Tagung: Vergeschlechtlichung und Technik: Interdisziplinäre und feministische Perspektiven auf Lern- und Bildungsdiskurse, 19.-20.11.2026, Darmstadt

Laura Kurz, Emmy-Noether-Forschungsgruppe „Ko-Konstruktionen von Lernen und Technik. Zum Wandel von ‚Lernsubjekten‘ im 20. Jahrhundert“, Institut für Geschichte, Technische Univ. Darmstadt (Web)

Zeit: 19.-20.11.2026
Ort: Technische Univ. Darmstadt

Dass es zwischen Technologie und Vergeschlechtlichungen einen Zusammenhang gibt, ist seit allerspätestens den 1990er Jahren wissenschaftlicher Konsens. Auch ist seit dem Aufkommen von computergestütztem Lernen deutlich hervorgetreten, dass Technologie-Zugänge und -Vertrautheit (bzw. der Mangel dieser), gesellschaftshistorisch gewachsene Rituale wie die Vergeschlechtlichung technischer Skills und Nutzungspraktiken sowie der ideologische Betrachtungswinkel der Technik selbst allesamt Ungleichheiten (re-)produzieren können.
Mit dem Sputnik-Schock tritt der Computer als potenzieller Teil der schulischen und universitären Bildung erstmals auf den Plan, wenn auch in geringer Auflage. Vom schulischen EDV-Unterricht bis hin zu Universitäten verbreiten sich Computer ab den späten 1970er Jahren inkrementell und werden ein zunehmend wichtigeres, heute schwer wegzudenkendes Werkzeug. Über die Nachkriegsgeschichte hinweg entstehen im deutschsprachigen Raum verschiedene bildungs- und technikbezogene Diskurse wie das „katholische Arbeitermädchen vom Lande“ oder die „weibliche Technikangst“. Diese Diskurse bringen bestimmte Narrative in Bezug auf Geschlecht, Bildung und Lernerfahrung sowie Technik hervor, die in (Pfad-)Abhängigkeiten zu zukünftigen politischen und Bildungsmaßnahmen führen. Gleichzeitig bestimmen jene Dynamiken, Relationen und Diskurse die Wahrnehmung dessen, was unter Bildung, Technik, Geschlecht und Lernen verstanden wird. Verschiedene Akteur:innen spielen dabei eine Rolle in der Art und Weise und dem Umfang der Verbreitung von Technologien. Als Akteur:innen sind Schulen, Kommunen, Ministerien, Politiker:innen, Bürger:innen-, Schüler:innen- und Student:inneninitiativen und -proteste, Computerhersteller und nicht zuletzt Forschende und Forschungsgruppen an auf das Lernen bezogenen Technologie-Diskursen beteiligt. Sie produzieren dabei Narrative, die beeinflussen, in welcher Art und Weise über Technik, Geschlecht und Wissen(spraktiken) diskutiert wird.
Die Tagung zielt thematisch auf die Ko-Konstruktion vergeschlechtlichter Continue reading

CfP: Geschlechter und Geschlecht. Heraldik, Genealogie und Gender vom 15. bis 21. Jahrhundert (06/2027, Würzburg); bis: 31.10.2026

Forschungsatelier des interdisziplinären Forschungsnetzwerks „Geschlecht · Macht · Staat“ (Web); Lea Reiff (Deutsche Philologie, Julius-Maximilians-Univ. Würzburg) (Web) und Sigrid Ruby (Kunstgeschichte, Justus Liebig Univ. Gießen) (Web)

