Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH); Professur „Geschichte der Gegenwart“, Historisches Seminars, Univ. Siegen (Web)
Zeit: 22.-23.04.2027
Ort: Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg
Einreichfrist: 20.07.2026
Freizeit ist ein umkämpftes Terrain. Das gilt nicht erst seit den 1990er Jahren als etwa Helmut Kohl forderte, Deutschland dürfe kein „kollektiver Freizeitpark“ werden, oder erst seit der Rede über „Lifestyle-Teilzeit“. Bereits seit dem ausgehenden 19. Jhd. nahmen die Versuche zu, die nach und nach vermehrt freigesetzte Zeit zu reglementieren und zu gestalten. Darin war Freizeit zunächst eng an ihr Komplement – Arbeit – gebunden und blieb auch stets auf dieses Verhältnis bezogen. Im Verlauf des 20. Jhds. stand jedoch die Reproduktion der Arbeitskraft bald nicht mehr allein im Zentrum der ihr zugeschriebenen Funktionen. Vielmehr wurde Freizeit nun verstärkt als eigenständig relevant für kollektive wie individuelle Lebensqualität und als Chance zur Persönlichkeitsentfaltung verstanden. Freizeit, so eine These des Workshops, wurde auf diese Weise zu einem zentralen Ort der Genese, Aushandlung und Transformation der sozialen Ordnung.
In der zweiten Hälfte des 20. Jhds. war Freizeit folglich ein zentraler Teil und Gegenstand so divergierender Felder wie etwa der Konsumkultur und Warenästhetik, raum-, städte- und landschaftsplanerischer Prozesse, politischer und wissenschaftlicher Debatten, aber auch sich wandelnder Selbstverhältnisse und Körperpraktiken. Kurzum, Freizeit durchdrang zunehmend alle Lebensbereiche – sogar die Arbeit selbst. Das gilt im Allgemeinen sowohl für die sozialistischen als auch liberal-kapitalistischen Staaten Europas.
Der Workshop nutzt Freizeit in diesem umfassenden Sinne als Sonde, um die zweite Hälfte des 20. Jhds. in der deutschen sowie europäischen Geschichte zu vermessen. Diese Perspektive vermag es, Ambivalenzen und Widersprüche der in der zeithistorischen Forschung ausgemachten Zäsuren der jüngsten Vergangenheit sichtbar zu machen. In den 1950er Jahren war die reale Zunahme der Freizeit sowie ihre Antizipation im Automatisierungsdiskurs sowohl begleitet von einer kulturpessimistischen Kritik als auch einer technoutopischen Hoffnung der Befreiung von Arbeit. Einen derart hohen Zuwachs, wie mitunter erwartet, erfuhr Freizeit indes seit … weiterlesen und Quelle (Web)
Quelle: HSozKult (Web)

Fem*Fém 72
Journal of Avant-Garde Studies (JAGS, Brill), Open Issue; Éva Forgács, Benedikt Hjartarson, Cecilia Novero, and Sami Sjöberg