Auch wenn Mobilisierungsstrategien zur Schaffung von Emotionen (Mittel, Ziele, Rahmung) erwähnt werden, um die rekonstruierten Emotionen zu situieren, wird unser Fokus auf der Rezeption liegen, d.h. auf den Prozess der Wahrnehmung und Aneignung der Emotionen, welche die Grundlage der sozialen Produktion des Politischen bilden. Des Weiteren … weiterlesen und Quelle (Web)

Klicktipp: Gabriella Hauch: „Die 1848erinnen“ – Frauen in der Wiener Revolution (Radioreihe „Betrifft: Geschichte“ auf Ö1)

Reihe „Betrifft: Geschichte“ mit Gabriella Hauch: „Die 1848erinnen“ – Frauen in der Wiener Revolution; Gestaltung: Isabelle Engels (Web)

Zeit: 23.-27.01.2023, 17.55 Uhr
Ort: Radiosender Ö1

In den Jahren 1848/49 erfassten mehrere Wellen von Aufständen weite Teile Europas, so auch das Kaisertum Österreich. Im Zentrum stand die Forderung nach bürgerlichen Freiheiten. Doch Frauen waren da nicht mitgemeint: Sie waren vom Staatsbürgertum und vom Wahlrecht ausgeschlossen und durften in den neuen politischen Institutionen, höchstens als Zuhörerinnen fungieren. So blieben sie auch in der liberalen 1848er-Bewegung meist auf die Rolle der Gebärenden, treuen Gefährtin oder Wohltätigen reduziert.
Doch Frauen verschiedener sozialer Schichten entwickelten diverse Strategien, um diese Revolution auch zu ihrer zu machen. So waren nicht nur Arbeiterinnen, sondern auch bürgerliche und adelige Frauen tatkräftig dabei, als im Mai 1848 Studenten rund um die Wiener Innenstadt Barrikaden gegen die angedrohte Auflösung ihrer bewaffneten Einheiten errichteten. (Kommt auch im Revolutionsstück „Freiheit in Krähwinkel“ von Johann Nestroy  vor.) Im Ausnahmezustand der Revolution wurden die Grenzen der Herkunft überschritten.
Der im August 1848 gegründete „Erste Wiener Demokratische Frauenverein“ definierte sich als explizit politischer Verein und setzte sich für die Gleichberechtigung der Frauen, das Wahlrecht und den Zugang zu Bildung und Universität ebenso ein wie für den egalitären Umgang von Frauen aller sozialer Schichten. Als die Revolution niedergeschlagen wurde, trafen Repressionen und Strafen Frauen ebenso hart wie Männer. Besonders in der Habsburgermonarchie wurde die Frauenemanzipationsbewegung radikal unterbrochen, das explizite Verbot, sich politisch zu organisieren in die Vereinsrechte geschrieben (bis 1918 gültig). Einigen „1848erinnen“ Europas gelang es in die USA zu emigrieren und sich dort weiterhin für Frauenrechte, aber auch die Rechte der schwarzen Bevölkerung einzusetzen.

CfP: Zwischen Ökonomie und Moral – Die Anti-Sklaverei-Bewegungen als transnationales Netzwerk im „langen 19. Jahrhundert“ (Event: Bochum, 11-12/2023); bis: 28.02.2023

Stefan Berger und Ole Merkel (Ruhr-Univ. Bochum), Alexandra Przyrembel und Lisa Weber (FernUniv. in Hagen) (Web)

Zeit: 29.11.-01.12.2023
Ort: Bochum
Einreichfrist: 28.02.2023

Ausgehend von Großbritannien entwickelte sich die Abschaffung der Sklaverei zu einer der drängendsten gesellschaftlichen Problemstellungen des 19. Jhds. Entgegen der geläufigen Auffassung, die Anti-Sklaverei-Bewegungen seien eine teleologische Erfolgsgeschichte gewesen, kam es – da die verschiedenen Systeme von Sklavereien mehrere Epochen, Kontinente und Ideologiegeschichten umfassen – häufig zur Abschaffung und Wiedereinführung von Sklaverei, während informelle Strukturen der Ausbeutung von „Sklav:innen“ nie völlig verschwanden. In Anlehnung an die jüngere Forschung zur Geschichte der Menschenrechte knüpft die Tagung an eine kritische, kultur-historisch ausgerichtete Kapitalismus-Geschichte an, um diese in einem ersten Schritt zu analysieren und sie mit dem Phänomen der im 19. Jhd. zentralen moralisch motivierten Bewegungen zu verbinden.
Die Abschlusskonferenz des von der Gerda-Henkel Stiftung geförderten Forschungsprojektes Zwischen Ökonomie und Moral – Die Anti-Sklaverei-Bewegungen als transnationales Netzwerk im „langen 19. Jhd.“ wird eine Plattform bieten, über die unterschiedlichen Aspekte zu diskutieren, die für die unterschiedlich motivierten Anti-Sklaverei-Bewegungen relevant waren. So soll unter anderem den aktuelleren Forschungen in der Geschichtswissenschaft Rechnung getragen wird, die belegen, dass beispielsweise die deutschen Staaten, bzw. das deutsche Kaiserreich im 19. Jhd. nicht so unbeteiligt an Profiten aus dem Sklavenhandel waren, wie lange Zeit angenommen. Neben dieser ‚deutschen‘ Sicht können und sollen aber ähnliche Strukturen, Diskurse und Praktiken aus internationaler bzw. transnationaler Perspektive verhandelt werden.
Mögliche Fragen, die auf der Tagung diskutiert werden sollen, sind folgende: In welchen konkreten Praktiken materialisierten sich Vorstellungen von Sklaverei und Anti-Sklaverei und inwieweit ergaben sich Brüche oder auch verbindende Momente entlang der Grenzen der Differenzkategorien Rasse, Klasse, Geschlecht? Weiterlesen und Quelle … (Web)