Zeit: 17.-18.06.2027
Ort: Würzburg
Einreichfrist: 31.10.2026

Bei der Repräsentation und Legitimation dynastisch strukturierter Herrschaft spielt das multimediale und multimodale Zusammenspiel verschiedener Zeichensysteme eine zentrale Rolle. Zu diesen gehört auch und insbesondere das der Heraldik. Wappen und andere heraldische Zeichen können abwesende Körper und Geschlechter sowohl bezeichnen als auch vergegenwärtigen, genealogisch verankern und konkretisieren, zueinander in Beziehung setzen und verbinden. Insofern heraldische Zeichen der Medialisierung eines „transkörperliche[n] Erbrecht[s]“ (Belting 2001, 121) dienen, geben sie der genealogischen Ordnung sichtbare Gestalt. Auf Schriftdokumenten, Bildern und kunsthandwerklichen Artefakten ebenso wie auf Gebrauchsgegenständen, in der Architektur und literarischen Texten kennzeichnen, umreißen und ordnen sie familiäre bzw. dynastische Herrschaftsräume. Heraldische Zeichen und bildhafte Porträts verweisen „kontrapunktisch aufeinander, wenn sie beide Male ein und dieselbe Person bezeug[en]“ (Belting 2001, 122; siehe dazu auch Schmidt-Voges 2026). Diese Person ist der leibhaftige ‚body natural‘ als temporärer Träger des Erbrechts, der mit einem fortdauernden Familienverband bzw. ‚body politic‘ verbunden ist. Heraldische Logiken können auch die relative Positionierung von Körpern im Raum bedingen und somit die Stände-, Geschlechter- und Genderordnung (de)stabilisieren. Infolge ihrer grundsätzlichen Mobilität verfügen heraldische Zeichen und Symbole über keinen primären Kontext. Sie können sich aber aus den ursprünglichen historischen Bezügen lösen und – gemeinsam mit den genealogischen Legitimationsmustern, mit denen sie korrespondieren – ein reiches, transmediales Nachleben führen, das sich von der Theaterbühne über den Roman bis zu Film- und Serienproduktionen der Gegenwart erstreckt (zur mittelalterlichen Literatur sowie allg. zur „literarischen Heraldik“ bzw. zu einem „heraldischen Code“ s. Hoder 2025; zu einzelnen Filmen und Serien des 20. und 21. Jh. siehe beispielhaft Birkle/Hergenhan 2026; Reiff 2026, 220–224).
Fragen der Repräsentation, Körperlichkeit und Medialität im Continue reading

Klicktipp: Frauen. Macht. Widerstand. Vier Länder, vier Perspektiven (Zeitungsbeiträge)

Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation (VIDC) und Salzburger Nachrichten (SN)

Das VIDC und die SN haben im Sommer 2026 die Serie „Frauen.Macht.Widerstand“ veröffentlicht. Darin richten vier Autorinnen den Blick auf Frauen, die sich gegen Unterdrückung, Gewalt und strukturelle Ungleichheit zur Wehr setzen – im Iran, in Afghanistan, Syrien und Kenia. Die Texte sind mit einem SN-Digitalabo – und auf der Website des VIDC vidc.org – frei zugänglich (siehe unten). VIDC dankt den SN für die Bereitstellung.

Daniela Sepehri: Der Widerstand im Iran ist nicht verstummt
Die Protestbewegung „Frau, Leben, Freiheit“ hat sich von den Straßen in den Alltag verlagert. Trotz tausender Todesopfer, Massenverhaftungen und der längsten landesweiten Internetabschaltung der Geschichte hält der Widerstand gegen die Islamische Republik an. Weiterlesen … (Web)

Nazila Jamshidi: Wie die Taliban die Rechte der Frauen zerschlugen
Afghanistan ist zu einem der extremsten Beispiele für die systematische Ausgrenzung von Frauen und Mädchen aus dem öffentlichen Leben geworden. Die Weltöffentlichkeit schaut tatenlos zu. Weiterlesen … (Web)

Simav Hasan: Die Fähre nach Damaskus befördert noch immer Patienten
Der Sturz der Assad-Regierung 2025 brachte auch für die unterdrückten kurdisch geprägten Regionen in Syrien neue Hoffnung. Über Krankheit, Verlust und die Frage, ob der politische Wandel im Alltag der Menschen ankommt. Weiterlesen … (Web)

Leah Aoko Kanyangi: Hinter jeder Zahl steht ein verlorenes Leben
Kenia verzeichnet seit Jahren eine hohe Zahl von Femiziden. Eine von der Regierung eingesetzte Arbeitsgruppe hat nun Reformvorschläge vorgelegt, die den Schutz von Betroffenen stärken sollen. Weiterlesen … (Web)

Quelle: VIDC-Instituts-Newsletter

CfP: Women Between Nation and Emancipation: Voluntary Associations in Multi-ethnic Societies at the Turn of the Twentieth Century (03/2027, Ljubljana); by: 30.11.2026

Institute for Ethnic Studies; Ljubljana (Web)

Time: 10.-11.03.2027
Venue: Ljubljana
Proposals by: 30.11.2026

The “long nineteenth century” witnessed many transformative developments that shaped modern Europe, among which the rise of nationalism and the emergence of women’s emancipation movements were particularly significant. Although often studied separately, these processes were deeply interconnected. Across Europe, women participated actively in national movements and in a wide range of voluntary associations, including cultural, educational, charitable, and national organisations. These associations provided important spaces for civic engagement, sociability, and public action, while also contributing to the strengthening of national communities. In many cases, engagement in national activism provided women with one of their first opportunities for public participation, important organisational responsibilities, and political action.
At the same time, the relationship between nationalism and women’s emancipation was complex and often contradictory. National movements opened new spaces for female agency while simultaneously assigning women specific roles as cultural transmitters, educators, guardians of national traditions, and symbolic representatives of the nation. Women thus occupied a unique position at the intersection of national, social, and political transformation.
This international conference seeks to explore the diverse ways in which women contributed to the construction of national communities and how participation in national movements and voluntary associations became key arenas for social, political, and cultural emancipation. Particular attention will be devoted to associations as spaces of mobilisation, political socialisation, education, and public engagement, where women acquired organisational experience, built social networks, and negotiated their place within emerging national communities. The conference will also explore borderlands, multilingual environments, and multinational societies, where national competition, cultural exchange, and social change created distinctive opportunities and challenges for women’s public engagement. Read more … (PDF)

Source: Facebook: Gender History of Central and Eastern Europe’s page

Vortrag und Diskussion: Simona Isler und Ruth Ammann: Die Frauenbewegung in der Schweiz – eine andere Geschichte?, 21.09.2026, Wien

Frauenhetz (Web) in Koop. mit STICHWORT – Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung

Zeit: Mo., 21.09.2026, 18:00 Uhr
Ort: Frauenhetz, Untere Weißgerberstr. 41, 1030 Wien

Die Schweiz ist in Sachen Frauenrechten oft ein Schlusslicht in Europa, frau denke nur an die verspätete Einführung des Frauenstimmrechts im Jahr 1971. Gleichzeitig war und ist die Frauenbewegung von beeindruckender Stärke, wie die Frauenstreiks 1991 und 2019 mit je einer halben Million Teilnehmerinnen zeigen. Was macht die Frauenbewegung in der Schweiz aus? Die Vortragenden werfen Schlaglichter auf fünf historische Schlüsselmomente in der 150-jährigen Geschichte der modernen Frauenbewegung und laden zur Diskussion über Ähnlichkeiten und Unterschiede.

Programm

  • Einleitende Worte von Marlene Streeruwitz
  • Vortrag von Simona Isler und Ruth Ammann
  • Moderation von Birge Krondorfer

Simona Isler (*1982), Historikerin, Mutter von zwei Kindern, Co-Direktorin des Gosteli-Archivs zur Geschichte schweizerischer Frauenbewegungen.

Ruth Ammann (*1977), Historikerin, Mutter von zwei Kindern, Redakteurin beim Historischen Lexikon der Schweiz (HLS).

Die Veranstaltung ist für Frauen*

Conference: Divided in Partitions, United in Demands? Women’s Movements in the Habsburg, Prussian and Russian Partition Areas in the 19th and 20th Centuries, 17.-19.09.2026, Warsaw

Paula Lange (Univ. of Vienna) (Web) and Michael Zok (German Historical Institute Warsaw – GHI Warsaw) (Web)

Time: 17.-19.09.2026
Venue: GHI Warsaw and Univ. of Warsaw

Programme (PDF)(Web)

Panels: Crossing Borders in Pursuit of Knowledge | Transfer and Exchange of Knowledge | Activism and its Significant Others | Cross-border Engagement | Widening the Gap: Broader Perspectives

Keynote: Natalie Cornett (Montreal): Gender, Nation, and Religion: Was There a Winning Combination to Women’s Emancipation?

From the mid-19th century onward, women’s associations of all nationalities began forming in the Habsburg, Prussian and Russian Empires. Polish women’s activism was particularly divided by the three partitions which also had their own imperial and national logics influencing the agency of women in the given territory. Political activism was affected by increasing female working power and expanding educational opportunities for women in the second half of the 19th century. Women following socialist and egalitarian ideas organized themselves just as bourgeois women did. Activism was influenced by factors such as class, religious affiliation and ethnicity. Some associations explicitly advocated for women’s suffrage, while others were mainly involved in charitable causes. Many associations were committed to improving educational opportunities and working conditions for women and girls. Some associations also explicitly campaigned for improvement in the areas of maternity protection, sexual reform or moral issues. This activism was often connected to processes of industrialization and migration of women to newly-built factories and growing cities, but women organized themselves also in rural areas.
To date, research on Polish and other women’s movements in the three partitioned areas has mainly focused on individual associations and activists. This research often remains within the context of national history, situated solely within the given imperial context. Read more … (Web)

CfP: Konsum und Individuation. Zur Herausbildung konsumgesellschaftlicher Subjektformen (Publikation); bis: 15.10.2026

WerkstattGeschichte; Dirk Schuck, Elisabeth Weiß-Sinn und Fabian Zimmer (Web)

Einreichfrist: 15.10.2026

Dass sich Menschen in westlichen Gesellschaften der Gegenwart über ihre Konsumpraktiken als Individuen erfahren, entwerfen und darstellen, ist historisch verhältnismäßig jung. Die enge Kopplung von Konsumhandeln und individueller Selbstwerdung ist keine anthropologische Konstante, sondern das Ergebnis spezifischer sozialer, ökonomischer und diskursiver Konstellationen. Wie es dazu kam, dass Konsum zu einem zentralen Medium der Subjektbildung wurde – mit welchen Deutungsmustern, in welchen Ungleichheitsverhältnissen, gegen welche Widerstände –, ist die Leitfrage des geplanten Themenhefts.
Das Heft rückt die historische Herausbildung konsumgesellschaftlicher Subjektformen ins Zentrum. „Individuation“ verstehen wir dabei nicht als Synonym für die soziologische Individualisierungs-Diagnose Ulrich Becks oder für Prozesse der Ausdifferenzierung eines vorgängigen „Selbst“, sondern als analytischen Begriff für die psychosoziale Herausbildung von Selbstverhältnissen in ihrem historischen und (konsum-)gesellschaftlichen Kontext. Zugleich fragt das Heft nach den historischen Wissensbeständen selbst – nach zeitgenössischen Vorstellungen von „Selbst“, „Persönlichkeit“, „Geschmack“ oder „Freiheit“, die diese Verschränkung begleiten, legitimieren oder kritisieren. Methodisch verbindet das Heft dazu Praxis-, Wahrnehmungs- und Begriffsgeschichte.

Drei ineinander verwobene Dimensionen strukturieren dieses Programm:
Konsum als Praxis der Subjektivierung. Wie wurden Individuen im Vollzug des Kaufens, Besitzens und Gebrauchens von Waren zu Subjekten spezifischer Art – zu Eigentümer:innen, Bürger:innen, Konsumentinnen, Sich-Selbst-Verwirklichenden? Welche Handlungsspielräume eröffneten sich, welche wurden zugleich verschlossen?
Wahrnehmungs- und Begriffsgeschichte des Konsums. Welche Semantiken – Komfort, Behaglichkeit, Geschmack, Bedürfnis, Luxus, Authentizität – begleiteten die Verankerung des Konsums im Selbstverhältnis moderner Subjekte? Welche neuen Regime des Sehens, Fühlens, Genießens und Vergleichens entstanden mit ihm? Wie wurden Wahrnehmungsroutinen des Konsums selbst zu Trägern von Individuation? Continue reading

CfP: Kämpfe um Demokratie – Geschlechterforschung als Demokratieforschung (Publikation); bis: 18.10.2026

GENDER. Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft; Christina Brüning, Funda Hülagü, Mike Laufenberg, Johanna Leinius und Inga Nüthen (Web)

Einreichfrist: 18.10.2026

Analysen zum Zustand der liberalen repräsentativen Demokratie diagnostizieren seit längerem eine tiefgreifende Krise. Spätestens seit dem unübersehbaren Aufstieg rechts-autoritärer Kräfte wird zivilgesellschaftlich und institutionell zum Schutz der Demokratie aufgerufen. Das wirft aus der Perspektive einer (intersektionalen) Geschlechterforschung die Frage auf: Was bedeutet eigentlich in welchen Kontexten Demokratie?
Für das Sonderheft der Zeitschrift GENDER werden theoriefokussierte und empirische Beiträge zu diesen Fragen gesucht. Weiterlesen … (PDF)

Quelle: HSozKult (Web)

Klicktipp: Girl Pop: Sendungen von Irmi Wutscher auf Ö1 (Podcast)

Ö1-Reihe Radiokolleg; Irmi Wutscher (Web)

Frauen dominierten 2024 die Musikcharts und räumten bei den Grammys 2025 ab. Gleichzeitig entstand eine neue Online Girl-Kultur mit Brat Summer, Barbie-Memes und Girl-Influencern, die die Popmusik beeinflusst. Girlishness, also Mädchenhaftigkeit, wurde in verschiedenen Popkultur-Epochen strategisch inszeniert, von den Spice Girls und Riot Grrrls der 1990er über Britney Spears, Beyoncé und Taylor Swift in den 2000er und 2010er Jahren bis zu den Brats von heute. „Girl“-Sein ist dabei keine feste Identität, sondern wandelbar. Die Ö1-Journalistin Irmi Wutscher erforscht in der Reihe „Musikviertelstunde“ vier Jahrzehnte Girl-Kultur und deren Einfluss auf die Popkultur:

Sendungen (je 15 Minuten)

  • Riot Grrrls und Girlies: Die 1990er-Jahre (31.08.2026) (Web)
  • It’s Britney, Bitch: Die Nullerjahre (01.09.2026) (Web)
  • Empowerment und Girlbosse: Die 2010er-Jahre (02.09.2026) (Web)
  • Brat Summer und Sapphic Pop: Die 2020er-Jahre (03.09.2026) (Web)

Hinweis
Die Beiträge wurden als Wiederholung von Sommer 2025 ab Ende August 2026 wieder ausgestrahlt und sind zeitlich begrenzt online verfübar.

Die Popkultur erlebt in den 1990er-Jahren ihre prominenteste Ära der Girl(ie)s. „Acting like a girl“ war eine neue Möglichkeit für Frauen in der Rockmusik, kulturelle Sichtbarkeit zu erlangen. Denn, sagt Missy-Magazine Mitgründerin Sonja Eismann: welche Zuschreibung an weiblich gelesene Personen gerade die meiste Sprengkraft entwickelt, hängt auch vom Kontext ab. Und gerade in den 1990ern (und zu einem Teil auch jetzt bei den Brat Girls) liegt eine gewisse Verweigerungshaltung gegenüber Anforderungen des Weiblich-Seins in der Selbstbezeichnung als Mädchen. Girlishness kann dabei grenzüberschreitend und feministisch sein, wie bei den Brats („Gören“) und den Riot Grrrls, aber auch den patriarchalen Status Quo zementieren, der Frauen in einer kindlichen, sexy, launischen und zahmen Rolle sieht.
Das galt für die Alternative-Welt, wo sich an der Westküste der USA mit Riot Grrrl eine Punk-Subkultur entstand. So wie das Babydoll-Kleid mit den klobigen Stiefeln wurde hier unschuldige Weiblichkeit im Auftreten mit Texten über sexuelle Gewalt oder Frauen-Unterdrückung kombiniert. Weichgespült erreichte der Girl-Trend aber auch den Mainstream, der Versatzstücke des Riot Grrrl-Punk aufgriff – ein bauchfreies Top und ein Bindi draufklatschte und als Girl Power an die Massen verkaufte.

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Buchpräsentation: Eveline List: Zwischen Psychoanalyse und Sozialismus: Über Margarethe Hilferding-Hönigsberg, 24.09.2026, Wien

Frauenstudienzirkel (Web)

Zeit: Do., 24.09.2026, 18 Uhr
Ort: ega – Frauen im Zentrum, Windmühlg. 26, 1060 Wien
Anmeldung: mauerhofer@chello.at

Margarethe Hönigsberg, geboren 1871, entstammte dem jüdischen Großbürgertum und der Tradition der 1848er Revolution. Früh in der Frauenbewegung aktiv, absolvierte sie als erste Frau in Wien ein Medizinstudium und heiratete den austromarxistischen Ökonomen Rudolf Hilferding. Nach Jahren in Berlin kehrte sie nach Wien zurück und arbeitete als Ärztin im Arbeiterbezirk Favoriten.
Sie wurde erstes weibliches Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung und verfasste eine bahnbrechende Arbeit zu „Grundlagen der Mutterliebe“ und zur frühesten infantilen Entwicklung. Im Roten Wien war sie als Sozialmedizinerin und Frauenärztin maßgeblich im Kampf um Geburtenkontrolle und die Entkriminalisierung der Abtreibung aktiv. 1934 wurde sie vom austrofaschistischen Regime als sozialdemokratische Funktionärin verhaftet, 1942 von den Nationalsozialisten nach Theresienstadt deportiert und in Treblinka ermordet.

  • Eveline List: Zwischen Psychoanalyse und Sozialismus. Die Frauenärztin Margarethe Hilferding-Hönigsberg, Wien 2026 (Web)

Der Mandelbaum-Verlag wird mit Büchern präsent sein.

Eveline List ist Psychoanalytikerin und war Professorin für Geschichte an der Univ. Wien. Sie ist Lehranalytikerin der International Psychoanalytical Association und hat sich auf die Forschung und Praxis in diesem Bereich spezialisiert. Ihre Arbeit umfasst die Analyse von historischen und psychologischen Aspekten, die in ihrem Buch „Zwischen Psychoanalyse und Sozialismus“ behandelt werden.

Quelle: Frauenstudienzirkel